Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 15 (15.4.1898)
- Date
- 1898-04-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 292 Vr. Bloch'» WochrnschrM Rr. 15 Tode wurde Josef, Sohn Abrahams Kolomankisch zum böhmischen Landesrabbiner ernannt. Vll. Aron Simon Spira. Rabbi Aron Simon Spira, Sohn des Rabbi Wolf Spira, der dreißig Jahre lang das Amt eines Rabbinats-Affeffors in Prag bekleidet hatte, wurde im Jahre 1600 in Prag geboren. Er studirte daselbst mit heißem Bemühen den Talmud und die rabbiuischen Wiffenschaften, auf welchem Gebiete er solch' glänzende Fortschritte gemacht, daß er in den großen Gemeinden zu Frankfurt, Ärnberg, Lublin, Krakau und Wien das Amt eines Rabbiners höchst würdevoll bekleidete. Im Jahre 1640 wurde er von seiner Vaterstadt Prag zum Oberrabbiner und gleichzeitig von den Provinzialgemeinden zum böhmischen Landesrabbiner ernannt, welche Aemter er bis zu seinem am 3. December 1679 erfolgten Tode inne hatte. Er hatte oft, so berichtet Hock, Verfolgungen zu erleiden, und soll sogar einer Einkerkerung mit genauer Noth entgangen sein, bis er endlich von Kaiser Leopold einen Freibrief erhielt, der mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Auch hatte er einst einen Streit mit einigen talmudisch gebildeten Gegnern wegen inoculirte Esrogim, deren Gebrauch er nicht gestatten wollte, und zu deren Erlaubnis sie den berühmten Rabbi Sabbathai Kohen vulgo Schach, der damals gerade in Prag verweilte, verlockten, und dann den Vorbeter in der Altneusynagoge zum Gebrauche eines solchen Esrogs zwingen wollten. Sabbathai Kohen sah jedoch bald seine Uebereilung und die Jntrigue ein, deren Werkzeug er sein sollte, und ließ daher vor seinem Tode den frommen gelehrten Spira durch seinen Sohn um Verzeihung bitten. Sabbatai Kohen war einer der hervorragendsten und verdienstvollsten Rabbiner des XVll. Jahrhunderts. Er war der Sohn des sehr gelehrten Rabbi Meir Kohen, Rabbiner in Mohilev in Litthauen, und genoß frühzeitig eine äußerst treffliche Erziehung. Mit ungewöhnlichen Geistesgoben beglückt, gelang es ihm gar bald, sich einen klangvollen Namen zu erwerben. Sein Commentar zum „Schulchau- Aruch" wurde von den Rabbinen sanctionirt. Als jedoch im Jahre 1648 der grausame Hetman Chmelnicki mit seinen blutgierigen Kosaken gegen die Juden in Polen wüthete, wanderten viele dortige Rabbiner nach Deutschland aus. Unter diesen Exulanten befand sich auch unser Rabbi Sabbathai Kohen. Er kam nach Prag, wo er einige Zeit weilte, dann nach Proßnitz in Mähren, wo er von der dortigen Gemeinde zum Rabbiner ernannt wurde. Als sechs Jahre später, ungefähr 1654, das Rabbinat in Holleschau in Mähren erledigt wurde, wurde der Wunsch in ihm rege, sich um diesen Posten zu bewerben. Der Vorstand der Holleschauer Gemeinde zog über ihn bei dem damaligen Landesrabbiner Menachem Mendl Krochmal in Nikolsburg brieflich Erkundigungen ein. Zufälligerweise befand sich gerade Sabbathai's Lehrer, der berühmte Rabbi Josua Heschel, Verfaffer des „Megine Schlomo" und der Rechtsgutachten „Pene Jehoschua" in Nikolsburg, bei Krochmal auf Besuch, als der Holleschauer Briei anlangte. Der Landesrabbiner fragte seinen Gast, nachdem er ihn mit dem Inhalte des Briefes vertraut gemacht, ob er den Sabbathai kenne. „Sollte ich meinen würdigsten und vorzüglichsten Schüler nicht kennen?" entgegnete der Gefragte. Glaube mir, Du würdest klug handeln, wenn Du das Holleschauer Rabbinat übernehmen und dem Sabbathai das Nikolsburger Landesrabbinat übergeben möchtest." In seiner großen Bescheidenheit theilte Krochmal Heschel's Antwort dem Holleschauer Vorstande wörtlich mit, woraus Sabbathai Kohen per Acclamation zum Rabbiner der Holleschauer Cultusgemeinde ernannt wurde. Ungefähr sieben Jahre wirkte Sabbathai segensreich in Holleschau, bis er am 1. Adar 1663 im Alter von 41 Jahren seine irdische Laufbahn vollendet hatte. Simon Spira soll mehrere Werke verfaßt haben, die aber bei einer Plünderung, die in dem „goldenen Prag" schon damals oft ftattgefunden, abhanden gekommen seien. Im Drucke erschien blvs „Mareh Jecheskel". (Gal. Ed. 29). Vll!. Gabriel Eschkeles. Nach dem Tode des Aron Simon Spira wurde das Amt eines Prager Oberrabbiners von dem eines böhmischen Landesrabbiners getrennt. Abraham Brode wurde zum Oberrabbiner von Böhmen — welches Amt er bis zu seinem 1708 erfolgten Abzüge nach Metz bekleidete — und Gabriel Eschkeles ans Krakau, der ein Urenkel des Sinai ben Bezallel, eines Bruders des Rabbi Löw, war, zum Oberrabbiner von Prag ernannt. Gabriel Eschkeles, einer der hervorragendsten Schüler des berühmten Rabbi Samuel Koidenover, zeichnete sich durch immense Gelehrsamkeit, großen Scharfsinn, wahrhafte Frömmigkeit und seltene Bescheidenheit aus. In seiner allzugroßen Bescheidenheit sah er es nicht gern, wenn die Leute sich vor ihm ehrfurchtsvoll von den Sitzen erhoben. Im Jahre 1694 folgte er einem ehrenvollen Rufe als Landesrabbiner nach Mähren (Nikolsburg), wo er bis zu seinem am 2. November 1718 erfolgten Tode segensreich wirkte. Sein Nachfolger im mährischen Landesrabbinat war sein gelehrter Sohn Berisch Eschkeles, der der Schwiegersohn des berühmten reichbegabten und gelehrten Rabbi Samson Wertheimmer aus Wien war. Letzterer war Factor und Hofjude und hatte sich hohe Verdienste um den österreichischen Staat erworben. Am 29. August 1703 erhielt er folgendes Privilegium: „Wir Leopold rc. bekennen . . ., daß wir gnädigst angesehen die eifrig unverdrossene nützbare und ersprießliche treu und uninteressirte Dienste, welche Uns dem heil. Röm. Reiche und unserem durchlauchtigsten Erzhanß Österreich zu Weesens Besten und sondern Behufs Unserer Hofkammer, Unserer K. und römisch K. wie auch K. polnischer Chor Mainz. Sachs, pfälz. und anderer Fürsten und Ständen des röm. Reiches Oberfactor Simson Wertheimber, der in Unfern Erbkönigreichen und Landen sich befindende Juden Vorgesetzten Rabbiner durch 17 Jahre in unterschiedlich wichtigen, importanten Kommissionen und Verrichtungen sowohl allhier und anderwärts, wohm er derenthalben verschickt worden, und insonderheit in vormaligen Türken und Rheinländischen französisch und bey jetzt wiederum in Italien und im Römischen Reich wegen der Cron Spanien erstandene schweren Kriegen sowohl zur schleunigen Beförderung deren militärischen Operation als zur Bezahlung deren zu Unseru K. auch Unserer freundlich geliebten Söhne des Röm. und Hungarischen Königs und Erzherzogs Karl Liebden auch übrigen Hofstaat Notturft und sonst sich ereigneten unentbehrlichen Auslagen nicht allein mit sehr großen auf viele Millionen sich belofen in Unser General Kriegs und Hofzahlamt verschafften baren Geldmitteln, wodurch Uns allenthalben ein namhaftes in Ersparung gebracht worden; sondern auch zur bestreitung unzählig anderer extraordinari Hof- und Kriegs-Erfordernisse mit Anticipirung mehrmaliger naymhafter Geldsummen zu 6 Perzent theils auf eigenen Kredit, theils auf Unsere Fürstenthume in Unserem Erzherzog. Schlesien und anderen Gefälle in spe aber auf das siebenbürgische Salzcomercium, welches Er angegeben und gleich darauf 7, Million zu Wege gebracht, wie nicht weniger mit Abführung vieler Sudsidiengelder und Leistung ansehnlicher Cautioneu rc." Für die patriotische Thätigkeit erhielt Samson Wertheimer vom Kaiser Leopold die kaiserliche Gnadenkette mit Bildniß. Als in Folge seiner Verwendung dem Herzoge Carl vom Könige von Polen eine Million Dotagegelder bewilligt wurden, erhielt er vom Kaiser 1000 Speciesducaten „verehrt um zu einem Gedächtnisse einige Silber- oder Guldengeschirr für sich zu verschaffen." (Nzt. III. S. 36.) Seinem Schwiegersöhne, den bereits erwähnten Berisch Eschkeles gab - er die Summe von 70.000 fl. als Mitgift. Berisch Eschkeles stand gleich seinem Schwiegervater S. Wertheimer bei den hohen und höchsten Behörden in Ansehen, und war auch stets wie jener bestrebt, seinen Einfluß zum Nutzen und Frommen seiner bedrückten und bedrängten Glaubensgenossen zu verwertheu. Bekanntlich wurde im Jahre 1742 den mährischen Gemeinden ein Statthaltereierlaß folgenden Inhalts zugestellt. „Es wird die gesammte Judenschaft im Markgrafthum Mähren ernst gemessen ermahnt, daß dieselbe von dato bis auf den 20. laufenden Monats März 50.000 Gulden Rheinisch baar zufammenmachen und allher liefern soll, widrigens alle Juden aller Orten, wo sie in Mähren anzutreffen seien, geplündert und niedergemacht werden sollen. Brünn, den 14. März 1742. Suhr, Statthalter." In ihrer furchtbaren Aufregung wandten sich die Juden Mährens an den Landesrabbiner Berisch Eschkeles und an den Baron Aquilar mit der Bitte, sie mögen ihren Einfluß bei der Kaiserin Maria Theresia geltend machen, damit dieses grausame Edict des Statthalters aufgeschoben werde, was ihnen auch thatsächlich gelungen ist. Ebenso gelang es Beiden, zwei Jahre später (1744) die Rücknahme des Befehls der Verbannung der Juden aus Mähren zu erwirken. Die Kaiserin Maria Theresia hatte sich auf dunkle Gerüchte und lügenhafte Verleumdungen hin verleiten lassen, ein Edict zu erlassen, dem zufolge die Juden aus Mähren und Böhmen vertrieben werden sollten. Aus Prag wurden sie thatsächlich verbannt, in Mähren