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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Seite 269 Dr. Vloch's Wochenschrift. Da erfolgte das Zeichen, erfolgte das Commando: „Hoch schlagt an — Feuer!" — Jetzt erfolgte das Commando „Geladen!" Eine allgemeine Bewegung erfaßte die Volksmasse. Die Pferde wurden unruhig; stiegen und schlugen aus, und das Volk lief um so mehr. Die zweite Salve, durch die Unruhe der Pferde schon recht regellos, beflügelte die Schritte der zahlreichen Menschen, und die dritte Salve würde, selbst wenn sie gezielt und scharf geladen gewesen wäre, wohl kr ine Opfer mehr erreicht haben. Die Folge war, daß uns der Heimweg viel bequemer' wurde als der Ausmarsch." I. N. Mannheimer und die Aushebung der Iudenfleuer im vormärzlichen Oesterreich. Eine historische Reminiscenz aus dem Kremsierer Reichstage. Von Leopold Brandeis, Rabbiner in JungwoLic. Gewisse Worte. Q, Worte gibt's, die nie verhallen! Sie sind wie Steinchen, die gefallen In einem Brunnen schwarz und tief, Und die von Kant' zu Kante springen Und stets von Neuem aufwärts klingen, Wenn scheinbar längst ihr Ton rntschlief, Es sind die Worte, die sich senken, In unser's Herzens tiefen Schacht; Aus der Vergessenheiten Nacht, Klingt ewig neu ihr Angedenken! Moritz Hartmann. Seit Beginn des laufenden Doppeljubeljahres — nämlich des erwachten Völkerfrühlings 1848, sowie der Regierung eines der hochherzigsten und edelsinnigsten Fürsten, die je einen Thron geziert, bestreben sich die meisten politischen Tagesblätter die epochalen Begebenheiten des 1848er Sturmjahres ihren Lesern in gedrängter Kürze vorzuführen. Es dürfte daher dem noch immer warm für unser altbewährtes Judenthum und angestammten Glauben fühlenden Leserkreis der für Humanität und Freisinn jederzeit kühn in die Schranken tretenden und auch kämpfenden „Oesterreichischen Wochenschrift" nicht ohne Interesse erscheinen — eine der brennendsten Tagesfragen, die die Gemüther der israelitischen Bewohner des aus seiner Lethargie erwachten Alt-Oesterreichs in Spannung versetzte — eines der denkwürdigsten Ereignisse dev damals so bewegten Zeit — die Aufhebung der Judensteuer — durch den Beschluß des Kremsierer Reichstages vom 5. October 1848 — und anknüpfend an die eingangs erwähnten Worte meines berühmten Landsmannes und Heimatsgenossen, sowie unvergeßlichen theuren Freundes Hartmann, zugleich jene in dieser denkwürdigen Reichstags-' sitzung gehaltene Rede Mannheimers — in Erinnerung zu bringen. Das wesentlichste Verdienst um die Aufhebung der Judensteuer hat sich unbestritten der Abgeordnete von Brody Jsack Noe Mannheimer, der damalige Prediger der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien, erworben, ein echter und rechter P r i e st e r der Menschenliebe, der berufen ward, eine Saat des Heiles für sein Volk zu streuen, durch sein Wort „die vertrockneten Gebeine zu beleben", ein unermüdlicher, rastloser Kämpfer für Menschlichkeit und Recht — der mit unerschrockenem Feuereifer sich der Enterbten, Gedrückten und Geknechteten, nicht nur seines Volkes, sondern jeder Confessio» und Nationalität annahm, der die Auswüchse der oberen Gesellschaftsschichten in offener Parlamentssitzung derart schonungslos geißelte, daß sich der damalige Vorstand der Wiener Cultusgemeinde bemüßigt sah, einen eigenen Sendboten, und zwar den Dichter Ludwig August Frankl — der seinerzeit die Functionen eines Secretärs bei der Wiener Cultusgemeinde versah — zu Mannheimer nach Kremsier zu entbieten, mit der stricten Weisung, „sich Mäßigung in seinen Worten a u f z u e rl e g e n." Die geistlichen Führer und Lehrer des israelitischen Volkes bestrebten sich von jeher, ihrem erhabenen Vorbilde, dem ersten und größten Lehrer der Menschheit — der nicht nur wie Christophs Columbo „d e r W e l t e i n e W e l t, sondern ihr auch einen Gott gegeben" — nachzueifern, und hiemit sei gleichzeitig der durch nichts gerechtfertigte Anwurf, den die modernen Hamans und diversen Amaleks, ja auch hie und da jüdische Zeloten gegen die Rabbinen schleudern „als ob dieselben im Solde d e r R e i ch e n ihres Stammes stünden", am klarsten und gründlichsten widerlegt. Kehren wir jedoch zur Aufhebung jener höchst inhumanen und unnioralischen Steuer zurück. „An schlechten G esetzen darf man nicht flicken, sie müssen verbrannt werden." Dieser Satz bedarf in einem Rechtsstaate wohl keiner besondern Empfehlung, die Ungerechtigkeit der Judensteuern wurde wohl von allen Seiten anerkannt; doch wurden dieselben gleich dem k. k. kleinen Lotto fort beibehalten. Blos für Böhmen erfolgte mittelst Allerhöchster Entschließung vom 15. Februar 1847 die succeffive Aufhebung der Judensteuern. In der Sitzung des constituirenden Reichstages vom 9. October 1848 wurde diese Schmach getilgt. Mannheimer sprach damals unter Anderem: „Meine Herren! Ich werde Ihnen nicht den ewigen Juden vorführen und nicht seine Leidensgeschichte. Ich glaube, daß sie heute nicht an der Tagesordnung ist, möglich kommt die Zeit, und ich behalte es mir vor. Für heute möchte ich nur einige Worte über den betreffenden Paragraph sprechen, und zwar nicht, weil es eine Geldfrage ist— da spreche ich nicht, — sondern weil es eine Lebensfrage für meine Glaubensgenossen ist, eine Ehrensache ist, und die Ehre steht höher selbst als das Leben. Man hat gesagt, es wäre das keine Glaubensft e u e r, nur eine Steuer vom Eigenthum. Nun, meine Herren! Ich will Ihnen das in zwei einfachen Fragen anschaulich machen. Ich frage, ob das eine Eigenthumssteuer ist, die der Jude heute zahlt, morgen aber nicht zahlt, wenn er sich dem betreffenden Pfarrer zur Verfügung stellt? Ist sein Eigenthum, sein Besitzthum morgen ein anderes, als es heute? Ist er selbst ein anderer? Er ist derselbe, sein Eigeuthum dasselbe, sein Vermögen dasselbe; sein Glaube ist ein anderer. — Es ist die Frage, ob d e r ein anderer ist? Man hat gesagt, es wäre eine Eigenthumssteuer und keine Glaubenssteuer. Ich frage Sie aber, wenn der arme Jude, und von dem spreche ich immer, wenn der kranke Jude zu seiner Stärkung und Kräftigung ein Huhn schlachten läßt, und nun von diesem Huhn, das bereits der Accise und Verzehrungssteuer unterlegen ist, von diesem Huhne eine bedeutende Steuer zu zahlen hat, weil es bei der Schlachtung einer religiösen Observanz unterliegt, während der reiche, gebildete Jude, der sich über diese Observanz hinwegsetzt, diese Steuer nicht zahlt, ich frage Sie, ist das eine Steuer vom Eigenthum, oder eine Glaubenssteuer? Man hat gesagt, es wäre eine Capitaliensteuer. Meine Herren! dem muß ich ein für alle Male widersprechen. Ich kenne keine Capitalien und keine jüdischen Kapitalisten, am wenigsten gilt es von denen, auf die Sie vielleicht ihr Augenmerk haben, die als solche besteuert wären. ... Ich gehe auf einen andern Gegenstand über. Die Frage liegt nahe, ob denn die Sache gar so dringlich sei, ob denn die Juden diese Steuer, die sie so lange gezahlt haben, nicht vielleicht noch das halbe Jahr oder das Jahr hindurch zahlen könnten? Die Dringlichkeit liegt nicht im Juden, der Jude trägt gar viel, und hat gar viel getragen, der Jude ist sehr zäher Natur, meine Herren! Wissen Sie, er hat mehr getragen als die Judensteuer, er hat getragen den Judenhaß! der drückt schwerer. Der Jude trägt noch, wenn es sein müßte, ein Jährchen diese Steuer fort. Aber wiffen Sie, meine Herren, wo diese Dringlichkeit liegt? Die Dringlichkeit liegt nicht im Juden, sie liegt in Ihnen, sie liegt in Ihrer Miffion, in Ihrem Berufe, in der Würde dieses Hauses. Die Dringlichkeit liegt in dem Boden j)a, der uns trägt und hält; da liegt die Dringlichkeit. Sie find der constituirende Reichstag, die erste constrtuirende Versammlung, die Vertreter des Volkes, Sie sind die Ersten, die der Regierung ein Budget, eine Steuer votiren;

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