Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 15 (15.4.1898)
- Date
- 1898-04-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 15 Vr. VUny'» MochrnsSpeM. Sette 291 Unser ehrwürdiges Rabbinat würde sich um die jüdische Sache sehr verdient machen, wenn dasselbe wenigstens die in Lemberg zur Auslage kommenden hebräischen Druckwerke ihrer Controle unterordnen wollte. Unsere Druckereien, mit Ausnahme der Krakauer, die alle Anerkennung verdient, liefern öfters derart fehlerhafte und entstellte Texte, daß dieselben geartet sind, die Entrüstung der strengeren Beobachter hervorzurufen. Insbesondere beklagenswerthe Erscheinungen treten zu Tage bei Kinder - Gebetbüchern und sogar die Synagogen-Wandkalender weisen öfters derartige Mißgriffe auf, daß weniger Erfahrene sehr leicht irregeführt werden können. Die religiös-rabbinischen Druckwerke weisen trotz deren oberflächlicher Approbation seitens der Rabbinate ungeheure Mängel auf. Es genügt auf »Tarne haminhagim« (Lemberg 1896) hinzuweisen, welches von Albernheiten wimmelt, so ü. A. die Erläuterung des Wortes „Hammer", die Bedeutung des „Gregers" und des „Drederls" u. s. w., die uns in den Äugen Andersgläubiger nur herabzuwürdigen vermögen. Die Friedhoi-Commission würde zur Rehabilitirung der gesunkenen Wahrheit, die nach talmudischem Begriffe das Siegel Gottes bildet, wesentlich beitragen, wenn sie die Grab-Inschriften irgend welcher Beaufsichtigung unterzöge, und selbst eine stufenweise aufsteigende Taxe für überschwängliche Titulaturen und marktschreierische Lobeshymnen auf den Grabstein festzusetzen, wäre nicht übel angebracht. Wenn es mit den Inschriften so fortginge, müßten wir von einer kommenden ehrlich gesinnteren Generation einfach ins Lächerliche gezogen werden! Pester israelitische Religionsgefellschsst. Vorige Woche hat unter dem Vorsitze Sigmund K o h n e r's die Generalversammlung der Pester israelitischen Religionsgemeinde stattgefunden. Der Verlauf der Generalversammlung war folgender: Der Präsident begrüßte die zahlreich erschienenen Gej meindemitglieder und gedachte dann in pietäts- und schwungvollen Worten des schweren Verlustes, den die Gemeinde durch das jüngst erfolgte Ableben der Frau Johanna v. Bisch itz erlitten hat. Redner hält es für überflüssig, die Verdienste der Verblichenen eingehend zu würdigen; er meldet blos, daß die Religionsgemeinde eine besondere Traueranzeige ausgegeben, an die Familie ein Beileidsschreiben gerichtet hat und einen Trauergottesdienst für die Verstorbene veranstalten wird. — All dies wurde zur Kenntniß genommen und die Versammlung beschloß die protokollarische Verewigung des Andenkens der Verblichenen. Nachdeni der (von uns im Auszuge bereits mitgetheilte) Jahresbericht vorgelegt und zur Kenntniß genommen worden, wurde auf Antrag Dr. Friedrich H a l a ß' dem Präsidium für sein eifriges Wirken Dank votirt. Hierauf ergriff der Gemeinderepräsentant Dr. Julius Schwarz das Wort. Er beanständete die erfolgte Reducirung der Religions-Unterrichtsstunden in den Budapester höheren Handelsschulen und in der Handelsakademie, wie er denn auch über die Abnahme des religiösen Sinnes unter den jüdischen Frauen klagte. Er wünscht, daß die Gemeinde in Budapest eine Lehre rinne n-P räparandie errichten solle. (Lebhafte Zustimmung.) Endlich lenkt er die Aufmerksamkeit der Versammlung auf ein vom Unterrichtsministerium concessionirtes Schulbuch, betitelt „Leany-iskolai földrajz“ (Geographie für Töchterschulen), in welchem die ungarländischen Juden als besondere Nationalität angeführt sind. Vom Gesichtspunkte des jüdischen Patriotismus protestirt Redner unter dem Beifall der Anwesenden gegen solche Classificirung. Vorstandsmitglied Martin Schweiger beantwortet die Bemerkungen des Vorredners dahin, daß die Handelsakademie lange Zeit hindurch vom Religionsunterricht überhaupt nichts hören wollte, bis endlich der Minister einen wöchentlich einstündigen obligaten Religionsunterricht anordnete. An die Errichtung der Lehrerinnen-Präparandie werde die ohnedies stark belastete Gemeinde erst in einigen Jahren denken können. Gegen das vom Vorredner erwähnte Schulbuch werde der Gemeindevorstand die geeigneten Schritte unternehmen. (Zustimmung.) Paul T e n e e r betont, daß sich unter der ungarischen Judenschaft seit den letzten vierzig Jahren eine stetige Zunahme und Erstärkung des religiösen Gefühls constatiren lasse. Auch Redner will hoffen, daß die Gemeinde seinerzeit eine Lehrerinnen- Präparandie errichten werde. Der nächste Redner, Dr. Max Schächter, drückte den Wunsch aus, daß den Gemeindemitgliedern im Allgemeinen mehr Gelegenheit zur Theilnahme an der Erledigung der confessionellen und Gemeindeangelegenheiten geboten werde, worauf Präsident Sigmund K o h n e r — auf alle bisherigen Reden reflectirend — antwortete, daß den Schülern aller Lehranstalten Gelegenheit zu Religions- und hebräischem Studium geboten sei. Was die Idee der israelitischen Lehrerinnen-Präparandie betrifft, habe er sich vor sechs Jahren, als er Präsident der Religionsgemeiude wurde, drei Programmpunkte ausgestellt:Die Förderung der Humanitäts-, Schul- und liturgischen Angelegenheiten. In humanitärer Hinsicht ist durch die Errichtung des AdeleBrod y-K inderspitals ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen; jetzt widmet die Gemeinde all ihre Kräfte der Sache des Tempelbaues und später wird an das Uebrige die Reihe kommen. (Lebhafter Beifall.) Die Generalversammlung beschloß hierauf über Antrag der Vorstellung, von dem 37.000 fl. betragenden Ueberschuß 6000 fl. für die weitere Einrichtung des Adele Brody-Kinderspitals, 2000 fl. zur Erwerbung der Rabbi Brill'schen Bibliothek und 29.000 fl. für den Tempelbau zu verwenden. Das Jahresbudget pro 1898 wurde mit 459.146 fl. Ausgaben und 455.863 fl. Einahmen präliminirt. Am Schluffe der Sitzung erfolgten die Wahlen. In den Ausschuß wurden als neue Mitglieder August K o h n e r und Dr. Wilhelm Grauer gewählt. In die Repräsentanz des VI. israelitischen Gemeindedistricts wurden gewählt: Ludwig Adler, Dr. Bernhard Alexander, Robert Auer. Dr. Adolf Agai, Dr. Wilhelm Bacher, Dr. Josef Banüczy, Dr. Jonas Baron, Ludwig Baumgarten, Sigmund L. Breitner, Dr. Ludwig Brody, Sigmund Brody, Armin Brüll, Edmund Brüll Domonyi, Dr. Franz Chorin, Dr. Bela Dalnoki, Dr. Sigmund Decsey, Anton Deutsch, Jakob Deutsch, Samuel Deutsch, Alexander Hatvani- Deutsch. Moses Ehrlich, Dr. Emil Farkas, Dr. Bela Feleki, Adolf Fenyvessi, Eduard Fleischmann, Dr. Jzor Glaß Senior, Berthold Goldberger de Buda, Dr. Ignaz Goldziher, Dr. Wilj Helm Grauer, Max Grünbaum, Dr. Friedrich Halaß, Sigmund Hartenstein, Berthold Herzmann, Josef Hüvös de Botfa, Dr. Arthur Jellinek, Heinrich Jellinek de Haraßt, Dr. Moriz Karman, Dr. David Kaufmann, Dr. M. Kayserling, Leopold Keppich, Dr. Samuel Kohn, August Kohner. Sigmund Kohner, Sigmund Kornfeld, Ludwig Krauß de Megyer, Dr. Samuel Löw, Dr. Theodor Löw, Moriz Mandl, Dr. Paul Mandel, Dr. Heinrich Marczali, Dr. Moriz Mezei, Dr. Franz Mezei, Dr. Ignaz Misner, Dr. Bernhard Munkacsi, Dr. Anton Neumann, Dr. Armin Neumann, Dr. Alexander Neumann Junior, Dr. David Pap, Ignaz Pfeifer, Dr. Jlles Pollak, Stephan Popper, Dr. Nikolaus Reich, Dr. Julius Rosenberg, Dr. Jacob Rott, Dr. Emanuel Rozsavölgyi, Dr. Lazar Samuel, Baron Sigmund Schosberger, Dr. Jacob Schreyer, Armin Schwarz, Dr. Gustav Schwarz, Martin Schweiger, Dr. Josef Simon, Sigmund Singer, Adolf Sternthal, Dr. Berthold Stiller. Dr. Moriz Stiller. Albert Sturm, Max Szabolcsi, Moriz Szatmari, Franz Szekely, Dr. Adolf Szili, Carl Svab, Paul Tencer, Leo Beigelsberg. Josef Beßi. Dr. Soma Bisontai, Alexander Wahrmann, Dr. Philipp Weinmann, Berthold Weiß, Dr. Jacob Weiß, Manfred Weiß de Csepel, Ludwig Wolfner. Die hervorragendsten Rabbinrn Prags. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Böhmen. Von Dr. M. H. Friedlander. VI. Simon Wolf Auerbach. Der erste Rabbiner der als böhmischer Landesrabbiner bekannt ist, ist Simon Wolf Auerbach, Sohn des Gelehrten David Tewel. Er hatte Anfangs in mehreren großen Gemeinden Polens als Rabbiner fungirt, dann kam er nach Posen, wo er vier Jahre lang 1625—1629 das Rabbinat verwaltete. Bon Posen kam er als Rabbiner nach Wien, und von dort nach Prag, wo er am 12. November 1631 das Zeitliche gesegnet. Nach der Inschrift seines Grabsteines soll er viele Werke verfaßt haben, die jedoch unedirt geblieben sind. Nach seinem