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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 14 Vr Vloch's Mor^rnptzrM Seite 375 mit 22 gegen 4 Stimmen entschieden, daß die Betreffenden das Wohnrecht verlieren, sobald sie in die zweite Gilde herabsinken. Bon großer Bedeutung ist für unsere jüdischen technischen Schulen die Conferenz der Directoreu sämmtlicher Fach- und gewerblichen Schulen in Rußland, die in diesen Tagen hier Zusammentritt. Bon Juden nehmen daran Theil der Director der Petersburger Schule der Gesellschaft für Verbreitung der Cultur unter den Juden und derjenige der Odessaerschule. Trud. — Eine alte Klage ist, daß die Gelder aus der jüdischen Fleischtaxe statt für jüdische Zwecke für alle möglichen anderen Dinge verwendet werden. So sind wieder für Ausbesserungen im Straßenpflaster bewilligt worden: Felshin 5960 Rubel, Shargorad 33.529 Rubel, Derajny 1000 Rubel, Medjibagi 21.844 Rubel und Salta 15.000 Rubel. Algier. Die Ankunft des 24jährigen antisemitischen Führers Max Regis. der von seiner Pariser Reise zurückkam, hat sich zu einem wahren Triumphzuge für ihn gestaltet. Mehr als 10.000 Personen erwarteten den jungen Judenfresser am Quai, man spannte ihm die Pferde aus und zog seinen Wagen im Triumph nach seiner Wohnung. Die Juden aber mußten ihre .Geschäfte schließen, um Schlimmeres zu verhüten. Die antisemitischen Organe, vor Allem der „Antijuif", üben einewicthschaftliche Tyrannei aus, indem sie den strengsten Boycott gegen die Juden predigen, wie er ärger nicht gedacht werden kann. Einige Beispiele: „Wir ersuchen Mr. Louis Nyer, Liquenrfabrikant, keine Juden mehr als Vertreter anzustellen." „Ist es wahr, daß die Tramwaycompagnie Juden beschäftigt? Das wäre sehr merkwürdig." „M. Bosca beschäftigt jüdische Arbeiter, wir haben ihn gewarnt." „M. Ribaudbeschäftigt in seinem Ausschank einen Inden als Kellner, möge er ihn entlassen!" Selbst bis auf die Französinnen, die in jüdischen Lädeu kaufen, erstreckt sich dieser Boycott. Der „Antijuif" schreibt: „Mme. Jacob Grauet und ihre Tochter lassen noch immer trotz aller Abmahnungen ihre Sachen bei Stora unfertigen." „Mau hat Mme. P. und Mme. M., die Frau und die Schwester des bekannten Politikers, überrascht, als sie bei dem Juden Zitoun Juwelen knifften." So ruinirt der Boycott die wirthschaftliche Position der Juden, deren Position nach und nach völlig unerträglich wird, ohne daß das Einschreiten der Regierung sich irgendwie zu Gunsten der Bedrängten fühlbar machte. London. Großes Aufsehen erregt in E n gl a n d die Aussage eines jüdischen Advocaten über die Wucherer vor einer all hoc einberufenen Parlamentscommission. Sie zeigt, daß die Juden in der Lage sind, nichts vertuschen zu müssen. Und selbst, wenn jener Rechtsvertreter — wie verschiedene Blätter behaupten — sogar etwas übertrieben hätte, so sind doch andererseits seine freimüthigen Erklärungen über die Stellung, die die jüdischen Wucherer innerhalb der jüdischen Gemeinde einnehmen, von großem Werth — nicht nur für England. Man schreibt uns über die Angelegenheit aus London: Bor der Commission des Parlaments, die sich mit der Wucherfrage zu beschäftigen hat, gab der jüdische Advocat George Lewis folgende Erklärung ab: „Wucherer sind unter Inden wie unter Christen. Ich wünsche zu erklären, daß die jüdischen Gemeinden die Wucherer und ihren Beruf verachten und verabscheuen. Die Wucherer dürfen iit keiner jüdischen Gemeinde eine Ehrenstellung einnehmen, und dies ist allen Kreisen bekannt, da die jüdische Geistlichkeit wiederholt gegen Wucher und Wucherer gepredigt hat. Die jüdische Gemeinde würde sehr froh sein, wenn sie diese Leute ausstoßen könnte." New-Aork. Daß die Juden in Amerika auch in der Marine vertreten sind, ist eine bekannte Sache. So kann es auch nicht Wunder nehmen, daß sich unter der Besatzung des vor Havanna in die Luft geflogenen Kriegsschiffes auch eine Anzahl Juden befand. Es waren nicht weniger als elf, nämlich Henry Baum, Charles Bergmann, Leon Barmer, Josef G o r d o n, William Robinson, Jacob Becher, Fred B l n m b e r g, Louis F l e i s ch m a n n, Daniel P r i c e, Henry Groß und George Schwarz. Die Spannung zwischen Spanien und Nordamerika, von der man annimmt, daß sie zum Kriege führen müßte, hat einer Anzahl russischer Juden Gelegenheit geboten, ihren Patriotismus für ihr neues Vaterland zu beweisen. Bei dem Gouverneur von Maryland haben sich 50 jüdische Freiwillige gemeldet, um im Falle eines Krieges mit Spanien in die Armee mit ausgenommen zu werden. Der Gouverneur hat ihnen einstweilen Gewehre rc. zugewiesen, damit sie sich den militärischen Drill aneignen können. New-Aork. Wie schon vor einiger Zeit mitgetheilt wurde, hat Herr Salomon Loeb, Mitglied des Bankhauses Kühn, Loeb & Co., den „United Hebrew Charities" Keuntniß davon gegeben, daß er der Gesellschaft eine größere Schenkung zu machen beabsichtige. Nunmehr hat Herr Loeb mit der Ausführung seiner philanthrophischen Absicht begonnen und hat durch die Grundeigenthums-Makler Hiram Rinaldo und Bro das an der Südostecke der 21. Str. und 2. Ave belegene. 65 bis 90 Fuß große, zur Dr. Aaron Wise'schen Hinterlassenschaft gehörige Grundstück angekaust. Auf diesem Grundstück wird Herr Loeb ein sieben Stockwerk hohes, mit allen modernen Verbesserungen versehenes, feuersicheres Gebäude errichten, welches sowohl als Heim wie als Bermaltnngsgebäude der „United Hebrew Charities" dienen soll und auch äußerlich ein Prachtbau werden wird. Buenos-Ayres. Das officielle Organ für Landwirthschaft schreibt: Die Colonien des Baron Hirsch in den Departements Uruguay und Billaguay haben 28.000 Hektar mit Weizen und Flachs besäet, diejenigen in der Station Barovillbase noch weitere 5000 Hektar. Zum The'l hat die Ernte schon begonnen, 150 Schnitter sind gemiethet und auf eigenem Werk, 74 Densymaschinen arbeiten )cf)OU und man muß sagen, daß diese Colonien Elemente des Fortschrittes sind für die Provinz Enterios. Nur die Viehhaltung ist nicht auf der Höhe, woran vielleicht die vorjährige Dürre Schuld ist. Leider sind trotz dieser guten Aussichten inuner mehr von den Ansiedlern in den letzten Wochen nach Buenos-Ayres gekommen, um hier zu bleiben oder auszuwandern. Besonders viele kommen aus Mosesville und führen bittere Klage über die rohe Behandlung seitens des Administrators. Director Cares hat versprochen, diese Angelegenheit zu untersuchen, doch hört man nichts von dem Resultat dieser Untersuchung, dagegen hat sich leider die hiesige Tagespresse dieser Sache bemächtigt und beutet sie weidlich aus. Südafr»ka. In Johannisburg besteht ein Nazarethhaus, das heißt eine Erziehungsanstalt für verlassene Kinder oder solche armer Eltern. Alle Kinder werden im christlichen Glauben erzogen, allein leider sind viele unter ihnen voll jüdischen Eltern, ohne daß diese eine andere Erziehung erhalten, trotzdem die eifrigsten Förderer des Institutes und seilte größten Geldgeber Inden sind. — In Kimberley hat ein Nichtjude Dr. Rutherford Harris der jüdischen Hilfsgesellschaft ein Geschenk von 25 Guineen gemacht. — Man muß sagen, daß die hiesige öffentliche Meinung die Verdienste der Inden rückhaltslos anerkennt und mit einer in heutiger Zeit doppelt erfreulichen Eiurnüthigkeit die Seuche des Antisemitismus verdammt. Südafrika. Das Vereinswesen auf dem Gebiete der jüdischen Wohlthätigkeit entwickelt sich hier in erfreulicher Weise. So ist erst neuerdings irr Pretoria ein jüdischer Frauenverein begründet worden, der mit der Jewish Helping Hand Society Zusammenarbeiten will, die in Johannesburg, Port Elisabeth rc. ihre Zweige hat. In Johannesburg fand zum Besten dieser Gesellschaft ein großes Fest am 7. Adar statt, das einen Ueberschuß von 4400 Mark abwarf. In Bulawayo sind die beiden jüdischen Gemeinden, die Jewish Congregation und die Hebrew Congregation, mit einander verschmolzen worden unter dem Namen Bulawayo United Hebrew Congregations. Der neugewählte Vorstand soll sich schleunigst an die Alufgabe machen, einen geeigneten Geistlichen zu finden. Leider ist aber auch hier nicht Alles, wie es sein sollte, denn auch in unseren weltfernen Provinzen haben wir den alten Judenhaß zu bekämpfen. Der „Frontier Guardian" in Dordrecht brachte am 18. März einen Artikel, in dem den Juden das Recht abgesprochen wurde, sich als Engländer zu fühlen. Dieser kecke Angriff hat einen ganzen Sturüi wachgernfen und in zahlreichen heftigen Briefen an diese Zeitung hat sich derselbe Luft gemacht. Erfreulicherweise find diese Allgriffe auf die Gleichstellung der Juden ganz vereinzelt. Shanghai. Am 6- Februar fand in der Synagoge eine Versammlung der hiesigen Juden statt, um einen Zweigverein der Anglo Jewish. Association zu errichten. Die zahlreich besuchte Versammlung beschloß auch, sich als Zweigverein zu constituiren und wählte Mr. I. Moore zum Präsidenten. Es ist erfreulich, daß auch hier im fernen China die Juden daran denken, ihren leidenden Stammesgenoffen zu helfen, obwohl dieselben durch Räume von Tausenden von Meilen von ihnen getrennt sind.

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