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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 12 Vr. Vlortz» Wochrn-chrifl Seite 237 umgänglich nothwendig waren, fühle ich mich beengt, ja entstellt; als ich der Bühne Valet sagte, entäußerte ich mich des größten Theiles meiner reichen Garderobe und erfreute damit manche vom Schicksal weniger bevorzugte Collegin, welcher die Anschaffung der unerläßlichen Toiletten schwer wurde, Sorge verursachte. Gott sei Dank, daß ich nun meiner Neigung frei folgen ' kann, mich für Concertsaal und Gesellschaft, Straße und Haus gleich einfach zu kleiden! Doch beschränke ich meine Neigung etwas, damit man mich nicht der Coquetterie zeihe, durch gesuchte Einfachheit auffallen zu wollen. Was ich jedoch nie begreifen konnte ist, daß die Mehrzahl meiner Mitschwestern soviel Werth auf Toilette legt, derselben so viel Zeit und Geld opfert, ja besonders, daß Frauen oft ihren Männern unr eines versagten Kleides willen die häßlichsten Scenen bereiten. Ich hätte jedoch nimmer vermuthet, daß Sie auch Verstäudniß für Frauenkleidung haben", lachte sie hell auf. „Mehr als Sie glauben! Meine Frau war stets nach der neuesten Pariser Mode gekleidet", gab er ernst zurück. Sie war tief erblaßt; ein heftiger Schreck hatte sie ergriffen, es war das erste Mal, daß er seiner Frau erwähnte. „Ich bedaure innig, durch mein harmloses Plaudern schmerzliche Erinnerungen in Ihnen geweckt zu haben", sagte sie mit sanft bittendem Tone. „Wüßte ich nicht durch Frau Bergheim, daß Sie vermählt waren, ich hätte gedacht, Ihr Sein und Wesen sei stets voll und ganz von den Wissenschaften und Ihrem hohen Berufe ausgefüllt gewesen", fügte sie weich hinzu. „Gewiß, dem war auch so! Jahrelang hatte ich nur eine Geliebte, betete ich nur eine Heilige an, meine ernste Wissenschaft! Doch seit kurzer Zeit bin ich ihr.treulos geworden! Eine hohe unermeßliche Liebe erfüllt mein Herz und Sinn zum ersten Male, und zwar zu einem jungen Mädchen, welches mir die Verwirklichung meines so lange erträumten Ideals dünkt", versetzte er. Seine erregte Stimme verrieth den ganzen mächtigen Aufruhr seines Innern. Auf Corneliens lieblichem Antlitze wechselte jähe Röthe mit tiefer Blässe; ohne sie jedoch zu einer Entgegnung kommen zu lassen, fragte er: „Cornelie, als man Ihnen erzählte, ich war verheiratet, hat man Ihnen auch gesagt, daß die Jahre meiner Ehe zu den unglücklichsten meines Lebens geworden?" „Ich habe davon gehört", antwortete sie leise, gepreßt. „Und willst Du es nun versuchen, die traurigeil Erlebnisse einer Mannesseele auszulöschen?" fragte er in inniger Bewegung. Er legte seine Rechte um ihre schlanken, weißen, bebenden Finger. „Darf ich diese liebe, kleine, weiche Hand festhalten, um sie nie wieder frei zu geben", fragte er saust weiter und fügte bittend hinzu: „Lasse sie mir, diese gesegnete Hand und gewähre mir damit die Hoffnung auf ein künftiges Glück." Seine dunklen, ernsten, ausdrucksvollen Augen tauchten sich in die ihren mit seltsam sonnigem Aufleuchten. „Cornelie, habe ich zu viel zu hoffen gewagt, wenn ich in Deinen Blicken, welche des Herzens Fülle, der Seele Adel wiederspiegeln, zu lesen wähnte, der so viel ältere ernste Mann, den die Schule des Lebens oft hart und rauh gepackt, gerüttelt und geschüttelt, früh altern und ergrauen machte, sei Dir nicht gleichgiltig geblieben, könne Deine Liebe erringen? Willst Du Dein Geschick mir anvertrauen, mir fortan angehören?", fragte er liebevoll weiter. Sie hatte das schöne Haupt tief gesenkt, über die zarten Wangen rieselten zwei klare Thränen. So war sie denn gekommen, die gebenedeite Stunde, in der ein edler Mann sie zum Weibe begehrte, in der sie zum ersten Male dem hohen Liede wahrer, treuer Liebe lauschen durfte! Sie glaubte sich von einem Zauberbanne gefangen, da seine Worte: „Ich liebe Dich, sei mein", an ihr Ohr tönten. Beide verharrten minutenlang sprachlos; voll unruhiger Spannung hing sein Blick an ihrem Munde. „Du weinst, Geliebte? War ich zu stürmisch in meinem Werben um Dich?", fragte er sie sanft. Mit einer energischen Bewegung richtete sie sich auf. die zierliche, schlanke Gestalt schien gewachsen. Wie die Sonne siegreich durch trübes Gewölk, brach sich ein leuchtend Heller Strahl des Glückes Bahn durch die eben noch von Thränen verschleierten süßen blauen Augen, ein reizendes Lächeln theilte die rosigen Lippen und verklärte das süße Antlitz, in welches mehr und mehr die kurz zuvor so jäh entwichene Farbe zurückkehrte. „Bin ich es denn werth, daß Du meiner begehrst?" fragte sie flüsternd und setzte weich hinzu: „Ich will die Deine sein in Frend und Leid, im Leben und im Sterben. Dein Glück sei mein Glück, Dein Weg der meine. Dein Gott mein Gott, Dein Land mein Land!" Welche Berbeißung! Er küßte andächtig ihre kleinen Hände, dann preßte er sie fest an sein hochklopfendes Herz und in leidenschaftlichem Entzücken bedeckte er ihren Mund, ihre Augen, ihr duftiges Haar mit ungezählten heißen Küssen. Der helle Freudenschimmer, der aus seinem Antlitze lagerte, wich bald düsteren Schatten; er mußte sie prüfen, mußte sich Gewißheit verschaffen. „Warum muß in dieser seligen Stunde ein Wermuthstropsen den vollen Becher unseres Glückes trüben?", klagte er nach kurzer Pause. Sie glaubte ihrem Ohre nicht trauen zu dürfen. „Ein Wermuthstropfen? Was meinst Du damit?" wiederholte sie fragend. „Wirst Du, Geliebte, Glanz und Triumphe missen können, dieselben nicht entbehren in dem stillen Leben an meiner Seite?", fragte er. Mit fiebernden Pulsen harrte er ihrer Antwort; er fühlte, er würde nun nicht mehr auf ihren Besitz verzichten können. Ihr silberhelles Lachen beruhigte ihn. „Geliebter", sagte sie sanft, „als ich von Stunde zu Stunde in diesen letzten Wochen mir immer deutlicher bewußt wurde, daß ich Dich grenzenlos liebe, als mir die beseeligende Zuversicht,'von Dir geliebt zu werden, nicht mehr verborgen bleiben konnte, begann ich es schon als meines künftigen Lebens einzig schöne Aufgabe zu betrachten, für Dich glückbereiiend, Dein Heim schmückend, fortan leben zu dürfen. Wähntest Du in der That, es könne mir schwer werden, meinem bisherigen Berufe zu entsagen, ihn mit dem des liebenden und geliebten Weibes zu vertauschen, oder war es nur ein Scherz?", fragte sie. „Aber, Geliebter", fuhr sie erregt, mit bebender Stimme fort, „wird es Dir nicht Schwierigkeiten in Deinem Berufe bereiten, eine Theatersängerin gewählt zu haben?" „Sei ruhig, Herzenskind! Den Jugendtraum von der lieblichen Predigerfrau habe ich in dem Momente zu Grabe getragen, als Du mein heißes Flehen erhörtest! Ich weiß, es würde Deinem Liebreize, Deiner Bescheidenheit, Klugheit und Güte sicher schnell gelingen, Vorurtheil und Uebelwollen schnell zu besiegen, allein ich möchte Dich, die ich mehr liebe als mein Leben, denselben erst gar nicht anssetzen, möchte Dir den Lebensweg ebnen, dornenlos gestalten, Dir jeden Stein des Anstoßes ferne halten, so viel es nur irgend im meiner Macht, und darum stand es fest in mir, meinen Beruf zu verlassen, schon ehe ich um Dich warb! Cornelie, Geliebte, welch' zauberische, verlockende Bilder steigen vor meinem geistigen Auge auf, die sich mit Gottes Hilfe bald verwirklichen sollen! Am schönen, gesegneten, sagenumwobenen Rheine wollen wir uns ein trauliches Heim schaffen; in einer kleinen, rebenumsponnenen Villa sollst Du als lievlichste, glückliche und beglückende Gattin und Hausfrau walten! Dieser Kopf", er zeigte auf seine hohe, gedankenreiche Stirne, „diese Hand", er hob seine Rechte wie zum feierliche» Schwure, „werden freudig gerne für Dich, Geliebte, arbeiten, und sollte mir meine schriftstellerische Thätigkeit dennoch nicht genügen, dieses Arbeitsfeld mir zu engbegrenzt werden, der Drang, lehrend und lernend wirken zu wollen, zu mächtig sein —" „So ist Dir bei Deiner glänzenden Befähigung, Deinem fest begründeten Rufe iu der Gelehrtenwelt, eine Professur leicht erreichbar", unterbrach sie ihn schnell und lebhaft, „nicht nur so weit die deutsche Zunge klingt, sondern weit hinaus über die Grenzen unseres Vaterlandes". „Mädchen, hat die Liebe Dich zur Hellseherin gemacht, daß Du meine geheimsten Gedanken erräthst?", fragte er, sie staunend anblickend. „Wird es Dir sehr schwer, Geliebter, Dich von Deinem Berufe zu trennen?" fragte sie liebreich. „Gewiß, Liebling", gab er freimüthig zurück, „ich habe einen schweren Kampf durchgerungen, ehe ich mir zugestand, Dich besitzen, heiße meinen Berus verlassen. Ohne Kampf und Entbehrungen ist nun einmal kein Menschenleben, schreibt der edle, feinsinnige Wilhelnt von Humboldt an feine Freundin. Die Palme des Sieges bist Du, Geliebte!" (Fortsetzung folgt.)

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