Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Date
- 1898-03-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 212 Dr. VUnV» »ortzenlchrM Nr. 11 der feierlichen Eröffnung des „Eisernen Thores" die Deputation des 23., auf die Cvmitate Teures, Arad, Kraffo-Szöröny silh erstrec^ndcn israelitischen Gemeinde-Districtcs empfing, die Herr Sternthal anführte, da beschloffen die 45 Mitglieder derselben in dankbarer Erinnerung an diese glanzvollen Tage, dem Unsichrer und Redner der Deputation ihre Porträts in einem Gruppenbilde anfertigen zu lassen. Dieser Tage erschienen daher zahlreiche Mitglieder der Deputation und des Districtes, und zwar die Herren Salamon Biedl (BekLs) Simon Brasch, (Buzwsudvar) Israel Löwinger (Lugos) Simon Bruck. M. Frommer, David Herzt, Alexander Kohn, Simon Schwimmer, Max Schwimmer und Armin Kümmelheim, der verdienstvolle Secretär der Temesvarer Gemeinde, bei Herrn S. Sternthal und überreichte» in Begleitung einer Ansprache dem gerührten Manne als Zeichen ihrer Verehrung das künstlerisch ausgeführte, große Bild. Herr Sternthal sprach in schönen und gehaltvollen Worten seinen Dank für die ihm gewordene Auszeichnung aus. Herr Salamon Sternthal war seinerzeit in Orsova, als Führer und Redner der Deputation des 23. israelitischen Gemeinde-Districtes der Erste, dem die Ehre zu Theil wurde, Sr. Majestät für die Reception unserer Religion den Dank und die Huldigung der ungarischen Judenheit aussprechen zu dürfen. Budapest, 6. März. Eine Anzahl Studirender der hiefigen Universität hat sich zu einer „ungarischen Antisemit e n - P a rt e i" constituirt, was die ungarische Judenheit natürlich mit Heulen und Zähneklappern vernimmt. Hinter den Grünschnäbeln steckt die „katholische Volkspartei", die nach dem Fiasco ihrer antisemitischen Campagne es nun mit der „goldenen Jugend" versuchen will. — In Agram hat sich ein „merkwürdiger" Fall ereignet. Während der Dr. Marian Derencs i n, ein Führer der Antisemiten in Croatien, für seine Partei Anhänger warb und gegen die Juden loszog, gab seine Tochter ihren Sympathien für die Juden dadurch Ausdruck, daß sie zum Judenthum übertrat und die Gattin eines jüdischen Zahnarztes wurde. — Herr Dr. Eduard Pollak, Legationsrath in Delta, ist mit dem goldenen Berdienstkreuz mit der Krone, Herr Hugo B. T a u s s i g in Maros-Vasarhely mit dem Titel eines königlichen Rathes ausgezeichnet worden. — Herr Rabbiner Juda Grünwald in Groß-Surany wurde in gleicher Eigenschaft an die orthodoxe Cultnsgemeinde zu Szatmar berufen. — " Im abqelaufenen Jahre hat das ungarische Judenthum 220 Mitglieder durch Austritte verloren, 137, die zu unserem Glauben übergingen, gewonnen. Unter denen, die sich confessionslos erklärten, waren nur 28 ehemalige Juden. Wiesbaden, 6. März. Wir haben bereits mitgetheilt, daß kürzlich hier ein evangelischer Gymnasiast an einem jüdischen Mittelschüler durch die Taufe dessen Uebertritt zum Katholicismus vollzogen hat. Trotzdem der activ Betheiligte erklärte, es handle sich nur nm einen Dummenjungenstreich, wird von einer Anzahl Blätter ganz ernsthaft die Frage, ob die Taufe giltig sei, bejaht. - Ein katholisches Blatt in Wiesbaden selbst hält mit seinen Lesern eine förmliche Katechismusstunde ab und weist nach, daß der junge Mann, weil es sich mcht um eine Nothtaufe gehandelt habe, sich zwar ein fremdes Recht angemaßt habe, daß aber der Giltigkeit der Taufe nichts im Wege stehe, weil jeder Mensch, also auch ein junger Gymnasialschüler, giltig taufen könne. Auch der katholische Prälat Dr. Keller in Wiesbaden hat sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen und folgende Darstellung des Falles gegeben: „Der betreffende junge Mann glaubte die feste Ueberzeugung von der Wahrheit der katholischen Religion gewonnen zu haben und hielt sich deshalb zum Uebertritt verpflichtet. Er wollte diesen jedoch urit Rücksicht auf seine Eltern, besonders seine Mutter, heimlich vollziehen und wandte sich daher an verschiedene Geistliche mit dem Ersuchen, die Taufe ohne Wissen der Eltern vorzunehmen. Da diese darauf nicht eingingen, so gewann er einen protestantischen Mittelschüler, der die Taufe an ihm vollzog. Jeder Mensch kann giltig taufen. Die fragliche Taufe ist also giltig, wenn der junge Mann sie in richtiger Weise vollzogen und dabei die Absicht hatte, wirklich zu taufen. Dem katholischen Stadtpfarrer erklärte der Betreffende, er habe wirklich seinem Freunde den ausgesprochenen Wunsch erfüllen und ihn taufen wollen. Die Beschreibung seines Verfahrens bei dem Acte ließ ebenfalls Mes als vorschriftsmäßig vollzogen erscheinen. Daher mußte der Pfarrer die Taufe als giltig ansehen. Nachträglich gibt der junge Mann vor, er habe nicht taufen wollen, sondern sich nur einen Scherz erlaubt. Er allein kann wiffen, was seine Absicht war, er allein kann daher auch mit Sicherheit die Entscheidung geben, ob die Taufe giltig ist oder nicht. Die beiden Schüler sind inzwischen durch ihre Eltern vom Gymnasium abgemeldet worden." Mit der Erklärung des jungen Mannes, er habe sich nur einen Scherz erlaubt, könnten die Acten über den etwas verworrenen Fall geschlossen werden. Ausfallen muß aber, daß eine derartig vollzogene Taufe, wenn sie ernst gemeint ist, giltig sein soll. Ist der Gymnasiast etwa auch berechtigt, einen Taufschein auszustellen? Und ob die katholische Kirche den so Getauften ohne Weiteres als vollgiltiges Glied ansehen würde, erscheint doch sehr zweifelhaft. Berlin, 8. März. Von den Mittheilungen des L i b eralen Vereines für die Angelegenheiten derjüdischen Gemeinde in Berlin ist Heft II erschienen und an sämmtliche Gemeindemitglieder verschickt worden. Das Heft ist ein sehr reichhaltiges und der Inhalt ein außerordentlich interessanter. An der Spitze steht ein Aufsatz von Georg Minden zu Beginn des Wahljahres, der die gegenwärtige Situation treffend schildert. Hierauf folgt eine sehr werthvolle religionsgeschichtliche Studie über das Gebet in der Muttersprache von einem Theologen, die den Nachweis führt, daß die hervorragendsten Autoritäten des Judenthums die Berechtigung, ja die eventuelle Nothwendigkeit des Gottesdienstes in der Muttersprache jederzeit vollauf anerkannt haben. Ein Aufsatz von Rechtsanwalt B. Breslauer über das Zusammenwirken der Verwaltungscommissionen der jüdischen Gemeinde gibt aus praktischer Erfahrung sehr beachtenswerthe Anregungen. Mit dem ausgezeichneten Vortrage des Herrn Rabb. Dr. Vogelstein gegen den Zionismus schließt das Heft würdig und wirkungsvoll ab. Wir zweifeln nicht daran, daß es überall dankbare Leser finden wird und hoffen, daß die hier gegebenen Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen werden. Der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat eine große Aufgabe zu erfüllen, an der er rastlos fortarbeiten muß, um das durch Lauheit und Jndifferentismns für den Fortschritt verloren gegangene Terrain innerhalb der größten 'jüdischen Gemeinde Deutschlands wieder zurück zu erobern. Berlin, 8. März. Die Reise des Kaisers nach Jerusalem soll jetzt für den Herbst dieses Jahres in Aussicht genommen sein. Der „Bote aus Zion" bemerkt dazu: Mit dem Besuche hängt es vielleicht zusammen, daß jüngst an die Stelle des im Herbst abgegangenen Ibrahim Pascha der der deutschen Sprache mächtige, seitherige dritte Secretär des Sultans, Taufik Pascha, als Gouverneur von Jerusalem eingesetzt worden ist. Damit hängen auch die gründlichen Straßenreparaturen zusammen, die gegenwärtig zwischen Jerusalem und Bethlehem, zwischen Jerusalem und Jaffa und bald auch zwischen Jerusalem und Jericho vorgenommen werden. Damit hängt es endlich zusammen, daß die Wasserleitung, die von den Salomonischen Teichen bei Bethlehem nach Jerusalem führt, wieder soweit hergestellt werden soll, daß das Wasser Jerusalem auch wirklich erreicht. Alles Dinge, die man in Jerusalem mit Freuden begrüßt und als dankenswerthe Zugabe zu der Ehre des kaiserlichen Besuches gern hinnimmt. Während das englische Comite, welches die Wasserleitung in Jerusalem wiederherstellen wollte, sich vor Kurzem aufgelöst hat, ist bereits ein neuer Antrag bei dem hiesigen Ministerium für öffentliche Arbeiten eingegangen, eine Concession für den Wiederaufbau der alten Wasserleitung zu ertheilen. Diesmal sind die Bewerber Zia Pascha, der frühere Bürgermeister von Jerusalem, und ein Herr Lachize. Dieselben wollen einfach ein Geschäft machen und aus den zu zahlenden Gebühren für das zu liefernde Wasser Selbstkosten und Gewinn herausschlagen. Vielleicht haben diese Bewerber mehr Glück als die früheren Concessionswerber, welche diese Angelegenheit nicht geschäftlich, sondern philanthropisch betreiben wollten. Berlin. Die Mittheilungen des deutschen Palästina- Vereines bringen folgenden interessanten Bericht aus Hebron. Im Mai unternahm ich eine Reise nach Hebron, wo ich seit bald 40 Jahren nicht mehr gewesen war. Ich fand große Veränderungen zum Besseren. Es sind sehr viele neue Häuser gebaut .worden, so daß die früheren vier getrennt stehenden Quartiere durch Zwischenbauten zu einem Ganzen geworden sind. In den letzten Jahren sind besonders inmitten der Stadt längs der :Jerusalemer Straße viele Neubauten meist im europäischen Styl errichtet worden. Die Einwohnerzahl hat sich sehr vermehrt'; namentlich ist die Zahl der Juden gewachsen, sie soll sich jetzt auf 1800 Seelen belaufen; aber auch Christen, selbst Europäer gibt es jetzt mehr als früher in Hebron. Die dorthin führende