Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 14 (6.4.1898)
- Date
- 1898-04-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 876 Dr. Vwch'« Mochenkchrift. Nr. 14 Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch-Js r a e l i ti s ch e U u i o n.) Samstag den 9. April d. I. hält dieser Verein in K h u n e r's Restauration, I., Schottenring Nr. 19, Abends halb 8 Uhr, eine Plenarversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Reichsraths - Abgeordneten Dr. Ferdinand Krona Wetter: „Adolf Fischhof und die Verfassungskämpfe der Gegenwart/' 2. Mittheilungen des Vorstandes. 3. Anträge und Interpellationen. Der Eintritt in die Versammlung ist nur den Mitgliedern des Vereines und den von diesen eingeführten Gästen gestattet. Wien. (Jüdisches Museum in Wien.) Die Sammlungen dieses Museums haben auch im Laufe des Monats März Bereicherungen durch zahlreiche Spenden aus Oesterreich- Ungarn und Deutschland erfahren. Insbesondere seien hervorgehoben : das Original der Wiener Hagadah, von Aaron Wolff Herlingen, kaiserl. Bibliothekschreiber, aus dem Jahre 1738, ein prachtvolles Manuscript auf 38 Pergamenrsetten mit Miniaturen und reichen ornamentalen Verzierungen von der Hand des berühmten Meisters; ferner Hofschutzfreiheit der Kaiserin Maria Theresia für die Juden Samuel und Löw Leidersdorfer in Wien vom Jahre 1758. Beide werthvolle Objette sind Geschenke des Herrn und der Frau Dr. Moriz Passauer in Wien; ferner Zwei Hofschutzfreiheiten des Kaisers Carl Vl. für Simon Michel, vom Jahre 1716 und desselben Kaisers für Samuel Simon, vom Jahre 1727, letztere mtt dem großen kaiserlichen Jnsiegel. Von Herrn Doctor Gustav Karpeles in Berlin ist eine größere Anzahl von Autographen gespendet worden. Nunmehr sind auch die der Wiener israelitischen Cultusgemeiude gehörigen Reliquien nach Salomo n Sülze r, Josef v. Wertheimer, Leopold Kompert und I. N. Mannheimer, bestehend aus Büsten und Porträts der Genannten, Ehrengeschenken, Diplomen, Adressen rc., welche diesen Persönlichkeiten bei festlichen Anläsien gewidmet worden sind, im „Jüdischen Museum" zur Aufstellung gelangt. Die Räumlichkeiten desselben bleiben während der P e s s a ch - Feiertage und späterhin an jedem Samstag von 11 bis 1 Uhr Mittags zum unentgeltlichen Besuche geöffnet. Wien. Der XXI. Jahresbericht des kaufmännischen Unterstützungs-Bereine s „Osten" hat am 26. Februar d. I. in der XXl. ordentlichen Generalversammlung gewählt: zum Präses Herrn Commercialrath F. Fluß, zu deffen Stellvertreter die Herren S. Singer und Dr. Salo Rappaport. Aus dem Geschäftsberichte ist zu entnehmen, daß der Verein übereinen Capitalsfond von 20.000 Gulden verfügt. Die Jahreseingänge bettugen 4284 fl. und wurden 593 Hilfsbedürftige mit 2709 fl. unterstützt. Es wäre zu wünschen, daß dem Vereine derartig reiche Mittel zufließen, damtt er im Stande sei, allen an ihn gestellten Anforderungen zu entsprechen und nach wie vor eine segensreiche, humanitäre Wirksamkeit zu entfalten. Erwähnt sei noch, daß der Vereins- Präses Commercialrath Fluß für die besonderen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede ernannt worden ist. Unter sämmtlichen Wohlthätigkeitsvereinen Wiens ist „Osten" einer der wichtigsten und verdient allseitige Förderung. Wie«. (Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau.) Samstag den 2. April fand die feierliche Installation des neuerwählten Predigers des Brigittenauer Bethausvereines, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbmer Dr. Bernhard Templer, statt. Der neue Functionär und dessen Gemalin wurden um V,9 Uhr Morgens von dem Obmann des Vereinsvorstandes, Herrn Hermann Eltbogen, und mehreren Vorstandsmitgliedern von seiner Wohnung abgeholt und am Eingang zum Gotteshause von dem Gesammtvorstande, sowie sämmtlichen Vorstandsdamen des Frauenvereincs herzlichst begrüßt. In der Synagoge, deren Eingang, ebenso wie der Sitz des neuen Herrn Predigers mit Blumengewinden festlich geschniückt war, richtete der Präsident Herr Eltbogen an Se. Ehrwürden eine schwungvolle, beifällig ausgenommene Anrede, in welcher er Herrn Dr. Templer in seinem Amte und inmitten der Glaubensgemeinde herzlich willkommen hieß. Nachdem Se. Ehrwürden in bewegten Wotten seinen Dank ausgesprochen, begann der Gottesdienst, zu welchem sich auch zahlreiche Ehrengäste eingefunden hatten. In seiner Antrittsrede, welchen tiefen Eindruck erzielte, kennzeichnete Dr. Templer die culturhistorische und religiös-politische Bedeutung des „großen Sabbath" und entwickelte sodann in beredten Worten sein Programm als Seelsorger und Religionslehrer der jungen, mächtig aufblühenden Gemeinde. Abends fand noch zu Ehren des neuen Funktionärs und dessen Gemalin ein Bankett statt, welches sehr animirt verlief. Wien.(Musikschulinhaber Julius Hirschler.) Bei der am 12. v. M. vom Ausschuß des Tempelvereines im X. Gemeindebezirke Favoriten abgehaltenen Sitzung wnrde Herr Professor Julius Hirschler, Musikschulinhaber im X. Bezirke, einstimmig zum Chormeister der Synagoge gewählt. Wien. (Blinden- Sparkörbchen.) Das Curatorium des Blindeninstituts Hohe Warte spricht die höfliche Bitte aus, daß diejenigen Körbchenbesitzer, deren Spenden mangels richtiger Adressen nicht eincassirt werden konnten, ihre Körbchen gefälligst bis längstens 10. April, täglich von 11—12 Vormittag, bei Frau Curatorin Fanny Bücher, I., Rathhausstraße 19, abgeben wollen. Wien. (Spende n.) Für eine arme jüdische Wöchnerin, die sich in großer Noth befindet, erhielten wir von S. S. in Sadska 20 fl., welche wir der Bestimmung zuführen. — Für die armen kranken Israeliten in Jerusalem sind uns von A. 2 fl. zugekommen. Wien. Der israelitischen Kinderbewahranstalt in Wien, II., Schiffamtsgasse 15, fehlen die Jahresberichte dieser Anstalt Nr. 1, 13, 22, 29, 33, 48 und der Festbericht aus dem Jahre 1893. Besitzer der genannten Berichte werden höflichst ersucht, dieselben dem erwähnten Institute zur Verfügung zu stellen. Brünn. Der Chewra-Kadischa-Verein versendet den Rechnungsabschluß für 1897 mit einem wenig erfreulichen materiellen Erfolg, dagegen gibt derselbe Zeugniß von seinem intensiv und extensiv erfolgreichen; Humanitären Wirken. Es darf daher der Erwartung Raum gegeben werden, daß dem gemeinnützigen Vereine seitens der Glaubensgenossen derart reichliche Mittel zufließen werden, damit er in der Lage ist, den stets größeren Anforderungen und Ansprüchen gerecht zu werden. Mährisch-Aussee. Am 19. April l. I. vollendet unser Alt-Cultusvorsteher und k. k. Bezirksschulraths-Mitglied Herr S. A. P o l l a k in körperlicher und geistiger Frische das achtzigste Lebensjahr. Herr S. A. Pollak bekleidete durch mehr als 45 Jahre das Amt des CultusVorstehers unserer Gemeinde. Prag, 3. April. (Der Kidusch-Becher des (hohen) RabbiLöb, Rabbiner in Prag.) Dieser vielbekannte Becher mit seiner nicht seltenen Sederabend-Sage befindet sich im Besitze des 76jährigen kinderlosen Klaus-Rabbi Gabriel Böhm in Nikolsburg. Rabbi Gabriel war ein einziger Sohn seiner Eltern, mutterseits. Vaterseits existiren vielleicht noch Geschwister oder Neffen, Kinder oder Enkel des Rabbi Abraham Posselburg in Miskolcz in Ungarn, aus welcher Familie der rühmlichst bekannte Dr. v. Brodi, Inhaber des „Pester Journal", auch abstammt. Der Becherinhaber ist vaterseits ein Enkel des seligen Rabbi Gabriel Böhm, Rabbiner in Straßnitz, seine Mutter war auch aus Straßnitz. Es wäre also wünschenswerth, wenn sich nähere oder auch fernere Verwandte um den Besitz dieses Bechers bewerben möchten, damit er nicht einstens in einen unwürdigen Besitz gelange. Prag, 27. März. Bei der gestern bei dem Statthalter Grafen Coudenhove stattgefundenen Soiröe waren auch Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Rosenbacher, Handels-Gremialpräses Forchh e i m e r, Landesschulrath I n w a l d, Großindustrieller Ritter v. Kubinsky, Obmann der böhmischen Landesjudenschaft, Dr. Lichtenstern, Obmann der Unfallversicherungs-Anstalt, erschienen. Lemberg, 2. April. (Concurs Goldstern und Löwenherz.) Die strafgerichtliche Untersuchung gegen die beiden Chefs des falliten Bankhauses G o l d st e r n u. L ö w e nh e r z in Lemberg, dessen Zusammensturz seinerzeit allenthalben großes Aufsehen erregt hat, ist gestern nach zweijähriger Dauer zum Abschlüsse gelangt. Die Staatsanwaltschaft ist von der Anklage gegen einen dieser Bankiers, Goldstern, gänzlich zurückgetreten. Die Hauptverhandlung gegen den zweiten Geschäftsinhaber, Löwenherz, wurde für Mitte Mai anberaumt und wird, da mehrere hundert Beschädigte als Zeugen einvernommcn werden sollen, mehr als einen Monat dauern. Preßburg. ^Am 25. d. M. verschied Herr Josef Spitzer in Breitenbrunn bei Malaczka in seinem 84. Lebensjahre. Herr Josef Spitzer, ein Schüler des berühmten Chassam Sof e r in Preßburg, befaßte sich bis an sein Lebensende mit dem Studium der hebräischen Wissenschaften, war nebstbei Kaufmann