Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 12 (25.3.1898)
- Date
- 1898-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 232 graphisch unter Darstellung des ganzen Sachverhaltes ans Corps- I commando, woher die Weisung kam, daß die beiden Officiere! bis nach , durchgeführter militärischer Untersuchung auf Satisfaction keinen Anspruch erheben können. Der Name des Mannes ist Frommer, Verwalter einer Säge in Ungarn. Derselbe weilte vorübergehend in Stanislau. Raab. Petöfi in zweiter Ausgabe ist der junge Universitätshörer Theodor Förstner, welcher mit seiner schlanken Gestalt, dem brünetten Teint, der tiefen Stimme, sowie seines stahlfesten Charakters und excellenter geistiger Fähigkeiten halber vollkommen dem unsterblichen Petöfi gleicht. Hoher Ernst umwölbt seine Stirne und verzehrendes Feuer lodert in seiner tiefften Tiefe. Seine schönste Eigenschaft ist die verklärte Begeisterung für alles Schöne, Gute und Edle, wie auch sein gentlemanlikes Benehmen gegen Jedermann. Diesen nicht alltäglichen Eigenschaften verdankt er es, daß die hiesige Staats-Oberrealschule, die 1884er pattiotische Tischgesellschaft, sowie die Stadtobrigkeit an ihn das Ersuchen ergehen ließen, die Jubilar-Märzfeier dadurch zu verherrlichen, daß er in je einer Nummer der reichhaltigen Programme im Magnaten-Costüm Petöfi's „Talpra u agyar“ declamire. Also declamirte er viermal in zwei Tagen dieses herrliche pattiotische Gedicht, das letztemal am Szechenyi- Platz im Freien auf einer Estrade, wo ihm viele Tausende Menschen begeistert applaudirten und mit donnernden Eljens honorirten. Berlin, 11. März. Der „Verband für jüdische Wohlthätigkeitspflege zu Berlin" hielt gestern Abends im Sitzungssaale Oranienburgerstraße 29 seine zahlreich besuchte Delegirtenversammlung, zu welcher 34 Vereine und Institute Vertreter entsendet hatten. An Stelle des durch Heiserkeit verhinderten ersten Vorsitzenden, Herrn Martin Simon, leitete Herr Rechtsanwalt B. Breslauer die Verhandlungen. Bei den zunächst vorgenommenen Wahlen von vier Mitgliedern des geschäftsführenden Ausschusses wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Frau Rabbiner Dr. Maybaum, Frau Julie Neumann, Herr Syndikus Dr. Minden und Herr Siegftied Sachs durch Acclamation wiedergewählt. Hieraus erstattete Herr Rechtsanwalt Breslauer eingehenden Bericht über die bisherige Wirksamkeit des Verbandes, welche sich in jeder Hinsicht als eine segensreiche erwiesen und den letzten Zweifel über die Ersprießlichkeit, ja, man könne sagen, Nothwendigkeit eines Zusammenschlusses der Einzelvereine zu einem Verband beseitigt habe. Während der letzten drei Jahre seien von 40 Vereinen insgesammt 15.238 Anfragen an die „Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten der jüdischen Gemeinde" gerichtet und von letzterer 17.600 Berichte erstattet worden, sicherlich eine namhafte Leistung, da die „Centtalstelle für städtische Armenpflege" durchschnittlich im Jahre nur 32.000 Berichte ausgibt. Es sei der Mitwirkung des Verbandes, namentlich den Bemühungen des Vorsitzenden, zu danken, daß das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde und die Armencommission beschlossen haben, gemeinsam ein Rcconvalescentenheim in dem benachbarten Birkenwerder zu errichten, wodurch nicht nur an sich ausgiebigere Hilfe gebracht, sondern zugleich Gewähr geleistet werde, daß die den Heilungs- und Erholungsbedürftigen bewilligten Beträge wirklich für diesen Zweck verwendet werden. Die in gesündester Gegend gelegene Anstalt werde streng rituell geführt und der ständigen Aufsicht eines Arztes unterstellt sein. Die Versammlung votirte den gedachten Instituten auf Antrag des Vorsitzenden ihren Dank für dieses segenverheißende Unternehmen. An den interessanten Bericht knüpfte sich ein sehr angeregter Gedankenaustausch über Fragen der Wohlthätigkeitspflege, namentlich darüber, ob für Jeden, der ein Uuterstützungsgesuch einreicht, sofort seitens der „Centtalstelle" ein Recherchebogen angelegt werden soll. Wie der Vorsitzende mittheilt, wird in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung des „Verbandes" sich Gelegenheit bieten, über die Fragen und darüber, wie recherchirt werden soll, eingehender zu discutiren. Berlin. (Eine jüdische Aerztin.) Fräulein Dr. Jenny Springer hat sich hier in der Potsdamerstraße als Aerztin niedergelassen. Eine gebürtige Berlinerin, besuchte sie die Louisenschule und machte daraus das Lehrerinnenexamen. Als Erzieherin war sie dann in Ungarn und Rumänien thätig und ging später nach Zürich, wo sie auf Grund des Berliner Lehrerinnenzeuguisses immatticulirt wurde. Neben ihren Collegien bereitete sie sich auf Erlangung des eidgenössischen Reifezeugnisses vor, das sie dann auch erwarb. Nachdem sie die klinischen Studien beendet, legte sie das eidgenössische Staatsexamen in Zürich Rr. 12 ab. Danach besuchte Fräulein Dr. Springer noch mehrere Krankenhäuser in Wien und war zuletzt in Berlin praktisch thätig in den Kliniken der Herren Geheimräthe v. Leyden und Olshausen, ferner in der Kinderpoliklinik des Sanitätsrathes Ehrenhaus und bei Professor Landau. Frl. Dr. Springer prakttcirt in Frauen- und Kinderkrankheiten und in Geburtshilfe. Die Beerdigung des im Duell gefallenen Studenten Fritz O t t e n d o r f hat von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes in Weißensee aus unter sehr großer Betheiligung stattgefunden. Eingeleitet wurde die Trauerfeier durch einen Gesang des Synagogenchors, dann hielt der Prediger der jüdischen Reformgemeinde Dr. L e w i n die Trauerrede. Leipzig, 10. März. Heute Nachmittag fand in der hiesigen Synagoge die Trau er frier zum G e d ä ch t n i ß des am 6. d. M. dahingeschiedenen Vorstehers der Leipziger israelitischen Gemeinde, Herrn Alexander W e r t h a u e r, statt. In der schwarz ausgeschlageneu Synagoge war, unter Blumenspenden von Nah und Fern fast begraben, der Sarg mit der Leiche des Entschlafenen aufgestellt, dem die letzte Ehre zu erweisen sich fast die ganze Gemeinde eingefunden hatte. Unter den circa 100 Palmenarrangements gewahrten wir auch die des Samariter-Vereins Leipzig und der Gesellschaft der Freunde. Außer zahlreichen Mitgliedern der Börse sahen wir von der Reichsbank Herrn kaiserlichen Bankdirector Ge? Heimen Regierungsrath Heller und von der Sächsischen Bank Herrn Bankdirector Kotte. Punkt 3 Uhr begann die Feier mit einem von Herrn Homeyer gespielten Orgelpräludium; darauf sang der 50 Mitglieder starke gemischte Chor „Psalterion" eine von Jadassohn componirte und dirigirte Todtenfeier („Wenn der Schöpfer der Geschichte Unsre Lieben zu sich ruft" rc.). Inzwischen hatte der Herr Rabbiner Dr. P o r g e s die Kanzel betreten, um die Grabrede zu halten. Unter Zugrundelegung eines Textes aus den Klageliedern Jeremiä entwickelte er in längerer Rede Folgendes: Seit einem halben Jahrhundert war der Verstorbene eine Zierde unserer Gemeinde, seit 16 Jahren ihr Vorsteher voll unvergleichlicher Hingabe. Drum „klaget um ihn Alle, die Ihr seinen Namen gekannt habt!" Wie der Strahl mit der Sonne, wie der Duft mit der Rose, so war sein Name mit dem Ansehen der israelitischen Gemeinde verknüpft. „Wie ward gebrochen der Stab der Festigkeit!" so klagt unsere Gemeinde, so klagen die Gemeinden der Nachbarschaft und des Landes, so klagt vor Allem die Gattin. Der Tod eines Edlen ist in der Gemeinde der Zerstörung eines Heiligthums gleich zu achten. Das fühlt hier unsere Gemeinde. Wie ist doch Alles so plötzlich gekommen; er reist zum frohen Feste der Vermählung seines Sohnes, da wird er wie Moses im Anblick des Gelobten Landes abgerufen — des Sohnes Hochzeit und des Vaters Tod so nahe bei einander! Aber nur gebrochen ist der Stamm, nicht verdorret; das ist ein Trost für uns. Der Verstorbene ist abgerufen mitten aus der Fülle des Schaffens. Er hat an vielen Gräbern gestanden, war aber kein Freund lauter Wehklage: Wunden zu verbinden, nicht sie aufzureißen, war ihm des Lebens Zweck. Darum soll auch heute nicht geklagt, sondern nur gedankt werden für Alles, was er gewesen ist als Gatte, Vater, Bruder, Freund, im Geschäft und in der Gemeinde. Man kann nicht allen seinen Verdiensten gerecht werden. Für Jugendunterricht und Gottesdienst, für Armenpflege und Begräbnißwesen war er unermüdlich thätig. In der Gemeinde war sein Hauptaugenmerk auf die Erhaltung des Friedens gerichtet. Den Armen war er ein fester Stab, der Gemeinde eine sichere Stütze. Aber seine Lauterkeit ließ ihn in Zorn entbrennen gegen Anmaßung und niedrige Gesinnung. Ein „Stamm der Herrlichkeit", war der Verstorbene, über und über bedeckt mit den Blüthen edelster Menschlichkeit. Die Pracht des Libanon erleidet Einbuße, wenn auch nur e i n Stamm gefällt wird, und dieser war von besonderer Schöne. Darum „klaget, ihr Tannen, denn gefallen ist die Ceder!" Die Wurzel des edlen Stammes war Gottvertrauen und reines Judenthum, und dadurch ward er so herrlich und so fest. Wohlan denn: sein Vorbild soll zur Nacheiferung anspornen, Dank und Verehrung sollen ihm bleiben, seine Tugenden ziehen mit ihm in's Reich der Ewigkeit! Nach der Grabrede sang Herr Richard Fischer ein Tenorsolo „Beruhigung" von Oskar Werner („O mein Herz gib dich zufrieden, O verzage nicht so bald" u. s. w.). Dann folgte noch eine ganze Reihe von einzelnen Nachrufen: seitens des stellvertretenden Vorstehers der Gemeinde Herrn Magnus, aus der Mitte der Gemeinde durch Herrn Bankier Meyer, seitens der Dresdener, der Halleschen israelitischen Gemeinde, ferner des Allgemeinen Vr. VvttV» Vmtzrnsrtzrift >> * h „mim