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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Vr. VlmVs WvchrnptzrM Seite 267 rückgegangen. Das heißt: Herrn Dc. Lueger ist ein Drittel seiner Anhänger aus dem zweiten Wahlkörper, aus dem Wahlkörper der Intelligenz untreu geworden. Damit ist aber auch sein eigenes Schicksal entschieden. Der zweite Wahlkörper kommt nämlich in zwei Jahren, also im J chre 1900 in seiner Gänze zur Neuwahl und dann ist es mit der Bürgermeisterei des Dr. Lueger zu Ende. Denn, wenn es der Herr Volksbürgermeister in zwei Jahren dahingebracht hat, daß ihn ein Drittel seiner Anhänger verläßt, unterliegt es gar keinem Zweifel, daß sich dieses Drittel in weiteren zwei Jahren auf die Hälfte erhöht haben wird. Dann aber erhalten die Antisemiten kein einziges Mandat mehr im zweiten Wahlkörper und ist es auch mit ihrer Gemeinderaths- Majorität zu Ende. Hat Herr Dr. Lueger aber keine Majorität im Gemeinderathe, dann kann er auch nicht mehr Bürgermeister der Stadt Wien bleiben. So wird eine Bewegung enden, die man getrost als eine Verirrung der Geister, als ein Abschwenken der Bevölkerung von den natürlichen Grundlagen der Volkswirthschaft bezeichnen kann. Erzherzog Karl Ludwig und Ritter von Sonnenthal. In einigen Tagen wird von der Hof- und Staatsdruckerei ein umfangreiches Werk zur Ausgabe gelangen, das eine dankenswerthe Bereicherung der Reihe der Monographien über hervorragende Mitglieder des Hauses Habsburg-Lothringen bilden wird, nämlich eine von Alfred v. L i n d h e i m unter Mithilfe mehrerer Anderer verfaßte Lebensbeschreibung des vor zwei Jahren verstorbenen Erzherzogs Karl Ludwig, eine Arbeit, die allenthalben großes Interesse erregen wird, ihres Gegenstandes wegen und weil sie sich stellenweise zu einer auf reichem Quellenmateriale fußenden Darstellung allgemeiner politischer und cultureller Zeitzustände Oesterreichs ausweitet. Interessant ist ein Capitel, in welchem von dem persönlichen Verkehr des Erzherzogs mit dem Hofschauspieler Sonnenthal ^die Rede ist. Der Erzherzog sagte einmal zu Sonnenthal, als im Laufe des Gespräches die religiöse Frage berührt wurde: „Ich bin ein gläubiger Christ, sowie Sie ein gläubiger Jude sind; ich weiß es und," seine Hand wohlwollend auf Svnnenthal's Schulter legend, fügte der Erzherzog hinzu: „das achte und schätze ich an Ihnen, wie an jedem Menschen, der seinem Glauben, seiner Ueberzeugung treu bleibtt" Kunst und Künstler erfreuten sich überhaupt der besonderen Gunst des Erzherzogs, und Sonnenthal gibt im Lindheim'schen Buche anziehende Mittheilungen darüber. Er sagt unter Anderm: „Mit geradezu eifersüchtiger Fürsorge wachte er über unser erstes Kunstinstitut, das Burgtheater, und es vergirrg keine Novität, ja oft nur eine interessante Neubesetzung, von welcher der Erzherzog nicht Notiz genommen hätte." Sonnenthal erzählt weiter, er sei nach solchen Aufführungen oftmals zur Audienz befohlen worden, die sich stets zu einer künstlerischen Unterredung gestaltete, in welcher der Erzherzog eine umfassende Kenntniß der internsten Details des Theaters bekundete. Spendete er Lob, so geschah dies nicht etwa in conventionellen liebenswürdigen Phrasen, sondern aus der jeweiligen Auffassung der Rolle des betreffenden Darstellers künstlerisch begründet. Er wußte noch ganz genau die Betonungen eines Anschütz, La Roche, Löwe, Fichtner bei irgend einer markanten Stelle und erging sich gerne in Reminiscenzen aus dem alten Burgtheater, was Sonuenthal gelegentlich zu der Aeußerung veranlaßte, weshalb der Erzherzog diese Erinnerungen nicht zu Papier gebracht habe. „Sie sind aufbewahrt," erwiderte der Erzherzog lächelnd, „hier und hier", indem er auf Kopf und Herz deutete. Oesterreichische Gesellschaft in Newyork. Es ist bekannt, welche Fährlichkeiten den Auswanderer auf amerikanischem Boden erwarten; Ausbeuter und Diebsgesindel aller Art lauert mit haifischähnlicher Beutegier in den Landungsstätten, und die Fälle ereignen sich drüben täglich, daß der Sprache nicht mächtige Einwanderer schon wenige Stunden nach ihrer Ankunft auf amerikanischem Boden kahlgeplündert aussehen wie eine Kirchenmaus. Um in dieser Richtung energische Abhilfe zu bringen, hat sich kürzlich in Newyork unter der Aegide unseres General- Consuls Herrn Franz S t o ck i n g e r die Oesterreichische Gesellschaft von Newyork gebildet, welche es sich zum Zwecke macht, allen drüben ankommenden Landsleuten mit Rath und That an die Hand zu gehen und sie vor jedweder Benachtheiligung zu schützen. In den Aufsichtsrath der Gesellschaft, der unter Leitung des Herrn General-Consuls steht, wurden die Herren Louis F l e i s ch m a n n, der frühere Einwanderungs-Commiffär Dr. I. H. Senner, der Besitzer der Newyorker Brauer-Akademie Max Schwarz, Advocat Dc. S ch r e i t e r, Tyeater-Director Heinrich Conried, die Aerzte Dr. S. Breite nfeld und Dr. E. P i s k o, ferner die Herren Albrecht S t i a s n y, Tauscher de Sighart, Robert v. G r i m b u r g, Baron E. Ramberg, Redacteur Dworzak vom „Katholischen Volksblatt", Lehrer I. Winter und Redacteur Karl P. H a u l vom „Newyork Herald" berufen. DerChef-Redacteurder „Newyorker Staatszeitung", Herr Oswald Ottend orfer, bekanntlich ein gebürtiger Mährer, der schon eine Reihe wohlthätiger Stiftungen höchst munificenter Art schuf, hat dem jungen Vereine eine ansehnliche Summe gespendet, und durch Zuwendungen anderer Landsleute ist der neugegründete Verein in der Lage, schon iu wenigen Wochen sein erstes Emigrantenheim zu eröffnen, über deffen Thor der österreichische Doppeladler prangen und das allen hilfs- und schutzbedürftigen Landsleuten eine Zufluchtsstätte bieten wird. Eine pietätvolle Erinnerung. Der Jesuiten-Priester Pater Heinrich Abel hält gegenwärtig in der Angnstinerkirche Predigten, die nur für Männer bestimmt sind. In einer der letzten dieser Predigten sprach Pater Abel, wie das „Vaterland" berichtet, über die Freimaurer und über deren angeblichen Kampf nicht blos gegen die kirchliche, sondern auch gegen die weltliche Autorität. „Wenn Einer da ist" — fuhr Pater Abel fort — „der den Freimaurern das nicht zutraut, dem sage ich, daß im J. chre 1784 eine Versammlung der „eklektischen Großloge" von Frankfurt das T:desurtheil über König Ludwig XVI. von Frankreich und Gustav III. von Schweden fällte, und der den Antragstellte, hießAbelundwarmein Großvater." „Aber auch die Juden haben bei dem Kampfe nicht gefehlt, und der erste Jude in dieser Loge war L u d w i g B ö r n e." So versichert wenigstens Pater Abel; aber die Biographie Börne's widerspricht dem ganz entschieden, außer wenn man annehmell wollte, der Dichter habe sich schon zwei Jahre vor seiner Geburt als Fürstenmörder bethätigt. Die Geburt Börne's fällt nämlich in das Jahr 1786. Eine Tendenzlüge. Durch zahlreiche Blätter von Preußisch- und Oesterreichisch-Schlesien ging in den letzten Tagen die Nachricht, es sei auf dem Bahnhofe — die Einen verlegten die geheimnißvolle Affaire nach Bromberg, die Anderen nach Bielitz — eine Kiste geöffnet worden, in der sich eine geknebelte, aber noch lebende Frauensperson befunden habe. Von antisemitischer Seite beeilte man sich, die Angelegenheit mit dem rituellen Blutmärchen in Zusammenhang zu bringen. Das Polizei-Präsidium in Bromberg hat auf eine diesbezügliche Anfrage Folgendes geantwortet: „Urschriftlich mit dem Bemerken ergebenst zurückgesendet, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Daß es ein schlechter antisemitischer Scherz gewesen ist, ist wohl nicht auzunehmen, da an dem Tage, wo hier die Sache bekannt wurde, Liebermann v. Sonnenberg sprach, die Sache aber gar nicht erwähnt wurde. Die Bermuthung hätte nahegelegen, daß die Geschichte in die Welt gesetzt worden, um in dieser Versammlung daraus Capital zu schlagen. Eher liegt der Verdacht nahe, daß es ein Wahlpolitik-Manöver gewesen ist, wenn nicht überhaupt ein schlechter Scherz. Städtische Polizei- Verwaltung. Wolff." In einer Berichtigung dementirt nun auch das Bürgermeister-Amt in Bielitz die Affaire in nachstehender Weise: „Es ist gänzlich unwahr, daß in Bielitz ein Mädchen in einer Kiste als Frachtgut angekommen ist; es ist selbstverständlich reine Erfindung, wenn erzählt und geschrieben wird, daß das Mädchen sich in Bielitz in einem Spitale befindet, ja, daß es sogar bereits gestorben sein soll. Es bedarf wohl nicht erst der amtlichen Bestätigung, daß in Bielitz nicht die geringste Beunruhigung der Gemüther durch die Verbreitung des Gerüchtes bisher eingetreten ist." — Das hindert die anttsemitische Presse nicht, das blöde Märchen eiftig weiter zu verbreiten, um die leichtgläubigen Mafien vielleicht doch zu Excessen aufstacheln zu können. Zu Dr. Friedlander's Beitrag zur Geschichte der Rabbinen. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redacteur, den Dr. Friedländer darüber aufmerksam zu machen, daß das der Biographie des Rabbi Jesaiah Halevi annectitte Märchen quasi falsch sei, daß der Akibba ein „Schachet" und nicht ein „Schames" gewesen wäre und daß nicht die Behörde ihm das Ohr abschneiden ließe, sondern Rabbi Jsiah selbst ihm das Ohr abbiß, als er ihn verdächtig hielt, das Geld gestohlen zu haben, welches er auf der Reise nach. dem heiligen^ande mitnahm. Der Schachet Akibba reiste nämlich mit dem Rabbi Jsaiah Halevi nach dem heiligen Lände. Der Rabbi hatte sein eigenes Pferd

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