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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Br. 13 Kr. Klöch » WochrW^E Seite 365 1>te Fahne des Antisemitismus im ungarischen Äbgeördnetenhause äüfzürtzllen. Ä.n t ü n Mocs h, ein bekannter Bielredner, hielt üüläßlich der Verhandlung des Voranschlages für das Cultusünd Unterrichtswesen eine an antisemitischen Ausfällen reiche Kapuzinade, die den „geliebten und gehaßten Mitbürgern" jüdischen Glaubens zum Vorwurf machte, daß die socialistische Bewegung im Interesse der Juden gelegen sei. An der Hand einer vor einigen Tagen unter dem Titel: „Das Ideale" erschienenen Broschüre schilderte er die. schädlichen Folgen des überhandnehmenden Judaismüs, in dessen Diensteder von den Juden so hoch gehaltene Liberalismus steht. Eine kleine Gruppe gleichgesinnter Parteianhänger waren seine aufmerksamen Zuhörer, während die große Majorität den Sitzungssaal verließ. Der Domherr Komlossy ergriff gleich nach dem neuen Fahnenträger des Antisemitismus das Wort, mit das Vorgehen seines Vorredners und dessen Partei, die im Namen der Religion der Liebe Gehässigkeit predigen, nochdrücklichst zu verurtheilen. An demselben Tage, an dem die Brandrede im Abgeordnetenhause gehalten wurde, übergab in Waitzen der Bischof Konstantin Schuster der Stadtbehörde für das Kranken- und Waisenhaus, denen er schon 30.000 Kronen zuwendete, neuerdings 80.000 Kronen mit der Bedingung, daß diese Wohlfahrtseinrichtungen allen Einwohnern der Stadt, ohne Rücksicht auf ihre Confession, zur Verfügung stehen. — Erzherzog Ludwig Vietor hat als Protector-Stellvertreter des Rothen Kreuz-Bereins an die Herren Dr. Weinmann, H. Rosenfeld und Dr. M. Szekely ein in warmem Tone gehaltenes Anerkennungsschreiben gerichtet, weil sie durch Uebergabe der Adolf Machlup'schen Stiftung die Verwirklichung einer humanitären Idee möglich machten, und das Reconvalescentenheim Leidenden ohne Unterschied der Confession zur Verfügung stellten. — Der Grundbesitzer Benjamin Ungar testirte derCnltusgemeinde in O.-Moravieza einen Besitz im Werthe von 100.000 Kronen, wodurch der Bestand der Cultusgemeinde und deren Schule für ewige Zeiten gesichert erscheint. — Dem greisen Rector Moses Bloch, der an diesem Tage seinen 83. Geburtstag feierte, wurden Von seinen Verehrern und Schülern herzliche Ovationen dargebracht. Raab. Der israelitische Frauenverein hielt am 23. März unter dem Präsidium der Frau Sigmund tzerzl-Keppich bei lebhafter Betheiligung der Mitglieder seine Jahres-Generalversammlung ab. In einer warmgehaltenen Eröffnungsrede hebt Frau Präsidentin hervor, daß die Mitgliederzahl constant geblieben und daß sie mit Freude die erhöhte Bethätigung des Wohlthätigkeitssinns der Mitglieder und Freunde des Vereins wahrgenommen. Unterstützungen an Geld, Lebensmittel, Winterholz, Bäder rc. wurden zielbewußt vertheilt, wie auch die Winterbekleidung von >28 armen Schulkindern, Knaben sowohl als Mädchen, durchgeführt. Die hungernden armen Schulkinder wurden ebenfalls bedacht, und bildet gegenwärtig die Hauptaufgabe und das edle Bestreben des Präsidiums die Schaffung einer jüdischen Volksküche, behufs deren Lösung die Frau Präsidentin, an das stets bewährte Herz und Gemüth der Vereinsmitglieder appellirend, der Hoffnung Raum gibt, mit vereinten Kräften, mit Ernst und Beharrlichkeit und mit Gottes Hilfe das Gelingen dieses menschenfreundlichen Werkes je eher zu verwirklichen. Die in dieser Eröffnungsrede mit Ueberzeugung und Temperament entwickelten Ideen wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen und der Frau Präsidentin herzlich gratulirt und ihr, so auch der Frau Moritz Wertheimer Vicepräsidentin, der Frau Carl Fischer, Cassierin, der Frau Dr. Mich. Vogl, Controllorin, so wie dem ganzen Vereins-Ausschusse für ihre uneigennützigen Leistungen protokollarischer Dank votirt. Nach Verlesung des Jahres- Ausweises durch den Vereins-Secretär Herrn Gustav Wilhelm Szögyi wurde auf Antrag der Frau Präsidentin das Andenken zweier vor Kurzem das Zeitliche gesegneten hochachtungswerthen Damen, und zwar des Vereins-, Ehren- und Ausschuß-Mitgliedes Frau Benjamin Nagel und der Vercins-Ausschuß-Damen Frau SamuelzEhrlich als Zeichen tiefster Trauer protokollarisch verewigt. Jägerndorf, 23. März. Heute wurde hier Herr Georg Grünspan, ein junger Mann von 30 Jahren, ein Opfer der Lungentuberkulose, zu Grabe getragen. Derselbe war durch sieben Jahre Buchhalter in der hiesigen Tuchfabrik des Herrn Franz Hoffmann, einem der ersten Etablissements am hiesigen Platze, welche Stellung er vor l*/4 Jahren in Folge Fortschreitend seiner Krankheit aufgeben mußte. Herr Hoffmann, der seinem Buchhalter alljährlich einen Erholungsurlaub von sechs Wochen gewährt hatte, erwies sich dem jungen Manne, der durch sieben Jahre den Pflichten einer Vertrauensstellung in der gewissenhaftesten Weise nachgekommen war, in der Weise dankbar, daß er ihm, der mit seinem Verdienste die Familie, eine alte Mutter und zwei Schwestern, ernährte, während der ganzen Dauer seiner Krankheit seinen vollen Gehalt von monatlich 100 fl. unverkürzt zufließen ließ, ein seltener Zug in der heutigen Zeit, und umso seltener, da Herr Hoffmann Arier ist, während der Verstorbene Jude war. Leider gibt es so edle Menschen nnc wenige. Berlin, 11. März. Im hiesigen Verein für Volkskunde hielt am 25. v. M. Herr Syndicus Dr. Georg Minden einen sehr interessanten Vortrag über Balladenstoffe in älterer jüdisch-deutscher Fassung. Nach einer orientirenden Einleitung über das Judendeutsch,, über das Studium bei den Juden im Mittelalterkam der Vsrtragöntze zü seinem Themä, das er in. sehr seffelnöer Weise behandelteindem er nachwies, daß die Erzählungen, .die Man bei öen^ germanischen Völkern in Balladen behandelt, sich in diesem Schriftthum wiederfinden. Der Vortragende gab eine Reihe von Beispielen hierfür. u. A. eine längere, noch nicht in deutscher Sprache veröffentlichte Erzählung „Der Lautenschläger". Ferner theilte er die jüdischdeutsche Fassung der im Ring des Polykrates, den Kranichen des Jbikus u. A. m. verewigten Stoffe mit. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. Hoffentlich werden wir in die Lage kommen, denselben unseren Lesern bald im Wortlaut mittheilen zu können. Berlin. Der kaiserliche Besuch in Jerusalem scheint nun doch (so berichtet der „Bote aus Zion") endgiltig auf den Herbst dieses Jahres festgesetzt zu sein. Das Blatt meldet: „Naturgemäß rüstet Man sich nun dazu von den verschiedensten Seiten. Nicht nur, daß viele Deutsche, die seit lange die Absicht hegen, Jerusalem einmal einen Besuch abzustatten, damit Umgehen, auch in dieser Zeit in Jerusalem anwesend zu sein, auch in Jerusalem selbst rüstet man sich. Zunächst Muß das die türkische Regierung thun. Damit hängt es vielleicht zusammen, daß jüngst an die Stelle des im Herbst abgegangenen Ibrahim Pascha der der deutschen Sprache mächtige, seitherige dritte Secretär des Sultans, Tausik Pascha, als Gouverneur von Jerusalem eingesetzt worden ist. Damit hängen auch die gründlichen Straßenreparaturen zusammen, die gegenwärttg zwischen Jerusalem und Bethlehem, zwischen Jerusalem und Jaffa und bald auch zwischen Jerusalem und Jericho vorgenommen werden. Damit hängt es endlich auch zusammen, daß die Wasserleitung, die üo>t den Salomonischen Teichen bei Bethlehem nach Jerusalem führt, wieder soweit hergestellt werben soll, daß das Waffer Jerusalem auch wirklich erreicht. Alles Dinge, die man hier mit Freuden begrüßt und als dankenswerthe Zugabe zu der Ehre des kaiserlichen Besuches gern hinnimmt." Venmlchtes. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 3. April d. I. findet um halb 3 Uhr Nachmittags im israelitischen Tempel, II., Tempelgaffe, die Trauung des Frl. Olga Hohenberg. Tochter des Herrn S. Hohenberg, mit Herrn Eduard G e i r i n g e r, Sohn des bekannten Möbelhändlers Herrn S. Geiringer, statt. — Sonntag den 3. April findet im Tempel, Seitenstettengaffe, die Trauung des Herrn Albert K u l k a, Mitarbeiters des „Neuen Wiener Tagblatt", mit Frl. Therese Toch statt. — Sonntag den 3. April, Nachmittags 3 Uhr, findet im israelitischen Tempel der Seitenstetttengasse die Trauung von Frl. Frieda Jokl, Tochter des Herrn Johann Jokl jun., mit Herrn Siegfried Landau, dem Sohne des Herrn B. L a n d a u, statt. Wien. Der Minister für Cultus und Unterricht hat den Practikanten an der Universitätsbibliothek in Wien Dr. Michael H o l z m a n n zum Amanuensis daselbst ernannt. — Wie die „Wiener Zeitung" verlautbart, hat der Kaiser dem Eigenthümer des Sanatoriums und der Wasserheilanstalt in Purkersdorf Med.-Dr. Julius R u d i n g e r den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Wien. Im israelitischen Bethausvereine, IX., Grüne Thorgaffe 13, findet Mittwoch den 6. April nach dem Morgengottesdienst eine Sium-Feier statt. Wien. (Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien) hält Samstag den 2. April l. I., um halb 8 Uhr Abends, in Robitschek's Restaurant, I., Wippliugerstaße 47, die neunte ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Bericht und Anregungen des Vorstandes. 2. Caffabericht. 3. Anttag unseres Mitgliedes, des Herrn Adolf Licht-

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