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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 386 Vr. Blmh» WochrnkchrM Rr. 15 Jsrael's Wahlspruch lautet: „Die Himmel sind des Ewigen und die Erde gab er den Menschenkindern". Jakob und Josef suchten ihre Träume zu verwirklichen und nicht die Wirklichkeit in Träume aufzulösen. Von der Jacobsleiter, dem Symbol des jüdischen Idealismus, heißt es darum: „Fußend auf dem Boden." Meine Ansichten über die „actuellen" Fragen finden Sie in den beiliegenden Druckschriften') ausführlich behandelt. Mit dem besten Danke für den ehrenden Ausdruck Ihrer freundlichen Gesinnungen verbindet die Versicherung vorzüglicher Hochachtung Dr. B. Placzek. II. Se. Ehrwürden Herr Dr. S. P o l l a k, Rabbiner in Trebitsch, hatte die Güte mir Folgendes darüber zu antworten: Verehrtester Herr Doctor 1 . . . Bezüglich der von Herrn Mandl gestellten Frage halte ich dafür, daß nur Schule, Kanzelvorträge für Erwachsene, gediegene Zeitschriften und Bücher zusammenwirken müßten, um den Sinn für das Judenthum, für wahre Religiosität zu wecken und wach zu erhalten. Denn ich wüßte nicht, welche Mittel uns noch zu Gebote stünden, um auf das Volk einzuwirken. Doch vielleicht hat Dr. Ludwig Ernst Recht, welcher in seiner Broschüre: „Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit" eine Association und Organisation vorschlägt und sich letztere so denkt, daß jedes Land einen „Verein für Aufklärung und Gewissensfreiheit" bilde, der sich in eine belehrende und eine kämpfende Gruppe theile. Der Wirkungskreis der belehrenden Gruppe wäre, durch Zeitschriften, Vorlesungen, Verbindungen mit Humanitären und belehrenden Vereinen auf die großen Massen veredelnd zu wirken. Wiewohl nun Dr. Ernst von einem allgemeinen Standpunkte ausgeht und sich auch mit den Freimaurern verbinden möchte, liegt doch seinem Vorschläge einer Organisation ein Gedanke zu Grunde, der auch vielleicht dem von uns angestrebten Zwecke von Nutzen sein könnte. Mit dem Ausdrucke besonderer Hochachtung zeichne ich ergebenster Dr. P o l l a k. Ndols Ftschhof und die Versaffrmgskämpfe in Oesterreich. Vortrag gehalten in der „Oesterreichisch-Jfraelitifchen Union." Von Dr. Ferdinand Aronawetter, Reichsraths- und Landtagsabgeordneter. Verehrte Anwesende! Es obliegt mir die Aufgabe, über einen Mann zu sprechen, der zu den hervorragendsten und größten Männern gehört, welche die freiheitliche Aera geschaffen hat, über unseren D r. Adolf Fis ch h o f, über seine politischen Bestrebungen und in Anknüpfung daran über die traurigen Verhältnisse der Gegenwart. Mit prophetischem Geiste hat er Jahrzehnte vorher das Eintreten aller jener Uebelstände angekündigt, an welchen wir heute laboriren und die wir vergeblich zu beseitigen uns bemühen. Es herrschen die ärgsten nationalen und confessionellen Hetzereien und im Hintergründe lauert die düsterste Reaction, welche uns in Zeiten zurückversetzen will, von denen wir geglaubt haben, daß sie zum Wohle und zu Ehren der Menschen für immer entschwunden sind und nie mehr wiederkehren werden. Die Gesellschaft ist in nationale, in confeffionelle und in wirthschastlich einander bekämpfende Gruppen gespalten und es scheint jeder einigende Gedanke verloren gegangen zu sein, der sich über alle Sonderinteressen erheben würde, insbesonders der Gedanke, daß die menschlichen Ziele und- Aufgaben die gleichen sind und daß es einen Punkt geben muß, auf welchem sich Alle begegnen müssen. ') Denkschrift vom Februar 1849 an den constitnirenden Reichstag in Kremsicr, nebst einem Vorwort von Dr. B. Placzek, Wien 1896, Separatabdruck aus der Neuzeit Nr. 13. -) Die Wächter der Lehre, Predigt gehalten von Dr. B. Placzek. 3) Eine Broschüre, behandelt die Eonsistorien von Dr. B. Placzek. - Ado lf Fischhof wurde in Budapest im Jahre 1816 geboren. Schon als junger Mensch hatte er die unerschütterliche Ueberzeugung von der Gleichberechtigung alles dessen, was ein menschliches Antlitz trägt. Bekanntlich deutet schon die Bibel sie symbolisch an. Ich will nicht untersuchen, meine Kenntnisse reichen nicht dafür aus, ob die Lehre der Bibel, daß alle Menschen von Adam und Eva abstammen, anthropologisch und naturwissenschaftlich richtig ist; in dieser Lehre liegt aber die ideale Anschauung, daß wir Alle Brüder und Schwestern, daher einer und derselben Wesenheit sind, dieselbe Aufgabe zu erfüllen und dasselbe Ziel zu erreichen haben. Dieses Gefühl war-in Fischhof schon lebhaft, als er am Gymnasium zu Pest studirte. Anfangs der Dreißiger-Jahre gab es in demselben noch eine Judenbank, auf welcher auch Fischhof saß. Als nun ein Professor einen der Mitschüler Fischhof's, Grafen Bela Wenkheim, weil dieser etwas angestellt hatte, zur Strafe auf die Judenbank setzen wollte und Fischhof aufforderte, mit Wenkheim während dessen Strafzeit den Platz zu tauschen, weigerte sich Fischhof, dem Befehle Folge zu leisten und erklärte, daß, solange es noch eine Judenbank gebe, er sich von seinen Genossen nicht trennen wolle; er wolle kein Vorrecht; sollen die Grafen sitzen bleiben, wohin sie gehören, wir bleiben zusammen. Sie wissen, daß Fischhof am 13. März 1848 — er war Secundararzt des Allgemeinen Krankenhauses und bezog als solcher nicht einmal 1 fl. tägliches Entgelt — der erste war, welcher es wagte, ein freies Wort in Oesterreich zu sprechen. Die anwesenden Juristen wissen, was dies damals bedeutet hat und wie die Bestimmungen über den Hochverrath damals gehandhabt wurden; wenn die freiheitliche Bewegung mißglückt wäre, hätte ihn eine Strafe von nicht unter 20 Jahren schweren Kerkers erreicht. Fischhof betonte schon damals, daß der Streit zwischen den Nationen von den Regierungen gefördert wird, um die politische Freiheit zu unterdrücken und von den Völkern Oesterreichs eine jede freiheitliche Bestrebung fernzuhalten. Seine diesbezüglichen Worte — er sprach zuvor über Preßfreiheit, Schwurgerichte, Gewissensfreiheit, Lehr- und Lernfreiheit — lauten: „Eine übel berathene Staatskunst hat die Völker Oesterreichs auseinander gehalten. Sie müssen sich jetzt brüderlich zusammenfinden und ihre Kräfte durch ihre Vereinigung erhöhen. Die Schwächen der einen Nationalität werden hiebei in den Tugenden der anderen ihren Ausgleich finden und die Vorzüge aller durch ihr Zusammenfassen eine Steigerung erfahren, welche, für die Zwecke des Staates benutzt, Oesterreich auf eine ungeahnte Höhe von Wohlstand und Macht bringen muß." Bisher ist Letzteres nicht eingetreten. Es ist noch immer nicht gelungen, alle Nationalitäten Oesterreichs zu vereinigen und zu gemeinschaftlicher Arbeit für das Wohl Aller anzuregen. Es sind daher auch die wohlthatigen Folgen einer Völker - einignng ausgeblieben nnd sind vielmehr die Zustände immer schlimmere geworden, so daß sie Jeden, welcher es mit Oesterreich aufrichtig meint, mit Angst und Bangen vor dessen Zukunft erfüllen müssen. Fischhof ist bekanntlich Präsident des Sicherheitsausschusses geworden. Er gehörte auch dem ersten constitnirenden Reichstage an und ist im Verfassungsausschusse, dessen Mitglied er war, namentlich für die Versöhnung zwischen Deutschen und Czechen eingetreten. Nach langen und heftigen Kämpfen im Verfassungsausschusse — es standen dem Deutschnationalen Löhner gegenüber Palacky und Rieger — gelang es, eine Einigung herbeizuführen, und zwar insbesondere in Betreff des Curiatvotums in nationalen Fragen und der Eintheilung der Kreise in Böhmen, Mähren und Schlesien nach Nationalitäten. Fischhof wies damals wiederholt darauf hin, daß Clerus und Feudaladel der Dritte seien, welcher sich an dem Kampfe zwischen Deutschen und Czechen freue. Im März 1849 erfolgte der Staatsstreich. Die Abgeordneten erhielten schon Ende Februar aus Hofkreisen, die dem einen oder dem anderen Abgeordneten mehr oder weniger freundlich gestimmt waren, Andeutungen, welche die Flucht empfehlenswertst erscheinen ließen. Fischhof soll bereits am 28. Februar von der Auflösung des Reichstages und der ihm drohenden Verhaftung in Kenntniß gewesen sein; er verschmähte es aber im Bewußtsein dessen, daß ex nichts gethan habe, was er nicht rechtfertigen könnte, die Flucht zu ergreifen und wurde thatsächlich auch sofort nach der Sprengung des Reichstages am 7. März 1849 wegen Hochverrathes in den Allklagezustand versetzt, durch 8 Monate in Untersuchung gehalten und schließlich

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