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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Date
1898-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 209 Nr. ll Dr. Blöch's Wortzrnfchrist. Golem die Kamea abzunehmen und das Malheur war fertig. Der Golem war wüthend, entwickelte eine staunenerregende übernatürliche Körperkraft und richtete in wenigen Minuten heillosen Schaden an. Man eilte rasch zum Rabbi und theilte ihm das Vorgefallene mit; zum Glücke hatte man in der Alt-Neu-Syna- Lvge noch nicht den Sabbath eingeweiht, daher der Rabbi noch Zeit gewann, den Golem unschädlich zu machen. Er riß ihm rasch die Kamea aus dem Munde und der Koloß stürzte leblos zusammen, Rabbi Löwe war der Neffe des berühmten Rabbi Jakob aus Worms, des Oberrabbiners von ganz Deutschland. Er hatte auch drei gelehrte Brüder: Chajim, College des Rabbi Moses Jsserls, Sinai und Simson. Rabbi Löwe's Gattin, Perl, die Tochter des Rabbi Samuel, verdiente ihrer äußerst trefflichen Tugenden wegen eine Esches chajil, ein „biederes Weib" in des Wortes reinster und edelster Bedeutung, genannt zu werden. Ueber ihre Verehelichung theilt Maier Perls eine romantische Geschichte mit: Ihr Vater Rabbi Samuel soll um jene. Zeit, als sie sich mit Rabbi Löwe verlobt hatte, einer der reichsten und angesehensten Männer Prags gewesen sein. Er wurde allgemein „Rabbi Schmelkes" genannt; allein durch mannigfache Unglücksfälle ist er plötzlich seines Vermögens verlustig geworden, so daß er die seinem künftigen Schwiegersöhne zugesagte Mitgift zu geben nicht mehr in der Lage war. Er schilderte daher in einem Briefe dem Rabbi Löwe seine traurige Lage und stellte ihm frei, die Verlobung aufzulösen. Rabbi Löwe aber, der sich durch Charakterfestigkeit und Biedersinn auszeichnete, wies diese Zumuthung entschieden zurück und erklärte, seine Perl unter allen Umständen heiraten zu wollen. Perl hatte mittlerweile durch Verkauf von Brod und sonstigem Backwerk einen Nahrungszweig für sich und ihre Eltern gefunden. Eines schönen Morgens kam ein Krieger hoch zu Roß einhergesprengt, spießte einen Laib Brod mit seiner Lanze auf und wollte mit dieser .wichtigen Beute entrinnen.. Das muthige Mädchen aber fiel ihm rasch in die Zügel und machte ihm Vorstellungen, wie sehr arm sie sei, er möge ihr doch das Brod bezahlen. Der Kriegsmann, der seit drei Tagen nichts gegessen, wollte sich um keinen Preis von dem erbeuteten Brode trennen. Da er aber kein Geld hatte, gab er dem Mädchen ein Tuch als Pfand mit dem Bemerken, daß sie, so er nicht binnen 24 Stunden wiederkäme, dasselbe als ihr Eigenthnm betrachten möge. Der Krieger eilte davon und kam nie wieder zurück. Nach einiger Zeit wurde das Tuch geöffnet und siehe da, es lagen eine Menge Goldstücke darin. Samuel setzte sofort seinen künftigen Schwiegersohn von diesem freudigen Ereigniß oder richtiger von diesem glücklichen Fund in Kenntniß und R. Löwe kam ungesäumt nach Prag, um sein Hochzeitsfest zu feiern. R. Löwe war auch mit äußerst trefflichen wohlgerathenen Kindern gesegnet. Am 22. August 1609 wurde R. Löwe von dem Schauplatze seiner segensreichen Thätigkeit abberufen und auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag zur ewigen Ruhe bestattet. Er war Verfasser von 15 Werken, die in den Fachkreisen hochgeschätzt werden. Ein sehr würdiger Zeitgenosse Rabbi Löwe's war der hochverdiente Philanthrop Mordechai Meisel, der 1528 im Prager Ghetto das Licht der Welt erblickt hatte. Meisel war in allen seinen Unternehmungen so sehr vom Glücke begünstigt, daß trotz der immensen Geldsummen, die er sowohl in Prag als in den auswärtigen Gemeinden für die Creirung und Erhaltung religiöser Institutionen und humanitärer Anstalten, wie für die Linderung und Milderung der Noth und des Elends mit vollen Händen und ganzem Herzen gespendet hatte, nach seinem Tode doch noch ein riesiges Vermögen zurückgeblieben ist. An baarem Geld allein sind 600.000 Mark Silber vorgefunden worden. Mit dem reichbegüterten Arzte Isaak Likarz, der Gemeindevorsteher war, stand er in Geschäftsverbindung, nnd nachdem ihm seine erste Frau Chawa durch den Tod entrissen wurde, heiratete er die treffliche Tochter des genannten Arztes Namens Frumet Likarz. Meisel, dessen Munificenz sprichwörtlich geworden, war stets bemüht und bestrebt, das Heil und Wohl der Menschheit im Allgemeinen und das seiner Glaubensgenossen insbesondere nach jeder Richtung hin zu fördern. Ueberglücklich fühlte er sich, wenn er Gelegenheit gefunden, verschämten würdigen Menschen in ihrer traurigen Lage Hilfe zu bringen. Er speiste die Hungrigen, bekleidete die Nackten, verheiratete alljährlich verwaiste Mädchen, erbaute Versorgungsanstalten und Hospitäler und schoß bereitwilligst unbemittelten Geschäftsleuten große Summen, ohne dafür Zinsen zu nehmen, vor. Ferner ließ er auf eigene Kosten die Judenstadt in Prag pflastern und ein Lehrhaus (Klaus) erbauen, in welchem Rabbi Löwe, der nachmalige Oberrabbiner, als Rector thätig war. Rector und Schüler wurden von ihm reichlich unterstützt. Auch zwei große Synagogen ließ er aus eigenen Mitteln in Prag erbauen, von welchen die eine, die sogenannte „Meisel-Synagoge", die heute noch ein prachtvoller monumentaler Bau genannt zu werden verdient, ihn mehr als 10.000 Thaler gekostet hatte. (Gal. Ed. 17). Als die Judenstadt in Posen 1590 durch eine daselbst ausgebrochene Feuersbrunst eingeäschert wurde, schentte er derselben den Betrag von 10.000 Thalern. Auch die Krakauer Judengemeinde wurde in einem ähnlichen Falle von ihm mit einem solchen Betrage bedacht. In ebensolch großmüthiger Weise unterstützte er häufig die Gemeinde zu Jerusalem. Und wie er unausgesetzt bestrebt war, dem Pauperismus zu steuern, ebenso war er auch immer bemüht, den Frieden in seiner Gemeinde zu fördern und jeden Streit und Hader aus ihrer Mitte zu bannen. Meisel stand seines biedern Charakters wegen bei den kaiserlichen Behörden in hohem Ansehen; er soll sogar ' vom Kaiser Rudolf für seine hohen Verdienste, die er sich um den Staat erworben hatte, den Titel „kaiserlicher Rath" erhalten haben. Nichtsdestoweniger zeigte sich Kaiser Rudolf gegen ihn undankbar. Meisel hatte nämlich einem Edelmann eine Summe Geldes geliehen und sie sich auf dessen Güter versichern lassen. Der Schuldner machte aber den Vorwand geltend, daß es gegen das Gesetz sei, liegende Güter an Juden zu verpfänden, und demgemäß erklärte die kaiserliche Kammerkanzlei Meisel's Schuldforderung verfallen. Einst hatte Meisel der kaiserlichen Casse eine bedeutende Summe vorgeschossen und Silbergeschirr für die Tafel geliefert, natürlich ohne Interessen. Aber er erhielt weder die Zinsen noch das Capital zurück. (G. Gesch. 9.) Am 14. März 1601 beschloß Meisel sein thatenreiches mit der Krone der edlen Wirksamkeit geschmücktes Leben, nachdem er zwölf Tage vorher in Gegenwart des Oberrabbiners und Gemeindevorstehers seine zwei Neffen, da er kinderlos war, zu Universalerben eingesetzt und die anderen Verwandten mit reichlichen Legaten bedacht hatte. (Gal. Ed. ibid.) Sein Tod wurde von der ganzen Judenheit auf's Tiefste betrauert. Der Kaiser selbst ließ sich beim Leichenbegängniß Meisel's durch einen hohen Würdenträger vertreten. Allein Meisel hatte, als er testirte, die Rechnung ohne den .Wirth gemacht, denn kaum waren die Trauertage zu Ende, als der Kaiser sämmtliches Vermögen des Dahingeschiedenen, weil er kinderlos war, für den Staatsschatz einziehen ließ. Den Rabbinen wurde sogar strengstens ausgetragen, in den Synagogen jenen Individuen, an die Meisel Forderungen hatte, mit dem Banne zu drohen, so sie nicht sofort ihre Schulden der kaiserlichen Kammer entrichten sollten. Ungefähr zehn Jahre lang dauerte noch der Proceß wegen der Erbschaft. So wurden in früheren Jahrhunderten die bevorzugten, edlen verdienstvollen Juden behandelt. Correspondenzen. Wien. (Aus der Sitzung desVorstandes der israelitischenCultus gemeinde vom 13. März 1898.) Die Sitzung findet unter dem Vorsitze des ersten Vice- Präsidenten Dr. Alfred Stern statt. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Karl F i g d o r aus Anlaß des Ablebens seiner Gattin Adelheid geb. Mautner Kronen 1000 mit der Widmung, hievon dem Altersversorgungshaus-Fonde Kronen 400.— „ Spital-Fonde. „ 400.— der Chewra-Kadischa zur Errichtung einer Kadischgebetwidmung. „ 200.— zuzuweisen. Von Herrn Dr. Alfted Stern, anläßlich des Todestages seines Bruders Julius Stern . . .Gulden 100 mit der Widmung hievon dem Armenamte.Gulden 70.— dem Leopoldstädter Frauenverein. . „ 30.— zugehen zu lassen.

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