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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-06 · 14 (6.4.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
14 (6.4.1898)
Date
1898-04-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Vr Bloch » MochrnfchrM Gerte 265 Willen die brausenden Wasser sich theilten und uns den Pfad finden ließen, der uns in die Heimat führte zum Licht und zur Freiheit. Längst hat das stille Feiern, das emsige Arbeiten und Vorbereiten zu dem Feste aufgehört. Nur Wenige noch pflegen in kindlicher Pietät die alte, schöne Sitte. In den Wirren und Wogen der Zeit findet selten Einer Ruhe, die Stunden zu genießen. Der Kampf um's Dasein wehrt den Gedanken, das Ideale zu pflegen und an Altgewohntem festzuhalten. Und doch mahnt uns immer die Stimme am Ostertage, an jene Zeit zu denken, in der die Allgewalt der Vorsehung in unserer Geschichte fich offenbarte, einen vielgefürchteten, blutdürstigen Tyrannen zu Boden schmetterte, um die unschuldig Verfolgten zur Freiheit zu führen. Und auch heute thut es noch noth, um diese Freiheit, um diese Erlösung zu bitten, die unser Volk damals erhalten. Wir stehen noch immer ausgeschlossen, vereinzelt da, gehemmt in unserem Ringen und Streben, gefesselt in unserer Entwicklung und Entfaltung. Wir sind noch immer die Zielscheibe des Spottes, des Hohnes undj der Verachtung; wir leiden noch immer unter einer geistigen Knechtschaft, die eben so hart ist, wie die einst in Egypten gewesen. So muß das Vertrauen in uns von Neuem wach und rege werden und sich beleben in dem Gedanken an das große Ereigniß vergangener Tage, das im Stande ist, fort und fort seine Macht auf unsere Herzen zu üben und unsere Seele von Neuem zu erfüllen mit dem innigen Glauben an Gott und an seine nie wankende Treue. So möge das Fest, das den Frühling kündet, die Befreiung einst gebracht, zum Segen wiederkehren und alle Diejenigen sammeln, die zerstreut sind im hastigen Mühen und Drängen des Lebens. Möge es in seiner Einfachheit und Erhabenheit, in seiner Weihe ganz und voll auf uns wirken und uns ermuthigen und stärken, daß wir festhalten an dem, was der Väter Sitte uns gelehrt, festhalten an jener Pietät, die unsere Seele mächtig erfüllt, unsere Erhaltung bedingt und immer wieder neue Keime, neue Blüthen zeitigt. Wenn wir innig uns vereinen an allen Orten, in allen Landen und treu zu einander und miteinander halten, in unseren Häusern die Feste feiern nach altem Brauch, uns begeistern und ermuthigen an dem, was erhaben und groß ist, unsere Kinder lehren und mit dem erfüllen, wovon unser Herz gefangen genommen, dann ist in jedem Orte ein Jerusalem, in jedem Herzen der heilige Tempel aufgerichtet, dann sind wir in der Heimat, dann stehen wir fest und frei, wenn auch Alles um uns wankt und zittert, dann haben wir den Heldenmuth und die Begeisterung, für unsere Heiligthümer zu kämpfen und zu sterben, dann erringen wir uns allmälig die geistige Freiheit, nach der wir uns sehnen, dann ist die Zeit nicht mehr fern, in der alle Welt das Frühlingsfest feiert, dann ertönt trotz Frost und starren Eises Wehen jubelnd: Verzaget nicht und vertraut! Sie kommt, sie kommt die große, schöne und herrliche Zeit, in welcher die- Sonne der Freiheit sanft, mild und strahlend über alle Völker sich erheben wird, die Wahngebilde, welche den Menschengeist verdunkeln, verscheuchen, und auch die Nacht unsrer Knechtschaft beendigen wird. Dann wird der ewige Frühling in die Welt ziehen und den Frieden bringen, den Nahen, den Fernen. Die Menschen werden zum Bruderbünde sich die Hand reichen; siegend wird die Eintracht herrschen. Glanz, Licht und Duft, Freiheit, Friede und Glück werden die Welt durchziehen, soweit ein Aug', ein Gottesauge sieht. Gin Gedenkblatt für Karl Werner. In unserem trüben, von der Schmach des Jahrhunderts schwer heimgesuchten Zeitalter, wo erfahrungsgemäß weder die freimachende Bildung noch das Alter vor der Thorheit des Antisemitismus schützt, erscheint es als eine ebenso wohlthnende wie unabweisliche Pflicht, jene theuren Häupter zu zählen, die dem Antisemitismus saus pdrass und mit vornehmer Verachtung die Thür weisen und gern jede Gelegenheit wahrnehmen, um ihren unter solchen Umständen doppelt sympathischen Freisinn offen und rückhaltos zu bethätigen und das Edle und Menschliche, allen Philistern zum Trotz, nachhaltig zu Ehren zu bringen. Ein so theures Haupt war unstreitig der k. k. Landesschulinspector, Karl Werner, der am 26. März d I., wenige Wochen vor Vollendung seines siebzigsten Lebensjahres, in Meran plötzlich entschlummert und am 29. März in S a l zb u r g zur Erde bestattet worden ist. Ein lichter Kopf, ein offener Charakter, ein genialer Fachmann und ein liebenswürdiger College, wirkte Werner in der ersten Hälfte der Sechziger-Jahre als Profeffor am I g l a u er Staats-Obergymnasium, dessen Zierde er war. und aus jener Zeit datirt unsere wechselseitige, persönliche Bekanntschaft, die sich allmählich zu einem innigen Freundschaftsverhältnisse auswuchs, welches in einem meist brieflichen Gedankenaustausche mehr als ein Menschenalter hindurch lebhaften Ausdruck fand. Werner's hoheitsvoller Gesinnungsadel, der für confessionelle Engherzigkeit und für obscure Sonderbestrebungen absolut unzugänglich war, wurde von seiner mit weiblichen Tugenden reichgeschmückten Lebensgefährtin vollkommen getheilt und von Beiden nicht blos zum Grundtone der häuslichen Harmonie, sondern auch zum unveräußerlichen, idealen Stammgute der Familie erhoben. Es darf wohl mit Genngthuung betont werden, daß Wer ne r's Beamten-Carriöre mit seiner ungewöhnlichen, fachmännischen Begabung und mit seinem stupenden Wiffen gleichen Schritt hielt, was sonst bekanntlich nicht immer der Fall ist. So avancirte er schon im Jahre 1866 zum Director des Znaimer Staats-Gymnasiums, kam wenige Jahre später als Landess chulinspector nach Prag und wurde 1874, als sich die dortigen nationalen Gegensätze in höchst unerquicklichem Maße verschärft hatten, über sein Verlangen nach Salzburg versetzt, wo er fast zwei Decennien hindurch eine überaus ersprießliche Thätigkeit entfaltete. Kurz nach seinem Eintritt in den Ruhestand, traf Werner ein überaus harter Schicksalsschlag. Seine treuherzige Rosine, die ihn abgöttisch verehrte, wurde ihm am 4. September 1893 durch den unerbittlichen Tod entrissen. Er übersiedelte darum einige Monate später mit seiner hochgebildeten, jüngsten Tochter nach Wien, um, wie er hoffte, seinen Lebensabend in der Nähe seiner dort verheirateten zwei älteren Töchter mit mehr Gemüthsruhe der literarischen Thätigkeit widmen zu können. Eine geraume Zeit blieb auch diese seine Erwartung ungetäuscht. Später jedoch hat sich das Blatt gewendet. Eine Halsaffection seines congenialen, einzigen Sohnes, des Proseffors an der Lemberger Universität, Dr. Richard M. Werne r*), hat dem feinfühligen Baterherzen W e r n e r's alle Lebensfreude tief herabgestimmt. Dazu gesellte sich ein Schlaganfall, von dem er sich zwar erholte, der aber allem Anscheine nach den Todeskeim in seinen Organismus hineingetragen haben dürfte, der sein Zerstörungswerk mit so erschütternder Rapidität vollendet hat, W e r n e r's universelles Wissen, sein stets reger und mittheilsamer Geist und seine neidenswerthe stilistische Gewandtheit haben es ihm trotz der Ueberbürdung mit Bei ufsarbeiten ermöglicht, für die Entfaltung seiner literarischen Thätigkeit einen Rest von Muße zu finden. Aus den zahlreichen Essays und Feuilletons, die seiner Meifterfeder fast bis zum letzten Athemzuge entflossen sind, möge es uns im Nachstehenden gestattet sein, in chronologischer Reihenfolge einige heroorzuheben: 1. „Die Volks sch ul frage in Oesterreich." („Deutsches Wochenblntt", Berlin, 1889. Nr 17.) 2. „Das neue ö st e r r ei ch i s ch e V o l ks s ch u l g e s e tz." (iblck. Nr. 24.) 3. „Friedrich Hebbel als Politiker." (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung", München 1891, Nr. 346.) 4. G ö e t h e's M u t t er." („Wiener-Zeitung". 1892, Nr.8 u. 9.) 5. Wilhelm P o d l a h a." (ibid. Nr. 38.) 6. „Aus der Geschichte des Jglauer Gymnasiums" rc. (Mittheilungen für deutsche Erziehungs- und Schulge schichte 1892, II. 1.) 7. „Der Naturalismus und seine Grenzen." Beilage zur „Allgemeinen Zeitung", München, 1892, Nr. 89.) 8. „Diamant und Rubin. Eine Hebbel-Studie." (ibid. 1893. Nr. 333 und 334.) 9. „Hebbel und Thorwaldsen". (Euphorion, Zeitschrift für Literatur und Geschichte, 1894. I.) 10. „Friedrich Hebbel und Anton R u b i n st e i n." (Literaturblatt der „Neuen Freien Presse", 1896, Nr. 11456.) 11. „I n Friedrich H e b b e l's Haus." (Salon- Feuilleton, Berlin 1898, Nr. 9.) *) Rühmlichit bekannt durch sein vorzügliches Werk: „Lyrik und Lyrike r", Hamburg und Leipzig, 1890.

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