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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 254 Dr. Bt»ch'< WochrnIchrM Nr. 13 tvirksichung nähergerückt, als sich auch der galizische Landesausschuß über Vorstellung der Gemeinde Bereit erklärte, der gemeinnützigen Gründung unter Rücksichtnahme auf den Mangel an qualificirten Religionslehrern im Lande durch Zusage einer nahmhaften Jahressubvention unter die Arme zu greisen. Außerdem beabsichttgt ein munificentcr jüdischer Bürger die Anschließung eines vorläufig für zehn Lehrzöglinge bestimmten kostenlosen Internats an das bezeichnete Seminar aus eigenen Mitteln. Die Hierortige Bevölkerung vermöchte hier nicht nur an Lehrkräften zu prositiren, die während ihrer Lehrzeit wegen Einübung in ihrem. Berufe für den Religionsdienst verwendet werden könnten, sondern auch 8er Mittelschuljugend bietet sich hiedurch die eventuelle Gelegenheit die dem Seminar einverleibte jüdische Büchersammlung in den Mußestunden frei zu benützen. Berichtigung. Der unter der Aufschrift „Ein jüdischer Diplomat"^ in unserem Watte vom 18. März 1898 Nr. 11 von Dr. Feilchenfeld-Hamburg in dct „Jüdischen Presse" erwähnte Auffatz über Oou Maurice Texeira ist bereits in der „Qestetr. Wochenschrift" Nr. 1 vom 2. Jänner 1897 von Josef Perlberger nach dett Quellen des Dr. Kayserling in Budapest ausführlich bearbeitet und wiedergegeben worden. Lemberg. Bei den am 22. d. M. stattgefundenen Cultusrathswahlen aus der I. Curie, welcher die Höchstbesteuerten, sowie die Advocaten, Aerzte, Ingenieure, Staatsbeamten — die sogenannte „Intelligenz" — angehören, entbrannte ein überaus heftiger Wahlkampf zwischen dem Centralwahl-Comitä und einem zumeist aus jüngeren Advocaten bestehenden, eine radicale Richtung anstrebenden Comitä. Die überaus lebhafte Agitation brachte 85 Percent aller Wähler zur Urne und ergab das mit außergewöhnlicher Spannung verfolgte Scrutinium die Wahl von 9 Candidaten des Centralwahl-Comitss, während der zehnte, ein Candidat des radicaten Comites, durch eine am 24. d. M. stattgefundene engere Wahl in den Cultusrath berufen wurde. Als gewählt erschienen: Emil Edler von Mises (mit 151 von 173 abgegebenen Stimmen), Dr. Czeszer (125 Stimmen), D. Rappaport (121 Stimmen), Dr. Gottlieb (118 Stimmen), M. I o n a s z (113 Stimmen), I. L a ndau (111 Stimmen), I. Stroh (104 Stimmen), Dr. A. Weiß (104 Stimmen), L. T h o m (102 Stimmen), Dr. T. Aschkenasy (in der engeren Wahl gewählt). Mit den am 29. d. M. stattfiudenden Wählen in die Tempelverwaltung und des zur Ernennung des fortschrittlichen Rabbiners berufenen Wahlcollegiums schließt die diesmal außergewöhnlich lebhafte Wahlperiode. Von anderer Seite wird uns geschrieben: Die Cultuswahlen sind vorüber und endeten mit einem Sieg der alten Fortschrittspartei. Alle Anstrengungen der Conservativen, eine Aenderung in der Vertretung der jüdischen Interessen in der Landeshauptstadt herbeizuführen, scheiterten bei der Stärke und Geschlossenheit der im Wahlgeschäft wohlgeübten, mit der Macht ausgerüsteten Gegner. Die unterlegene Opposition hat gegen die Wahlen in der II. und HL Curie bei der hohen Statthalterei Protest eingelegt und hofft, deren Annullirung zu bewirken. Der Protest behauptet, daß ein ungeheurer Terrorismus auf die Wähler geübt worden und daß man mit unlautern Mitteln durch Wahlbestechung das Resultat herbeigeführt hat. In dem Wahlaufruf dieser Partei hieß es wörtlich: Diejenigen, welche die ärgste Corruption in der Gemeindekanzlei dulden, bei allen politischen Wahlen durch unmoralische Bündniffe, Wahlmanöver und Mißbrauch ihrer Stellung als Repräsentanten des Judenthums uns in den Äugen unserer Mitbürger stets compromittiren, diejenigen die nach Ehren-Aemtern streben, blos um ihren Ehrgeiz zu stillen, und alle ihre Schleppträger, Verwandten und Agftatoren — sollen von der Vormundschaft über unsere öffentlichen Angelegeicheiten enthoben werden! Wir wollen durchaus reine und politisch ehrliche Männer, welche politische Falschheit, Wahlcorruption und jede Jnmoralität im öffentlichen Leben einem gewöhnlichen Verbrechen gleichstellen. Wir wollen die lebenslänglichen Ehrenämter abschaffen. In der Wahl unserer Candidaten berücksichtigten wir blos ihre Fähigkeit und den guten Willen, der öffentlichen Sache zu dienen, oder die bisherigen Verdienste, da wir persönliche oder Familienrücksichten in der Ertheilung dieser Aemter nicht kennen. Indessen sind auch viele Fahnenflüchtige aus dem Lager der Opposition zu der herrschenden Partei binübergeschwenkt. Selbst der Präsident des oppositionellen Wahlcomites hat im letzten Augenblick seine Partei verlassen und Zuflucht und Gnade bei den Gegnern zu erkaufen gesucht. Auch dieser Mann fiel beim Wahlkampf und sein Verrath hat ihn vor der Niederlage nicht geschützt. I. H. Pilsen. (Kreuzer-Verein zur Erziehung arnier israelitischer Waisen.) Die ordentliche Vollversammlung des Vereines zur Erziehung armer israelitischer Waisen fand unter dem Vorsitze des Dr. Rudolph Duschner statt.. Herr Gutwillig erstattete den Rechenschaftsbericht, welchem wir unter Anderem Folgendes entnehmen : Der Verein zählt 524 Mitglieder. Durch Herrn Simon H o f m a n n wurde Frau Amalie Pavic aus Cilli als gründendes Mitglied mit einem Beitrage von 100 fl. zugeführt, in gleicher Eigenschaft trat Herr Alfred Erben mit 50 fl. bei. Mit Dank an die Cultusgemeinde und an alle Gönner schließt der Bericht, welcher genehmigend zur Kenntniß genommen wurde. Der Cassabericht weist Einnahmen im Betrage von 4614 fl. aus. Die Ausgaben betrugen inclusive Effecten-Ankäufe 3927 fl., so daß mit 1. Jänner 1898 eine Cassabaarschaft von 68 fl. verblieb. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 24.968 fl. Auch der Cassabericht wurde genehmigend zur Kenntniß genommen und auf Antrag der Revisoren H. Trauer und Jacob Herrmann dem Vorstände das Absolutorium ertheilt und demselben durch Erheben von den Sitzen der Dank der Versammlung ausgesprochen. Sodann wurde die Frage der Freitische armer Schüler und der Kost- sowie der Monatgelder erörtert. An der Debatte betheiligte sich auch Rabbiner D. P o s n a n s k i. Sodann wurden die Wahlen vorgenommen. Die bisherigen Revisoren wurden wiedergewählt. In den Vorstand wurden gewählt: Moritz Auer, Philipp Beck, Dr. Rud. Duschner, I. N. Gutwillig, Simon H o f m a n n, Ferdinand L ö w y, Alfred Recht, Hermann Strauß: als Ersatzmitglieder: Hugo R u d i n g e r, Markus S ch i ck l und Joseph H o fm a n n. Budapest, 13. März. Zwischen einem angesehenen Mitgliede der hohen Aristokratie. Baron Böla Atzel und einen bekannten hiesigen Schriftsteller, Dr. W. V a g s o n y i, hat sich ein lebhafter Federkrieg über die Berechtigung der bevorzugten Stellung des Adels entsponnen, welcher bei 8er Aufmerksamkeit, mit der man hier alle Vorgänge in diesen Gesellschaftskreisen verfolgt, allgemein beachtet und viel besprochen wird. Baron Atzäl hat seine Ansichten in einem, „Antwort auf einen Leitartikel" betitelten Schriftcheu entwickelt, welches. — dies der Grund, warum hier des Vorfalles gedacht wird -- mit'folgenden interessanten Sätzen schließt: „Ich war einmal in Jerusalem bei der mächtigen Steinmauer, dem einzigen Ueberreste des einstigen prachtvollen Tempels König Salomos, als dort traurige, in zerfetzte Kleider gehüllte Männer, den Kopf an die Wand gestützt, andächtig beteten. Ich beobachtete das Gesicht der alten Juden, jenes Gesicht, das Gefühl und Empfindung zum Ausdruck brachte, und horchte auf die Stimme, die gen Himmel drang. Und diese Stimme, die hier erklang, war der schönste, erhabenste Gesang, den ich je in meinem Leben hörte. Huldvolle Worte der gekrönten Häupter, das Lied der Patti's, die Schallvibrationen so niancher Demosthenese verwischten sich in nreiner Erinnerung. Aber diese Stimmen — niemals. Nirgend und niemals in den vier Welttheilen, nicht in der Peterskirche, nicht in der Sofienmoschee, nicht in der Pagode zu Madura, nicht in dem Tabernakel der Mormonen haben die Betenden einen solch' tiefen Eindruck auf mich gemacht wie die Thränen der armen Juden — weil ich es sah und fühlte, daß diese zitternde Stimme, der Thränenstrom aus dem Herzen gerechter Menschen kommt, aus dem Herzen, das die einstige Größe seiner Nation, die Sünden der Väter, seine eigenen Leiden mit wahren Worten, mit echtem Gefühle betrauert. Das wahre Wort, das echte Gefühl war es, das mich rührte. Dann sah ich, daß ein armer, in Lumpen gehüllter Jude einem noch ärmeren, elenderen Almosen reichte. Ich, der Christ, der mit Goldstücken in der Tasche dem jüdischen Bettler nichts gab, stand nun beschämt vor dem armen Juden, der sich seines Mitmenschen erbarmte. In meiner Beschämung griff ich in die Tasche und gab mein ganzes Geld bis zum letzten Heller hin. Ich gab meine schöne goldene Uhr hin und kaufte mir eine billige Nickeluhr. Seit l6 Jahren sah Niemand eine goldene Uhr bei mir. Die Nickeluhr wird mich immer an die Mauer in Jerusalem erinnern. Und seit jenem Tage nehme ich dje Nickeluhr in die Hand, wenn ich fürchte, daß ich mich von der Leidenschaft hinreißen lassen oder daß ich ungerecht sein werde, und meine Erregung ist vorüber. Denken Sie an die Mauer, denken Sie an meine Nickeluhr. Seien Sie l gerecht und schreiben Sie niemals mehr einen solchen Leitartikel!" Das Geständniß, daß die tiefere Erkenntniß der Gesetze der Gerechtigkeit ihm durch die an der Tempelmauer klagenden Juden eröffnet wurde, ist im Munde eines Mitgliedes der magyarischen Hocharistokratie sicherlich beachtenswerth genug. Budapest, 20. März. Einem Mitgliede der katholischen Volkspartei, die sich seit ihrem Bestände nur durch ihre maßlosen antisemitischen Agitationen bemerkbar machte, war es beschicken,

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