Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Date
- 1898-03-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 11 Vr. Blortz » MochrnMrM Durchaus geistreich ist die Erklärung der schwierigen Stelle Joma 86 b von den mmi, die sich dem Bußfertigen in dem einen Falle in nrDi, im anderen in nui» verwandeln. S. 62. Folg, hat der Verfasser einen werthvollen Beitrag zur historischen Kritik des Talmud geliefert, indem er die Entstehung der am Ende von Sota befindlichen Stelle rnrön niDpm 121 mit einleuchtenden Gründen (besonders fußend auf den Worten mröb "|ann ninbam und Raschi's im Dirn mmon msbab D->ts:ip mitgetheilte Erklärung zu denselben) dem Zeitalter Constantin's zumeist. Mögen diese von uns angeführten Beispiele hinreichend sein, recht viele Kenner und Liebhaber der Wissenschaft des Judenthums zum selbstständigen Studium des bemerkcuswerthen Buches anzuregen. Mögen die Rabbinisch-wissenschaftlichen Borträge insbesondere zu weiteren Forschungen über die in ihnen behandelten, interessanten Probleme den Ansporn geben. Kopenhagen. Rabbiner Dr. E. Kolischer. „Simsons letzte Liebe." Eine Dichtung von HeribertHülgerth, Wien 1898. Epische und lyrische Dichtungen finden heute schwer einen Verleger und ein Lesepublicum. Noch schwerer aber bahnen sie sich einen Weg, wenn sie ein alttestamentliches Thema behandeln. lind doch birgt gerade unser heiliges Buch eine Menge von Stoffen, welche in der richtigen Weise behandelt, im wahren Sinne des Wortes „modern" genannt werden können. Sie sind eben ewig, unvergänglich. Kein Dichter hat dies so schlagend gezeigt, wie der große Irländer Hall- Cain, welcher in seinen großen Romanen durchwegs biblische Themata behandelt, so insbesondere in seinem Aufsehen erregenden 'Werke „Der Mauxman", welches nichts anderes erzählt, als die aus dem II. Buche Samuelis so wohlbekannte Geschichte von David und Urias. Die Dichtkunst soll erheben und das Gemiith erquicken, sie soll in uns jene Harmonie erzeugen, die in dem Tagesgezänke immer mehr abhanden komnit. Nicht als ob die Poesie die Aufgabe hätte, sich den Tagesfragen zu verschließen; sie darf aber nicht zur Dirne werden, da wir gewohnt sind, sie als holde Göttin zu begrüßen. Ein Dichter, der ohne Rücksicht darauf, von eineni gewissen Publicuni als unmodern verschrieen zu werden, seine eigenen Wege geht, ist der, dem wir das vorliegende prächtige Epos verdanken, das seinen Stoff dem heute so vielgeschmähten Alten Testamente entnimmt. In einer Zeit, in welcher entnervte Roues sich an der Darstellung des Hungers „erfreuen", in welcher hysterische Frauen blutige Krokodilsthränen vergießen über ein „gefallenes" Fabriksmädel, in welcher nur Ehebruch und der gesellschaftliche Jammer und das „nackte" Elend ziehen — wagt es Heribert H ü l g e r t h, mit dem Alten Testamente zu kommen, einen Stoff zu entnehmen jener Erzählung, die soviel der Poesie enthält, der Geschichte von dem starken Simson, der ach, so schwach gewesen und sein heiliges Geheimniß der fälschen Verführerin, der Philistäerin Delila anvertraut hat, die ihn schändlich seinen Feinden verkaufte. In der That ein großartiges Thema, dem die Zeit nichts anhaben kann, dieses Thema, das uns den ewigen Kampf darstellt zwischen Stoff und Geist, zwischen Sinnlichkeit und Göttlichkeit, zwischen irdischem und himmlischem Wesen. Unter allen Erzählungen der Bibel ist wohl keine zur dichterischen Behandlung auch heute noch so geeignet, wie die von Simson, der so kläglich, so tragisch endete, weil ihm die moralische Kraft der Beherrschung fehlte. „Wer ist stark?" so fragen unsere Weisen und geben die Antwort darauf : „Der sich selbst beherrscht." So ist denn Simson ein Beispiel für jene „Starken", welche der Macht der Sinnlichkeit erliegen. Seine Geschichte ist ein leuchtendes Muster dafür, wie die Kraft des Geistes oft überwunden, wird durch die siegreiche Macht der sinnlichen Natur. Die ganze Gewalt dieses Stoffes haben auch moderne Dichter erkannt und ihn mehrfach bearbeitet. Wer ihn nicht kennt, der lese darüber im „Buche der Richter" nach, oder ergötze sich an ihm in den „Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky" im 14. Capitel, in welchem Heinrich Heine mit der ihm eigenen satyrischen Kraft die Geschichte von dem starken Simson und der verführerischen Delila beziehungsreich verwendet. Wahrhaft poetisch ist es nun, wie Heribert Hülgerth die durch und durch tragische Gestalt behandelt. Zwei Frauengestalten streiten um Simson. Mylitta, die er, der Held, aus Todesgefahr errettet, und die ihm mit jener idealen Liebe ergeben ist, welche zu dem Gegenstände ihrer Sehnsucht mit gläubigem Blicke emporschaut. Und die andere ist Delila, die Verführerin, deren Liebe den Besitz und nur den Besitz der geliebten Person wünscht. Ihre Eifersucht treibt sie dazu, den Helden den Philistäern auszuliefern, der nun, nachdem ihm von den rachsüchtigen Feinden das Augenlicht genommen wurde, von Mylitta in den Tempel des Baal geführt wird, wo er grausame Rache an seinen Verderbern nimmt. — Wie man sieht, hat unser Dichter ein für unsere Zeit viel ansprechenderes Motiv für die schändliche That Delilas erfunden, als in der Bibel angegeben wird. Nicht schnödes Geld ist es, weshalb Delila Simson verkauft, sondern die Eifersucht verleitet das Weib zu seiner That. So hat Hülgerth den alten Wein in neue Schläuche gegossen. Anttke Anschauungen uud moderne Anforderungen fließen in Seite 217 seiner Dichtung in harmonischer Weise in einander nnd dies macht ne reizvoll und ergreifend zugleich. Ein ungemein feinsinniger Gedanke ist es auch, wie der Tichrer Astarte, diese alt-phönizische Verkörperung der sinnlichen Narnrgewalt, in seine Dichtung verwebt und sie mit Delila identisicirl. So erhebt sich dieses Epos mit prächtigem Jambellschritt in der That an vielen stellen zur Höhe eines Dramas. Der reiche Gedankeninhalt, die treffliche Charakteristik der Personen, die schöne Sprache, die Tragik der Ereignisse, dies alles vereinigt sich, um in uns jenes reine Lustgefühl hervorzubringen, wie es nur durch wahre Poesie erzeugt wird. Es hat sich aber wieder durch diese Dichtung gezeigt, welch' reicher Gestaltungskraft die biblischen Erzählungen fähig sind. Wir und Alle, die dieses epische Gedicht lesen, werden es dem Dichter Dank wissen, daß er es, das schon vor vielen Jahren im Mannscript vollendet war, nun auch hat drucken lassen. Unser Dichter, in einem kleinen Orte Mährens am 17. September 1847 geboren, bekleidet eine hohe militärische Stellung. Vor einigen Jahren erregte seine Dichtung: „Timur-Khan, Roman eines Pferdes" mit Recht Aufsehen in literarischen Kreisen. Auch seine zwei Dramen „Hannibal" und „Franz Rakoczp" lenkten die 'Aufmerksamkeit auf ihn. Wir glauben aber, daß Hülgerth mit seiner Dichtung „S i m s o n s letzte Lieb e" fein Bestes uns geboten hat Keine seichte Moral verkörpert dieses Epos, es watet auch nicht mit cynischer Vorliebe in Schmutz und Schlamm, sie zeigt vielmehr ein ehrliches Streben nach dem Schönen und eine mehr als gewöhnliche Begabung. Wir können von H ü l g e r t h's Dichtung nicht anders scheiden, als mit dem Wunsche, daß er uns bald wieder mit einer Gabe seiner Muse beschenken möge. Geht er auch nicht die breitgetretenen Pfade einer sich „modern" nennenden Schule, er wird uns immer willkommen sein, denn er hat mit „Simsons letzte Lieb e" gezeigt, daß man interessant sein kann, auch wenn man inmitten der hochgehenden, alles unterwüblenden Wogen der Zeit — alttestamenlich kommt. Dr. M. G r ü n f e l d. Briefkasten. I. M. »haulech rochel« heißt ein Verleumder, welcher üble Nachrichten über seine Nebenmenschen verbreitet. Wroblik szlacheeki „S. S." Sie wünschen den Vornamen nnd Titel Dom Pedros, gewesenen Kaisers von Brasilien, zu erfahren? Sehr gerne. Der Vorname war Dom Pedro — der Titel: Kaiser von Brasilien. „Ein denkender Jude." „Wien". „Es tritt daher an jeden gewissenhaften Mann die strenge Pflicht heran, nach besten Kräften hier Einfluß zu nehmen, daß diesem braven Manne in kluger Weise nahegelegt werde, sich in's Ausland zu begehen, vielleicht in das benachbarte England. Wir Juden haben ganz besonders ein Interesse daran, daß dieser streng gewissenhafte Ehrenmann erhalten bleibe. Es müßte Herrn Picquart auf geschickte Weise nahegelegt werden, daß es die Pflicht eines jeden klugen Mannes ist, ehr- und gewissenlosen Bestien aus dem Wege zu gehen. Nur noch eine Bemerkung: Die Sache muß in rascher und vorsichtiger Weise durchgeführt werden! — Es liegt Gefahr im Verzüge!" Zerbrechen Sie sich nur nicht den Kopf anderer Leute! Jaroslau. Herrn Dr. Emil Blumenfeld. Adressiren Sie getrost an die „Gesellschaft für jüdische Volkskunde" in Hamburg, zu Händen des Herrn Rabbiner M. Gri'mwald, welcher Ihnen bereitwillig jede Auskunft über den Verein und dessen Publicationen ertheilen wird. Jglau, ,»T. B." Sie schreiben: „Ich könnte Euer Wohlqeboren sehr viel leisten und zusenden, da ich mich sowohl in jüdisch, deutsch, katholisch, in allen sehr gut auskenne und wunderbare Gedichte zu jeder Zeit, mit Sinn und Herz gedichtet, zu senden im Stande bin... . überall hin gut informirt, bin selbst Israelitin, wo mir Alles bis ins geheimste Dunkel unseres Talmuds re. zu Gebote steht, in jeder Beziehung ist mein Talent zur Dichtkunst zu bewundern . . ." Nicht blos die Poesie, auch die Bescheidenheit ist Ihre starke Seite. Die haben Sie ganz vergessen. Eine kleine Probe Ihrer Verskunst aus Ihrem Gedicht: „Unser Purim". Der Mordechaj sprach zur Esther Du liebe Tochter meiner Schwester! Hilf den Juden in der Noth Bitt' für sie zu unsern Gott! Sonst werden sie aus dem Land getrieben Und entrissen ihren Lieben, - »Geh' zum König Antiochus Schmeichle diesem dicken Bachus. Die ganze Kili bebt und weint, Antiochus ist ein Damenfreund, Helf' den Juden in der Noth Sonstn sind sie alle todt."