Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021236--07679-3032019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 228 Nr 12 Vr. BUnh » WortzrnschrM an. Bei seiner Ankunft wurde er von den Vertretern der Jaffaer Jsraelitengemeinde ehrfurchtsvoll begrüßt. Der Vorsteher (Parnes), der das Glück hatte, diesen frommen, allgemein verehrten Lehrer in Israel zu beherbergen, bat ihn, wenigstens über Sabbath in ihrer Mitte zu verweilen, welchem Verlangen er auch bereitwilligst entgegenkam. Alles im Hause wetteiferte gleichsam miteinander, um diesem hohen Gaste den Aufenthalt daselbst so angenehm als möglich zu machen. Als jedoch die' Stunde der Trennung herannahte, hielt der Vorsteher, der zu den reichsten und angesehensten Männer der Gemeinde gehörte, folgende Ansprache an den berühmten frommen Rabbi Jesaias: „Rabbi Du hast uns mit Deinem Besuche beglückt, warst so freundlich mehrere Tage in unserem Hause zu weilen, und nun willst Du jetzt Abschied nehmen, ohne meine Gemächer und Reichthümer besichtigt zu haben? Verweile daher nur noch einige Stunden in unserer Mitte, um Dich überzeugen zu können, wie Gott der Herr mich mit allem Guten gesegnet hat. Der Rabbi fühlte sich veranlaßt, dem Parnes auch diese Bitte zu gewähren. Sie gingen also Beide, der Rabbi und der Vorsteher, von einem Gemach in das andere, bei welcher Gelegenheit Rabbi Jesaias seiner Verwunderung über die großen Schätze, die er da gesehen, entschiedenen Ausdruck zu verleihen nicht umhin konnte. Endlich kamen sie in das letzte Zimmer. Hier schloß der Vorsteher die Thür rückwärts ab. Rabbi Jesaias stand ganz frappirt ob der sonderbaren Ausstattung des Zimmerchens. Ein Schreibtisch, versehen mit den nöthigen Schreibrequisiten, und ein großes Schlachtmeffer, das an der Wand hing, bildeten das Möbel dieses Zimmers. Der Vorsteher zögerte nicht lange, nahm das Messer in die Hand und sprach: Hier, Rabbi, sollst Du sterben denn es hat bereits Deine letzte Stunde geschlagen. Du wirst es daher auch begreiflich finden, warum dieses Zimmer hier so höchst sonderbar möblirt wurde. Schreibe daher Dein Testament und schließe Deine Rechnung mit dem Himmel ab". Rabbi Jesaias glaubte Anfangs, daß der Vorsteher sich blos einen Scherz erlaube, oder plötzlich wahnsinnig geworden sei. „Scherz bei Seite, es ist mem voller Ernst. Es muß geschieden sein!" rief Akiba, so hieß der Vorsteher, in einem maliriösen Tone aus. Als nun der fromme Rabbi sah, daß er hier sterben müsse, so ersuchte er seinen nunmehr vermeinten Würgengel, ihm wenigstens Zeit zu gönnen, um das Sündengeständuiß, „Widu", oblegen zu können. „Dies soll Dir gestattet sein", entgegnete A. Rabbi Jesaias sprach in herzzerreißender Weise die üblichen Gebete und als er dieselben beendigte, näherte sich ihm A., indem er die neben seinen Ohren herabhängenden Locken emporhob und sprach: „Frommer Rabbi, richte Deinen Blick auf dieses Ohr, das mir in Folge Deiner vor vielen Jahren gemachten Anzeige auf Befehl der strengen Justizbehörde abgeschnitten wurde. Ich bin Dein Diener A. Nicht um Dich zu kränken, habe ich Dir diese Schreckensstunde bereitet, sondern einzig und allein aus dem Grunde, damit Du diese einzige Sünde, die Du im Leben begangen, abbüßest, um sündenfrei den geheiligten Boden Palästinas betreten zu können. Rabbi Jesaias dankte für diese wohlwollende Absicht seines ehemaligen Dieners und reiste vergnügt nach Jerusalem, wo er von der deutschen Gemeinde zum Rabbiner ernannt wurde. Allein bald nach seiner Ankunft wurde er nebst anderen Gelehrten auf Befehl des Pascha in den Kerker geworfen, um ein bedeutendes Lösegeld erpresien zu können. Bald nach der Befreiung aus dem Gefängniß verließ er Jerusalem und übersiedelte nach dem gering bevölkerten Tiberias, wo er 1624 sein umfangreiches Werk ->8ebneb Luchot haberit« vollendete. Dieses Werk enthält Sittenlehren und Vorschriften über religiöse Bräuche. Er spricht sich in demselben gegen die Pilpulisten aus und empfiehlt, Seite 181, die Jugend zuvörderst in der Bibel zu unterrichten, damit sie. bevor der Talmudunterricht beginnt, gründliche Kenntniß der Bibel besitze. Im Jahre 1630 hatte er das Zeitliche gesegnet. Correspondenzen. Wie«. (Zur Wahl eines Gemeinderabbin e r s.) Nachdem der für die Einreichung der Bewerbungsgesuche um die Rabbinerstelle am Ottakringer Gemeindetempel in Wien festgesetzte Termin abgelaufen ist, wurden für Sonntag den 20. d. M. die im Sinne des § 41 des Gemeindestatutes von dem Cultusvorstande erwählten 90 Vertrauensmänner zur ersten Besprechung eingeladen. Unter den Anwesenden bemerkte man außer den besonders zahlreich erschienenen Experten aus Ottakring, Hernals und Währing noch die Herren: Commercialrath Eisenberger und Hermann Liebermann vom 6. Bezirk, Emil Horner, Secretär des Hauses S. M. von Rothschild, kais. Rath Wilhelm, die Vorsteher der Chewra-Kadischa S. Heit, Bethausvorstand I. Jait eles, den Präsidenten des „Politischen Volksvereines" Dr. Hermann F i a l l a, den Vorsteher des Studenten-Unterstützungsvereines Notar S ch i f f m a n n, die Herren Director Fis ch er, Rector Dr. S ch w a rz, Prof. B ü ch t e r und Prof. D. H. Müller, die Lectoren Weiß und Friedmann, den Vorsteher des polnischen Tempelvereines S. M e i s e l s, die Industriellen Marcus B o n d y und M. S ch e y, den Vorstand der Armenanstalt I. I e l l i n e k, Landesgerichtsrath Dr. Jacob K o h n, Dr. M. F r i e d l ä n d e r, Vorsteher des Bet-Hamidrasch B. K o h n, Director Langbank, Commercienrath Moritz L e i n k a u f, Bethausvorsteher Jacob Moor, Dr. Josef Bloch, Bethausvorsteher T e l t s ch e r. Vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde waren anwesend : Die Vicepräsidenten Dr. Stern und Dr. K o h n, Vertreter Hieldburghäusser, die Vorstandsmitglieder Dr. Berger, Dr. Grünfeld, Hoffman n, Edler v. Mises, Rosner, Dr. Spitzer, Dr. Steiner. Brieflich haben ihr Fernbleiben entschuldigt: Herrenhausmitglied Hofrath G r ü n h u t, David Ritter v. G u t t m a n n, M. Edler von K u f f n e r, Director Heller und Andere mehr. Vicepräsident Dr. Stern eröffnete die Versammlung, begrüßte die Anwesenden, dankte ihnen für das zahlreiche Erscheinen und betonte, daß es dem Vorstande vor Allem daran gelegen sei, den vacänten Rabbinerposten im vollem Einverständnisse mit den Vertrauensmännern der Gemeinde zur Besetzung zu bringen. Nachdem die Namen der 46 Bewerber zur Verlesung gebracht wurden, entwickelte sich eine rege Discussion darüber, in welcher Weise die Vertrauensmänner schon in diesem vorbereitenden Stadium der Angelegenheit ihre statutarische Aufgabe zu erfüllen hätten. An der lebhaften Debatte betheiligten sich die Herren: B. T r n k a, S. M e i s e l s, I. I a i t e l e s, Dr. F ialla, Dr. Bloch, Sitti g, H o he nb er g, Hofbau e r, Jacob S. Straßberg, Eisen st ädter, Teltscher, Dr. Tritsch, Langbank, Liebermann, Commercienrath Eisenberger,ArmenrathPollak, S.H eit. Die Vertreter der Gemeindebezirke Ottakring und Hernals reclamirten für sich das besondere Recht, bei dieser Rabbinerwahl ausschließlich zu entscheiden, weil es sich um die Besetzung eines Postens in ihrem Bezirke handelt. Der Vorsitzende Herr Vicepräsident Dr. Stern verweist darauf, daß der zu wählende Seelsorger der Functionär nicht eines einzelnen Bezirkes, sondern der gesammten Gemeinde zu sein hätte, zunächst allerdings mit dem Sitz in Ottakring, was aber nicht ausschließt, daß er später in anderen Bezirken die Functionen übernehmen müßte. Schließlich gelangte ein von Herrn Jacob I a i t e l e s gestellter und von Herrn Dr. Fialla eindringlich unterstützter Antrag zur einhelligen Annahme, daß aus der Mitte der Vertrauensmänner ein neungliedriges Comits gewählt werde, welchem die auf die Angelegenheit bezüglichen Acten vom Cultusvorstande auszufolgen seien und welches nach beendigten Vorstudien und Prüfungen einer neu einzuberufenden Versammlung der Vertrauensmänner Bericht undAnträge zu erstatten habe. In dieses Comite wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt die Herren: Dr. Josef S. Bloch, Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift; Marcus B o n d i, Vorstandsmitglied des israelischen Bethauses, II., Große Schiff-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.