Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 13 (1.4.1898)
- Date
- 1898-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 24(5 9c. VLvch'« VmtzrnkchrM Nr. 13 die Heeresverwaltung solle sich wegen Vergebung der Lieferungen mit der — Gemeinde Wien in Verbindung setzen. Zu welchem Zwecke dies geschehen solle, darüber kann auch das kindlichste, das naivste Gemüth sich durch den Fall Lehofer belehren lassen. Ja, das communale Misttrücherl, es verpestet Straßen und Gassen, es dampft übelriechend durch ganz Wien. Nasen und Taschen zuhalten vor unseren antisemitischen Stadtvätern!! * * » Die Gascommission hatte ohne jede Offertausschreiüung dieGasrohrlegungsarbeiteu für die inneren Bezirke mitAusnahme vom Alsergund, im Kostenbeträge von anderthalb MEionen Gulden an den In st.a l l ateur Carl Wagenführer übergeben. Wie das gekommen, welche Preise Wagenführer angeboten hat und welche ihm zugestanden wurden, das ist das Geheimniß der gemeinderäthlichen Gascommissioi». An diese hatte Wagenfüh rer direct sein Offert gerichtet und sie hat darüber kurzer Hand entschieden. Sie hat eine Arbeit von anderthalb Millionen Gulden hinter dem Rücken der interessirten Wiener Gewerbswelt, die auf die Einladung zur Coucurrenz gewartet hatte, vergeben. Herr Carl Wagenführer ist ein Ausländer, der sich hier erst im vorigen Frühjahr etablirt hat. Vorher war er als Beamter im Dienste der seither in Liquidation befindlichen Actieugesellschaft für die Herstellung von Gas- und Wasterlettuugen. Man hat ihm im Rathhause bereits im vorigen Jahre, obgleich er keinerlei Gewerbeberechtigung besaß, die Gasrohrleguug in Simmering im Kostenanschlag von achtzigtausend Gulden überttagen. Er hatte damals alle Wiener Geschäftsleute, welche mit ihm offerirt hatten, so ttef unterboten, daß der Fall in den Fach- und Berufskreisen die größte Sensation hervorrief. Es wird behauptet, daß die. von Wagenführer hergestellten Arbeiten auch dem Niveau seiner Preisofferte entsprechen. Am 14. Februar d. I. fand eine öffentliche Offertverhandlung für die Vergebung der Praterbespritzung statt, bei welcher zwer Offerenten erschienen: Es offerirte nämlich Herr Moriz Weiniger, Großfuhrmann, mit einer Pauschalsumme von 7250 fl. und die Fuhrwerksfirma S. Kößler und Sohn mit einer Pauschalsumme von 10.890 fl. Der Stadtrath lehnte beide Offerte ab, ohne Angabe von Gründen, wobei zu bemerken ist, daß beide Offerenten Israeliten sind. Es wurde eine zwette Offertverhandlung für den 5. März ausgeschrieben, an welcher sich mehr Concurrenten betheiligten. Es offerirten: Die Fuhrwerksbesitzer Frau Schulhof mit 7800 fl., Moriz Weiniger mit 9100 fl., S. Kößler und Sohn mit 9200 fl., R. Wannenmacher mit 10.800 fl.. Fr. Flicker mit 9500 fl., H. Reuther mit 11.000 fl. Nun glaubte man, daß Frau Schulhof die Bespritzung erhalten werde, die aber nur auf drei Jahre zu diesem Preise übernehmen wollte, und es wurde auch dieses Offert abgewiesen. Die 'nächst billigsten Offerenten waren aber wieder Juden. Sie wurden übergangen und die Bespritzung an Fr. Flicker um die Summe von 9500 fl. vergeben. Vergleicht man die Summe, welche Herr Weiniger das erste Mal geboten, nämlich 7250 fl. mit der jetzigen, so ergibt sich, daß der Stadtrath um 2250 fl. mehr zu zahlen hat. Während die Erledigung der Offerte auf sich warten ließ, ergab sich die Nothwendigkeit, im Prater aufspritzen zu lasten. Mit der provisorischen Bespritzung hätte naturgemäß der frühere Conttahent betraut werden sollen, da er verpflichtet gewesen wäre, diese Bespritzung für eine Entlohnung von 6 fl. 50 kr. per Tag auszuführen. Dieser Contrahent aber, Herr Weiniger, wurde wieder übergangen und es wurde Herrn Wannenmacher die Bespritzung für eine Entlohnung von 8 fl. per Tag übertragen. — Ferner wurde bei einer Offertverhandlung am 12. d. die Bespritzung für den II. Bezirk Herrn Reuther für 16.200 fl. übergeben, während der billigere Offerent Kößler und Sohn mit 15.800 fl. abgewiesen wurde. Sparsam ist eine solche Gebahrung gewiß nicht zu nennen. Zum Schluffe bemerke ich noch, daß dem bisherigen Pfcrdelieferanten Herrn Glaser, welcher der Commune die Pferde um den Preis von 500 fl. im Durchschnitt lieferte, die Lieferung abgenommen und diese an einen andern Lieferanten für 550 fl. vergeben wurde, welcher aber jetzt noch mehr verlangt. Der Beweggrund ist wohl der gleiche wie in den früher angeführten Fällen. Abgeordneter Daszynski über den Zionismus. In der Dienstagsitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses hielt der socialdemokratische Abgeordnete Daszynski eine große Rede, in deren Verlauf er in Bezug auf die Zionisten sagte: „Je mehr sich die nationalen Verhältnisse in Oesterreich entwickeln, desto me hr entwickeln sich auch diecentrifugalen.Tendenzen seiner einzelnen Völker. Die Rumänen oder wenigstens ein Theil von ihnen schielt gewiß nach Groß-Rumänien, nach Bukarest; die Ruthenen schauen hinüber nach Kiew, die Polen nach Warschau, die Czechen wollen sich aus dem Staatsganzen ausscheiden, und die Deutschen haben uns am ersten Tage dieser Debatte versichert: Schaut nur zu, daß ihr uns kein Weh thut, sonst kommt der große Onkel mit dem großen Stock (Heiterkeit), mit den 50 Millionen Menschen hinter sich, der wird uns gewiß in unserer Noth helfen! Sehen Sie die Italiener an! Ist es so lange her, daß man die italienische Jrredenta blutig bekämpft hat? Und wenn wir uns auch die Ruhigsten, die Bescheidensten, die Südslaven, hernehmen, so träumten auch diese doch wenigstens von Zeit zu Zeit von einem Groß-Eroatien oder Groß-Slavonien. (Heiterkeit.) Ja, das krasseste Beispiel, selbst die Juden gravitiren nach Palästina! (Schallende Heiterkeit. — Rufe auf der äußersten Linken: Nur fort mit Ihnen!) Jede, selbst die entnationalisirteste Nation sagt sich: Wo Alles rauft, wollen wir auch raufen, wenn Alles los will von Wien, von Prag, von Krakau, so wollen auch die Juden los von Oesterreich nach Palästina. (Erneuerte Rufe auf der äußersten Linken: Sie mögen nur gehen!) Was Ihnen recht wäre, wäre vielleicht dem Banffy nicht recht oder irgendeinem^Theil von Oesterreich! Wenn man es einmal so macht, daß es Jedem recht ist, wenn der andere loskommt, wo ist dann O e st e r r e i ch? (Lebhafter Beifall und Rufe bei den Socialdemokraten : Es bleibt noch der Großgrundbesitz!) Die Großgrundbesitzer können doch ohne Arbeiter und Bauern picht leben. Die müssen dorthin ziehen, wo Bauern und Arbeiter sind: von bloßer Lust und dem historisch-patriotischen Gedanken kann man nicht leben." (Heiterkeit und Beifall bei den Socialdemokraten.) Hoffentlich werden die jüdischen Mitglieder des Parlamentes Gelegenheit nehmen, Herrn Daszynski zu antworten. Zum Antrag Schlesinger und Genossen. Der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hat dem österreichischen Abgeordnetenhause durch den Abgeordneten Dr. Kronawetter nachstehende Petition überreicht: Hohes Abgeordnetenhaus! In der 3. Sitzung der XIV. Session vom 24. März d. I. haben die Abgeordneten Schlesinger und Genossen den Antrag gestellt: Die k. k. Regierung werde aufgefordert, statistische Erhebungen dahin einzuleiten: 1. Welche Realitäten, Häuser. Grund und Boden u. s. w. gehören in den verschiedenen Kronländern den Juden? — 2. Wie hoch beziffern sich mindestens deren Werthe? — 3. Wie hoch haben die Juden ihr Einkommen bewerthet? — 4. Wie vcrtheilen sich die Juden unserer Länder nach ihren Erwerbszweigen? — 5. Wie sind sie insbesondere in der k. k. Beamtenschaft vertreten? — 6. Wie in den Bank- und Börsengeschäften? — 7. Wie in der gerichtlichen Bestrafung? Zur Begründung dieses Antrages wird erklärt, daß sichere Daten nothwendig seien, um den Juden nicht mit Ungerechtigkeit zu begegnen. Gleichzeitig wird jedoch behauptet, daß die Juden eine ungezügelte Erwerbung materieller Güter betreiben und so das Judenthum zu einer socialen Gefahr für die christlichen Völker werde. Der Unterzeichnete Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" theilt vollständig die Ansicht der Herren Antragsteller, daß genaue statistische Erhebungen das geeignetste Mittel sind, umderungerechtenBeurtheilungder wirthschaftlichenLage der Staatsbürgerjüdischen Glaubens und ihres Einflusses auf das sociale Leben zu begegnen. Nur durch solche ziffermäßige Feststellungen läßt sich die grelle Unwahrheit der Behauptung, daß die jüdischen Staatsbürger eine ungezügelte Erwerbung materieller Güter betreiben und eine sociale Gefahr für die christlichen Völker sind, beweisen. Der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" richtet daher an das hohe Haus der Abgeordneten des Reichsrathes die ergebene Bitte, dem Anträge der Abgeordneten Schlesinger und Genossen Folge zu geben, die als Directive für die hohe Regierung angeführten Fragen jedoch noch durch folgende ergänzen zu wollen: ad. 2: Wie hoch berechnet sich der gesammte Pcivatbesitz an Realitäten, Häusern, Grund