Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 196 Dr. Bloch » MochenkchrM Nr. 10 Breslau, 6. März. In der Synagoge des jüdisch-theologischen Seminars fand am 2. d. M. die Gedächtnißfeier für den vor 23 Jahren verstorbenen ersten Director dieser Anstalt Dr. Zacharias Frankel statt. Aus diesem Anlasse hielt der kürzlich mit dem Rabbinatsdiplom entlassene Dr. Moses Fried die Gedächtnißrede, der er eine Arbeit des Gefeierten: „Ueber Palästinische Schriftforschung", zu Grunde legte. Jaffy. Die ausgezeichneten Geschichtsvorträge des Herrn Rabbiners und Predigers Dr. I. N i e m i r o w e r vor Schülern des Gymnasiums, des Lyceums und der Handelsschule erwecken erfreulicher Weise auch das Interesse der bisher indifferenten Jugend für die Cultur des Judenthums. Das ist ein sehr erfreuliches Symptom und deutet darauf hin, daß der eiugeschlagene Weg der richtige und mit Consequenz weiter zu verfolgen ist. St. Petersburg. Zu einer gar seltenen Feierlichkeit gestaltete sich die Trauung der Tochter des berühmten Dr. D e m b o. Die große Synagoge nahm ein festliches Aussehen an. Mehr als 700 Gäste, darunter Baron Günzburg sammt Familie, Baron Stromberg, General Petrowski, Fürst G a r g a r i n wie auch andere hohe Officiere, Beamten, Aerzte rc. wohnten der Hochzeit bei. Herr Rabbiner Dr. D r a b k i n hielt eine glänzende Predigt, welche allgemeinen Beifall fand. Die ganze Nacht blieben die hohen Gäste zusannnen, unter den Tafelreden ist ganz besonders die Ansprache des General Petro wski hervorzuhkben, in der er auf die Verdienste des Dr. D e m b o hinwies. Bombay. Endlich wird das jüdische Pestspital in unserer Stadt errichtet werden, oder vielmehr es ist schon im Bau. Am 20. Februar wird die Eröffnung stattfinden und zu dieser Feier gleichzeitig ein besonderer Gottesdienst abgehalten und werden eigene Gebete um Rettung von der Pestplage recitirt werden. Mogador. Wir sind gegenwärtig in der schlimmsten Roth, denn obgleich die Aussichten für die Zukunft nicht schlecht sind, da die Ernten gut stehen, so ist doch die Armuth jetzt so groß, daß die Leute unmöglich so lange warten können, bis die neue Ernte hereingebracht wird. Wir haben ja von der Alliance 1000 Francs erhalten, aber was bedeutet dies bei so furchtbarem Nothstand. Ein Tropfen auf den heißen Stein, weiter nichts! Wenn nicht von Auswärts eine größere Summe kommt, so wissen wir nicht, wie wir den Winter durchmachen sollen. Ebenso schlimm, wie bei uns, sieht es in Marokko, Fez und den anderen Städten aus. New-Iork, 17. Februar. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat unseren Glaubensgenossen Herrn Julius Jakobs in San Francisco zum Schatz m ei st er für den Bezirk Californien ernannt, ein hoher Vertrauensposten, der Nächste zum Finanzminister und ein hochdotirtes Amt, das nur den verdientesten Männern des Staates verliehen wird. Gin Blättlern der Erinnerung! Es ist die alte Geschichte Doch bleibt sie ewig neu Und wem sie just passiret, Dem bricht das Herz entzwei. Am Tage der Wiederherstellung der Verfassung haben sie sich in der alten Krönungsstadt ewige Treue gelobt. Der allgemeinen Bewegung zufolge konnten sie nicht im Gotteshause getraut werden, die Synagogen waren geschlossen. Außerhalb der Stadt, in Neu-Pest, noch jetzt ein antidiluvianifches Stück Welt, wurde der Trauhimmel auf der Gasse postirt; noch hörte man das Geknatter der Gewehre und die Granaten sausten in der Lust. — Unter solchen Umständen wurden sie in Gegenwart der nächsten Verwandten und besten Freunde ein Paar. Bewegt wie der Tag ihrer Vermählung war ihr Leben, es blieb ihnen nichts erspart. Beide schön, voll Lebenslust, für damalige Zeit und Verhältnisse wohlhabend, von vornehmer, religiöser Herkunft, mit entsprechender Bildung, also gründeten sie den Hausstand. Eine Reihe von Jahren gings. Dann kamen Kinder; die Erwerbsverhaltnisse waren auch damals nach den unruhigen Zeiten schwierige, es begann der Kampf ums Dasein, der ja keinen Sterblichen entgeht. Die sturm- und drangbewegte Zeit erinnert mich in diesen Tagen, wo nun die Verklärten ihr goldenes Fest in lichten Höhen feiern werden, an ein Gespräch, welches ich mit meinem Mütterchen führte, welche vor nun 50 Jahren damals die Braut war, welche unter Gottes freiem Himmel getraut wurde. Sie war alt und krank und dem Tode nahe; sie hat hoffnungsvolle Söhne im Zenith ihres Wirkens sterben gesehen, sie hat den alten Mann begraben, mit dem sie nahezu ein halbes Jahrhundert Leid und Freud getheilt hat. Sie hatte Menschen kommen und gehen gesehen; Vieles erlebt, erlitten, erduldet; Gutes gewirkt in engelsgleicher Güte, ein Weib voll Geist, um ein Jahrhundert voraus an natürlicher Begabung. Als es zun: Sterben kam, war sie verzagt und kleinmüthig und auf mein wiederholtes Bitten, den Tod mit Ergebenheit und Gottesfurcht ins Auge zu sehen, hatte sie nur abwehrend geantwortet, ich habe meine Mission noch nicht erfüllt, ich will leben, leben um Euch glücklich zu sehen. Sie erwartete immer eine neue Aera, eine neue glückliche Zeit. Ich als ihr Kind verwies sie auf Helden, die auf dem Schlachtfclde dem Tode muthigen Auges entgegensehen. Mit thronender Stimme flößte ich ihr Muth ein und erinnerte sie, wie schön sie gelebt, sie möge auch schön und gottergeben sterben. Sie sprach von Gambetta, dem großen Franzosen, welcher sagte: Ich habe einen starken Willen, und wenn ich sage, ich will nicht sterben, so werde ich auch nicht sterben. Der unerbittliche Sensenmann fand sich eins er entwaffnete den großen Franzosen, trotz seines eisernen Widerstandes. Er entwaffnete mein altes Mütterchen, welche mir die Abschiedsstunde gering machen wollte, im Lenzmonat. _ Lächelnd entschlief sie und lautlos drückte ich ihr die Augen zu. Ernestine Wilhelm, geb. Guttmann. Var Koihba (Epos). Von Jaroslav Vrchlicky. Uebersetzt von Dr. Josef Zalud. IV. Gesang. Der Auserwählte Gottes. (Schluß.) T h e r a d i o n : Nicht dies o Herr, nur warnen will ich Dich. R u f u s : Wovor denn Rabbi? T h e r a d i o n: Nur vor Deiner Macht, die Kraft Du nennst. R u f u s : Wie soll ich das verstehn? T h e r a d i o n: Ganz einfach ist's. Ein kleines Gleichnis nur Soll Dir's erklären. Aus den Bergen kam Ein Löwe einst, ein stattlich, kräft'ges Thier, Und hüpfte über Berge straks zur Furth, An der Gazellen schlürften kühle Fluth. Berauscht von seinem Ruhme, spürt er nicht, Wie sich ein Scvrpion ihm eingebohrt In seine struppige Tatze — weiter ging's, Er lief und fing ein ganzes, schönes Reh, Das er zum Fräße seiner Jungen bracht', Und ihnen stolz auf Lagern, atte legt' — Da fällt auch er zu seiner Beute hin — Ein unansehnlich Thier hat sich gebohrt In seine Tatze, und während siegreich er Durchflog die Flur, hat Gift gewüthet ihm In seinen mächt'gen Tatzen, und durchdrang Den ganzen Körper, bis er ganz erschöpft Am Eingang des Wildlagers niederfiel Und tobt nun neben seiner Beute lag. R u f u s : Die Fabel kenn' ich. Rom der Löwe ist Und Ihr der Scvrpion! Der Tropfen Gift Das glaube mir, kann diesem mächt'gen Leu Nicht schaden, der verdaut und überwindet's — Vertrug er doch schon mehr. T h e r a d i o u : Und einstens kroch