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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Date
1898-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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yfr. 11 Vr. Vloch's »mtzrnlchrM Seite 311 Wien. (Politischer Bolksverein.) Der dritte Vortragsabend des vom- Politischen Volksvereine in dieser Saison veranstalteten Cyclus brachte uns am 9. d. M. die dankenswerte Gelegenheit, in dem Prälegenten des Abends den Herrn Geheimrath Dr. Hermann Cohen, ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Marburg, kennen zu lernen, welcher sich in eineinhalbstündiger Rede über das allumfassende Thema: „Das Judenthum als Weltanschauung" verbreitete. Gedankenvoll, inhaltsreich, im Wege religions-philosophischer und historischer Abstraction zu bedeutsamen Ergebnissen gelangend, der Gegenwart und deren Strömungen durchaus nicht abgewandt und weitaus blickend in die Zukunft, so fesselte und begeisterte dieser groß und tief angelegte Vortrag das ebenso vornehme, als zahlreiche Publicum, welches den Festsaal des Ingenieur- und Architektenvereines bis aus das letzte Plätzchen füllte und dessen Beifall häufig und lebhaft schon im Verlaufe und in einer wahrhaften Ovation am Schlüsse des Vortrages zu mächtigem Durchbruche gelangte. — In der nächsten Nummer unseres Blattes werden wir unseren Lesern einen eingehenden Auszug dieser hochintereffanteu Darlegung unseres gelehrten Forschers zu bieten in der Lage sein, für welche unser Publicum dem Politischen Bolksvereine als Veranstalter dieses lehrreichen und erhebenden Vortrages zu wahrhaftem Danke verpflichtet ist. In Vertretung des durch einen Trauerfall verhinderten Vereinspräsidenten Herrn Dr. F i a l l a begrüßte der Schriftführer des Vereines Herr Dr. Marcell Hoffman u, die Besucher dieses Abends, unter denen wir mehrere Mitglieder der Universität, in erster Linie Hofrath Professor G r ü n h u t, viele Vertreter der jüdischen Lehre und Wissenschaft, an deren Spitze Oberrabbiner G ü d em a n n, sowie mehrere Mitglieder des Cultusvorstandes bemerkten. Nikolsburg. Sehr geehrter Herr Redacteur. In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes las ich den Bericht über die Generalversammlung der Wiener Chewra-Kadischa. In die Debatte griff auch Herr B. Kanitz ein und erzählte, daß in Nikolsburg eineChewra- Sudoh nie stattgefunden habe. Es ist von allgemeinem Interesse, Näheres darüber zu erfahren. Mein lieber Amtsgenoffe, Rabbi Josef Knöpfmacher, ein prächtiger Greis von 84 Jahren, dem Gott das Leben und die geistige und 'körperliche Jugendkraft erhalten möge, weiß darüber Folgendes zu sagen: Die Chewra-Kadischa bildete seit eher den Stolz der Gemeinde. Die vornehmsten Männer standen an ihrer Spitze und die Frömmsten und Reichsten machten sich die größte Ehre daraus, dem Vorstande anzugehören. Die Chewra-Sudoh, welche noch vor wenigen Jahrzehnten alljährlich stattfand, war ein Ereigniß für die ganze Gemeinde. Vor 60—70 Jahren fand dieselbe am Abende des letzten Pessachtages statt. Dieser Tag war der Chewra- Kadischa gewidmet. Die ganze Gemeinde war freudig erregt. Am Nachmittag durchzog eine feierliche Proceffion die Judengaffe. Die Mitglieder der Chewra, mit den Gabboim an der Spitze, zogen in Festgewändern, mit Mäntelchen und Dreimaster bekleidet, einher; voran ging eine Schaar von Kindern, deren jedes ein Silbergeräth stolz in den Händen trug; Becken, Krüglein, Kronen, Thoraschmuck, glänzende Pokale, Schüsseln, Schalen, Alles aus den Schätzen der Synagogen und der Chewra; auch der Chewrakrug, aus dem beim festlichen Mahle der Wein geschenkt ward, wurde mitgetragen. Dieser Krug ist ein Schaustück. Sein Deckel aus Silber ist geziert mit einer Gruppe, welche die Mittochträger mit der Bahre darstellt. Die Augen der Knaben glänzten vor Stolz und Glückseligkeit und sie schwangen die kostbaren Geräthe wie Trophäen in ihren kleinen Händen. Die Alten gedachten wohl wehmüthig des Triumphzuges des Titus, in dem die köstlichen Geräthe des heiligen Tempels in Jeruscholejim von den schadenfreudigen Siegern stolzirend einhetgetragen worden waren. So durchschritt dieser Zug die Judengaffe von einem Ende bis zum anderen. Das war am Nachmittag. Am Abende stürmte dann die wilde Jagd nach dem „Homezigen Borchu" durch die Judengaffe. Nach Awdoloh aber vereinigten sich die Mitglieder der Chewra zur Sudoh. Zahlreiche Ehrengäste wurden geladen; Alles, was Rang und Stellung hatte, drängte sich heran, denn an diesem Abende wurden neue Mitglieder angeworben. And es galt als hohe Auszeichnung, ausgenommen zu werden. Das reiche Mahl wurde durch erbauliche Reden gewürzt und Ernst und Scherz wechselten in bunter Folge. Das süße Thorawort wurde vernommen und die Talmudisten ließen ihre Geistesfeuerwerke sprühen. Man sprach aber auch von den heiligen Pflichten der Bruderschaft und schilderte die wundersame Befriedigung, welche dieses ernste Amt dem Betheiligten gewähre. — Groß war immer die Zahl der Neuangeworbenen. R. Joseph selbst erinnert sich, einen silbernen „Jad" in Händen hoch getragen zu haben; und stolz war er darauf, als wäre es ein Königsscepter. So war es einmal. Die herzerwärmende Poesie und Seelentiefe ist aus der Judengaffe geschwunden. Ob die Chewra- Sudoh sie bringen würde, ich weiß es nicht. Ich für meinen Theil habe hier in meiner lieben und noch immerfrommen Gemeinde den Gedanken angeregt, wieder ein Chewra-Mahl zu veranstalten. Der Gedanke kann so übel nicht sein. Die kleinen Judenkinder spielten ehedem ein Spiel, bei dem gekocht und gebacken wurde; sie riefen einander zu: Süde-Müde. Der große Rabbi Mordechai Benet, sein Andenken sei gesegnet, deutete es: Die Sudoh ist Amudoh; d. h. eine Sudoh einer frommen Zwecken gewidmeten Vereinigung ist Aufrechthaltung und Stärkung; er hielt große Stücke auf die Chewra-Sudoh. lind er wird wohl gewußt haben, warum. Nikolsburg am 20. Adar 5658. Rabbiner Feucht w a n g. Lundenburg. Der hierortige Frauenhilfsverein als Zweigverein vom Rothen Kreuz, deffen Mitglieder zum größten Theil jüdische Frauen sind, von welchen die Frau unseres Herrn Rabbiners, die Frau des Tempelvorstandes und die Frau des Herrn Bürgermeisters der hiesigen Judengemeinde dem Ausschuß dieses Vereines angehören, veranstaltete im Vormonate ein Concert und wurde beschlossen, vom Reinertrag zwei Drittel an Arme christlicher Confession und ein Drittel an Arme jüdischer Coufessiou zur Vertheilung zu bringen. Trotz dieses Beschlusses hat aber die Präsidentin des Vereines den ganzen Betrag der hierortigen Stadtgemeinde zur Vertheilung an ausschließlich christliche Arme übermittelt und die Frauen der hervorragendsten Vertreter des hiesigen Judenthums verbleiben trotz dieses nnqualificirbaren Vorgehens der Frau Präsidentin Ehrlich noch immer im Ausschuß dieses Vereines. Patzair Wie jeder Ort in Böhmen hatte auch unser liebes Patzau seinen kritischen Tag. Am 3. Jänner l. I. strikten die Ersenarbeiter, welche bei der hiesigen Herrschaft beschäftigt waren, aus dem Grunde, weil man ihnen statt der versprochenen 30 kr. täglich blos 25 kr. bezahlte. Der Besitzer der Herrschaft. Herr JUDr. Adolf Weiß Ritter von Teßbach in Wien, hätte gewiß diese 5 kr. den Leuten zugegeben, wenn er eine Ahnung davon hätte, wie diese Leute leben müssen, denn für diesen Bettellohn kann man wohl kein Brod, geschweige Fleisch essen; aber statt sich ihr Müthchen am Herrn Director der Herrschaft zu kühlen, ging es über den Juden, der wehrt sich nicht, der gibt alles mit Vergnügen her, wenn man ihn uur weiter leben . läßt, und wurde beim Kaufmann Ed. Morawetz mit Hacken der Fußboden im Gewölbe zerschlagen, das Trottoir und die Eingangsthüre zum Geschäft mit den Hacken bearbeitet, und wenn die Mitglieder des Stadtrathes nicht energisch eingeschritten wären, würde es ohne Plünderung nicht abgelaufen sein. Abends kam der Bezirkshauptmann Herr Drexler aus Pilgram mit 16 Gendarmen, welche die Ruhe in der Stadt sofort herstellteu, denn während des ganzen Tages war kein Gendarm zu Hause. Der Herr Hauptmann verfügte sich sofort zum Stadtamte, ließ sich informiren und ordnete eine Untersuchung in der Sache an, deren Abschluß heute beim k. k. Kreisgerichte in Tabor stattgefunden hat. Die zwei Rädelsführer gingen dabei ganz straflos aus, dagegen wurden die Taglöhner, welche thätlich vorgingen, zu zwei Monaten schweren Kerkers, mit Fasten verschärft, verurtheilt. Budapest. Frau Johanna Bi schitz deHeves, die Präsidentin des Pester israelitischen Frauenvereins, die sich durch ihre hingebungsvolle Antheilnahme an dem Geschicke der Armen und Elenden die Liebe und Verehrung Ungezählter errungen, beging am 8. März ihren 70. Geburtstag. Zn Ehren dieses bedeutsamen Zeitabschnittes hat der Pester Israelitische Franenverein in seiner jüngsten Aus sch ußsitz un g einhellig beschlossen, in Würdigung der großen und unvergänglichen Verdien st e. welche sich Frau v o n B i s ch i tz al s P r ä s i d e n t i n um das Emporblühen des Vereines erworben hat, zur Erinnerung an d i e s e n T a g, ans dem Be reinsvermögen eine Stiftung im Betrage v o n 20 000 Kronen zu errichten, welche für alle Zeiten den Namen Johanna v. Bi schitz -Ausstattungs-Stiftung tragen und deren jährliche Zinsen ausschließlich als Heiratsbeiträge f ür in Budapest geborene, würdige arme Bräute verwendet werden sollen. Der Stiftung s b r i e f wird der Präsidentin erst nach ihrer Genesung überreicht werden. Herr S a l a m o n S t e r n t h a l, Districtspräsident in Temesvar, warj dieser Tage Gegenstand einer begeisterten und imposanten Ovation. Als Se. Majestät anläßlich

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