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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Vr. Bwch« Vochrnsthryt Sr. 15 Seite 300 Wenn das Tagwerk vollbracht ist, dann sollst Du, Geliebte, Deine Leier stimmen. Deinem Gesänge mich lauschen lassen", sagte er, den strahlenden Blick, mit dem sie das prachtvolle Inj strnment streifte, gewahrend. Dasselbe scheint ihr lockend entgegen j zu winken; sie öffnet es und schlägt einige Accorde an. I Ueberrascht und entzückt von dem herrlichen Klange beginnt sie zu stngeu und wieder ist es Agathens Gebet, welches in silberhellen, glockenreinen Tönen emporsteigt zu dem sternenflimmernden Himmelsdache und in den schönen Augen des ernsten Mannes Thränen der Wonne und des Glückes hervorruft; er schämt sich der Thränen nicht und als der letzte Ton verklungen ist, Preßt er sein junges Weib fest an sein Herz und bedeckt den süßen Atund der holden Sängerin mit glühenden Küssen. 4- * * Jahre sind wieder vergangen. In der tleinen rebenumsponnenen Billa zu B. waltet Cornelie, der gute Engel ihres Mannes, die' zärtlichste Mutter ihres Kindes, die anmuthigste. sorgsamste Hausfrau, die liebreiche allzeit hilfsbereite Wohlthäterin der Armen und Kranken. Mit dem bildschönen Knaben im Arme, von der Mutterwürde verklärt, dem sie erfüllenden Glücke verschönt, erscheint sie ihrem sie vergötternden Manne als das Urbild einer Raphael'schen Madonna. Vermöge ihrer hinreißenden Liebenswürdigkeit, ihrer Klugheit und Bescheidenheit hat sie sich im Fluge zahlreiche Herzen zu gewinnen gewußt; die alten ergrauten Professoren behaupten, an ihrer Wiege haben gütige Feen gestanden, deren eine sie zum Lieblinge der Menschen prädestinirt habe; die Frauen der Profefforen gönnen ihr neidlos die Bewunderung ihrer Männer und erweisen Liebe und Güte. Die jugendlichen Hörer ihres Mannes beten sie an und schwören „bei der herrlichen Stimme von Frau Professor Seefeld!" Alljährlich zur Sommerszeit beherbergt die kleine Villa liebe Gäste, die Freunde aus P., welche sich des Glückes, das Cornelie ihrem Manne bereitet, des Glückes, das sie an seiner Seite gefunden, erfreuen. Corneliens Stimme ist für die Oeffeutlichkeit verstummt; wenn es jedoch gilt zu helfen, Noth und Elend zu lindern, dann stellt sie stets ihre Stimme in den Dienst der guten Sache. An manchem Leidenslager ertönt gar oft ein süß beruhigendes, mild tröstendes Lied von ihren schönen Lippen, und der leise gestammelte Dank, die Thräne der Rührung däucht ihr unvergleichlich köstlicher als der täuschendste Beifall. An jedem Abende, ob Winter, ob Sommer, lauschten die Nachbarn begeistert den wunderbaren Tönen, welche aus der ftiedlichen Heimat glücklicher Menschen hinausschallen in die dunkle Nacht; Cornelie gibt ihr Schönstes und Bestes, wenn der geliebte Mann ihr einziger Zuhörer ist. Das wolkenlose Glück, welches Professor Seefeld so spät noch, nach Kämpfen und Entsagen, sich errungen, hat seinen ernsten geistvollen Zügen den Stempel reinster Befriedigung aufgedrückt. Ob er wohl zuweilen seine zweite Frau mit der ersten vergleicht? Wer weiß es? Einmal hat Cornelie ihn leise und zögernd geftagt, was denn seine erste Ehe so unglücklich gestaltet hatte und er antwortete : „Bianca fehlte, was Du in überreichem Maße besitzest, sie hatte kein Herz!" Literatur. Herr Josef Plohn, Religionslehrer der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, hat seine beim Vortrage benützten praktischen Erklärungen und Beispiele für den Religionsunterricht der Volks- und Bürgerschuljugend als ein apartes Büchlein unter dem Titel: „M aterialien für den Religionsunterricht" im Druck erscheinen laffen, und machen wir hiermit die Herren Lehrer auf das schätzbare, durch schlichten, Endlichen Stil und zweckmäßige Behandlung des religiösen Stoffes sich kennzeichnenden Merkchens ganz besonders aufmerksam. Dasselbe ist zum Preise von 30 kr. vom Verfasser (Wien, 1L, Rothe Sterngaffe Nr. 16) zu beziehen. Briefkasten. Oscar W. Der 5. Juli 1885 war Sonntag der 22. Tamus 5645. K—d G—v, Wien. Das ist eine ebenso faustdicke Lüge, wie sie im ersten Processe Zola über Picquart verbreitet wurde. Weder dieser noch der Präsident der Cassations-Verhandlung, L ö w, war jemals Jude oder stammt von Juden ab. Löw ist vielmehr der Sproß einer alten elsässischen Arier-Familie, während Picquart selbst von Zola als Antisemit bezeichnet wurde. Hermann F-r, Wien. Der Bericht des genannten Blattes über den neuesten Freund und Mithelfer Deckert's, Iudawits von Süle lm e d, entspricht allerdings den Thatsachen, nur legt man dem Manne eine zu große Bedeutung bei. Er ist ein ganz armseliger Schwindler, der auch bei uns vorgesprochen hat, jedoch sofort als Abenteurer erkannt wurde. Th. W -i. Ernst Vergani ärgert sich in einem Leitartikel über den Berichtigungsparagraphen. Das hat seine guten Gründe. Der arme Mann wird fast in jeder Nummer gezwungen, ein oder zwei Lügen zu widerrufen. Das kann auch das sanfteste Gemüth' in Wallung bringen. Die Herren Antisemiten sind nur Freunde des Hinschießens; das Herschießen ist ihnen höchst unangenehm. F. H—n, Wien. Herr Lueger verbringt seine Erholungstage niit Vorliebe im Angesichte des blauen Meeres — einmal an der Riviera, ein anderes Mal in Triest. Es geht doch nichts über eine poetische Natur, die für das Erhabene schwärmt! In Triest hat man dem edlen Manne allerdings vor seinem Hotel „zum schwarzen Adler" eine Katzenmusik gebracht. Die Triestiner Bevölkerung ist eben für die culturelleu Segnungen des Wiener Antisemitismus noch nicht reif. Herr Lueger wird sich für sein Mißgeschick beim „schwarzen Adler" bei der „blauen Flasche" in Neulerchenfeld schadlos halten. Dort versteht man sein Sehnen und Verlangen ganz. I. K. in Amsterdam. Artikel willkommen. Auf eineAnfrage, betreffend die Frau Baronin, bemerken wir, daß wir anonyme Zuschriften nicht berücksichtigen. B. K. 90. Der genannte General ist Jude und zählt zu den Mitgliedern der Pariser Gemeinde. „Das neuartige Kochgeschirr" der Patentinhaber Brüder Wohl, Wien, VI., Mittelgasse 22, hat sich zufolge der großen Vortheile in weitesten Kreisen eingeführt und beweisen viele Hunderte Anerkennungen den praktischen Werth desselben. Beim Einkäufe verlange man ausdrücklich „Brüder Wvhl's neuartiges Kochgeschirr" mit Marke „B. W.", da es bereits plumpe und werthlose Nachahmungen gibt. Aufruf l Edle Glaubensgenossen. Seit langen Jahren existirt in Jerusalem das allgemeine Hospital „Misgab-Ladach", welches unentgeltlich allen Israeliten des heil. Landes, ,.o h n e Unterschied d e r Nationalität und d e s R i t u s, offen steht. Die Nothwendigkeit dieses Spitals nimmt im Verhältnisse zur Einwohnerzahl immer zu, so, daß die Vorsteher, von der Noth gedrängt, sich gezwungen sahen,. noch ein Stockwerk über das Hospital zu erbauen. Ein großer Theil dieses Anbaues ist bereits fertig, der Rest jedoch mußte wegen Mangels an materieller Mittel vorläufig eingestellt werden. Außerdem ist auch das Spital in große Schulden gerathen, so daß dessen Fortbestand wegen dringender Zahlung seiner Schulden und Anwachsen der Ausgaben bedroht ist. Das Eingehen, Gott behüte, wäre das größte Unglück für alle israelitischen Bewohner Jerusalems, denn dieses Spital ist die sicherste' Heil- und Zufluchtsstätte aller armer Juden in Zion. Dazu ist noch in dieser Zeit die christliche Mission überall und mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften bemüht, die armen Juden in ihre Netze zu fangen. Darf nun eine solche jüdische Anstalt eingehen?? Theuere Brüder und Schwestern! Erbarmet Euch! Erbarmet Euch der Tausende Euerer kranken Glaubensgenossen in der heiligen Stadt! Traget Euer Scherflein bei zu dieser heiligen Anstalt. Jede milde Gabe, ob groß oder klein, wird mit Dank entgegengenommen und als ein Stein in diesem Gnadentempel eingemanert werden. Der liebe Gott wird selbst den kleinsten Spender seinen reichsten Segen verleihen. Allgemeines israelittsches Hospital „Misgab-Ladach" Jerusalem. I. S. Elyaschar, Oberrabbiner von Palästina in Jerusalem. Für eine Spende von 1000 Francs wird ein Kranken-Zimmer Len Namen des Spenders tragen. Edlen Menschenfreunden odtr kinderlosen Ehepaaren wird ein reizend schönes, liebes Mädchen, 3 Jahre alt, gänzlich verwaist, ans guter jüdischer Familie zur Adoptirung empfohlen; Adresse zu erfahren in der Redaction dieses Blattes RlirhhnltPir ua^ deutscher Correspondent, gesetzten alvAL Alters, äusserst vertrauenswürdig, mit besten Referenzen, sucht hier oder in der Provinz per sofort Stellung. Gefällige Anträge unter „S. B.“ IX., Porzeilang. 26, II. St., Th. 9. Herausgeber n. veraatw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderftr. 46,

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