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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 236 Dr. Bloch'« Wochenkchrifi- Nr. 12 Herren J U. Dr. I. Lamber g, Fabrikanten S. Tauber, Al. Reik, Leopold Pan eth und Kaufmann Siegmund Wechsberg gewählt. Ausschuß-Mitglieder im zweiten Wahlkörper sind außer Herrn M. Brenner noch die Herren: Hermann L ö w, Ad. Reik, Math. Schwarz und Heinrich L e s ch n e r. Budapest. Am letzten Montag ist der Herausgeber und Chefredacteur der „Ungarischen Montan-Jndustrie- und Handels- Zeitung", Bergrath Silberstein, von Sr. Excellenz dem Herrn Handelsminister Baron Daniel in einer fast einstündigen Privat- Audienz empfangen worden. Wie man uns berichtet, war hauptsächlich über die jetzt herrschenden Verhältniffe in der ungarischen Kohlenindustrie und über die Cartellbestrebungen unter den hervorragenderen Gesellschaften, sowie auch über die Gefahr für die allgemeine vaterländische Industrie, Staats¬ und Volkswirthschaft, die aus einem Kohlenringe entstehen könnte, die Rede. Schließlich wurde Herr Silberstein von Sr. Excellenz dem Herrn Handelsminister mit der Ausarbeitung eines Memorandums, diese Frage betreffend, betraut. Csakathurn, 22. März. Die Warasdiner israelitische Cultusgemeinde feierte am 2. d. M. ein selten schönes und herzerhebendes Fest: das 25jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Herrn Dr. Ignatz Ernst. Das Fest begann mit einem solennen Gottesdienst im prachtvoll decorirten Gotteshause, bei welchem die höchsten Spitzen der Comitats- und Stadtbehörden, als: Obergespan Rubido, der Bicegespan, der Bürgermeister u. s. w., anwesend waren. Rach Anstimmung des vom Obercantor Milkovics in Musik gesetzten 15. Psalmes betrat der Jubilar die Kanzel und erörterte in gehobener, schwungvoller Sprache seine Auffassung des Priesterberuses, der nach jeder Richtung hin sühnend, vermittelnd und friedenstiftend sein soll. Die Rede machte gewaltigen Eindruck und gefiel allgemein. Allerdings ist Dr. Ernst ein Schüler Ahrons im vollen Sinne des Wortes, er verbindet mit inniger Frömmigkeit seltene Gutherzigkeit und Menschenliebe — und verdient in vollem Maße die Liebe und Verehrung, mit welcher seine Gemeinde an ihn hängt und die sie aus diesem Anläße durch Adressen und Ehrengeschenke an den Tagen legte. Troppau,21. März 1898. (Jüdisch-literarischer Verein.) Dem in Nr. 9 d. Bl. enthaltenen Berichte ist noch nachzutragen, daß im März 1897 Se. Ehrwürden Dr. A. Blüh, Rabbiner in Troppau, einen gediegenen Vortrag über „Hillel's Leben und Wirken" gehalten hat, welcher sich eines zahlreichen Besuches und lebhaften Beifalles zu erfreuen hatte. Herman-Mestec, 16. März. Am 13. d. M. hielt die hiesige Ehewra-Kadischa eine Generalversammlung ab. Nach Erledigung der Tagesordnung hielt der Herr Rabbiner Dr. Kronberg eine wirkungsvolle Rede. Hieran schloß sich eine geschmackvoll arrangirte Chewra-Sudeh, an welcher auch eine Anzahl neuer Mitglieder und Gäste theilnahmen. Herr Nathan T a u s s i k, welcher mit musterhafter Hingabe dem Vereine durch bereits 30 Jahre als erster Vorsteher vorsteht, hatte die Absicht, sein Amt niederzulegen, es gelang 'jedoch den Vereinsgenossen, ihn seinem Amte zu erhalten. Croat.-Krentz, 20. März 1898. Am 8. d. M. feierte unser verehrter Vorsteher, Herr Marko Breyer, seinen 60. Geburtstag. Eine Deputation der israelitischen Gemeinde unter Führung unseres Rabbiners Dr. Engel erschien bei ihm, um ihn zu begrüßen. Herr M. Breyer hat in unserer Gemeinde durch Jahrzente ein segensreiches Wirken entfaltet und erfreut sich mit Recht allgemeiner Verehrung. Algier, 21. März. (Antisemitische Demonstrationen in Algier.) In Folge der heute vorgenommenen Verhaftung des an den jüngsten Unruhen in Algier betheiligt gewesenen Direktors des „Antijuif", Regis, veranstalteten gegen 800 Individuen am Abend eine Demo»- fir a t i o n und schlugen die Fenster mehrerer jüdischer Magazine ein. Die Manifestanten wurden durch Militär zerstreut. Um 11 Uhr Nachts war die Ruhe wiederhergestellt. Zwölf Personen wurden verhaftet. Stockholm. Ein samaritanischer Schnorrer, der von König Oscar U. von Schweden und seinem warmen Interesse für orientalische Studien gehört, hatte es natürlich nicht unterlaßen können, sich an diesen edlen Monarchen zu wenden, und ein schwedischer Gelehrter hat es für nützlich befunden, diesen Bri-ff in: Faksimile herauszugeben und zu übersetzen. Das Beste an der Sache ist die Einleitung, aus der wir erfahren, daß die Bevölkerungsziffer der Samaritaner sich gegenwärttg auf etwa 50 Familien und 150 Seelen beläuft. Auch über die Correspondenz europäischer Gelehrter mit Samaritanern ist alles Wissenswerthe zusammengestellt. Der Hauptbeweggrund freilich für die Aufrechterhaltung dieser Correspondenz war die meist sehr eindringliche Bitte um Geldunterstützung von samaritanischer Seite. Das neueste Schreiben von Joseph Dschelebi an König Oscar ist gleichfalls ein Bettelbrief, in dem der Bittsteller dem Monarchen zum Schluffe verschiedene Bücher und Manuscripte anbietet. „Und welche von diesen Büchern gut sind in Euren Augen, thuet sie kund Euerem Diener, daß er möge sie schicken zum Besten seines Volks durch den Preis der Bücher, welche Ihr wünschet von ihm." Unterschrieben ist „Joseph Dschelebi ben Jaquub Dschelebi von der Gemeinde der samaritanischen Israeliten in der heiligen Stadt Sichern, gegenüber dem Berge Gerizzim, der Wohnung Gottes." Augenscheinlich eine gute Adresse. Das Beste aber an diesem Schnorrbrief des verehrten Samaritaners ist die beigegebene Schristtafel von Julius Euting, die für die paläographische Bearbeitung der samaritanischen Schrift von hoher Bedeutung ist. Rom, 7. März. Unser Amtsblatt veröffentlicht soeben ein königliches Decret, mittelst welchem die hiesige jüdische Gemeinde ermächtigt wird, am Tiberstrande ein Terrain anzukaufen und auf demselben eine neue Synagoge zu erbauen. Unsere Cultusgemeinde will für diesen Ban eine Viertel Million Lire verausgaben. — Morgen feiert Italien bekanntlich den 50. Geburtstag seiner Verfassung. Auch die Juden Italiens werden diesen Tag feiern, da die Verfassung ihnen die völlige Gleichberechtigung und vollste Glaubensfreiheit gebracht. Zwar heißt es in der Verfassung ausdrücklich, daß die Juden nur „Geduldete" (»tollerati«) sind, aber diese Clausel wurde nur deshalb angenommen, weil Pius IX. gegen die Gleichstellung der Juden und Protestanten lebhaft protestirt hatte. Um nun diesen Papst zu beschwichtigen, versicherte man ihm, daß diese beiden Konfessionen nur geduldet werden sollen. Und die Juden Italiens sind mit dieser Duldung vollkommen zufrieden. So duldet die italienische Regierung jetzt, daß der Jude Luzzatti Finanzminister ist. Auch jüdische Generäle, Senatoren und Präfecten werden in Italien geduldet. Die Juden Italiens verlangen daher gar nicht, daß ihre Gleichstellung erst feierlich proclamirt werde. Spätes Glück. Erzählung von Regina Reißer. (Fortsetzung.) Wenige Tage später, der Regen floß in Strömen herab, der Wind peitschte die dichten Kronen der herrlichen Bäume, die sonst so freundliche schöne Stadt erschien Grau in Grau, es sah schon recht herbstlich aus, befand sich Dr. Seefeld in schon vorgerückter Nachmittagsstunde auf dem Wege zu den Damen. Mit einer feinen Handarbeit beschäftigt am Fenster sitzend, hatte Cornelie sein Kommen bemerkt. Nach freundlicher Begrüßung und nachdem er auf eine anmuthig einleitende Bewegung ihr gegenüber Platz genommen hatte, sagte sie: „Sie müssen heute vorerst mit mir allein fürlieb nehmen. Louise ist ungeachtet des argen Wetters ausgegangen, Bekannte, welche heute hier ankamen, ließen sie um ihren Besuch bitten." Er sah sie nur zu gerne allein, ohne ihren Cerberus, welchen Namen, wie ihm Frau Bergheim einst lachend erzählt hatte, die jeunesse doree der verschiedenen Städte, die Cornelie auf ihrer Künstlerlausbahn berührt hatte, der guten Frau Winter beigelegt hatte. In dem zierlichen dunkelgrauen Kleide, welches nur um den feinen Hals und die zarten Handgelenke blüthenweise Leinenstreifen als Aufputz trug, dem schwarzseidenen Schürzchen erschien sie seinem liebevollen Blicke, der in trunkener Selbstvergessenheit auf ihr ruhte und das Spiel der schlanken Finger, welche den bunten Seidenfaden durch die Arbeit zogen, beobachtete, unsagbar reizend. „Wissen Sie, Fräulein Cornelie", bemerkte er plötzlich, „ich muß endlich meiner schon lange gemachten Wahrnehmung Worte geben; Sie sind doch eine sehr rühmliche Ausnahme unter Ihren Mitschwestern, Sie kleiden sich mit fast puritanischer Einfachheit und heute erscheinen Sie mir fast wie eine soeur grise." „Wie eine Maus, sagt Louise, wenn ich das Kleid trage. Nicht doch," wehrte sie lächelnd ab; „ich bin eine echte Evatochter, nicht besser als meine Mitschwestern, nicht frei von Eitelkeit. Es gibt Frauengestalten, denen einfache Toilette vortheilhafter ist, als der reichste Putz und zu diesen gehöre ich eben. In den prächtigen Gewändern, die oft für die Bühne un-

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