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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Date
1898-04-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 884 Vr. Vloch's Wochrnschrtst. Nr. 15 geschaffene Position nicht ausgeben wollen und in erster Linie n i e vergessen werden, wie schmachvoll die spanische Inquisition gegen uns Juden gehandelt hat. Der Gebrannte fürchtet das Feuer. Wir treiben unseren Handel in allen Landesproducten mit den marokkanischen Stämmen und den ansässigen Spaniern und sind wir ihnen beinahe unentbehrlich geworden. Die meisten Geschäfte bis zu den niedrigsten Arbeiten besorgt der Jude. Die Steuer ist nicht gerade hoch zu nennen. Da wir also nun der wiederholten Einladung Spaniens, freiwillig dorthin zurückzukehren, keine Folge leisteten, so gebraucht es Gewalt und beginnt damit, daß es unsere jungen und kräftigen Leute, die bis dato keinen Militärdienst machen durften, als Soldaten in sein Heer einstellt. Wir lehnen uns dagegen nicht auf und sind überzeugt, daß die neuen spanischen Marssöhne auch aus dem Felde der Ehre ihren Mann stellen werden." I. K. Tie Moral eines chrtftlich-socialen Hetzpfarrers. Der Pfarrer Eichhorn, der den Dr. Bloch mit einem besonderen Haffe auszeichnet, hat in Bezug auf das Eigenthum der Juden Anschauungen entwickelt, die vor Gericht nicht geringes Aufsehen erregten. Dieser Mann scheint aber überhaupt über eine exceptionelle Moral zu verfügen, wie sich anläßlich einer in den letzten Tagen stattgehabten Gerichtsverhandlung gezeigt hat. Mittelst schriftlicher Erklärung übernahm P. Eichhorn die Bürgschaft für die pünktliche Bezahlung einer Schuld von fl. 177'16. Da der Hauptschuldner nicht zahlte, mußte der Bürge geklagt werden. Bei der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichte Döbling wendete der persönlich erschienene Beklagte ein, er sei Ordensgeistlicher, Profeß des lateinischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustinus in Klosterneuburg, habe als solcher das feierliche Gelübde der Armuth abgelegt und könne demgemäß weder Vermögen besitzen noch eines erwerben, noch sich rechtsgiltig verpflichten. Hieran ändere auch nichts seine Bestellung zum Pfarrverweser der demselben Stifte incorporirten Pfarre Nußdorf, da er blos Verwalter dieser Stiftspfarre sei. Es fällt uns selbstverständlich nicht ein, über den schließlichen Ausgang des anhängigen Processes, in welchem bürgerliche und canonische Rechtsbegriffe eine Rolle spielen, eine Ansicht zu äußern. Wir halten uns lediglich an die persönliche Behauptung des P. Eichhorn, welche ganz unzweideutig lautete, er sei als Ordensgeistlicher nicht in der Lage, sich rechtsgiltig zu verpflichten. Wie kann Jemand in dem vollen Bewußtsein, keine rechtsgiltige Verpflichtung eingehen zu dürfen, dennoch eine solche übernehmen?! So weltentfremdet ist der Herr Pfarrer, welcher vielleicht mehr Brandreden im Wirthshause als Predigten auf der Kanzel gehalten hat, gewiß nicht, daß er über die Tragweite einer Bürgschaft irgend welche Zweifel haben konnte. § 19, Das Blatt * des Herrn Vergant echauffirt sich einmal nicht für das Ritualmärchen, sondern für die — Preßfteiheit. In einem ganzen Leitartikel janlmert das „Deutsche Volksblatt" — das Deutsche Volksblatt!! — über das geringe Maß freiheitlicher Privilegien, das der österreichischen Presse zugemessen ist. Man kann dem „Deutschen Volksblatt" das Recht nicht nehmen, die gute Sache der Preßfteiheit dadurch zu compromittiren, daß es für sie eintritt. So sehr das „Deutsche Volksblatt" einer guten Sache schadet, wenn es sich ihrer annimmt, so sehr macht sich das Blatt selbst lächerlichwenn es sich in eine fteiheitliche Pose wirft. Ein Leitartikel des „Deutschen Volksblatt" zum Beispiel enthält heftige Klagen über den — Mißbrauch des § 19! Jeder Zeitungsleser in Wien weiß, wo die ärgsten Mißbräuche des § 19 zu suchen sind. Bei den Parteigenossen und Schutzherren des „Deutschen Volksblatt". Für den antisemitischen Obergott, Herrn Dr. Lueger, ist der § 19 geradezu die Panacee für alle Leiden der Bevölkerung geworden. Damit macht er die Unzuftiedenen schweigen, beruhigt die Klagenden, besänftigt die Unruhigen, zähmt die Wüthenden. Der § 19 ist eine der aüerwichtigsten Stützen seines Regimes, sein beweiskräftigstes Argument, sein nie versagender Schlager. Und die journalistische Ereatur des Dr. Lueger jammert über den Mißbrauch des § 19! Nein, Ostern ist nicht die Zeit, wo das „Deutsche Volksblatt" seinen Lesern die Märchen über seine freiheitlichen Gesinnungen aufschwätzen sollte. Im Lügen-Kalender des „Deutschen Volksblatt" sind für Ostern ganz andere Märchen — von geschlachteten Christenkindern und dergleichen — in Aussicht genommen. Hat Herr Vergani an diese ideale Mission seines Journals ganz vergeffen? Das „Deutsche Volksblatt" ist doch nicht nur dazu gegründet, damit er vierstöckiger Hausherr wird. (Allg. Ztg.) - Bischöfe über den Antisemitismus. Brüssel, 28. März. Nach dem „Ilrüvers. mraeltte" hat der Erzbischof von Brüssel Cardinal Goo ßen einem Journalisten erklärt, er sei vom Papste autorisirt, sich auf das Schärffte gegen den Antisemitismus auskusprechen. Interessant ist folgender Erlaß des Prager Erzbischofes aus dem Jahre 1848: „Böswilligen Aufreizungen ist es gelungen, hier in der Hauptstadt und in einigen Städten des Landes gegen die israelitische Bevölkerung eine feindliche Stimmung zu erzeugen, die sich durch gefahrdrohende Demonstrationen kundgibt. Wenn diese Wahrnehmung jeden Freund der öffentlichen Ruhe tief betrübt, so muß sie um so schmerzlicher für den wahren Christen und für den Diener der Kirche sein, weil er mit Grund besorgen muß, daß diese Erscheinung von vielen nur als Ausfluß des religiösen Fanatismus gedeutet und deshalb auf Rechnung einer mangelhaften religiösen Bildung geschrieben oder wohl gar der Kirche selbst zur Last gelegt werden wird. Ich glaube daher sowohl im Interesse der öffentlichen Ruhe als auch in pflichtgemäßer Hebung meines bischöflichen Amtes, an die christlichkatholische Bevölkerung meiner Diöcese die dringende Bitte richten zu sollen, daß jeder nach Maßgabe seines Wirkungskreises auf Beruhigung der Gemüther in bezeichneter Richtung wirken möge. Liebe, eine alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens umfassende Liebe ist das Hauptgebot unserer heiligen Religion, deren göttlicher Stifter uns mit Wort und Beispiel diese Tugend so eindringend ans Herz legt. An uns Alle ergeht ja sein Ruf in der Erzählung vom barmherzigen Samariter: gehe hin und thue ein Gleiches! Möge daher dieses göttliche Wort alle Erbitterung der Gemüther gegen Andersgläubige bannen und alle Wohlgesinnten zum Schutze der Verfolgten vereinigen, auf daß unser heiliger Glaube um der Aergerniß wegen nicht gelästert, sondern durch unsere in der christlichen Liebe wurzelnde Werke verherrlicht werde. Prag am Osterfeste den 23. Apr. 1848 Aloys - Joseph Erzbischof." Aus der Zeitung „Der Ungar" vom 29/4. 48. Pesth. Ein Bortrag Reelus. In der freien Universität von Brüssel hat der berühmte Geograph Elyse Reclus in diesen Tagen einen Vortrag über „Semiten und Juden" gehalten, der in wissenschaftlichen Kreisen viel bemerkt wurde und auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdiente. Die Semiten siiid nach Prof. Reclus Völker, die vor einigen tausend Jahren das Land zwischen dem Mittelmeere, dem Taurus und dem.persischen Golf bewohnten; die Juden, die nur eine ganz geringe Völkerschaft waren, sind wohl verschieden von jenen. Semiten waren Assyrer, Babylonier und Araber; deren Charaktereigenthümlichkeiten haben am reinsten die Beduinen bewahrt, sie sind die reinen Semiten. Die Gegenden, die sie bewohnen, sind trocken und unfruchtbar, die Flüsse führen nur zu bestimmten Zeiten Wasser, die Vegetatton ist zu gering. Daher waren ihre Lebensgewohnheiten zu allen Zeiten dieselben, der Islam hat nur wenig daran geändert; die Lebensweise der heutigen Beduinen ist noch ganz dieselbe wie die Abraham's, der ebenfalls ein Beduine war. Eine ganz andere Persönlichkeit ist der Jude. Wenn er auch ursprünglich ebenfalls ein Beduine war, so hat sich doch an ihm hauptsächlich, weil die Juden ein gottesdienstliches Volk wurden, sodann aber auch, weil sie sich dem Ackerbau widmeten, eine solche Entwicklung vollzogen, daß man nicht mehr von einer Race bei ihnen sprechen kann, sondern von einer Classe. Dazu kam noch, daß die Juden durch ihre Zerstreuung den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt waren und demgemäß sich modificirt haben. Sie haben nach Professor Reclus im Durchschnitt der Sache der Emancipation der Menschheit mehr geopfert, als andere Bevölkerungsclassen, und es wäre daher schon im Hinblick darauf ein unbrüderliches Gefühl, ihnen nicht die gleichen Rechte zu gönnen, wie diesen. Das zerschossene Eiserne Kreuz. Bielitz, 11. April Verehrliche Redaction! Ich lese heute in der preußischen Zeitung „Oberschlesischer Anzeiger", einem arischen Blatte, welches in Ratibor erscheint, folgenden Artikel: „Bor Kurzem machte eine Mittheiluug durch die Zeitung die Runde, wonach Kaiser Wilhelm I. einem Krieger, das in der Schlacht zerschossene Eiserne Kreuz selbst habe repariren lassen. Man war der Ansicht, dieses Eiserne Kreuz sei das einzige, welches beschädigt gewesen sei; daß dem nicht so ist, möge man aus Folgendem ersehen. Der Grenadier Siegfried Karfunkelstein aus Beuthen a. d. S. erhielt für bewiesene Tapferkeit bei Rezonville das Eiserne Kreuz. Am 30. Oktober in der Schlacht bei Le Bourget wurden nach damaligen Berichten die Fahnenträger immer zuerst weggeschoffen. Da stürzte Siegftied Kar-

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