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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 258 Rr. 18 Vr Vloch's Mochrnptzrifl Dir Dein Glück, Lenerl, von ganzem Herzen, ich freu' mich mit Dir, nur Dir gönn' ich's, Dir ganz allein; hast's auch verdient, und ich will mich auch darüber freuen, so von ganzem Herzen, und sei nit bös', daß mir die Thränen kommen, die dummen Thränen!" Sie wischte sich mit der Schürze die klaren Tropfen aus den Augen und versuchte zu lächeln, aber immer wieder und wieder stürzten sie hervor. Sie stampfte mit dem Fuß: „Gelt, ich bin garstig, schau nicht auf mich; ich weiß nicht, warum ich heut' so schlecht aufgelegt bin." Lenerl lächelte der erregten Esther freundlich zu, strich ihr die schwarzen, lockigen Haare aus der heißen Stirn und sagte beruhigend: „Wein' Dich nur aus, ich weiß ja, es ist die Freude an meinem Glück, die Dir das Herz bewegt. Abends hol' ich Dich selbst zum Purimspiel. Auf frohes Wiedersehen, Königin Esther!" Sie schlang ihr Tuch um Kopf und Nacken nnd ging schnell davon. „Grüß Dich Gott, Lenerl!" riefen Rahel und Lea, und die Buben, die Erzväter, sangen vergnügt und lustig hinterdrein, mit vollen Backen: „Heute is Purim, morgen is aus; Gib' mir 'n Kreuzer und werf' mich hinaus t" Ein glückliches Lächeln spielte um die Lippen der Davoneilenden, und leise flüsterte sie vor sich hin: „Das wird heut' ein echter Purimscherz, alle Welt glaubt, daß ich die Braut werde, und die kleine, dumme Esther auch, die sich immer einreden will, daß sie mir das Glück voll und ganz gönnt und dabei in Jammer und Elend sich die hübschen Augen ausweint. Aber glücklich bin ich doch, vielleicht glücklicher als Esther, daß ich den Muth gehabt, für meine Sache zu kämpfen und für chr Glück zu sorgen. Wie schön ist die Welt, o Gott, o Gott, und wie von Herzen froh bin ich! ' Dankbar blickte sie zum Himmel auf. der im lichten Blau sich über die kleine Gaffe wölbte. Endlich hatte sie das Vaterhaus erreicht. Auf der Gasse spielten die Geschwister, die sich an sie drängten und munter plaudernd mit ihr in's Haus gingen. Esther hatte der Freundin noch lange nachgeschaut. Tief aufseufzend, mit thränenfunkelnden Augen, wandte sie sich endlich den Kleinen zu. vollendete geschickt und schnell das schwierige Amt des Ankleidens und bemühte sich, die tausend Fragen zu beantworten, die die Kleinen immer wieder und wieder auf den Lippen harten. Endlich hatte sie sie aus den Hof geschickt, auf dem sie spielen sollten. Sie räumte schnell alles zusammen und gab dem dunkeln, dürftigen Raum ein behaglicheres Ansehen. Dann schlüpfte sie in eine kleine Kammer und sah nach der Mutter, die durch ein Fußleiden gehindert war, sich selbst zu versorgen. Während sie der Erwachenden erzählte von all' den schönen Sachen, die ihre Herzensfteundin schon am ftühen Morgen gebracht, half sie der Mutter, den kranken Fuß zuwickeln, legte ihr die Scheitel an und führte sie sorgsam in das Vorderstübchen, setzte sie im Lehnstuhl zurecht, reichte ihr das Gebetbuch und wollte wieder an ihre Arbeit gehen. „Gell, Mutterl", sagte sie, „jetzt haben Sie alles commod; ich kann nun zur Küche schauen". Die Kranke rief sie zu sich, legte chre welke Hand auf den dichten Scheitel des Mädchens und sagte: „Bist heut' so traurig, Esther, ich werd' schon sehen, daß Du zum Purimspiel gehen kannst. Die alte Kathi soll auf ein paar Stunden Acht geben. Bist ja noch so jung, hast ja auch ein Recht, lustig zu sein, wenn Dein seliger Vater gelebt, wär's heut' anders". ,,Ach Mutterl, ich Hab' keine Sehnsucht nach Tanz und Spiel; wir brauchen die Kathi nicht, ich bleib' daheim. Mir ist heut' mal so schwer um's Herz, ich weiß nicht, warum. Es geht schon vorüber. Sorgt Euch nicht um mich!" Sie streichelte die Hand, die auf ihrem Kopfe lag, und sie küssend stand sie auf und eilte davon. Die Mutter griff zu dem Gebetbuch und hielt ihre Morgenandacht. Dann und wann stahlen sich Thränen aus den müden, glanzlosen Augen. Es mußte viel Schweres und Kummervolles sein, was das Herz der Kranken bewegte. (Schluß folgt.) Spätes Glück. Erzählung von Regina Reißer. (Fortsetzung.) Mit glücklichem Lächeln weilte sein inniger Blick auf ihrem Antlitze; ernster fuhr er fort: „Man betrachtet in reiferem Alter Vieles von einem ganz anderen Gesichtspunkte als in der Jugend. Du bist noch jung, Liebling! Darum ist es meine Pflicht Dich zu mahnen, es könnte Dich trotz Deiner großen Liebe zu mir, trotz Deiner Charakterstärke dennoch dereinst Reue anwandeln im Zenith Deines Könnens Deine so glanzvolle Laufbahn aufgegeben zu haben! Darf es Dich Wunder nehmen, daß ich zaghaft geworden, da mein Lebensglück einmal Schiffbruch gelitten? Darum prüfe Dich ernst, mein Herz, und wenn Du mir dann nach Wochen, Monden wiederholen wirst, Du willst mir angehören als mein geliebtes Weib; dann werde ich tausendfach dankbar die Stunde segnen, in der ich Dich fand, den Lichtstrahl, den mir der gütige Gott endlich in mein bisher so dunkles Leben sendet." Auch ihre Brust hob hohes Dankgefühl für solche Liebe; sie richtete die in Thränen schwimmenden Augen gegen Himmel und ihre Lippen murmelten: „Gib' mir Kraft, allgütiger Vater, mein Glück zu tragen, ihn wie er es verdient zu beglücken, lehre mich seiner würdig werden"; laut setzte sie hinzu: „Er soll Dein Herr sein! Ich ehre Deine Bestimmung und füge mich ihr! Und Du wirst die Prüfungszeit nicht zu lange währen lassen? Du rufst mich bald?" fragte sie sanft, ihre feine Hand auf seinen Arm legend. „Ich schreibe Dir weder noch rufe ich Dich; frei sei Dein Entschluß!" „Und Du wirst es nicht unweiblich nennen, wenn ich komme schneller als Du vermuthest und sage: „Hier bin ich, nimm mich hin?" fragte sie weiter. „Kind, Herzensliebliug, siehst Du denn nicht, daß ich alle meine Kraft aufbieten muß um Dich, das Glück, das sich mir in seiner holdesten Verkörperung zeigt, nicht sofort festzuhalten? fragte er in mühsam beherrschter leidenschaftlicher Erregung. Ruhiger setzte er nach kurzer Pause hinzu: „Doch die Pflicht ist stets die Richtschnur der Handlungen eines Mannes von Ehre und das Pflichtgefühl muß vorerst der Stimme des Herzens noch Schweigen gebieten." Tiefe Dämmerung war mittlerweile, ohne daß sie dies beachtet hatten, hereingebrochen, endlich schellte Cornelie nach Licht. In demselben Augenblicke trat Frau Winter ein; sie war länger ausgeblieben als sie ursprünglich beabsichtigt hatte; Cornelie allein wähnend, nahm sie sich nicht Zeit, ihren durchnäßten water-proof im Vorsaale abzulegen, sondern gab denselben erst jetzt dem ihr folgenden Mädchen. „Schilt nur tüchtig, Kind!" rief sie lebhaft; „wie eine alte Frau habe ich so lange geschwätzt nnd Deiner vergessen." Sie gewahrte jetzt erst Dr. Seefeld und fuhr fort: „Glücklicherweise hast Du mich in so guter Gesellschaft nicht sehr vermißt! Es ist schrecklich Draußen und damit ich auch noch meinen Antheil von Ihrem Besuche habe, bitte ich sehr, lieber Herr Doetor, bleiben Sie den Abend bei uns; beim traulichen Summen der Theemaschine vergessen wir Sturm und Unwetter, haben es behaglich wie an einem Winterabende und Cornelie singt uns etwas." Seine Zusage als selbstverständlich betrachtend, wollte sie schnell das Zimmer verlassen, um ihre Anordnungen für das Abendessen zu treffen, als Cornelie sie mit beiden Händen fast gewaltsam zurückhielt. „Geduld, Louise! Lasse mich doch auch zu Worte kommen! Er bleibt' nur zu gern!" rief sie. „Sieh' mich doch einmal genau an! Findest Du denn gar keine Veränderung an mir?" „Du siehst strahlend glücklich aus, Kind!" Es begann vor chr zu tagen, was sich hier in ihrer Abwesenheit ereignet hatte! „Ich bin es auch", erwiderte Cornelie; und das schöne Haupt an dem treuen Herzen der bewährten Freundin bergend, fügte sie hinzu: „Louise, vertritt Du, deren Herz in mütterlicher Zärtlichkeit für mich schlägt, Mutterstelle an mir; ich habe mich ihm für Zeit und Ewigkeit zu Eigen gelobt, gib' uns Deinen Segen!" In tiefer Rührung, mit feuchtschimmernden Augen, hielt Frau Winter das ihr so theure junge Mädchen in ihren Armen;

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