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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Vr. Vloch's WochrnptzrM Seite 227 Angst, Furcht, Bangen und Grauen bemächtigten sich der Prager Juden, die so oft bei ähnlichen Tumulten hart mitgenommen wurden. Sie eilten alle in die Synagoge und riefen den himmlischen Vater an, der auch ihr inbrünstiges Gebet erhörte. Rabbi Efraim setzte diesen Tag für ewige Zeiten zum halben Fasttag ein. (Z. Literaturgeschich. 4-21.) Als frommer gelehrter Rabbi plaidirte er stets für Ruhe, Anstand und Weihe beim Gottesdienste. In seinem Werke j'Amude schesch* Seite 21, klagte er über die Unordnung, die damals in den Gotteshäusern herrschte. „Wir werden", ruft er aus, „zum Gelächter und zum Gespötte in den Augen der Andersgläubigen, die oft unsere Gotteshäuser zu besuchen Pflegen, um zu sehen, wie denn Israel seinen Gott, verehrt. Wenn sie nun Augenzeugen der hier obwaltenden Unordnung und Anstandslosigkeit sind, so machen sie sich lustig über Israels Gottesdienst und suchen unsere Sitten und Bräuche in's Lächerliche zu ziehen. Kann man sich einen größeren Chilul ha Schem denken? Rabbi Efraim war auch ein entschiedener Gegner des Chiluk, einer von dem 1530 zu. Prag verstorbenen Rabbiner Jakob Pollak eingeführten sophistischen Lehrweise, die nichts Anderes sei, als, wie Grätz treffend bemerkt, ein Aufwand von Scharfsinn zu geringfügigem Erträgnisse, ein Aufführen eines Riesenbaues auf Sandkörnern, eine Combinationskunst, welche das Entfernteste in nahe Beziehung zu bringen versteht, eine Haarspalterei, welche zugleich Staunen und Lächeln erregt. Gegen diese Methode eiferte Rabbi Efraim in seinem Amude schesch, indem er sagte: „Ich habe mit den weisen Männern unserer Zeit oft darüber verhandelt, die pilpulistischen Vorträge, die man Chiluk nennt, gänzlich abzubringen, weil meiner Ansicht nach Derjenige eigentlich ein Verräther des Gottes Wortes ist, der dasselbe verdreht und einen anderen, als den wahren Sinn hineinlegt. Ich konnte aber nicht durchdringen aus folgenden Gründen: Erstens gibt es unter den Gelehrten sehr viele ehrgeizige Menschen, von welchen jeder gerne obenan sitzen möchte; diese hoffen durch den Pilpul Andere zu überragen und sich hoch emporzuschwingen. Ferner sagen sie, es wäre dies das beste Mittel, um den Geist der Jünger zu schärfen, wodurch sie dann desto leichter in die Tiefen der Thora eindringen, was aber durchaus unwahr ist. Wir sehen es ja mit eigenem Auge, daß in fernen Gegenden, wie in Palästina und anderen Ländern, wo man diesen falschen Wegen nicht folgt, Thorakenntniß und Wissenschaft besser gedeihen, eben weil sie dort nicht mit Lappalien die Zeit vergeuden, wie bei uns. Diese Methode ist für die Jünger selbst sehr verderblich, aber die Schulrectoren begünstigen sie, weil sie dadurch eine große Menge an sich ziehen, was ihrer Eitelkeit schmeichelt; sie wollen nur einen großen Schwarm um sich haben; wenn auch der größte Theil nichts taugt, genug, es ist ein beträchtlicher Haufen; die Einen schreien, die Anderen verstummen. Kann aber ein solcher Limud (Lehrweise) Wohlgefallen finden in den Augen Gottes? — Ich habe zwar auch Chilukim vorgetragen, jedoch standen — das kann ich versichern — meine pilpulistischen Ansichten immer der Wahrheit nahe, ich richtete mich dabei immer nach dem einfachen buchstäblichen Wortsinne; ein solcher Pilpul bietet doch einigen Nutzen und dürfte vielleicht nicht ganz zu verwerfen sein. Indessen wäre es doch gerathener, damit gänzlich aufzuräumen, umsomehr mit jenen Sophistereien, die das Gepräge der Lüge deutlich an sich tragen." Während der Zeit, als Rabbi Efraim das Oberrabbinat in Prag inne hatte, wurde der berühmte Rabbi Jesaias Hurwitz zum Mitgliede des Prager Rabbinatscollegiums ernannt. II!. Rabbi Jesaias Halewi Hurwitz. Rabbi Jesaias Hurwitz (geboren 1570, gestorben 1630), Sohn des sehr gelehrten Rabbi Abraham Hurwitz, stammte aus einer alten gelehrten Rabbinerfamilie und zeichnete sich selbst durch immense Gelehrsamkeit aus. Schon in seiner frühesten Jugend schrieb er Anmerkungen zu seines Vaters Werke „Emek Berocha". Seiner hohen Geistesgaben, wie seiner rigorosen Frömmigkeit wegen wurde Jesaias von den größten, achtbarsten Gemeinden, wie Posen, Frankfurt a. M., Krakau, Wien und Prag zum Rabbiner gewählt. Sein Vater, Rabbi Abraham Hurwitz, Schüler des Rabbi Moses Jsserls, war ein Enkel des Rabbi Sabbatai Hurwitz, Schwiegersohnes des im Jahre 1500 in Ofen dvmicilirenden Nassi Akiba und hatte sich durch Veröffentlichung mehrerer werthvoller Werke, wie „Emek Berocha", „Jesch Nochlin" und „Berith Abraham" einen Namen gemacht. Jesaias betrieb seine Studien unter dem 1591 verstorbenen Rabbi Salomon ben Juda Löbisch, Rabbiner in Posen und Lublin, von dem er sich kurz vor seiner Hochzeit trennte. (Schelah, Seite 73.) Näheres ist von seiner Jugend nicht bekannt. So viel ist gewiß, daß der junge Jesaias frühzeitig schon seiner eminenten Gelehrsamkeit wegen allgemein bewundert und verehrt wurde. Sein erstes Rabbinat war Posen, von dort kam er nach Frankfurt a. M., einer der bedeutendsten und würdigsten Gemeinden Deutschlands. Hier hatte er ein reichliches Einkommen und konnte ungestört seinen Studien, ohne von Nahrungssorgen gequält zu werden, obliegen. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend war er von vielen Talmudjüngern, die von allen Richtungen der Windrose herbeiströmten, umgeben. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten sie den Worten des frommen und hochbegabten Meisters. Einer seiner Schüler, Namens A. war sein Diener „Schames", den er geliebt und bei jeder Gelegenheit besonders berücksichtigt hatte. Eines Tages wurden dem Rabbi Jesaias Silber und Gold von hohem Werthe entwendet. Da alle Nachforschungen erfolglos blieben, so sah er sich veranlaßt, der Behörde die gerichtliche Anzeige machen zu lassen. Diese ließ sofort eine strenge Untersuchung einleiten und es gelang ihr, bald auf die Spur zu kommen. Man fand nämlich einige Silberstücke, die von dem Diebstahle herrührten, in einem Garten, der einem Verwandten des A. gehörte, vergraben. Das Gericht ließ den Eigenthümer jenes Gartens vorladen, und es stellte sich heraus, daß der Diener A. es war, der diesen Diebstahl begangen hatte. Wie groß, wie unbeschreiblich groß möge wohl der Schrecken, die Angst und die Furcht des frommen Rabbi in dem Momente, als ihm diese überraschend traurige Nachricht zukam, gewesen sein, da er wohl in seiner Klugheit sogleich das Damoclesschwert über dem Haupte seines Dieners schweben sah, denn die damalige Justiz verurtheilte einen Dieb, der einen bedeutenden Diebstahl verübt hatte, zum Tode. In der That wurde auch unser A., nachdem er vor's Gericht geladen ward und den begangenen Fehler unter Thränen der aufrichtigsten Reue eingestanden hatte, von dem Gerichtshöfe unbedingt zum Tode verurtheilt. Rabbi Jesaias setzte zwar bald alle Hebel in Bewegung, um nur seinen Diener von des Henkers Hand befreien zu können, selbst auf die Gefahr hin, auf einen großen Theil seiner Habseligkeiten verzichten zn müssen. Allein all' seine Bemühungen und Anstrengungen blieben vorläufig fruchtlos. Nach einer Zeit jedoch gelang es ihm durch die Protection eines hohen Gerichtsherrn, mit dem zu befreunden Rabbi Jesaias sich bestrebt hatte, den Diener A. wenigstens vom Tode zu retten. Eine gänzliche Befreiung zu erzielen war ihm trotz aller Anstrengungen und Bemühungen völlig unniöglich. Die Entscheidung der Gerichtsbehörde lautete, daß A. wohl von der über ihn bereits verhängten Todesstrafe befreit sei, es müsse ihm jedoch ein Glied vom Leibe abgenommen und der fernere Aufenthalt in der Stadt Frankfurt auf's Strengste untersagt werden. In Folge der Intervention des Rabbi Jesaias wurde jedoch dem A. gestattet, sich selber das Glied, das ihm abgenommen werden soll, zu wählen. Unter Thränen der Freude und der Dankbarkeit ob der ihm gewordenen Begünstigung äußerte sich A., man möge ihm das linke Ohr abnehmen, was auch geschah. Bald nach dieser Operation verließ A. die Stadt Frankfurt und ging nach dem Orient. Rabbi Jesaias wirkte dann noch einige Jahre segensreich in Frankfurt a. M., bis er später einem ehrenvollen Rufe nach Krakau folgte. Von Krakau wurde er nach einiger Zeit nach Wien berufen und von da nach Prag. Von 1614 bis 1619 fungirte er als Rabbiner und von 1619 bis 1621 als Oberrabbiner der Prager Gemeinde, Pach der entscheidenden Schlacht am Weißen Berge (1621) wurde das Judenviertel Prags von einer Schutzwache besetzt, damit den Inden kein Haar gekrümmt werde. Zum Andenken an diese kaum geahnte Rettung von den wilden Landsknechtsschaaren beging die Prager Gemeinde auf Veranlassung des Oberrabbiners I. Hurwitz den Tag des Einzuges der Kaiserlichen (14. Marcheschwan 10. November) alljährlich halb als Fast- und halb als Festtag (G. Gesch. 10. Seite 41). Da den Juden in damaliger Zeit in Folge des dreißigjährigen Krieges in Deutschland keine Ruhe gegönnt war, so entschloß sich nun Jesaias, wie viele andere seiner Zeitgenossen, seinen Rabbinatsposten zu verlaffen und nach dem heiligen Lande auszuwandern. Gegen Ende 1621 verließ er Prag und gelangte nach einer dreimonatlichen Reise an einem Donnerstag in Jaffa

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