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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 230 Vr. Bloch'» Mochrnkchrlfl Nr. 12 Renten, aus hierorts wohlbekannten Gründen aus dieser Mücke -einen Elephanten zu machen, war daher völlig überflüssig. Es besteht hier, wie selten in irgend einer anderen Stadt, das beste und friedlichste Verhältniß zwischen jüdischen und nichtjüdischen Mitbürgern; aber derartige Ausflüsse unberechtigter Empfindlichkeit sind ebensowenig geeignet, friedliche Verhältnisse zu fördern, als ein völlig unmotivirtes Austreten aus einem patriotischen Vereine angezeigt wäre. Frau Dr. Carola Groß, im Namen der übrigen israelitischen Borstandsdamen des Frauen- Hilfsvereines vom Rothen Kreuze in Lundenburg. Straßuitz, 15. März. Zur Trauer seiner Familie und eines großen Kreises seiner zahlreichen Freunde und Verehrer verschied hierorts der vormalige Bürgermeister Herr Salomon F c l b e r im Alter von 77 Jahren. Der Verblichene, hinter dessen schlichtem, bescheidenen, äußeren Wesen ein patriotisches und für die Interessen des Judenthums warmfühlendes Herz schlug, zeichnete sich durch seine Treue und hingebungsvolle Anhänglichkeit an dem alten Väterglauben, durch wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, durch einen glänzenden Mildthätigkeitssinn, welchen er zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit, in geradezu splendider Weise jedoch im Stillen und Verborgenen deutlich bethätigte und nicht zum Geringsten durch seinen reinen, biederen und ehrenhaften Charakter, durch seinen milden, friedliebenden Sinn in hervorragender Weise, aus. Als er in den Sechziger-Jahren als Pächter eines kaiserlichen Gutes in Straza bei SasvLr (Ungarn) wohnte — welche Gutspachtung noch heute von seinem rühmlich bekannten Sohne, dem Großgrundbesitzer Herrn Wilhelm Felder, Ritter des Franz Josef-Ordens und Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, Schwiegersohn des Herrn Philipp Back in Wien, verwaltet wird — zeichneten ihn seine Glaubensgenossen dadurch aus, daß der dortige, ansehnliche Wahlbezirk in Anerkennung seiner Würbigfeit mit dem hoch ehrenden Mandate eines Deputirten in den im Jahre 1868 in Budapest tagenden Congretz gerade ihn, den Straßnitzer (mährischen) Glaubensbruder, betraute. Von dort hieher in seine Vaterstadt zurückgekehrt, wurde er bald darauf zum Bürgermeister der hiesigen israelitischen Stadtgemeinde gewählt, welches Ehrenamt er bis Ende des Jahres 1896 ehren- Md würdevoll fortführte. Die allgemeine Achtung und das hohe Ansehen, dessen sich der Hingeschiedene erfteute, bekundete sich auch bei seinem unter der spontanen Theilnahme zahlreicher Freunde und Verehrer aus Nah und Fern, der corporativen Vorstände der politischen und Cultusgemeinde, der Schuljugend, der Honoratioren und Bevölkerung unserer Stadt am 11. d. M. itattgefundenen Leichenbegängnisse. Die Leichenrede hielt unser ehrw. Rabbiner Herr Dr. Friedmann; m formvollendeter Rede auf das Leben und Wirken des Hingeschiedenen rückblickend, entwarf er in meisterhafter Weise ein treues Lebensbild des Entschlummertenlals Mensch, Jsraelft, Bürgermeister, Vater und Freund, wodurch man sich des unersetzlichen Verlustes erst recht bewußt wurde. Die wirkungsvolle Rede klang in den erhebenden Trostworten aus, daß Männer, wie Salomon Felder einer war, nicht todt sind, nicht dem Grabe der Vergessenheft anheimfallen; sie leben fort durch ihre zahlreichen Werke, die sie im Dienste Gottes und der Menschheit vollbracht, und so wird auch das Andenken Salomon Felber's ein gesegnetes sein. Prag-Karolinenthal, im März. Am 14. und 15. d. M. fand im Sitzungssaale des jüdischen Rathhauses die diesjährige Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen statt. Im Vordergründe der ernst und würdig geführten Verhandlungen stand die Berathung über den Lehrplan für den Religionsunterricht an den Mittelschulen, über welchen namens des Ausschusses Dr. A. Kurrein ein Referat erstattete, das dem Religionsunterrichte neue, praktische Ziele steckte. Das Referat würdegründlich discutirt und wird dem neuen Lehrplane zur Grundlage dienen. Hierauf entspann sich eine lebhafte Discussion über die Frage der Lehrbücher, welche ein Antrag der Doctoren Hirsch und Back der Lösung näherbringen wollte. Die Erwägung der Lehrbücherfrage wurde schließlich einer Commission, aus dem Verrinsvorstand und Vereinsgenossen bestehend, überantwortet. Außerdem wurden wichtige Angelegenheiten der rabbinischen Amtspraxis und dringende Standesfragen auf die mündliche Anregung der anwesenden Rabbiner, Dr. Klotz (Jungbunzlau), Link (Dobris), Neumark (Rakonitz), Schwarz (Eger) und der abwesenden Rabbiner Schidloff (Tachau), Stern (Saaz) besprochen und erledigt. Zum Schlüsse gab es eine herzliche Abschiedsfeier. Dr. H. Gottein (Nachod) verabschiedete sich vor seiner baldigen Uebersiedlung nach Kopenhagen in kurzer, freundschaftlicher Rede, auf welche der Präsident unter lebhafter Zustimmung der Versammlung in warmtönigen, den scheidenden Collegen ehrenden Worten erwiderte. Die Wahlen für das Vereinsjahr 1898—99 ergaben folgendes Resultat. Präsident: Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld; Vicepräsident: Dr. A. Kurrein (Teplitz), Dr. S. Beck (Smichow); Cassier: Dr. A. Poznansky (Pilsen); Beiräthe Dr. H. Bauet (Gablonz). Rabbiner M. Stark (Weinberge); Schriftführer: Dr. I. Hirsch (Karolinenthal). Brünn. (Zum Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers.) Die diesjährige Generalversammlung der Delegirten des mährisch-jüdischen Landesmassafondes, bei welcher 40 Gemeinden vertreten waren, fand unter Vorsitz des Obmann-Stellvertreters des Curatoriums. Herrn kaiserl. Rathes D. M a n d l, statt. Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1897, der zunächst verlesen wurde, beklagt die ungünstigen Gebahrüngsergebnisse dieses Jahres, die theils auf das sinkende Zinsenerträgniß des Fondes und einen erlittenen Verlust, theils auf die Ueberschreitung der einzelnen Verwendungsbeträge zurückzuführen sind. Die Gemeinden werden daher rechtzeitig daran gemahnt, ihre Ansprüche an den Fond allmälig einzuschränken, da sonst ein Deficit unausbleiblich wäre. Der von Herrn G. Fischer vorgetragene Revisionsbericht beantragt die Ertheilung des Absolutoriums an das Curatorium. Hierauf wurde dieser Antrag, sowie der Thätigkeitsbericht des Curatoriums einstimmig genehmigt und beschlossen, den Saldo per 2109 fl. 49 kr. auf neue Rechnung zu übertragen. Der Vorschlag für 1898 beziffert die Einnahmen mit 48.540 fl. 99 kr., die Ausgaben mit 47.866 fl. 20 kr. und wurden die Ansätze im Einzelnen wie im Ganzen angenommen. Bei der Post „Kaiser Jubiläumsfond" wurde auf Antrag des Curatoriums beschlossen, vorbehaltlich der behördlichen Bewilligung, dem Reservefond 20.000 fl. zu entnehmen und dem I u b iläumsfonde einzuverleiben, damit mit der Activirung desselben ehemöglichst begonnen werden könne. Nachdem die Herren. G. Fischer, Max K o h n und G. T a n d l e r zu Revisoren pro 1898 gewählt worden waren, hielt der Vorsitzende eine Ansprache, worin er auf das bevorstehende Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers hinweist, zu dessen Verewigung die Delegirten bereits vor zwei Jahren die Gründung eines Pensionsfondesfürdie Angestellten der israelitischen Gemeinden zunächst deren Witwen und Waisen beschloffen hatten; er erwähnt die tiefe Dankbarkeit, welche die mährische Judenschast für Se. Majestät, als den obersten Schirmherrn der Verfassung und Gleichberechtigung, insbesondere auch für die ihr durch Uebergabe des Landesmassafonds erwiesene Wohlthat empfindet und beantragt, den Ausdruck dieser Gefühle unwandelbarer Treue, innigster Hingebung, sowie der heißen Wünsche für das Wohl Sr. Majestät durch eine Huldigungsdeputation an Se. Excellenz den Herrn Statthalter in der Jubiläumswyche an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Die Versammlung, welche die Ansprache stehend angehört und dem Antrag durch lauten Beifall ihre Zustimmung ertheilt hatte, brach in dreimalige Hochrufe auf Se. Majestät den K a i s e r aus, worauf der Schluß der Versammlung erfolgte. Lemberg, 16. März. Durch Erlaß des hohen Landesschulrathes ist die vom Herrn Rabbiner Dr. Caro verfaßte biblische Chrestomathie mit hebräisch-polnischem Wörterbuch für den Gebrauch an Mittelschulen approbirt worden. „Stowe polski", das vornehmste Blatt in Galizien, schreibt darüber Folgendes: „Der gelehrte und in pädagogischen Kreisen wohlbekannte Lemberger Rabbiner Dr. Jezeckiel Caro bereicherte die polnische Literatur mit einer biblischen Chrestomatie. Es ist dies das erste hebräische Werk mit einem hebräisch-polnischen Wörterbuch. Das Buch wurde vom Landesschulrathe für die Mittelschulen approbirt. Das Wörterbuch umfaßt den ganzen Vorrath hebräischer Worte mit Ausschluß des Chaldäischen und hilft einem bisherigen Mangel an solchen Hilfsmitteln zum ersten Male gründlich ab. Die Mühe und Arbeit eines solchen Werkes sind groß Herrn Rabbiner Dr. Caro gebührt lebhafte Anerkennung dafür, dasselbe zum Nutzen der jüdischen Jugend unternommen und ausgeführt zu haben." — Auch noch in anderer Weise hat sich der obengenannte Herr Rabbiner um die Verbreitung jüdischen Wissens unter der Jugend verdient gemacht. Seit Mitte September d. I. hielt er wöchentlich einmal einen talmudischen Vortrag für die reifere Jugend. Derselbe wurde von Mittelschülern, jungen und auch älteren Leuten verschiedenen Standes zahlreich und regelmäßig besucht und fanden die lichtvollen Erläuterungen des Traktat Berachot eine sehr beifällige Aufnahme. Wie wir hören, gedenkt Herr Rabbiner Dr. Caro auf Bitten der jungen Leute diese Vorträge auch im Sommersemester fortzusetzen. — Bei den hier stattgefundenen Wahlen in den israelitischen Cultusrath siegte die fortschrittliche

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