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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Date
1898-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Vr. VLmtz » MochrnptzrM Seils 247) lichen Einflüsse der christlichen Weltanschauung gelernt haben, sondern auch, daß die christliche Theologie selbst uns an Einsicht und Vertiefung der sittlichen Grundsätze gefördert hat. Aber wir wissen ebenso auch, was nicht nur die christliche Weltanschauung, sondern auch die christliche Theologie als Bekeuntniß unserem Schriftthum, unserer Religionsphilosophie und unserer Dogmatik verdankt, oder vielmehr nicht verdankt, aber schuldig ist. (Beifall.) Unsere Aufgabe ist nicht Bekämpfuug der anderen Glaubenslehre, als vielmehr innere Kräftigung und Ausrüstung der eigenen durch alle Schätze der modernen Wissenschaft. Jedoch, ich darf mit diesen Worten nicht abschließen, zumal in einem politischen Volksverein, obschon ich freilich diese Politik für die beste und allein durchschlagende halte. Man sieht nun einmal in dem unmittelbaren politischen Thun die eigentliche Befreiung. So sei es mir denn verstattet, daß ich zum Schlüsse den Zusammenhang berühre, der zwischen der Stammeseigenthümlichkeit der Juden und der Idee des modernen Staates besteht. Im Deutschen Reiche, wo der moderne Staat als der nationale Einheitsstaat von allen nach Freiheit und Recht strebenden deutschen Stämmen ersehnt und endlich gegründet wurde, im Deutschen Reiche kann man es noch heute beobachten, daß die Stämme, deren nationale Gemeinsamkeit allerdings eine Grundlage und eine Voraussetzung des nationalen Staates bildet, noch immer eher als ein Hinderniß, denn ein Vehikel des Staates sich zeigen. Die Eifersucht und die Fremdheit der Stämme müssen bisweilen und gerade in kritischen Momenten beschwichtigt und niedergeschlagen werden, damit große und wichtige Culturaufgaben des Staates zur Durchführung gelangen können. So precär ist schon im nationalen Staate das Verhältniß zwischen den einzelnen Stämmen und Völkern. Und wie es im Deutschen Reiche zum Theile noch so ergeht, so ähnlich war es in früheren Zeiten in England und Frankreich und ist es noch in unseren Tagen in Italien. Wie viel schwieriger die Verhältnisse in einem Einheitsstaate sich gestalten, der nicht aus Stämmen derselben Nation, sondern aus verschiedenen Nationen erbaut ist, das habe ich Ihnen in Ihrem Staate nicht auseinanderzusetzen. Aber umso lehrreicher ist hier das Verhältniß von Nation und Staat. Es zeigt sich in den schweren Kämpfen, die Ihnen auferlegt sind, daß der moderne Staat, wie der Prophet sagt, nicht durch Gewalt und nicht Heeresmacht, sondern durch den G e i st geschaffen und behauptet werden muß. Der Geist der Idee des modernen Staates hebt über den Naturinstinct derRacen hinweg. Der moderne Staat mag in der natürlichen Grundlage nationaler Gemeinsamkeit seine Wurzeln haben, sein Wachsthum und seine Gesundheit muß er aus den Säften der Cultur sammeln, aus den allgemeinen Ideen der Geschichte und des Rechtes, der Freiheit und der Wissenschaft, die keiner Nation leibeigen sind; die idealen Güter aller Völker bilden diese ewigen Grundlagen des Staates, bilden die Idee des modernen Staates (Beifall und Händeklatschen) und nnr in ihnen beruht das Gedeihen und die Wohlfahrt des Staates. Die Juden sind den modernen Völkern das leibhafte Beispiel dafür, daß die Zugehörigkeit zum modernen Staate nicht schlechterdings durch das Racenelement bedingt ist. Die Theilnahme der Juden an den Geschicken der Völker, in deren Mitte sie leben, ist allenthalben natürlich und begeistert und opferfreudig geworden. Unsere Feinde haben das nicht bestreiten können. Wir leben und athmen in dem Heiligsten, Besten und Schönsten der nationalen Literatur, wir nehmen überall den eifrigsten Antheil an dem Ausbau des Rechtsstaates. Es kann nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn man uns „Fremde" nennt. Es kann nur darin liegen, daßdieJdeedes modernen Staates in dem er st zuwahrem Leben reifenden modernen Volke noch nicht zumSiege gekommen ist. Inden Kämpfen um diese Ideen ist unsere Nothlage begründet, in dem Schicksal dieses Kampfes liegt der Ausgang unserer Sachet Die Messiasidee erweist sich auch hier nicht nur als Trost, sondern auch als Wegweiser. Sie verbindet Weltbürgerthum und Vaterlandsliebe, sie befreit vom engherzigen Standpunkte der Stämme und Racen und erzieht zur Aufgabe der modernen Staatsidee, welche die Differenz der Stämme und der Völker selbst zur Versöhnung bringt in der sittlichen Aufgabe eines durch den Rechts- und Culturstaat zu errichtenden und auszubauenden Bolksthums. Mit unserer messianischen Religiosität und dem ganzen Enthusiasmus derselben widmen wir uns den Völkern, in deren Cultur wir hineingewachsen sind. Nicht in der Uniformität des Glaubens nouj des Stammes beruht der Begriff des modernen Staates, sondern in Erziehungund Entwicklung des Volksthums zu Freiheit und Gerechtigkeit. (Stürmischer Beifall.) Man hat uns als ein zersetzendes Element unter den modernen Völkern in vielleicht nicht ganz wohlmeinender Absicht bezeichnet. Gewiß! Wir zersetzen den komischen Aberglauben von der Allein seligkeit der Racen und mahnen an den Urfactor, der mehr als Kitt, der das wichtigste Element im Bauwerke des Staates ist. Aus dieser theoretischen Ansicht, für deren Richtigkeit heute die Thatsachen lauter als je sprechen, schöpfen wir den Muth zum Ausharren und die Zuversicht auf eine unausbleibliche Anerkennung unserer Ehre und auf die Sicherung und Festigung unseres religiösen Fortbestandes. So wahr das messianifche Judenthum Weltanschauung ist, so wahr wird es seinen Antheil behaupten an der Gründung und Läuterung der sittlichen Welt, und es wird die Zeit kommen — vielleicht ist sie nicht mehr ferne — in der man allgemein diesen Antheil erkennen, mit dem Danke erkennen wird, der der Ausdruck des geschichtlichen V e r st ä n d n i s s e s ist. Wir erwarten getrost diese bessere Zeit. Wir haben die Kraft der Geduld und des Kampfes, wir haben es bewiesen. Unser Athem hat alle Skythenstürme der bisherigen Weltgeschichte überdauert, uns kann die Gegenwart betrüben, aber nicht niederbeugen; wir haben den messianischen Zukunstsglauben an die Welt: d i e Ewigkeit ist unser! (Lebhafter anhaltender Beifall und Händeklatschen. Begeisterte Kundgebungen des Dankes seitens der überaus zahlreichen Zuhörerschaft.) Junge Rohlinge in Kraftau. Zwei politische Schriften, Streitbroschüren, welche in den letzten Wochen in der alten Hauptstadt der polnischen Könige, das Licht der Oeffentlichkeit erblickten, lenken gleichmäßig die Blicke der weitesten Kreise auf die socialen uud politischen Vorgänge, auf den Stand der öffentlichen Moral in Galizien. Verschieden find diese beiden Schriftchen an Form und Gehalt, einander entgegengesetzt in ihren verzeichneten Zielen und gewollten Wirkungen, wie Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge, wie Geistesfreiheit und Aberglaube, gehören sie gewissermaßen zu einander, ergänzen sich, indem die eine den Nachweis bietet für die Nichtigkeit der andern. Wie bereits in diesen Blättern kurz erwähnt worden, erschien vor wenigen Wochen mit dem ausgesprochenen Zweck, die ungebildeten bäuerlichen Mafien zu Exceffen gegen die wehrlosen Juden aufzureizen, ein blutrünstiges Pamphlet — unter dem Titel: „Die Geheimniffe der Juden" — welches wegen seinergemeinen Verlogenheit, durch bewußte Wahrheitsentstellung, pöbelhafte Gesinnung und finsteren Glaubenshaß die europäische Schandliteratur geradezu um ein Prachtexemplar bereichert. Der Autor derselben hat nur die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens auf das Titelblatt gesetzt: M. I. Es ist dies der bereits genannte Katechet am k, k. Staats-Obergymnasium bei St. Anna in Krakau, P. Matthäus Jez. Es steht fest, daß in Podgorze im k. k. Staatsgymnasium der Katechet Tomasik den Schüler» aus der genannten Broschüre vorgelesen und sie die beachtenswerthen Stellen notiren ließ, daß die Katecheten Kr a u p a in der Volksschule für Mädchen daselbst und Matthäus I e z im St. Anna-Gymnasium zu Krakau dieselbe colpotirten. Das Zusammenwirken dieser Persönlichkeiten bei der Verbreitung dieser ehrlos-lügnerischen Schandschrift verräth ein parteimäßig ausgeklügeltes Complott. Man bedenke den Eindruck bei der gemeinen Bevölkerung, wenn der Geistliche ihr erzählt, daß es den Juden als eine heilige Pflicht auferlegt sei, die Christen zu tödten. Auf eine angebliche Soharstelle sich berufend, erklärt der Autor (S. 37). das Buch Sohar stellt es den Juden zur Aufgabe die Christen zu tödten, und zwar uicht zu schlachten, sondern zu „erwürgen, wie ein Vieh, das man ohne Lärm und Geschrei tödtet. Diese Soharstelle, die der geistliche Biedermann Herrn Rohling nachgeschrieben, war im Proceß Rohling-Bloch Gegen-

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