Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Date
- 1898-03-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kr. 11 Vr Vloch » MochrnlchrM Seite 213 Straße ist gut und mit Kilometersteinen besetzt. Bei dem 36sten Stein beginnt die Neustadt. Die Straße mißt im Ganzen von Jerusalem ab 37 Vs Kilometer und hört etwas unterhalb des großen Teiches aus. Der Teich war mit Wasser gefüllt. Auch die Weinberge haben sich vermehrt; neue Wohnhäuser sind da und dort in ihnen gebaut worden, bis ans dreiviertel Stunden Entfernung von der Stadt. Das ist ein deutlicher Beweis für den Fortschritt der Cultur und für die größere Sicherheit des Eigenthums. Auch den ehrwürdigen sogenannten Abrahamsbaum habe ich besucht und bekam bei seinem Anblick einen merkwürdigen Eindruck. Im Sommer 1859 hatte ich während der Ferien meine Zelte im Schatten des Baumes aufgeschlagen und dort mit meiner Familie eine Woche lang gewohnt. Damals stand der Baum noch in seiner vollen majestätischen Größe und Pracht, grün und blühend, ohne jeden bemerkbaren Schaden. Einige Jahre später wurde jedoch ein großer Astzweig durch die Last des Schnees, der darauf gefallen war, abgedrückt. Wieder einige Jahre später zerschmetterte der Blitz einen anderen starken Zweig. Seitdem ging das Absterben des Baumes mit schnellen Schritten vorwärts — jetzt fand ich ihn als eine völlige Ruine! Der Baum mit dem umliegenden Lande wurde schon vor mehr als 20 Jahren von den Russen angekauft. Sie pflegten den Baum so gut wie es ging und umgaben ihn mit einer niedrigen Mauer, deren inneren Raum sie mit Erde anfüllten, um die alten Wurzeln des Baumes besser zu bedecken. Rings um den Baum, wo das Laubdach des Baumes anfhörte, pflanzten sie eine große Anzahl von Cypressen, die meist gut gedeihen und nun schon hoch gewachsen sind. In ihrer Mitte ragen nun der Stamm und die Aeste des abgestorbenen Baumes empor, umgeben von dem frischen Nachwuchs. Der Stamm hat die Rinde verloren und zeigt viele Wurmkäfer, in die. ich bequem mit dem Bleistift hiueiufahren konnte. Etwas oberhalb des Baumes haben die Russen ein großes Hospitz für Pilger erbaut nnd auf der Höhe einen Aussichtsthurm, von dem man eine herrliche Rundschau hat. Berlin. Die Petitionscommission des Reichstages hatte sich am Mittwoch wiederum mit dem Anträge auf eine staatlich autorisirte Uebersetzuug des Schulchan-Aruch zu beschäftigen. Der Referent Abgeordneter Müller (Waldeck) beantragte Ueberweisung der Petition an den Reichskanzler zur Berücksichtigung. Er führte aus, daß ein großer Theil der Bevölkerung durch den Umstand, daß noch immer keine authentische Uebersetzung der jüdischen Geheimbücher vorliegt, beunruhigt werde. Diese Beunruhigung sei umso größer, als das Judenthum durch die Fähigkeit, die nationale Production geschäftlich auszubeuten, uns überlegen sei und man annehmen müsse, daß diese Fähigkeit durch die jüdische Erziehung und jene Geheimlehre gefördert werde. Das Verlangen nach einer amtlichen Uebersetzung des Schulchan-Aruch sei demnach durchaus berechtigt. Allerdings gebe es bereits mehrfache Privatübersetzungen. Wenn man aber gelegentlich auf diese fuße, dann würde die Richtigkeit der Uebersetzung stets in Zweifel gezogen. Daß auch ein Staatsinteresse für die geforderte staatliche Uebersetzung vorliege, beweise der Wortlaut des Kolnidre - Gebets. Der Correferent und andere Mitglieder traten diesen Ausführungen entgegen. Bei der Abstimmung wurde der Alltrag des Referenten Müller gegen seine eigene Stimme und die des Abgeordneten Sachsse abgelehnt und Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Bemerkt sei, daß die gleichfalls anwesenden couservativen Abgeordneten Schall und Takobskötter gegen den Antrag des Referenten, also in judensreundlichem Sinne stimmten. Halberstadt. Wir feierten das 25jährige Jubiläum unseres ehrwürdigen Rabbiners B. H. Auerbach wie noch nie eine Gemeinde. Die Feier gestaltete sich zu einer Huldigung für den berühmten Talmudisten. an welcher aus der Ferne Kollegen, Schüler und Verehrer des Gefeierten theilnahmen. Die Gemeinde sandte durch ihre Vertreter eine mit prachtvollem Silberschmuck ausgestattete Thora-Rolle. Namens der.früheren Schüler brachte Rabbiner Dr. David-Düsseldorf eine kostbare Sedcrschüssel, im Aufträge der gegenwärtigen Schüler präsentirte Tr. H. Wolf eine Collection seltener jüdisch-wissenschaftlicher Werke, und der greise Gelehrte beantwortete jede Ansprache mit bewunderungswürdiger Geistesfrische. Freitag Abend wurde der Jubilar, seine Sefer-Thora im Arm, von den Vorstehern empfangen und zur heiligen Lade geführt und Herr Benjamin H i r s ch feierte in tiefempfundener Ansprache das segensreiche Wirken des Rabbiners. Die eigentliche Festpredigt hielt am Samstag Morgen Herr Dr. Horowicz aus Frankfurt a. M. mit der ihm eigenen Meisterschaft. Um die Mittagsstunde vereinigte sich die ^Gemeinde um ihr Oberhaupt in seinem Hause, ihm und seiner Familie die Einzelglückwünsche abzustatten. Herr Hermann G u in p e r tz - Hamburg richtete im Aufträge des Curatoriums des Berliner Rabbiner-Seminars an den verehrten Mitarbeiter Worte der Anerkennung und Dankbarkeit für sein emsig-stilles Schaffen im Interesse dieses hochverdienten Instituts und überreichte eine inhaltsschöne, künstlerisch ausgestattete Adresse, welche den hervorragenden Antheil des Jubilars an der Begründung und großartigen Entwicklung dieser wackeren Anstalt hervorhob. Namens des Docenten-Colleginms desselben Instituts feierte sodann Herr Professor B a r t b - Berlin den hochgeschätzten Berather, welchem eine herrliche Adresse die Smnpathien ^auch dieser Körperschaft bezeugte. Die gegenwärtigen Schüler des Seminars, als deren Sprecher Herr Tr. Wolf fungirre, gaben in einer^ meisterhaften hebräischen Adresse ihren Empfindungen der Liebe und Treue herzlichen Ausdruck. Eine weitere, inhalts- und forinenschöne Adresse überreichte Herr Rabbiner Dr. B o n d i - Mainz für die „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands", als deren Vertreter ferner die Herren Rabbiner Tr. H o r o v i tz, Rabbinatsassessor Tr. B i b e rfeld-Berlin, Rabbiner Tr. P. K o h n - Ansbach, Rabbiner Dr. M. P e t u ch o w s k i - Berlin erschienen waren. Redner pries den Jubilar als den Begründer, Präsidenten und umsichtigen Leiter der Vereinigung, der die jüngeren Kollegen twi sich rief und durch seine hinreißende Initiative, sein organisatorisches Talent schnell alle Schwierigkeiten überwand. In einem ausführlichen Telegramm, das sodann zur Verlesung gelangte, begrüßte namens des „Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes" Herr Rabbiner Tr. M a h b a u m - Berlin sein geschätztes Mitglied zum Ehrenfeste. Herr Benjamin H i r s ch feierte die vielfachen Ovationen, welche eine fünfundzwanzigjährige Geschichte des orthodoren Judenrhums, das in Deutschland durch Kampf zum Siege gelangte, erzählt, und gab mit thränendurchzitterter Stimme der Sehnsucht Ausdruck, daß auch das Wort „Durch Sieg zum Frieden" sich für Deutschlands Juden bald, recht bald bewahrheiten möge. Am Abende versammelten sich fast die gesummte Gemeinde und ihre Gäste, über zweihundert Theilnehmer, zu einem Festmahl, welches, von Herrn Restaurateur P e l t e s o h n - Berlin vorzüglich bereitet, in seinem Verlaufe dem untsichtigen, unermüdlichen Fest-Eomits wohlverdientes Lob erwarb. Als Herr und Fran Dr. A u e r b a ch im Saale erschienen, begrüßte sie Musik und ein von Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer verfaßter Jubel-Gesang. Den Reigen der Tischreden eröffnete Herr Benjamin H i r s ch mit dem von jubelndem Echo begleiteten Kaiser-Toast - ihm folgte Herr Tr. v a n G e l d e r, der sein Glas dem Jubilar widmete, Nachdem Letzterer in tiefer Bewegung erneut seinem Dank an die Gemeinde für die in so reichem Maaße bekundete Liebe und Verehrung Ausdruck gegeben, feierte Herr Hermann G u m p e r tz den allverehrten Festredner, Herrn Rabbiner Tr. H o r o v i tz; Herr Moritz Joseph die auswärtigen Gaste; Herr Rabbiner Tr. D a v i d die Gemahlin, die personificirte Herzensgüte nnd Selbstverleugnung ini Dienste des Judenthums, und die Familie des verehrten Lehrers; Herr Rabbiner Nobel in köstlich schöner, gcistsprühender Rede die Gemeinde Halberstadt und ihreInstitutionen; Herr Professor Tr. Bart h die Gemeinde-Behörden; Herr Tr. Hirsch H i l d e s h e i m e r die Damen der Tafel und Herr Rabbiner Dr. A n e r b a ch - Rogafen das Fest-Eomitä. Trinklieder der Herren I ch e n h ä u s e r nnd P e t n ch o w s k i und ein warm-poetisches Gedicht des Herrn Froh n h a u s e n hoben die allgemeine Freude und gestalteten das Mahl zu einer großartigen Huldigung. Es war ein erquickender Abend, nnd ein Blick auf die frohbewegte, ihrem erkorenen Qberhaupte in herzlicher Verehrung zugewandte Menge offenbarte die schöne Harmonie der Gefühle, die alle Festtheilnehmer einmüthig verband, und als namens des Fesr-Eomit^s Herr Aron H i r s ch dem gefeierten Manne das gefüllte Glas zu kirchos Hamosaun überbrachte und, überwältigt von der im Saale herrschenden Stimmung, in den Ruf ausbrach: „Heil dem Auge, das alles dies geschaut!", da bewies der nicht endenwollende Beifall, daß das rechte Wort getroffen war für die Empfindungen, die jeder 'Anwesende im Innern trug. Selbst das amtliche Organ für Stadt und Kreis Halberstadt schrieb in seinem Bericht wörtlich: „Es war eine herzerquickende Feier, auch für Ten _ erhebend, der nur als berichterstattender, objectiver Zuschauer in dem festlich geschmückten Saale weilte. Ta war jede Schranke zwischen Reich und Arm gefallen, da war jede Disharmonie ausgeschlossen, da^war es ein einziges goldenes Band, das Band der Liebe, das alle Festtheilnehmer in brüderlicher Eintracht umgab." London. „Daily Chronicle" kann von seinen antisemitischen Neigungen nicht lassen, immer wieder sind Redaction und Mitarbeiter bemüht, den Juden etwas am Zeuge zu flicken. Jetzt hat wieder Mr. Henry Normann, der Pariser Correspondent dieser Zeitung die Entdeckung gemacht, daß die Juden überall, wo ein Jude wegen Berrätherei angeklagt ist, ungeheure Summen auswenden, um den Berräther frei zu bekommen. Bei den englischen Juden hat dieser Ausfall sehr verstimmt. In der Monatsversammlung der Anglo Jewish Association I wurde wieder ein Schriftwechsel mit dem Auswärtigen Amt