Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Sk. 10 Dr Bloche MmtzrnsthrM Seile 193 entschieden, daß die jüdischen Angestellten der Kaufleute erster Gilde das Wohnrecht außerhalb des Ansiedluugsrayons für sich und ihre Familien haben. Obwohl der Senat schon einmal, 1886, die gleiche Entscheidung gefällt hatte, machte doch die Polizei an manchen Orten Schwierigkeiten, ja sie sandte sogar aus einzelnen Orten die Familien der Angestellten zwangsweise nach Polen zurück. — Acht Bergwerkscompagnien in Süd-Rußland haben ein Gesuch an den Generalgouverneur gerichtet und bitten um Erlaubniß, daß auch die jüdischen Handelsaugestellten in den Orten wohnen dürfen, wo sie ihre Industrie betreiben, obwohl sie eigentlich nur das Wohnrecht iu den Städten haben. Die Compagnien erklären aber, daß sie die jüdischen Angestellten nicht entbehren können und ihre Etablissements zu weit von den Städten abliegen. — An der Petersburger Universität sind zur Zeit 133 jüdische Studenten immatriculirt 3 68 Percent der Gesammtzahl. Von diesen haben sechs Auszeichnungen von der Universität für verschiedene wissenschaftliche Werke erhalten. — Der Spender der respectablen Summe von 16.000 Rubel für die Blindenschule in Odessa, Herr A. D. Barschawsky hat eine ausdrückliche Danksagung von der Kaiserin erhalten. — Nene jüdische Schulen sind eröffnet worden in Poltawa (mit Hilfe eines Legates von Gerberg), ferner in Baku unter der Leitung von Frl. Bernstein und in Nikopol unter Leitung von M. H. Froermann. Jerusalem. Seit Langem haben wir keinen so harten Winter gehabt, als in diesem Jahre. Man will behaupten, daß es seit einem halben Jahrhundert in Palästina nicht so viel Schnee und Eis gegeben hat. Selbst die sonst ziemlich warme Philisterebene war ganz mit Schnee bedeckt und in Jaffa ist Schnee gefallen, ein Vorkommen, das geradezu unerhört ist. Frühmorgens ist der Thau festgefroren. Noch schlimmer ist es freilich auf dem Gebirge Juda, wo zum Beispiel in Betlehem Ende December Eis bis 5 Centimeter dick war. Dabei ist der Regenfall gar nicht sehr reichlich und Jerusalem wird möglicherweise im Hochsommer sehr knapp mit Wasser sein. Die Touristen lassen sich erfreulicherweise auch durch das schlechte Wetter nicht abhalten und alle Hotels sind mit Reisenden überfüllt. Prinz Alfred von Sachsen-Coburg ist hier im Grand-Hotel. Freimaurer aus England kamen am 31. Jänner nebst 150 anderen Touristen an einem Tage; auch aus Amerika kommen demnächst die Vanderbilts und viele andere Reisende, darunter ca. 50 Ritter des Tempels (Freimaurer), nur jüdische Touristen sind eine außerordentliche Seltenheit. — Der neue Pascha soll angeblich neue strenge Maßregeln gegen eine Masseneinwanderung von Juden angeordnet haben, auch die Beamten, die nicht' die genügende Controle ausüben, mit Strafen bedroht haben — Die griechischen Geistlichen frohlocken, ihren Streit mit den Katholiken in Betlehem haben sie gewonnen, da der französische Gesandte in Constantinopel schließlich seinem russischen College» nachgegeben hat. So macht sich hier die russisch-französische Allianz sehr zum Nachtheile des französischen Prestige geltend. Jerusalem. Die Bnei Brith-Logen des Orients haben neben den gewöhnlichen Aufgaben dieser Institutionen, Wohlthätigkeit rc., noch die besondere Aufgabe, die verschiedenartigen Elemente der Gemeinden, besonders Aschkenasim. und Sephardim auf neutralem Boden mit einander zu einigen und zu verschmelzen. Diesen Aufgaben dienen die Jeruschalaini-Loge in Jerusalem, die Schaare Zion-Loge in Jaffa, die Gallil-Loge in Safed und die Ahabat Chessed-Loge in Smyrna. Weitere Logengründungen werden schon in diesem Jahre in anderen Städten der Türkei erfolgen. New-Iork, 21. Februar. Also Groß-New-Iork ist Thatsache geworden, und da haben auch Israeliten mitzusprechen, denn an der Spitze des „Großen Rathes" steht Randolph Guggenheimer, der bekannte Advocat, als Präsident Nathan Strauß ist Vorsitzender des Gesundheitsrathes, Jsaac Fromme wird einen guten Registrator abgeben, Henry Steiner ist Assistant Corporation Council rc. Vermilchtes. Wie«. Herr Siegfried Reginald Wolf, Gesellschafter der Firma I. Wolf und Sohn, nebenbei auch einer der hervorragendsten Wiener Schachmeister, hat sich mit Fräulein Jda S ü d f e l d, der Tochter des allgemein geachteten Silberwaaren- Jndustriellen H. Südfeld, verlobt. Wien, 28. Februar. Freiherr N a t h a u i e l v. Rothschild wurde vom deutschen Kaiser mit dem K r o n e n o r d e n erster C l a s s e ausgezeichnet. Wien. (Frau Jeanette F i a l l a.) Die würdige und hochbetagte Frau, die wir Sonntag den 6. d. M. in unserer Wiener Gemeinde zu Grabe getragen, war eine bevorzugte und ungewöhnliche Erscheinung. Nicht als ob die 85 Lebensjahre, die ihr von einer gütigen Vorsehung beschieden waren, nur in Licht und Sonueuglanz verstrichen wären, — nein, riß doch unter Anderem vor fünfzehn Jahren der Tod den Gatten von ihrer Seite, der treu und ehrenvoll ebenso das Oberhaupt seiner Familie gebildet, wie stets dem Vorstande der Gemeinden angehört halte, in denen er seinem kaufmännischen Berufe oblag. Aber die Verstorbene war ein an Geist und Körper so festgefügtes, so einheitlich und energisch geschlossenes Naturell, daß in dem Augenblicke ihres plötzlichen sanften Hinscheidens, als nach dem Worte des Propheten der „Tod ihre Lippen küßte", ihre Geisteskraft und Intelligenz noch unvermindert walteten und keine Falte des Alters noch in ihrem Antlitze die „hohen Jahre" verrieth. die sonst schon an sich eine schwere Krankheit bilden. . . . Sie schied dahin als der letzte directe Sproße eines alten jüdischen Patriziergeschlechtes — David und Vogl Funk—, deren Namen und Andenken noch heute iu Mähren und zumal in der Heimatsgemeinde Proßnitz geehrt und gesegnet sind als der Typus edler, geläuterter Frömmigkeit, als der Inbegriff echt jüdischen Familiensinnes und als das Symbol umfassendster, mit den Mitteln eines angemessenen Wohl st a n d e s systematisch geübter Wohl thätigkeit, an deren vielfachem offenen und geheimen Wirken und Schaffen jeder Kranke, jeder Arme, jeder still Bedürftige der großen Gemeinde participirte. Sie war die jüngste und blieb die letzte von vierzehn Geschwistern und bewahrte iu allen Lebenslagen die Traditionen ihrer begnadeten Eltern, welche Religiosität und Pflege des Ritus mit strengster Ehrbarkeit und Rechtlichkeit, mit allen Familientugenden und mit stets fortschreitender moderner Bildung vereinigten. Von solchen Principien und Bestrebungen beherrscht, ward sie die verehrte Patriarchin des weitverzweigten Kreises ihrer Angehörigen und Verwandten, in solcher Lebensführung wurde sie alt, oder blieb sie vielmehr j u n g, bis ein Herz voll Liebe, ein Geist voll Intelligenz, ein Kopf voll Verstand, ein Körper voll Kraft zugleich zu leben aufhörten. An der Bahre der edlen Todten trauern als Sohn der in Charakter. Beruf, Gesellschaft, sowie im öffentlichen Leben, in unserer Gemeinde und im Judenthnme einen Ehrenposten einnehmende Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Hermann F i a l l a und dessen Schwester Frau Filippine Hirschsohn, welche schmerzerfüllt ihrer entschlafenen Mutter die Augen — für immer schloß; es trauern fünf jugendliche Enkelkinder und des Sohnes wackere hochsinnige Gattin, Frau Julie Fialla, die in der Verstorbenen ihre zweite Mutter liebte und sie als solche seit zwei Jahrzehnten mit aller zarten Sorge umgab und betreute. Geradezu unzählbar, in ihrer Menge wetteifernd mit ihrer Intensität, gleich schmeichelhaft und ehrend für Mutter und Kinder, sind die Bezeugungen des Beileids und der Theilnahme, welche den Hinterbliebenen aus den weitesten Gesellschaftskreisen des Publicums zugewandt werden, und ein nicht minder trostreicher Ausdruck der allgemeinen Mitempfindung und Ehrung lag in der überaus zahlreichen Betheiligung von Verwandten, Freunden und auch fernstehenden Personen bei der feierlichen Bestattung, welche von den Functionären des Tempels im IX. Bezirke, denk die Verstorbene angehörte, und zwar von dem Prediger Herrn Dr. G e l b h a u s, dem Obercantor Herrn Kläger und dem Tempelchore in würdigster Weise vorgenommen wurde. Ehre und Segen dem Andenken der Verblichenen, Trost und Auftichtung ihren Hinterbliebenen! Wien. (Kaiserjubiläums-Concert.) Der bekaimte Violinprofessor Max Adler veranstaltet am 13. d. M. im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereins ein Kaiserjubiläums-Concert. Sßrofeuor Adler, der sich in den musikalischen Kreisen Wiens eines ausgezeichneten Rufes erfreut, hat eine Anzahl angesehener Kunstkräfte für die Mitwirkung bei feinem Concerte gewonnen. Äs sind dies die Damen Dyberg-Crtl, Concert- und Liedersängerin, Fräulein Irma Berger, Opernsängerin vom Stadttheater in Aachen, und Fräulein Regine Roth, Claviervirtuosin, sowie die Herren Concertdirector Dominik E r t l, Tenorist Dr. R a m m und die Schüler des Concertgebers.