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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 14 Vr. Vloch's WochrnschrM sammelten andächtigen Gemeinde als ein Bote des Heiles, der Liebe und des Friedens erschien, welcher Allen, die hier an geweihter Stätte inbrünstig beteten, milde und herzbewegend Gnade, Vergebung und Versöhnung verhieß. Seltsam bewegt verließ Cornelie das Gotteshaus; ihre Antworten auf Frau Bergheim's freundliche Fragen waren kurz und einsilbig und kaum zu Hause angelangt, bat sie sich zurückziehen zu dürfen; sie bedurfte der Ruhe. Lange noch saß sie in ernstes Sinnen versunken am Fenster, blickte traumverloren hinaus in die milde sternenhelle Nacht und zuweilen rang sich ein leises Aechzen aus ihrer Brust. „Mußte es sein? Warum gab es auf Erden kein vollkommenes Glück? Würde ihr ganzes Leben voll Liebe und Hingebung genügen, ihm für das große Opfer zu danken, das er ihr brachte, da er seinen hohen Beruf aufgab?" Ihre Gedanken gipfelten in der heißen Bitte: „Herr, lehre mich seiner würdig werden", welche sie thränenden Blickes zu dem sternenbesäeten Firmamente sandte. Erst spät senkte sich friedlicher Schlaf auf ihre müden Lider; doch der junge Tag fand sie schon wieder wach und in früher Morgenstunde betrat sie wieder dicht verschleiert an Frau Bergheim's Seite das Gotteshaus. Mit noch erhöhterer Aufmerksamkeit folgte sie dem Fortgange des feierlichen Gottesdienstes; besonders erregte die Todtenfeier sie mehr denn je; sie gedachte ihrer so früh Hingeschiedenen Eltern, welche ihr bräutliches Glück hinieden nicht schauen durften, deren Geister sie jedoch segnend zu umschweben schienen. Es ist die erhebendste Sitte der Bekenner der Lehre Moses an den höchsten Festtagen, inmitten der höchsten Festesfreude, pietätvoll ihrer Todten in Liebe und Wehmuth zu gedenken, die Erinnerung an ihr edles Thun und Wirken zu beleben und besonders weihevoll werden die Gemüther in den Reformgemeinden durch die Todtenfeier ergriffen, da Orgel und Gesang dieselbe begleiten; kein Auge blieb bei dem wundervollen Gesänge des Vorbeters: „Herr was ist der Mensch, daß Du sein gedenkest", thränenlos und an Corneliens zarten Wangen rieselten unaufhaltsam große schwere Tropfen herab. Der Tag stand auf seiner Höhe, die Gemeinde betete im Staube liegend; die Zeit eilte vorwärts, schon begann sich der hohe ernste Bußtag zu neigen! Roch einmal betrat Dr. Seefeld die Kanzel und in kurzem, tief empfundenem Schlußgebete flehte er Gottes Segen herab auf die geläuterte und entsühnte Gemeinde. Feierlich ertönte der Schlußgesang:*) „Herr o Gott, schon sinkt die Sonne Und es wendet sich der Tag, Und noch steh'n wir hier und beten Wie's die schwache Kraft vermag. Noch einmal im Staube flehen Wir, o Herr, um Deine Huld: Gnadenreicher, o versöhne Mach' zu Nichte uns're Schuld. Noch einmal bevor wir scheiden Sei vor Dir das Knie gebeugt, Und der Blick zu Dir erhoben, Herr, bevor der Tag sich neigt." Die Schatten der Nacht hatten sich mittlerweile herabgesenkt über die Erde, dem uralten hochheiligen Bekenntnisse Israels folgte ein Posaunen schall und die Schaaren Andächtiger, welche nun das Gotteshaus verließen, nahmen eine gehobene Stimmung mit hinaus in das Alltagsleben. In Cornelien hatte dieser Tag einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen; wieder und wieder tönte es in ihr: „Wie groß, wie tief muß seine Liebe sein, da er ihr seinen Beruf, seine gefeierte Stellung zu opfern vermochte", und ein seliges Lächeln unendlichen Glückes und Dankes verklärte ihre lieblichen Züge. Um Dr. Seefeld die Freude des Wiedersehens mit dem geliebten Mädchen nicht länger vorzuenthalten, hatte Frau Bergheim ihn zum Abendessen eingeladen, jedoch ahnungslos, welche frohe Ueberraschung seiner harre, hatte er dankend abgelehnt. Kaum hatte er daheim in seinem behaglichen Studirzimmer die von den Anstrengungen des hohen Tages erschlafften Lebensgeister durch duftenden Mocca angefacht, belebt und erfrischt, die *) Jacob Freund „Andachtsbuch Hanna" Seite 279 r Festkleidung mit dem bequemen Hausrocke vertauscht und sich eine Cigarre angezündet, in deren bläuliche Rauchwölkchen er träumerisch blickte, als ein Diener des Bergheim'schen Hauses ihm eine Karte brachte, auf welcher in zierlichen feinen Schriftzügeu nur stand: „Hier bin ich!" Berauscht, entzückt drückte er das duftende Liebeszeichen an seine Lippen, vervollständigte mit vor Freude und Erregung zitternden Händen binnen weniger Minuten wieder seine Toilette und folgte beflügelten Schrittes dem Rufe der Geliebten. Er fand die Familie mit ihren Gästen um den von Silber und Krystall funkelnden Tisch beim festlichen Mahle. Mit einem lauten Freudeurufe flog Cornelie in feine sich ihr weit öffnenden Arme, minutenlang hielt er sie wortlos fest an seinem Herzen; sich endlich seiner Umarmung entziehend, fand sie zuerst Worte. „Ich habe der feierlichen Andacht von Anfang bis zu Ende beigewohnt". Er begrüßte jetzt erst die Freunde, welche gerührt das stürmische Wiedersehen des glückseligen Paares betrachtet hatten; er nahm an Corneliens Seite Platz, allmählich dämpften sich die Wogen der sie bewegenden Empfindungen; mit zärtlicher Besorgnis ruhten seine ausdrucksvollen Augen lange prüfend auf Corneliens feinem Antlitze. „Du siehst blaß und erschöpft aus, Liebling, viel weniger frisch, als da ich Dich in Wiesbaden verließ", sagte er endlich erregt. „Dein liebender Blick täuscht Dich nicht", versetzte sie. „Als Du von mir geschieden warst, begann für mich eine schwere traurige Zeit! Nicht, daß ich Reue empfunden hätte, nein, aber bange Zweifel quälten mich, raubten mir mein frisches Aussehen, machten meine Tage friedlos, meine Nächte schlaflos! Ich zürnte mir! Ich hätte mich größer, stärker, selbstloser zeigen müssen! Dich nicht Deinem Berufe entfremden dürfen! Doch ich bin ein schwaches, schütz- und liebebedürftiges Mädchen! War es die zündende Macht Deiner Rede, die heute alle meine Zweifel fortgeweht hat? Ich bin ruhig geworden! Einem Bruchtheile. Deiner Gemeinde, wirst Du durch unsere Liebe entzogen, sie verliert in Dir den geliebten Seelsorger, den gefeierten Kanzelredner; der Gesammtheit, der Wissenschaft, besonders dem Judenthume bleibt ja Dein reicher Geist, Deine freudige Schaffenskraft unvermindert erhalten". „Sei gesegnet für Deine goldenen Worte, Geliebte", flüsterte er nur ihr verständlich. „Muß es durchaus sein? Müssen wir sie wirklich verlieren? Wäre es nicht doch möglich, daß Sie bleiben?" fragte Frau Bergheim sanft. „Es ist unmöglich! Mein Beschluß ist unwiderruflich fest, der Würfel gefallen! Schon morgen, noch vor der Veröffentlichung unserer Verlobung, geht mein Abschiedsgesuch an den Vorstand," antwortete er ernst. Am anderen Tage besuchte Frau Bergheim mit Cornelien Frau Profeffor Heller, welche die junge Braut des verehrten Freundes mit offenen Armen empfing; der Profeffor war unerschöpflich in Neckereien, durch welche die reinste Freude über Dr. Seefeld's endlich errungenes Glück leuchtete. Die feinen goldumrandeten Karten, welche einige Tage später die Stadt durcheilten, fielen wie zündende Bomben in die friedlichen Häuser ihrer Bewohner und entseffelten einen wahren Sturm. (Schluß folgt.) Briefkasten. Abonnent V. Bezirk. Daß Herr Hans Fügliest er, Ingenieur und Maschinenschlosser, V., Embelgasse 17, bei welchem jüdische Geschäftsleute und Hausbesitzer Aufzugmaschinen machen lassen, sich dennoch von den Antisemiten in die Steuer-Schätzungscommission wählen ließ, ist wieder einmal kennzeichnend für die Gesinnungstüchtigkeit der Christlich-Socialen, aber auch für die Gedankenlosigkeit, mit der noch inuner gerade unsere wohlhabenden Glaubensgenossen ihre schlimmsten Feinde selbst züchten. Herrn I. Gfl* Wien HI Wir konnten in der Nummer vom 1. April, deren Redaction am 30. März geschlossen wurde, die Kandidaten nicht veröffentlichen, da dieselben zn diesem Zeitpunkte noch nicht überall feststanden. Bei künftigen Wahlen werden wir, wie dies stets geschah, Ihrem Wunsche gewiß nach Möglichkeit Rechnung tragen. Besten Dank!

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