Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021236--07677-3032017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 226 Vr. BLortz's WochrnkchrM Nr. 12 Rückschau auf die Thätigkeit der Lemberger Cuitusgemeinde. Lemberg, im März 1898. - I. Es liegt uns der kurzgefaßte, jedoch übersichtliche Bericht über die Thätigkeit des scheidenden Cultusrathes während der Dauer der 20jährigen Periode vor. Der Bericht bietü in anschaulicher Weise unter den überschriebenen Positionen: Cultus, Unterricht, Wohlthätigkeit, Finanzen, Organisation und Allgemeines, ein allgemein erfreuliches Situationsbild der Entwicklung unseres Gemeindelebens, sowie deren Aufstreben innerhalb der verstrichenen zwei Decennien an der Hand statistischer Daten. So wird unter Capitel „Cultus" auf die verbesserte materielle Lage sämmtlicher Functionäre, auf die angewendete Sorgfalt unter budgetärer Opferberegung, auf Reparaturen und Verschönerungen der hierstädtischen Gotteshäuser hingewiesen, wobei jedoch nicht außer Acht zu lassen wäre, daß unsere Gotteshäuser sich zumeist aus eigenen Mitteln erhalten und gar manche innere Ausgestaltungen auf Kosten privater Spenden entstanden. Anders ist jedoch der Fall bezüglich der Kosten für die Herstellung und Erweiterung der Friedhöfe, die keine Revenuen aufzuweisen haben. Auf dem Gebiete des Unterrichtswesens, insbesondere aber auf dem des Religionsunterrichtes in den beiden von der Gemeinde erhaltenen Volks-, sowie den bestehenden zwei Fröbelschulen wurde für die erziehliche Entwicklung der Jugend unter besonderer Berücksichtigung der Pflege des Hebräischen nach Kräften Fürsorge getragen und auch manches Gute geleistet. Besonders rühmend hervorgehoben zu werden verdient die seitens der Cultusgemeinde entfaltete, in keiner Weise zu unterschätzende Fürsorge, betreffend die tägliche koschere Bespeisung der ärmeren Schuljugend, die sich allein auf nahezu 650 der Wohlthat theilhaftigen Kinder erstreckt hatte, sowie die Bekleidung, beziehungsweise Beschuhung von mehr als 150, resp. 400 Kindern, endlich die Heranziehung eines ansehnlichen Theiles mittelloser Mittelschüler zur Theilnahme an der Freikost und Beschenkung derselben mit Schulbüchern und zum Theile auch mit Schulgeldern. Dagegen bleibt noch' in Bezug auf den derzeit sehr beschränkten Religionsunterricht in den Mittelschulen bedauerlicher Weise Vieles zu wünschen, sowie ein ersprießliches Feld der Thätigkeit übrig. Jndeß muß jedes für die Gemeinde warmfühlende Mitglied mit Freude und Genugthuung erfüllt werden, daß der nunmehr abtretende Cultusrath der Frage der Errichtung einer Lehranstalt für höheres jüdisches Wissen hierorts mit vollem Herzen näher trat, und wenngleich der Verwirklichung dieses Begehrs bisher noch mannigfache Hinderniffe finanzieller und allgemeiner Natur im Wege standen, bleibt noch immer die Erwartung offen, daß diese Idee in nicht ferner Zeit der Realisirung zugeführt werden wird. Wegen der besonderen Wichtigkeit dieses Punktes lassen wir den Bericht nachstehend selbst sprechen: „Der Mangel einer Lehranstalt für höheres jüdisches Wiffen, sowie für die Heranbildung der Qualificirung von Rabbinen, welche auch den gesetzlichen Anforderungen in jeder Beziehung zu entsprechen in der Lage wären, sowie von Religionslehrern lag uns besonders am Herzen und haben wir wiederholt unsere Bemühungen daran gesetzt, demselben abzuhelfen. Jahre hindurch haben wir uns mit den Plänen und der Bedeckung des Haushaltes einer solchen Anstalt beschäftigt, wobei sich uus aber erhebliche Hinderniffe finanzieller Natur in den Weg stellten. Seitdem die Wiener Großgemeinde durch Errichtung einer höheren theologischen Lehranstalt in Wien diesem Bedürfnisse theilweise abgeholfen hat, votirten wir dieser Anstalt eine Jahressubvention von 500 fl. unter der Bedingung, daß die^ galizischen Frequentanten Unterricht in der polnischen Sprache dortselbst finden sollen, was auch in der That erfolgte. Dabei erachteten wir es noch immer für unsere Aufgabe, eine Art Vorbereitungsschule hier in Lemberg zu errichten, welche das höhere jüdische Wissen zu pflegen und Rabbiner für die kleineren Gemeinden zu qualificiren, insbesondere aber auch dem dringend gefühlten Mangel an geeigneten Lehrern der hebräischen Sprache und der mosaischen Religion Abhilfe zu schaffen hätte. Wir haben für eine solche Lehranstalt wiederholt eine Naturalunterbringung und eine ansehnliche Jahressubventiou votirt und der Errichtung und Subventionirung bei den competenten Landesbehörden in wärmster Weise das Wort gesprochen. Trotz der besonderen Schwierigkeiten hegen wir auch die Hoffnung, daß diese unsere Bemühungen in der nächsten Zeit von Erfolg gekrönt sein werden. Außer der Subvention für die theologische Lehranstalt in Wien haben wir für Rabbinatscandidaten, die sich an den bestehenden jüdischen Hochschulen (Berlin, Breslau, Wien) heranbilden, kleine Stipendien, welche den Jahresaufwand von 500 fl. erheischen, ausgesetzt." Hingegen vermögen wir nicht der vom Cultusvorstande dem Talmud Thora-Berein gegenüber befolgten Maßnahme betreffend demselben zugesprochenen bedingungsweise „ansehnlichen Subvention", falls in derselben, dem Bedürfnisse der Zeit entsvrechend, dem Unterrichte in profanen Gegenständen wenigstens ein bescheidener Platz eingeräumt werde, beipflichten zu können. Vor Allem erscheint es inopportun, dem erwähnten Vereine in Consequenz seiner statutarischen Bestimmungen und dem sich vorgesteckten Ziele ausschließlich auf die Pflege und Fortpflanzung des talmudischen Lehrzweiges unter seinen Zöglingen abzusehen, die Cultivirung profaner Gegenstände gewissermaßen aufnöthigen zu wollen. Schon der Titel des Vereines deutet klar darauf hin, daß deren Begründer ausschließlich auf das Studinm „der Thora", d. h. der Bibel und des Talmud, ihr Augenmerk gerichtet haben durften, diese Anstalt lediglich diesem Zwecke allein gewidmet war. Dem freiheitlichen Standpunkte zuwiderlaufend erscheint es, wenn der Vorstand der Gesammtgemeinde an die Unterstützung aus öffentlichen Mitteln eine zwangsweise Bedingung knüpft, deren sich jener conservatioe Theil der Gemeinde, deren Gefühl in religiösen Dingen empfindlich ist und am hergebrachten, selbst, soweit dies nur äußere Formen betrifft, stark hält, keineswegs fügen dürfte. Den strenggläubigen Eltern der die Talmud Thora frequentirenden Kinder bleibt ja die Wahl unbenommen zwischen der ihnen offenstehenden confessionellen Volksschule und der Talmud-Thora zu wählen. Traurig ist jedoch, die Wahrnehmung zu machen, daß die Leiter der Talmud-Thora, deren eigene Söhne weltliche Kenntnisse pflegen, den ihnen seitens des Cultusvorstandes außerhalb der Talmud-Thora gebotenen und vor einigen Jahren bereits eröffneten separaten Abendunterricht in bisher unaufgeklärter Weise ablehnten. Am Ende wird sich mit dem Drange des Zeitgeistes der Sinn der noch zurückgebliebenen Eltern für die allernöthigsten weltlichen Kenntnisse ändern müssen. Im Uebrigen hat auch jüngstens der ungarische Cultusminister Wlasfics mittels Erlasses an die Preßburger Talmud-Jeschiba, die überdies auch das Oeffentlichkeitsrecht genießt, dieselbe der profanen Gegenstände innerhalb der Jeschiba enthoben, und nur die dem Rabbinat sich widmenden Hörer angewiesen, sich die ungarische Sprache und Geschichte in den Preßburger Bürgerschulen anzueignen. Vre hervorragendsten Nabdinen Prags. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Böhmen. Bon Dr. M. H. Friedlander. 11. Rabbi Salomon Ephrai m L e n c z y c z. Der würdige Nachfolger Rabbi Löwe's war Rabbi Salomon Efraim Lenczycz, der sowohl als hervorragender Talmudist wie als vortrefflicher Redner berühmt gewesen. Ungefähr fünf Jahre vor dem Tode Rabbi Löwe's (1604) kam Lenczycz nach Prag, wo er zum Adlatus des bereits altersschwachen Rabbi Löwe gewählt wurde. Nachdem Rabbi Löwe das Zeitliche gesegnet hatte, wurde Lenczycz per Acclamation zum Prager Oberrabbiner ernannt, welches hochwichtige Amt er bis zu seinem 1619 erfolgten Tode bekleidet hatte. Seine Predigtsammlungen »Ollelot Efraim« »Kle Jakar« wie die anderen von ihm verfaßten Schriften zeugen von seiner eminenten Gelehrsamkeit, wie von seinem Scharfsinn und edlen Charakter. Auch als Selichadichter hatte er sich bewährt. Wir besitzen von ihm drei Selichot: 1. Ete eskera, 2. Lecho Adonai hazedako, 3. Tolaat Jacob al tirei. Alle drei Selichot feiern den 2. Adar (15. Februar) 1611, als ein Heer Passauer über die Brücke von Prag in die Altstadt rückte und ein heftiger Kampf stattfand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.