Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021237--07709-3032050
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 Vr. Vlorh » WochrnpipeM Seite 257 auf feiner gottgefälligen Lebensbahn nur Freunde erworben hat, die Alle feinen Hingang aufs Schmerzlichste bedauern. Das am 20. März stattgefnndene imposante Leichenbegänguiß gab Zeugniß von dieser allgemeinen Theilnahme. Lemberg. (Todesfall.) Frau Clara R o s n e r, welche vorletzten Mittwoch (16. März) im 70. Lebensjahre verschied, wurde unter imposanter Betheiligung aller hiesigen Wohlthätigkeitsvereine und Honoratioren der Stadt zu Grabe getragen. Durch ihren Wnhlthätigkeitssinn und seltene weibliche Tugenden, ein. wahres Muster der traditionellen jüdischen „Esches Chajil“. Die Trauerredner hielten tiefergreifende Ansprachen. Die Verblichene, Witwe nach Moses I. R o s n e r, hinterläßt 5 Söhne und 5 Töchter, die in den Fußtapfen der Eltern wandejn und deren Wohlthätigkeitssinn geerbt haben. Zahlreiche Enkel und - Geschwister umstanden die Bahre. Sie ruhe in Frieden! Rzeszow, 27.März. Fräulein Edda Holzer, Tochter des Herrn I. Holzer Bankier und kaiserlichen Rathes in Rzeszow hat sich mit Apotheker Arnold Reifer, Sohn des Dr. Adolf Reifer in Krakau, verlobt. Feuilleton. Königin Esther. Erzählung von I d a O p p e n h e i m. Der Märzschnee war von den blendenden Sonnettstrahleu fast vollständig hinweggeschmolzen und warme, linde Lüfte kündeten das Nahen des Frühlings an. Die Morgensonne beschien die kleinen stillen Häuschen der Gasse, die noch still wie im Schlummer dalag. . Ein junges Mädchen, einen großen Korb mit weißem Linnen bedeckt, in der Hand, schritt rüstig die Gasse hinab. Ihre biegsame Gestalt, ihr anmuthiges Köpfchen von dunklen, breitgeflochtenen Zöpfen eingerahmt, war mit einem dunklen Tuch bedeckt, ihre Wangen waren geröthet und die muntern Augen blickten schelmisch lachend in die Ferne. Es mußten freundliche Gedanken sein, die sie beschäftigten, denn fort und fort stahl sich ein Lächeln um die frischen rothen Lippen, daß die blendend weißen Zähne sichtbar wurden. Dann und wann blieb sie stehen und nahm den Korb von einer Hand in die andere. Er schien nicht leicht zu sein, doch sie beschleunigte ihre Schritte, als sie sah, daß die Thüren der kleinen Synagoge geöffnet wurden und die Beter nach beendeter Morgenandacht herausströmten. Sie wollte Niemand begegnen und schlüpfte in ein Seitengäßchen und erreichte endlich nach ziemlich raschem Lauf das Ziel ihrer Wanderung. Vor einem kleinen Häuschen, nothdürftig mit Schindeln gedeckt, mit weiß getünchten Wänden, blieb sie aufathmend stehen, das dunkle Tuch war ihr vom eiligen Laufen auf die Schulter gefallen und ließ die schönen dunklen Zöpfe voll und ganz zum Vorschein kommen, die in reicher Fülle den zierlichen Kopf umgaben. Leise klopfte sie an; eilende Schritte nahten, die Thür wurde geöffnet. Ein junges Mädchen, schlang beide Arme um die Wartende. „Lenerl, grüß Gott, schon so früh auf! Und schon beim Beginn, Schlachmones zu tragen! Hast heut' einen schweren Tag und mußt Dich tummeln, und wir sind die ersten, die bedacht werden, das ist lieb, das ist herzig von Dir!" Sie nahm ihr den Korb aus der Hand und ließ sie voran in die Stube gehen. Ein kleines, nothdürftig eingerichtetes Zimmer nahm die Eintretenden auf. Das junge Mädchen holte einen sauberen Holzstuhl herbei und nöthigte ihren Gast, sich zu setzen. „Nein, laß mich, Esther, ich will in die Küche mit Dir gehen und nach den Kleinen schauen, für die ich etwas mitgebracht habe. Am Morgen ist keine Zeit zum Plauschen, und ich Hab' heute noch viel zu laufen." Sie klinkte die kleine Thür auf und trat in die dunkle Küche ein. Da ging's schon lustig her. Sechs kleine Knaben und Mädchen, kaum angezogen, trieben allerlei Posten und neckten und hänselten sich. Sie stürmten auf die Eintretende zu und jubelten in allen Tonarten: „Die Lenerl ist da! Guten Morgen! Grüß Dich Gott! Heute ist Purim, da können wir halt lustig sein! Heut' gibt's fische Krapfen!" Sie umringten das Mädchen, das sich ihrer stürmischen Liebkosungen kaum erwehren konnte, tanzten und sprangen wild umher, balgten und rauften miteinander und dann und wann zog eins nach dem anderen mit den kleinen rosigen Fingern an dem weißen Tuch, das über den Korb gebreitet war und scheinbar große Schätze barg. Und endlich hatte Esther das kleine Volk durch ernstes Mahnen, durch Liebkosungen und auch durch manchen derben Schlag zur Ruhe gebracht. Erwartungsvoll, mit glänzenden Augen, drängten sie sich um den Gast, der endlich das weiße Tuch von dem Korbe hob und wunderherrliche Sachen auf dem Tisch ausbreitete. Wie süß das duftete und wie appetitlich! Die kleinen Nasen dehnten sich und athmeten begierig, die Mäulchen öffneten sich und die Augen blickten verlangend, während die kleinen Händchen, zu Fäusten geballt, eiligst in die Rocktaschen geschoben wurden, denn die älteste Schwester rief drohend: „Nichts anrühren!" Und Wunderschönes kam auch nach und nach aus dem großen Korb zum Vorschein. Zuerst ein großmächtiger Gugelhupf, aus dem die Cibeben wie dunkle Augen freundlich hervorleuchteten. Dann Mohngebäck, Honigkuchen, Zimmetröllchen, Mandelbögen, Krapfen. Gollatschen, allerlei süße Sachen und zu allerletzt: eine große Schüssel, auf der ein goldgelb gebratener Indian ruhte. Ein über das andere Mal hatten die Kleinen die Hände vor Staunen zusammengeschlagen und sich liebkosend und zärtlich an die gütige Fee gedrängt, die aus dem Korbe, der sich nimmer lehren wollte, so schöne Sachen hervorzauberte. Und endlich war das letzte Stück herausgenommen: Ein schöner, fetter Krapfen lag rund und appetitlich auf einer Schüssel. Das weiße Tuch wurde zusammengelegt und in den Korb geworfen und Lenerl nahm das jüngste, pausbäckige Bübchen auf den Arm und begann nun von dem Kuchen auszutheilen. „Zuerst der Benjamin", sagte sie lachend und steckte ein großes Stück Honigkuchen zwischen die beiden derben Fäustchen des Kleinen, der noch in ganz unvollendeter Morgentoilette bei Ankunft des Gastes im Bettchen gesessen. Seine rosigen dicken Beinchen, noch unbekleidet, stampften auf dem Fußboden hin und her. Endlich hatte er ein Eckchen gefunden und schmatzte mit Behagen an fernem Kuchen. „Nun kommen die drei Erzväter!" rief der Gast, nachdem er beide Hände wieder frei hatte. „Abraham, Isaak und Jacob! Und nun sollen Lea und Rahel auch etwas haben, unsere Stammmütter, und da nun alle versorgt, so können wir ein bischen ausruhen. Die Mutterl schläft wohl noch?" sagte das Mädchen, indem sie sich auf die Bank am Herd setzte. „Willst sie schön grüßen, Estherl und sie bitten, daß fie Dir erlaubt, heute Abend zu uns zu kommen; 's wird ein lustig Purimspiel aufgeführt, alle werden d'ran theilnehmen! Ich Hab' so eine Freud', wenn ich d'ran denke, und Du mußt dabei sein, Du bist ja die Königin Esther!" „Ach, treib' keinen Scherz mit mir, bin halt gar nicht dazu aufgelegt; der Vater todt, die Mutter krank und die vielen kleinen Geschwister! Da heißt's sorgen und arbeiten von Früh bis Spät; da ist's mit Tanz und Purimspiel ganz vorbei." „Nein, nein, Esther, lieb sein und nicht sorgen, heut' müssen wir fröhlich sein! Wer weiß, welch' ein Loos Dir noch beschieden? Heut' Regen und morgen Sonnenschein! Wie rasch das wechselt. So kann auch bei Euch es wieder licht und hell werden. Ich glaub' fest daran, ich bin so froh, mir ist so leicht um's Herz; ich mein' 's müßt' was Gut's kommen für meine Esther, für Königin Esther!" Seufzend hatte die andere zugehört; sie umfaßte die Freundin zärtlich: „Und Du, Lenerl, sagst mir heut' gar nichts von Dir? Ich denk', 's gibt heut' bei Euch ein Purimspiel, nicht so ein gewöhnliches, ein schönes, ernstes, feierliches und doch fröhliches. Man spricht ja schon wochenlang in der Gaffe davon; ich Hab' halt immer nicht fragen wollen, wollt' erst warten, ob Du mir das Vertrauen von selbst schenken wirst. Aber nun seh' ich's doch, aus Deinen Augen leuchtet», die sagen ja Alles". — Und plötzlich abbrechend, warf sie sich schluchzend in die Arme der andern und rief mit thränenerstickter Stimme: „Ich gönn'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.