Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 10 Vr. VUntz » MochrnjfttzrM Seite 107 In Nimrods Ohr ein kleines Mücklein nur, Doch Nimrod rasend ward, denn das Gehirn Das kleine Mücklein hat ihm aufgezehrt. R u f u s: Auf Fabel Fabel — geh' nun schon Rabbi! Als Ben Akiba besser bist Du nicht, Wer ist der Dritte, der da draußen harrt Und heißt Bar Kochba? Theradion: > (im Abgehen.) Gleich sollst Du es seh'u! R u f u s : Mit feuriger Beredtsamkeit der dort, Der zweite mit dem Witze alter Fabeln, So glauben sie des Weltalls Schicksalsrad Zum Steh'n zu bringen, so es braust dahin — Die Narren! . . . . (Von Außen hört nlan ein stets zunehmendes Getöse.) Welch' Getümmel dringt bis her? Vielleicht vollzog schon Titus Annius Was ich befahl und rebellirt das Volk? (Titus Annius stürmt in das Zelt, ohne Schwert und mit zerrissenem Gewand.) R u f u s: Beim Mars, was gibt es denn? Titus Annius: Ich wollt' vollziehn, Was Du befohlen, und gespannt ins Joch Beim Pfluge steht zu pflügen schon der Stier, Die Tube laß ich blasen und es liest Des Hadrian Befehle der Herold — Und todtenstill wird's rings umher .... Und bleich Wie Wände steh'n sie alle Mann an Mann, Nur bebend mit den Lippen, raufend Haar. Verlesen ist's und wie ausgreift der Stier, Entsteigt der Meng' ein reckenhafter Mann Und hebt die Faust und schlägt den Stier auf's Haupt, Daß dieser sinkt wie blitzgetroffner Stamm, Und schreckenweckend ruft der Riesenmann: „So will ich Jedem thun, der kühn es wagt Mit frecher Hand den Boden Jehovas Berührend zu entweih'n!" Und Jubelruf Ihm Antwort ward — und ich gebiete dann Soldaten mögen selbst die Furche zieh'n, Doch wie er grad zuvor den Stier erlegt Mit einem Schlag, begann der Mann zu wüthen Mit wunderbarer Kraft in uns'rem Heer, Und jeder Schlag von ihm war sich'rer Tod Und hinter ihm das Volk in Aufruhr schon Und Steineregen trieb das Heer hinweg, Beschloß, was seine Faust begonnen hat. R u f u s : O Schande Dir und ihnen; Titus Annius: Geh, schau selbst! Mich kannst Du stellen gegen Hannibal, Vor Wüstenlöwen, hungrige Hyänen, Nicht zuck' ich mit der Wimper — umzugeh'n Mit Schwärmern, Rasenden versteh' ich nicht; Doch weiß ich das: Der Berg bleibt ungepflügt, Im Aufruhr gegen uns steht ganz das Volk. Rufus: Dennoch umpflügen werden wir den Berg, Auch wenn die starke Faust des Judenrecken Das ganze Heer zu Boden sollte strecken Und fällen könnte Mann an Mann. Zuletzt Wird e r doch müd', und umgepflügt der Berg! (Der Kriegslärm wächst, Bar Kochba tritt ein, in einfacher Kleidung und ohne Waffen, der dichte blonde Bart ringelt sich in weichen Locken bis über die Brust hinab und lange Haare umfassen wie ein Rahmen sein mächtiges Haupt mit dem Löwenantlitz, er schreitet ruhig an Rufus heran, welcher ohne Bewegung zu ihm aufblickt.) Bar Kochba: Ben Akiba und Rabbi Theradion Als F l e h e r kamen her; bevor gehört Du ihre Bitt', begannen freche Söldner Schon Deinen Auftrag.... Rufus: Was geht D i ch das au? Bar Kochba: Kein bied'rer Mann wird handeln so wie Du, Das war nur röm'sche List und laß Dir sagen: Geh' heim, o Feldherr, richte Roma aus, Ganz Rom von allen sieben Hügeln selbst Und seine ganze Weltmacht könnte kommen. Nie wird es wenden eine Scholle hier, Nie Pflügen eine Furch' am Tempelberg! Rufus: Und ich allein werd's thun! (Will zum Zeltvorhang.) BarKochba: (erhebt die Hand) Zurück, Legat! (Der ganze Vorhang wird weggeschoben, das jüdische Volk, stark bewaffnet, strömt schaarenweise unter lärmendem Geschrei auf die Bühne, geführt von Ben Akiba, im Hintergründe sieht man römische Soldaten fliehen, in Unordnung liegen Leichen neben dem niedergestreckten Stiere und neben dem umgeworfenen Pfluge.) Bar Kochba: (zeigt mit der erhobenen Rechten in den Hintergrund, Rufus weicht zurück.) Rufus: Wer bist Du, Barbar? Ben Akiba: (tritt hervor, in Entzückung:) Der Auserwählte Gottes! Ein neuer Saul erstand, ein neuer David, Als Sanlson tritt er Feindesheere nieder, Auf ihn ergoß der Herr das Horn der Kraft, In dessen Hände legt er seinen Donner, In dessen Auge seinen Blitz, zur Seite Hat hundert Engel ihm gestellt der Herr, Die seine Schläfe schützen wiederum Mit hundertäug'gen Flügeln; und kein Schlag Von Feiudeshand kann Wunden schlagen ihm, Und zwischen Kleinen wird er schreiten groß Und treten Drachen auf ihr giftig Haupt; Der alten Wölfin Brust wird er zerfleischen, Bis ausgeblutet sie zu Füßen ihm! Bar Kochba ist's, der große Sternensohn, Dein neuer König, Volk! Und Messias! (Das Volk umringt von allen Seiten den Bar Kochba, sie knieen vor ihm nieder und küssen den Saum seines Kleides. Er steht bewegungslos mit verschränkten Armen.) Ben Akiba! Ich segne Dich! Durchzogen habe ich Die Welt und sah erniedriget mein Volk, In Dir begrüß' ich dessen Aufersteh'n! Du, Löwe Judas, bist auch Jacobs Stern, Durch Feuerhauch des Mundes wirst Du tödten Den Satan selbst, wie Jsaias weissagte, Du unser Fürst, Du schreitest sonder Schwert, Denn alle Kraft in Deinem Arme ruht. Doch mit dem Schwert der Kraft will i ch Dich gürten, Das in der heil'gen Arche aufbewahret ist! Das weiße Roß sollst Du besteigen nun, Und ich will die Steigbügel halten Dir Als nreinem König! (Zu Rufus:) Und Du, Rufus, eil', Berichte Rom: Auf stand nun Israel, Das nicht mehr Rumpf und ohne Haupt sein will. Erbarmet hat sich unser Gott, der Herr, An Tempelwand' wir Köpfe nicht mehr rennen, Zujauchzen werden uns'rem König wir, Der heißt Bar Kochbar und ist Sternensohn! (Das Volk geleitet unter wachsendem Frohlocken den abgehenden Bar Kochba, Rufus und Titus Annius schauen in stummer Bestürzung ihnen nach.) Rufus: Sogleich die Botschaft bringe mir nach Rom; Der Brand wird größer sein, als mir es schien. War Ben Akiba blos des Volks Gefühl, Theradion die denkende Vernunft, Bar Kochba krönt das Werk — e r ist die T h a t!