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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14 Vr. Blmtz'W Moaxrnsapnfr. geweiht; er geht von der Ansicht aus, daß einer nicht Alles leisten solle und könne; wer wie May bäum darnach trachtet, hochgespannte Ansprüche eines gebildeten Publicnms, sei es als Kanzelredner und noch mehr als Casualredner zu befriedigen, der könne nicht zur Jugend herabsteigen. Wir haben schon daraus hingewiesen, daß man sich hüten müsse, aus dem Jugendgottesdienste einen Gottesdienst für die Kleinen, so eine Art religiöses Spielzeug, zu gestalten. Ein Mann aber mit mächtiger, gedankenschwerer Beredtsamkeit fände an unserer Jugend an der Universität, in den höheren Gymnasialclassen oder in den Seleclen unserer höheren Töchterschulen noch teilnehmendere Zuhörer als an den oft geschäfts- und sorgenmüden Erwachsenen. Die jüdische Gemeindeverwaltung glaubte den Jugendgottesdienst zu krönen, als sie auch für die höchsten Feiertage ihn einrichtete. Wir waren anfangs frappirt. Ein paar ' Mal im Jahre, an jenen heiligen Tagen sollte sich doch Jung und Alt zusammenfinden und sich zu einer Gemeinde verbinden, wie sie einst Moses in der Wüste um sich schaarte. Nicht einmal die altkluge Bemerkung, daß die Jugend, die unerfahrene, sich in die religiösen Empfindungen der Erwachsenen nicht hineinversetzen könne, kann uns von unserer Meinung abbringen, denn der Jugengottesdienst ist uns nur als Surrogat von Werth; an Tagen, wo Alle, Alle Zeit haben, brauchen wir dies Surrogat nicht. Aber in der Gemeinde ist dieser Plan, auch am Neujahrs¬ und Versöhnungstag die Jugend beim öffentlichen Gebete von der anderen Gemeinde zu trennen, mit Jubel ausgenommen worden. Es war kein so großes Uebel, daß die Einführung nicht überstürzt wurde, da soll nun, wenn es eilig ist, gleichsam über Nacht eine. Agende hergestellt werden und die Herren, an die der Vorstand sich wendet, sind nun einmal keine Hexenmeister. Geld haben wir, heidenmäßig viel Geld, darin sind wir den Wienern über und könnten uns womöglich ein Dutzend Gotteshäuser aufrichten. Aber es fehlen doch die geistigen Kräfte, wenn wir x B. am Freitag Abends in den Tempel kommen und der erste deutsche Satz, den wir vernehmen, lautet: „Vorüber sind die Tage der Arbeit", so überkommt uns ein Staunen über diesen Mangel an Wahrbaftigkeit, wie kann man in diesem vielgeschäftigen, rastlos am Freitag Abend, wie an jedem anderen Tage arbeitenden Berlin dem Betenden diese offenkundige Unwahrheit ins Gesicht schleudern! Und gerade die Jugend der Großstadt hört mit scharfem Ohr hin und ist zum Tadel geneigt. Es ist ein geistreicher Gedanke, den Dr. Minden zuerst auf's Tapet brachte, es sollen die Eltern sich darum kümmern, wie die Jugend über Predigt und Gebet dieser für sie bestimmten Gottesdienste denkt und diese Urtheile dann den Predigern zustellen; wir glauben, es käme dabei manche naseweise Bemerkung zu Tage, aber zweifellos auch mancher nützliche Hinweis, vor Allem aber würde es sich Herausstellen, daß die Jugend, auf die es ankommt, die halberwachsene, bei Weitem nicht so kindlich und naiv ist, als die Alten meinen. Wenn die Aelteren eine Rede hören, die der Redner so recht für die Jugend angepaßt hat, so sind sie entzückt über den kindlichen Ton, aber die Jugend ist empört, so wie die Kinder behandelt zu werden. Aber wenn auch im Einzelnen mancher Fehlgriff unvermeidlich ist, das Streben ist vorhanden, weit die Pforten zu öffnen, daß die Jungen und die Alten in die Tempel einziehen. Der Hunger nach dem Worte Gottes ist in diesem als gottlos verschrieenen Berlin doch vorhanden. Gesangliche Kräfte sind vorhanden; der Chorgesang in den Synagogen ist zuweilen von unübertrefflicher Schönheit. Aber vier Prediger können unmöglich einer Gemeinde von hunderttausend Seelen genügen, zumal da ja die Kanzel nur den kleineren Theil der Kräfte in Anspruch nimmt. Eine ganze Schaar von jungen Theologen müßte engagirt werden, um in den Schulen einen Religionsunterricht zu ertheilen, der auf der Höhe des Judenthums und der Zeit steht, um auf den Kanzeln das Wort des Glaubens zu Zeiten zu verkünden, in denen die älteren Rabbiner anderwärtig thätig sind. Diese jungen Männer würden bestrebt sein, ihr Bestes zu bieten. Die Conservativen und die Liberalen, trotz des scheinbar so lebhaften Kampfes, sind gar nicht durch eine so große Kluft von einander getrennt; man hat sich in eine Hitze hineingeredet, nichts weiter; das Streben ist vorhanden, in jeder Form dem Verlangen nach gottesdienstlichen Veranstaltungen besonders für die Jugend zu entsprechen; aber der Gottesdienst allein thut es nicht, er muß erfüllt sein mit einem gediegenen Inhalt. Teile 371 Die hervorragendsten Rabbinen Prags. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Böhmen. Von Dr. M. H. Friedländer. IV. Rabbi Moses ben Mendel. Als im Jahre 1621 Rabbi Jesaias Hurwitz Prag verließ, um ins heilige Land zu reisen, wurde die durch seinen Abgang vacant gewordene Oberrabbinerstelle dem scharfsinnigen Talmudisten Rabbi Moses ben Jesaias Menachem (Mendel), aus dem polnischen Reiche zur Verwaltung übertragen. Schon sein Vater Rabbi Mendel war ein hervorragender Talmudist. Er war der Nachfolger des berühmten und allgemein gefeierten Rabbi Meir Lublins im Krakauer Rabbinate. Er hatte drei gelehrte Söhne, von welchen der Aelteste, Rabbi Moses, nicht nur sie, sondern auch ihn in wissenschaftlicher Beziehung überragt hatte. Rabbi Moses erfreute sich in der rabbinischen Gelehrtenwelt eines solch bedeutenden Rufes, daß selbst der als rabbinische Autorität ersten Ranges allgemein gefeierte Rabbi Jacob Backofen ihn ein gadol batora umeforsum nannte, dessen Ansichten in casuistischen Fragen besonders beherzigt und gewürdigt zu werden verdienen. Kaum war er ein Jahr in Prag, als er 1622 durch das Hinscheiden seiner frommen würdigen Gattin Sarah, Tochter des Moses Salkinds aus Krakau, einen herben Verlust erlitten hatte. Dieser ftomme Rabbi scheint nicht gar lange das Prager Oberrabbinat bekleidet zu haben, denn 1627 sehen wir schon einen andern, und zwar den berühmten Rabbiner Lippmann Heller diesen Rabbinatssitz einnehmen. Einer Sage zufolge soll Rabbi Moses ben Mendel deshalb Prag so rasch verlassen haben, weil er wegen eines Falsums in seinem Legitimationsscheine bei der Strafbehörde denuncirt worden sei. Im Jahre 1636 begegnen wir ihm in Posen, wo er das dortige Oberrabbinat äußerst würdevoll bekleidete. Von seinen literarischen Leistungen besitzen wir blos eine Selicha Moschei loeljonim, ein Gebet um Abwendung einer grassirenden Seuche. Sein Sohn Israel hat'ein Werk Marsh redest, Register über die wichtigsten Abhandlungen im Talmud, wie auch ein solches zum Schelah verfaßt. Seine Tochter Edel schrieb Compendium des Josipon in jüdisch-deutscher Sprache, Krakau 1670 (Gal. Ed. 70). V. Rabbi Lippmann Heller. Eine hochgeachtete und allgemein gefeierte Persönlichkeit war Rabbi Lippmann Heller, Verfasser der „Tossafot Jom Tob". Lippmann Jom Tob, Sohn des Nathan Heller, wurde in Wallerftein, im Fürstenthum Anspach, im Jahre 1579 geboren. Sein Vater Nathan starb, 19 Jahre alt, vor der Geburt des Sohnes, daher Lippmann im Hause seines Großvaters, des gelehrten Rabbi Moses Wallerstein, erzogen wurde. In Prag jedoch erhielt er seine weitere gründliche rabbinische Ausbildung. Rabbi Jacob Günzburg aus Friedberg war ebenfalls sein Lehrer. Lippmann erregte bald in Folge seiner eminenten Gelehrsamkeit auf dem Gebiete der rabbinischen Literatur wie auf dem der profanen Wissenschaften ungewöhnliche Sensation. In seinem 18. Jahre wurde er von der Prager Gemeinde zum Rabbinatsasiessor und Leiter einer Talmudschule ernannt, welche Aemter er 28 Jahre lang würdevoll bekleidet hatte. Seiner hohen Gelehrsamkeit und seiner edlen Tugenden halber wurde er im Monate Cheschwan 1625 von der Nikolsburger Gemeinde zum Rabbiner ernannt. Kaum hatte er dieses Rabbinat 6 Monate inne, als er von der Wiener Gemeinde einen ehrenvollen Ruf erhielt. In Wien waren Rabbi Josef und Rabbi Gerson seine Rabbinatsaffessoren. Rabbi Lippmann besaß überdies ein ausgezeichnetes administratives Talent, und erwarb sich in Wien, wo er für die Gemeinde ein treffliches, zweckentsprechendes Statut ausarbeitete, die allgemeine Liebe und Hochachtung. Zwei Jahre später, 1627, wurde Heller von der Prager Gemeinde, der damaligen größten Gemeinde Deutschlands, zum Oberrabbiner ernannt. In dieser Gemeinde, wo damals arge Zerwürfnisse herrschten, mußte er, als amtirender Oberrabbiner, in der Commission, deren Aufgabe es war, die jährliche Kriegssteuer von 40.000 fl. unter die Prager Juden zu vertheilen, als Vorsitzender fuugiren. Dieses höchst schwierige und undankbare Anlt, verschaffte chm trotz seines biederen, reinen und edlen Charakters viele

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