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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dr. Vloch's Wochrnschrifl. Seite 339 Nr. 13 gasse 8; Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Hermann F i a I l a, Präsident des „Politischen Volksvereines"; Jacob Frankl, Bethausvorsteher in Währing; Albert Hohenberg, Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa in Ottakring; Samuel K o h n, Obmannstellvertreter im Bethausvorstand Ottakring; Jacob Straßberg, Vorstandsmitglied des Tempelvereines im X. Bezirk; Dr. Tritsch; Bernhard T r n k a, Präses der Chewra- Kadischa in Ottakring. Das Comite vollzog sogleich seine Constituirung und bestellte die Herren Dr. Fi alla zum Obmann, B. Tr.nka zum Obmann^Stellvertreter und Dr. Bloch zum Schriftführer, welche die ihnen zugedachte Function anzunehmen sich bereit erklärten. Wien,20.März. (Zur Richtigstellung einer Berichtigung.) Wissen Sie schon, Herr K anitz, daß Ihre Angaben über die Nikolsburger Chewra-Kadischa vom dortigen Rabbiner berichtigt woroen sind? Mit diesen Worten begegnete mir gestern ein guter Bekannter. Mag sein, dachte ich im ersten Augenblick, daß entweder ich selbst oberflächlich etwas behauptet oder daß der Berichterstatter meine Worte nicht getreu wiedergegeben. Beim nochmaligen Turchlesen des betreffenden Berichtes überzeugte ich mich jedoch, daß weder mir noch dem Berichterstatter, sondern einzig und allein die Schuld der Flüchtigkeit meinem sehr verehrten Freunde Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Feuchtwang zuzuschreiben ist. Berichte über die Generalversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa sind für einen Laien, geschweige denn für einen Gelehrten vom Range des Dr. Feuchtwang viel zu unbedeutend, um selbe mehr als einmal zu lesen. In der Generalversammlung habe ich ausdrücklich gesagt, daß ich mich auf eine Chewra-Sudeh in Nikolsburg nicht erinnern kann, niemals und nirgends behauptet, daß eine solche nie stattgefunden, im Gegentheil, daß vor 60 Jahren — so alt bin ich eben noch nicht — Brudermahle dort veranstaltet worden sind, ist ganz richtig, mein in Gott ruhender Vater, der selbst Chewra-Gabbe war, hat mir öfters davon erzählt. Es ist aber ebenso richtig, daß seit vielen Jahrzehnten diese wirklich schöne jüdische Sitte bei den Nikolsburgern nicht mehr gebräuchlich ist. Die Gründe hiefür dürsten nach meinenl Dafürhalten mit jenen identisch sein, welche auch den hiesigen Chewravorstand veranlaßten, diesmal kein Brndermahl zu veranstalten. Ich bin nämlich der Anschauung, daß, wenn 'die Vermögensverhältnisse des Vereines es nicht gestatten, das jüdischdemokratische Princip der Chewra-Kadischa. welches in den Worten: „Ki chol huedu kulom kedauschin", seine Basis hat, nicht ganz und voll berücksichtigt werden kann; wenn es nämlich nicht möglich ist, allen Mitgliedern ohne Unterschied der Vermögensverhältnisse gratis Einladungen zuzusenden/ in der Weise, wie vor zwei Jahren der hiesige Nikolsburger Chonen-Dalim-Verein bei Veranstaltung eines Festbanketts anläßlich seines 50jährigen Bestandes vorgegangen ist, dann ist es viel richtiger,' ich möchte sogar sagen, dann ist es sogar eine .Mizwa, keine Chewra-Sudeh zu veranstalten. In dem Sinne habe ich auch die Antwort unseres hochverehrten Vicepräses, Herrn Moriz Karpeles, aufgefaßt. In solchen bösen und ungünstigen Zeiten, wo Gewerbe und Handel beinahe stocken, wo der Kampf um's Dasein namentlich bei unseren Glaubensbrüdern immer schwerer wird, ist es wirklich nicht an der Zeit, Chewra-Sudehs zu veranstalten. Sollten sich die Zeiten und mit diesen auch die Verhältnisse des Vereines bessern, dann wird sicherlich auch die Vereinsleitung dafür Sorge tragen, diesen guten, alten Brauch der Chewra-Kadischa zu beleben. Einstweilen haben die Mitglieder, wie dieses vom Vorstandsmitgliede Herrn Dr. Marcus Spitzer nachdrücklichst betont wurde, viel. .höhere Zwecke zu erfüllen, ihr Wirkungskreis soll viel weiter als übex den Kreis einer Chewra- Sudeh hinausreichen, denn diese Festbankette, wie sie in den letzten Jahren hier stattgefunden und an welchen nur Gutbemittelte theilnehmen konnten, haben meines Wissens sehr wenig zur Förderung und Festigung unserer Chewra beigetragen. Die Devise einer Chewra- Kadischa muß stets und immer lauten: Gemilas-Chesed üben. B. Kanitz. Wien, 32. März 1898. Geehrte Redaction! Der in der letzten Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes publicirte Bericht über die letzthin stattgehabte Generalversammlung der Wiener „Chewra-Kadischa" besagt unter Anderem, daß in dem Maße, als diese Institution in Budapest im Aufblühen, der „Chewra Kadischa-Verein" in „Groß-Wien" im Niedergänge begriffen sei, Diese traurige Thatsache. so bedauerlich sie vom Standpunkte der Wiener Judenheit ist, scheint jedoch auf die Theilnehmer beregter Generalversammlung nur geringen oder gar keinen Eindruck bewirkt zu haben, nachdem keiner der dort Anwesenden Gelegenheit nahm, die Ursachen derselben zu erörtern, oder Vorschläge darüber zu erstatten, in welcher Weise das Interesse der in Wien lebenden jüdischen Bürger für eine der schönsten Jnstituttonen ihrer Religion wachgerufeu werden könnte. Bei einer Einwohnerzahl von ungefähr 140.660 Juden beträgt der Mitgliederstand der Wiener Chewra-Kadischa rund 960, sage Neunhundert Personen. Es ist dies ein schreiendes Mißverhältniß, welches begreiflich wird, wenn man beobachtet, bei Anlässen, wo es gilt, den Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen, daß das Rituale in einer Weise gehandhabt wird, welche alles eher als weihevoll genannt zu werden verdient. Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß die durch bezahlte Funktionäre besorgte rituelle Waschung an einem Verstorbenen in vollkommen unzulänglicher Weise besorgt wurde; in einer Weise, wie sie mit den Vorschriften unser Religion im Widerspruche steht und geradezu eine Pietätlosigkeit gegenüber den Verstorbenen bedeutet. Auf mich persönlich, der ich 18 Jahre hindurch an der Spitze der „Chewra-Kadischa" in einer ungarischen Provinzstadt gestanden, machte der geschilderte Vorgang einen peinlichen Eindruck, und das umsomehr, als ich die Wahrnehmung machen mußte, daß diese Ehrung der Dahingeschiedenen jüdischen Glaubens in der Residenz weit zurückstehe gegen jenen, wie sie selbst in kleineren Cultusgemeinden den Verstorbenen gegenüber geübt wird. Es ist selbstverständlich, daß es in der angedeuteten Richtung nur dann besser werden kann, wenn sich Männer finden, welche die freiwillige Erfüllung einer Pflicht, und sei dieselbe noch so schwer, nicht scheuen. Es müßten dies einfach M i tglieder der „Chewra-Kadischa" sein, welche die obbezeichneten Fuuctionäre, indem sie ihnen beiwohnen, überwachen. Es müßte eine Organisation der „Chewra-Kadischa" i n den einzelnen B e z i r k e n W i e n s platzgreifen und für die Werbung von Mitgliedern eine rege Propaganda entfaltet werden. Mehr denn je ist es gerade in den dermaligen schweren Zeitläuften nothwendig, daß ein reger Zusammenschluß Jener stattfinde, die den wider sie gerichteten feindseligen Gesinnungen nur dann wirksam entgegentreten können, wenn sie einig sind und treu an den überkommenen Traditionen festhalten. Die Wirksamkeit einer „Chewra-Kadischa", wie sie der Würde der Wiener israelitischen Cultusgemeinde entsprechen soll, müßte eine solche sein, daß sie auch den Gegner zwingt, den schönen Gebräuchen unserer Religion mit Achtung zu begegnen. Sie. hochgeehrter Herr Redacteur, um die Veröffentlichung dieser Zeilen in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes im Interesse der guten Sache bittend, zeichne ich hockachtuugsvollst Ignatz Wcrtmann Wien, IV., Hechtengasse 5. Lundenburg. Der Inhalt der Correspvndenz „Lnndenburg" in der vorigen Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist durchaus nicht so wichtig, um etwa den arg lädirten § 19 Pr.-G. zu deren Berichtigung zu citiren. Es würde derselben die Ehre einer Berichtigung überhaupt nicht zu Theil werden, wenn der wohlbekannte Berichterstatter sich in seinem Berichte über die Bertheilung des Reinerträgnisses voni Wohlthätigkeits-Concerte des hiesigen Zweigvereines vom Rothen Kreuze nicht einer Unwahrheit schuldig gemacht und die sehr harmlose Angelegenheit in gehässigem Lichte dargestellt hätte. Es ist nämlich unwahr, daß „beschlossen wurde, vom Reinerträge des Concertes zwei Drittel an Arme christlicher und ein Drittel an Arme jüdischer Confessio» zur Bertheilung zu bringen." Es ist über den Modus der Bertheilung überhaupt kein Wort gesprochen worden, weil man die Zuwendung von einem Dritttheil des Reinertrages au die jüdischen Armen, dem hier bestehenden Usus gemäß, für selbstverständlich hielt. Nachdem jedock mit Uebergehung der jüdischen Armen der Gesammtbetrag dem städtischen Armenfonde zugewiesen wurde, verlangten die jüdischen Vorstandsdamen sofort die Einberufung einer Sitzung, in welcher die Präsidentin über diesen Vorgang interpellirt wurde. Dieselbe, in hohem Grade consternirt, da sie — erst wenige Monate im Amte — von dem bestehenden Vertbeiluugs - Üsus keine Ahnung hatte und der Meinung war, daß der städtische Armenfond die Bertheilung auch an israelitische Arme vornehme, bat vielfach um Entschuldigung und versprach, jenes Drittel für die jüdischen Armen vom städtischen Armenfonde zurückzufordern und im Falle der schon erfolgten Bertheilung aus Eigenem an den israelitischen Armenfond zu ersetzen. Diese Erklärung konnte den jüdischen Borstandsdamen als eclatante Genugthuung dienen und die Angelegenheit war damit erledigt. Auch ist die Frau Präsidentin ihrem Versprechen laut der vorliegenden Quittung des israelitischen Bürgermeister - Amtes, bereits nachgekommen. Die Anstrengung des Herrn Correspon-

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