Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10 Br. BUtttz's WochrnschrM Seite 191 kammer Albert M e n d e l s b u r g, M. Dattner, I. F a t t e r und Dr. Beu i s. — Dr. Herzl's „Neues Ghetto" wurde im hiesigen Theater zweimal aufgeführt, jedoch vom Publicum auf das Entschiedenste abgelehnt. Die ganze hiesige Presse hat sich vom literarischen Standpunkte gegen dasselbe gewendet. Bei der zweiten Vorstellung kam es sogar zu lärmenden antisemitischen Demonstrationen und wurde dasselbe vom Repertoire abgesetzt. — Während in anderen Cultusgemeinden der Wahlkampf noch herrscht, hat unser neugewählter Vorstand seine Thätigkeit begonnen. Vorige Woche hat sich bereits die bedeutendste Section, nämlich die Spitals- und Wohlthätigkeits-Section, constituirt und zu ihrem Obmanne den I. Vice-Präsidenten der Cultusgemeinde und langjährigen Obmann des Spitals Hirsch Landau einstimmig wiedergewählt. — In diesem Jahre beabsichtigt unser Vorstand aus Anlaß des Kaiser-Jubiläums ein Gebäude für unheilbare Kranke sowie auch einen Pavillon für ansteckende Krankheiten zu ballen.- Das Referat hierüber führt der Präsident der Cultusgemeinde Dr. Leon H o r o w i tz. Wadowiee, 2. März. Die israelitische Cultusgemeinde Wadowice war bis zum Jahre 1891 ein Bestandtheil der Ge-, meinde Zator. Erst im Jahre 1891 wurde dieselbe zufolge der von Herrn Dr. Isidor Daniel ergriffenen Initiative im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 als selbstständige Cultusgemeinde anerkannt. Die ersten Vorsteher waren die Herren Dr. Isidor Daniel, Simon Korn und Ignaz T r a m e r; die zweitnächsten Dr. Isidor D a n i el, Israel Huppert und Israel Müller; die folgenden Dr. Isidor Daniel, Israel Huppert und Abe G o l d m a n n. Zum Präses wurde jedesmal Herr Dr. Isidor Daniel gewählt. Nach Herablangen des Musterstatutes schritt der Vorstand an die Ausarbeitung der Statuten. Darnach besteht die Gemeinderepräsentanz aus dem Cultusrathe mit 18 Mitgliedern, welche aus ihrer Mitte den Präses, den Vicepräses und 3 Mitglieder des Vorstandes lvählen. Die Wahl erfolgt in zwei Curien. Das Gemeindestatut wurde von der k. k. Statthalterei im December v. I. bestätigt und fanden demzufolge die Neuwahlen am 10. und 11. Februar d. I. statt. Hiebei wurden gewählt: aus der II. Curie die. Herren Dr. Isidor Daniel (mit 6-1 von 97 abgegebenen Stimmen), Israel Huppert, Israel Müller, M. B. Landau, Isaak Marek, Samuel Goldberg, Salomon F i s ch g r u n d, Leopold Rosenberg, Marcus Lind; aus der I. Curie die Herren Hermann Reich, Dr. Josef Kor n, Abe G o l d m a n n, Simon Offner, Josef H o f f m a n n, Josef Ruff, Zacharias Kluger, Ignaz R o s e n f e l d und Samuel Reich. Am 28. Februar fand sodann die Wahl des Vorstandes statt und wurden dabei: Herr Dr. Isidor Daniel zum Präses, Herr Hermann Reich zum Vicepräses, die Herren Israel Huppert, Israel Müller und Abe G o l d m a n n zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Die Gemeinde, welche eine schöne Synagoge besitzt, bietet das Bild gedeihlicher Entwicklung. Sie ist einig in dem Bestreben nach wirklichem Fortschritt, gepaart mit dem weitgehendsten Schutze wahrer Orthodoxie. Hoffen wir am Beginne der neuen Aera, daß die Gemeinde diesem Grundsätze stets treu bleiben wird. Tarnow. Den Mittherlungen des Vereines „Anavas Zion" für die Colonisation Palästinas entnehmen wir über die neue Ansiedlung folgende interessante Darstellung: Am 7. September 1897 schloß der persönlich in Paris intervenirende Vicepräses des Vereines, Dr. Abraham Salz, mit dem bekannten Wohlthäter Baron Edmund Rothschild einen Vertrag ab, kraft dessen der Verein einen Grundcomplex von circa 10.000 Dunam in Galilea vom Baron käuflich erwarb. Es ist das bisherige arabische Dorf „Kabaa" sammt Umgebung. An drei bereits bestehende jüdische Ansiedlungen, an „Mischmar-Hajarden" und „Jessod-Hamalah" im Norden, an das blühende „Rosch-Pinah" im Süden angrenzend, ist das Dorf in einem anmuthigen, von Bergen umsäumten Thale, eine Stunde von Saffed, eine halbe Stunde vom fischreichen Meromsee und dem Jordan gelegen. Seine Lust ist klar und gesund, sein Boden fruchtbar, sowohl für Getreideals auch für Pflanzenbau geeignet. Für fünfzig bis sechzig Familien ist der Boden im Stande, reichliches Auskommen zu.bieten. Im Jänner 1897 hat der Verein seine Thätigkeit begonnen, im Jänner 1898 hat er die erste Theilzahlung für den Boden im Betrage von 20.000 Francs dem Baron entrichtet. Nach den Vertragsbestimmungen steht dem Vereine schon jetzt das Recht zu, den gekauften Boden in Besitz zu nehmen. Die Besitzübernahme soll nun mit dem Anbruch des Frühlings vor sich gehen und es hat der Ausschuß beschlossen, vorläufig mit der Ansiedlung von höchstens zehn Familien zu beginnen. Podwoloezyska. Dem hiesigen getauften Postofficial H. Zanderer der 1000 fl. jährliches Einkommen hat, starb plötzlich seine ebenfalls getaufte Frau. Nachdem er über die Mittel,'die Kosten des Leichenbegängnisses zu tragen, nicht verfügte, so fühlte er sich veranlaßt, an seine einstigen Glaubensgenossen, die Juden, mit der Bitte, man möge ihm helfen, sich zu wenden. Thatsächlich rührte der arme Postofficial, dessen Gehalt einen Juden nicht zum Bettler machen würde, den Herrn Sigmund Ponnus, der für ihn die Summe von 150 fl. ausschließlich bei Juden sammelte. Agram. 1. März. Unsere Chewra-Kadischa veranstaltete einen Festgottesdienst. Nach dem vom Obercantor Rendi erhebend vorgetragenen Minchagebet bestieg Oberrabbiner Dr. Jacobi die Kanzel, um die Festpredigt zu halten, welche auf die Besucher des Gotteshauses einen nachhaltigen Eindruck machte. Im Verlaufe seiner gediegenen Rede hielt er eine Todtenschau über die im vergangenen Jahre in unserer Gemeinde Dahingerafften; er gedachte beredt des großen und bescheidenen Gelehrten Rabbi Josef Weisse aus Wag-Neustadtel. Der Betrachtung über den Heimgang seiner eigenen Gattin, die vor einigen Wochen zu Grabe geleitet wurde, folgte ein wahrhaft ergreifender Hesped. Tadel muß ausgesprochen werden, daß bei einem sclchen Anlaß unser schönes Gotteshaus eine beschämende Leere zeigte. Kaum 30 Personen wohnten der Feier bei, ja nicht einmal der Vorstand der Chewra-Kadischa, von dem die Veranstaltung ausging, war in seiner Gesammtheit erschienen. Es ist überhaupt bedauerlich, daß die hiesigen Juden allen Fragen, die das Judenthum überall in seinen tiefsten Tiefen aufwühlen, mit Indolenz gegenüberstehen; während überall die Organisation des Judenthums Fortschritte macht, während überall Vereine gebildet werden und auch einzelne zu den bewegenden Fragen Stellung nehmen, treiben hier die maßgebenden Persönlichkeiten, die berufenen Führer, Vogel-Strauß-Politik. Die vorhandenen Institutionen und Vereine thun übrigens auch nichts, um den Sinn und das Interesse fürs Judenthum zu pflegen, seit Menschengedeukeu war hier keine Chewra Sudeh. Die Generalversammlungen der Gemeinde und der verschiedenen hiesigen Vereine werden kaum von einem Dutzend Mitglieder besucht. Gott besseres. Belgrad. Gestern, am 22. Februar a. St., dem Tage der Proclamirung Serbiens zum Königreiche, wurden, wie alljährlich auch in den Synagogen der sephardischen und eschkenasischen Gemeinde Festgottesdienste abgehalten. In der alten Synagoge der sephardischen Gemeinde, allwo der Gottesdienst früher stattfand, waren von den Behörden erschienen: Ein Adjutant Sr. Majestät des Königs Alexander I., der Stadtpräfect, der Bürgermeister und der Ministerpräsident Dr. Wlad^n Gyorgyßwitsch. Auf eine von dem Vicepräses Tr. Alkalaj gehaltene Ansprache, in welcher derselbe die Treue und Anhänglichkeit seiner Glaubensgenossen sowohl für den regierenden König als für seinen erlauchten Vater, den König Milan, verdolmetschte, nahm der Herr Ministerpräsident gerührt das Wort zu einer öffentlichen herzlichen Entgegnung, die durch ihre Wärme einen besonders günstigen Eindruck auf die Anwesenden machte, und in welcher er etwa Folgendes sagte: „Meine Brüder Ebräer! Der Ausdruck Ihres Patriotismus, sowie des Tankgefühles für das Herrscherhaus haben mich tief gerührt. Besonders freut es mich, daß Sie auch des Königs Milan gedachten, unter dessen erhabener Regierung Ihnen die Gleichberechtigung verfassungsmäßig gewährleistet wurde. Ich kann Sie versichern, daß Se. Majestät fest an der Verfassung hält und von der Regierung das serbische Sprichwort beherzigt wird: Mein Bruder ist jeder, mag er welchen Glaubens immer sein, wenp er brüderlich handelt. (6rat je mio, koje vere bio, kada brat[sk5i/5ene i postupa.)" Nach Beendigung des sephardischen Gottesdienstes fuhren die hohen Herren ttotz des sehr schlechten Wetters, ein heftiger Wind peitschte den herabströmenden Regen, zum Tempel der eschkenasischen Gemeinde, allwo ein zwar kurzer aber solenner Gottesdienst unter Mitwirkung eines wohlgeschulten gemischten Chores mit dem Absingen des „Mah Towu" seinen Anfang nahm. Nach der Recitirung eines Psalmes wurde ein Rundgang mit den Thorarollen gemacht, wobei es erfteulich war, zu sehen, wie die anwesenden serbischen Bürger dieselben küßten und die hohen Herren stramm salutireud standen, bis diese vorübergetragen wurden. Es folgte nun ein Gebet in serbischer Sprache für das Herrscherhaus, und mit der Absingnng der Nationalhymne endigte die Feier.