Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 11 (18.3.1898)
- Date
- 1898-03-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 210 Vr. Vlortz's Wortzenlrtzrtfl vtr. 11 Von Herrn Leopold Löwy zur Errichtung eines Stiftungsplatzes im Altersversorgungshause... Gulden 6000.— Den Spendern wird der Dank votirt. Im Einlaufe befinden sich Zuschriften der Cultusgemeinden Brünn, Olmütz, Graz, Görz, Teschen, und der Repräsentanz der Landesjudenschast in Böhmen in Angelegenheit der Genehmigung der Statuten des allgemeinen österreichisch-israelitischen Bundes. Baurath von Goldschmidt und Consorten stellen anläßlich der Wiederkehr der Märzfeier den Antrag, es sei im Hause L, Seitenstettengasse 4, in welchem Dr. Adolf Fischhof durch viele Jahre wohnte, eine Gedenktafel anzubringen. Dieser Antrag wird angenommen. Herr Dr. Grünfeld referirt über die Verleihung der Dr. Adolf Sach s'schen Stiftung für Herz- und Aortakranke. Es sind 82 Gesuche eingelangt. Ueber Antrag des Referenten werden für das Jahr 1898 14 würdige Bewerber mit dem Stistungsbetrage von je fl. 300 bedacht. Ueberdies werden aus vorhandenen Zinsenresten des Stiftungscapitales arme Herzkranke, in erster Linie solche, welche den Bedingungen des Stiftbriefes entsprechen, Unterstützungen erhalten. Die Anträge des Herrn von Mises betreffend Verleihung der Josef Spitzerffchen Armenstiftung, an vier Bewerber mit dem Stistungsbetrage von je fl. 30, der Ignaz Baum'schen Stiftungszinsen an 10 Arme mit dem Stiftungsbetrage von je fl. 20 und der Ignaz Theumann'sche Heiratsausstattungs-Stiftung mit dem Zinsenbetrage von fl. 1000 an eine Bewerberin werden angenommen. Aus der Adolf K o h n'schen Widmung zur Beförderung des Bibel- und Talmud-Studiums. Spende des Herrn Eduard Langfelder zum Andenken an seinen verewigten Schwiegervater) erhalten 6 Mittelschüler je ein Stipendium von fl. 50. Auf Antrag des kaiserlichen Rath Hirsch wird beschloffen, die Zinsen des Capitales der seinerzeit aufgelösten Chewra- Kadischa in Währing, dem Frauen verein in Währing und der derzeit bestehenden Chewra-Kadischa daselbst bis auf Weiteres zuzuwenden. Die Anträge des Herrn Baurathes von Goldschmidt auf Zuerkennung der budgetirten Subventionen an 29 Vereine und Corporationen im Gesammtbetrage von fl. 1046 auf Erhöhung der Subvention für die Königswarter'sche Stiftung in Meran von fl. 50 auf fl. 100 auf Gewährung einer Reihe neuer periodischer Unterstützungen im Gesammtbetrage von fl. 905, sowie auf eine außerordentliche Erhöhung der Subvention zur Mazzothbetheilung an die Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde um den Betrag von fl. 1000, d. i. von fl. 2000 auf fl. 3000 werden genehmigt. Schluß der Sitzung 9 Uhr Abend. Wien. (Oesterreichisch - Israelitische Union.) Samstag den 5. März d. I. hielt dieser Verein in Khuner's Restaurant eine zahlreich besuchte Plenarversammlung ab, zu welcher sich Reichsraths-Abgeordneter Hofrath Kar eis, Gemeinderath Dr. Alsted Stern, Oberbaurath T a u s s i g, die Cultusvorsteher Dr. Grünfeld, Arthur von Mises, Dr. Marens Spitzer und Kammerrath Vogl, Bezirksausschuß Waldstein, kaiserlicher Rath Ruzizka u. A. eingefunden hatten. Der Vorsitzende Präsident kaiserlicher Rath Anninger begrüßte die Versammlung und ertheilte Herrn Gemeinderath Baurath Wilhelm S t i a ß n y, das Wort zu seinem angekündigten Vortrage: „Wienerisches Jüdisches." Gemeinderath Stiaßny mit lebhaftem Beifalle empfangen, enttollte ein umfassendes Bild von der Thätigkeit der clerical-reactionären Partei in der Gemeinde- und Landtagsstube. Der Vortragende kennzeichnete die bildungsfeindliche Hattung der Majorität in Fragen, wo es sich um Subventionen gemeinnütziger Institute handelte, die brutale Entziehung von Lehrmitteln für arme Schulkinder, die Maßregelungen der Lehrer, die Ueberttagung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen an Großindustrielle durch die Beschützer des kleinen Mannes, die Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen an Ausländer und andererseits an Freunde und Bekannte der Gemeindefuncttonäre. In drastischer Weise beleuchtet der Redner die Berichterstattung im Gemeinderathe, die ein beredtes Zeugniß von der Unwissenheit und Unfähigkeit der Referenten abgibt. In sachlicher Weise charakterisirt der Vortragende die eigenthümliche Auffassung einzelner Mitglieder des Gemeinderathes gegenüber den Interessen der Bevölkerung. Auf Grund falscher Ziffern erstatten die Finanzreferenten ihre Berichte. So sei dem Bürgermeister S t r o b a ch Ende 1896 anläßlich einer Berichterstattung behufs nachträglicher Genehmigung der Verwendung von vier Millionen Gulden der kleine I r r t h u m von 834.000 Gul den unterlaufen. Unglaubliches leistet in Bezug auf solche Jrrthümer der Finanzminister der Stadt Wien, Herr Felix H r a b a. Dieser schreibt ruhig Einnahmen unter Ausgaben und umgekehrt. Den Erlös für Werthpapiere bezeichnet er als eine V e r itt ehrung des Gemeindevermögens. Der Vortragende bespricht nun all die schädlichen Folgen, welche der Bau der städtischen Gaswerke bereits nach sich gezogen und nach sich ziehen wird. Durch das Aufreißen der Straßen werden die Geschäftsleute geschädigt und diese Misere wird sich wiederholen, wenn im kommenden Jahre an 80.000 Stellen behufs Herstellung der Verbindung zwischen Haus- und Straßenleitung die Straßen abermals aufgerissen werden. ' Diese Misere werde sich sogar im Jahre 1900 noch ein drittesmal in vollem Umfange wiederholen, wenn die Gasgesellschaft die alten Röhren herausnehmen wird. Eine Katastrophe würde es bedeuten, wenn der in erster Instanz von der Gemeinde verlorene Präjudicialproceß auch in letzter Instanz verloren werden sollte. Falls die Vororte, deren Verträge 1904 bis 1924 enden, nicht beleuchtet werden dürfen, dann würden zwei Fünftel der verausgabten Summen, also Investitionen im Werthe von circa 16 Millionen Gulden, durch den Zeitraum von 4 bis 24 Jahren unbenützt bleiben und dadurch ein Verlust an Interk a l a r i e n erwachsen, welchen die Stadt nicht zu tragen vermöchte. Bezüglich der Wasserleitung wirft der Redner der Majorität vor, daß sie es unterlassen habe, in der so außerordentlich wichtigen Frage der Wasserversorgung Wiens die nothwendig gewordenen Ergänzungsarbeiten zur Ausführung zu bringen. So wurde das Reservoir bei Neustift am Walde, die Errichtung eines Wasserhebewerkes am Wienerberg und die Einbeziehung neuer Quellen in die Hochquellenleitung einfach unterlassen. Aus alledem kommt dann der Redner zu den Schlußfolgerungen, daß Recht und Gerechtigkeit aus der Wiener Raths st ube geschwunden sind, daß aber auch leider in einem großen Theile der Bevölkerung der Sinn für Gerechtigkeit gelitten hat, daß das Recht gebeugt und die Willkür an die Stelle der Gesetzmäßigkeit getreten ist. Diese markanten Ausführungen des Redners wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen und der Vortragende von allen Seiten beglückwünscht. An diesen Vortrag knüpfte sich eine sehr erregte Debatte, an welcher sich die Herren Siegfried Fleischer, kaiserlicher Rath Ruzizka, Marcus, Gemeinderath Dr. Alfred Stern, Hofrath Kar eis, Dr. Alex. Mintz, Bezirksausschuß Waldstein und Dr. Bloch betheiligten. Letzterer würdigte die energische Haltung des Gemeinderathes Dr. Alsted Mittler im Gemeinderathe und beantragte mit Rücksicht auf dessen Verurtheilung zu einer zwölfstündigen Arreststrafe folgende Resolution: „Die Oesterreichisch- Jsraelitische Union spricht Herrn Dr. Alfred Mittler anläßlich seiner im muthigen Kampfe gegen an tisemitischeRohheiterlittenen Bern rtheilungihrevollsteSympathie aus, versichert ihn ihres ungeschwächten und rückhaltslosen Vertrauens und erklärt, daß Herr Dr. Alfred Mittler durch den Ausgang dieses Pr ocesses in der Hochachtung der freisinnigen Wählerschaft nicht die geringsteEinbuße erlitten hat." Diese Resolution wurde unter dem lebhaftem Beifalle der Versammlung einstimmig angenommen. Die weiteren Ausführungen dieses Redners, die gegen den Zionismus gerichtet waren, stießen auf stürmischen Widerspruch der zahlreich anwesenden zionistischen Studenten, was den Vorsitzenden veranlaßte, vor zeitig die Versammlung zu schließen. —...— -—— ———• -