Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nc. 10 Vr. Vloch'» WochrnptzrM Seite 187 dieser Anschauung entgegeutrat, wurde die Resolution doch mit großer Mehrheit angenommen. Dann folgte ein sehr interessanter Bericht des Executivcomitäs über die einzelnen Schulen. Das Erecutivcomitä schlägt die folgenden Bewilligungen vor, die einstimmig angenommen werden : für die Schulen in Chio 400 Mark, in Crajewa 400 Mark, Mynesia 400 Mark, Philippopolos 400 Mark, Saloniki 3000 Mark. Betrachtungen über den Judenhatz am Ende des AX. Jahrhunderts. Von Hermann Brown, kaiserl. deutscher Konsul. Je älter ich werde und je mehr ich wieder mit deutschen Verhältnissen in Contact komme, wird es mir durch unparteiisches philosophisches Denken umso klarer, daß alle agitatorischen Antisemiten die ersten sein würden, wenn das Machtverhältniß des Judenthums zum Khristenthum das umgekehrte wäre, für eine Bagatelle ihre Fahne zu verlassen, um ins jüdische Lager überzulaufen, denn so ist der Charakter feiger Seelen in der ganzen Menschheit, indem sie nur ihrem natürlichen Jnstincte Folge leisten. Mehr oder weniger ist das ganze Christenthum antisemitisch gesinnt, oder besser gesagt, es besitzt eine Aversion gegen die Juden, diese ist theilweise mit der Muttermilch eingesogen worden, anderntheils hat sie ihren Grund darin, daß Menschen, welche nie ihre Scholle verlassen haben, sich zu national fühlen und die Juden in ihrer Mitte stets als Fremdlinge betrachten werden. Ausgewanderte haben doch eher gelernt, daß trotz Nationalität, Konfession oder Farbe Mensch Mensch ist (wie Robert Burns einst sang). Doch der Hauptgrund ist wohl Vieser. Es gefällt überhaupt keinem Menschen Concurrenz, aber am allerwenigsten gefällt unseren Deutschen, und darin sind leider die best akademisch Gebildeten unserer Nation eingeschlossen, die der jüdischen Mitbürger, weil wir ihnen als Fremde gelten. Nur deshalb werden wir von den Christen aller Stände intensiv gehaßt, auch hat der niedere, halbgebildete Klerus ein großes Quantum des Hasses eingeimpst, und dadurch wird das Mitleben und Fortkommen der Juden unter verschiedenen Nationen so erschwert, es ist aber dieses Verfahren umso widersprechender, da doch durch uns und von uns erst ihnen ihr Heiland geworden ist. Es gibt unter unserem Proletariat und Janhagel wohl Heberläufer, doch ist's stets die allergrößte Verlockung, um aus nothdürftiger, brotloser Lage zu entkommen, und dabei ist aus diesen Ständen dennoch nur eine geringe Zahl Ueberläufer aufzuweisen. Also von unseren armen Juden ist hier nicht die Rede, denn ich bin überzeugt, ein Glas Bier, Schnaps oder Wein würde genügen, im umgekehrten Falle Desertion en gros zu veranstalten. Nein, die Kraft, welche dem Antisemitismus verliehen wurde, kommt leider von unfern Glaubensgenossen her, und wenn ich mich, so wie ich es meine, ausdrücken darf, von. solchen, die auf's Trockene gekommen sind. Diese Sorte, sowie viele, die zu Ehren gelangt sind, liefern das größte Contingent Fahnenflüchtiger, es ist schmerzlich aber wahr, und ist ein Fall wie der andere stereotyp so. Der Großvater, ein strenggläubiger Israelit, hat sich durch Sparsamkeit, sowie Fleiß vom Hausirer zum Händler aufgeschwungen, hat seinem Sohn durch Selbstentsagung alle nur erdenkliche Verbesserung seiner eigenen Laufbahn, eine gute Erziehung, sowie gute Schule angedeihen lassen, welche es dem Sohne ermöglichte, sich zum Kaufmann auszubilden. Dessen Sohn oder der Enkel brachten es nach Darwin'scher Folgerung zum Fabrikanten,«Bankier, Hofagenten rc., aber nun nimmt das Judesein in so vielen Fällen ein Ende. > Ben Akiba der Weise sagte: Alles schon dagewesen. Er hatte Recht, denn wir Juden verstanden es stets in Zeiten unserer größten Unterdrückung, uns mit unserer Religion zurecht zu finden und fügten uns in's Elend wie Lämmer, nein wie Männer, aber wenn Verbesserungen unserer Lage eintraten, so fiel stets ein Quantum der Unsrigen vom Judenthum und dem einigen Gotte ab. Wie viele Millionen unserer Vorfahren gibt es unter den Muselmännern und Christen? welche uns unfreiwillig und auch freiwillig verlassen haben, und wie viele davon gehören zur Armee der Antisemiten? Doch sie sind es unbewußt ihres Ursprungs und deshalb thut's nichts zur Sache, jedoch die Deserteure unserer Zeit! sie sindwie uns bewußt, die niederträchtigsten aller Antisemiten. Wollen Sie die Ursache wissen! . Es ist dieses, sie können zwar die Religion, den Namen wechseln, doch die für sie vom Stamme gebliebene orientalische Physiognomie bleibt ihnen! ■ ' „Sie taufen sich von Moses zu Schmidt, Doch ihre Nase geht immer mit". Und deshalb sind sie die ersten, welche auf uns schimpfen, denn um von ihren christlichen Mitbürgern ja nicht für Juden gehalten zu werden, schimpfen sie auf ihre Eltern und besudeln das eigene Nest. Es verläßt uns eine Anzahl Beamte, Gelehrte, Officiere und überhaupt befähigte Leute, welche Gott erkoren hatte, um uns ein Prestige zu geben, das uns auch nach solch langer Sclaverei sehr noththut. Diese geben den socialen Verhältnissen, dem Bruch der Staatsverfassung, die uns von rechtswegen gleichstellen sollte, die Schuld; jedoch, dies ist nur eine faule Ausrede, um ihre Feigheit zu bemänteln, denn wirklich, unsere Ahnen hatten mehr Qualen und Bedrängniß auszuhalten und blieben trotz alledem ihrem Glauben treu. Nun das letzte und schlimmste Bild, welches nur in jüdischer Aristokratie zu finden ist, aber uns mehr beschämt als all die andern Mißgeburten. Hier hat auch der Großvater Alles gethan, um die Herrschaften in die jetzige Lage zu bringen, der Ahnherr dieser hochfahrenden Gesellschaft. that's nur auf zweierlei Art, aber immer ehrlich: entweder er trug den Packen auf rechter Schulter, oder er trug ihn auf der linken Schulter. Also die Nachkommen solcher Ritter des Geistes (?) jener gute Vater oder jene Herzensmutter mit eingebildeter Bildung, diese zartfühlenden Idioten, die selb st aus Pietät oder Aberglauben als Juden sterben wollen, sind für das irdische Fortkommen ihrer Kinder so besorgt, daß sie dieselben zur Taufe schleppen, O ihr Thoren! ihr erlebt ja doch keine Freude durch euere voreilige Unbesonnenheit, denn euere Kinder bleiben bei unsern Ariern stets Juden, und höchstens in der fünften oder sechsten Generation, wenn sie sich viel mit christlichem Blut vermischt haben, ihr aber vermodert und längst Asche seid, werden euere Nachkommen als vollblütige Arier gelten und als solche euer Andenken dadurch schänden, daß sie nichts von ihrem Stammbaum noch von ihren ersten Wohlthätern wissen mögen, — Seht ihr, ihr zartfühlenden Mütter iu Israel, dieses Bild, wie ich es euch Vorhalte, wird in Jahren so zu sehen sein, euer moderner Sinn betrügt euch, euere Zärtlichkeit ist die eines Affen, ihr konunt nicht von unsern tapfern Makkabäern, ihr habt leider so wenig Kenntniß von unserer so schönen wie einfachen Religionslehre, ihr gehört zu unsern Ignoranten und dieses, sage ich, ist auch der Fall in jeder Beziehung. Alle ihr Abfälligen, ihr kennt nur euch schaden, ihr seid gleich den welken Blättern, den verdorrten Zweigen eines Naturbaumes» Jahrhunderte schon sind vom blühenden Baum des Judenthums stets morsche Aeste und Unrath abgefallen, es hat sich nichts vermindert, im Gegentheil der Baum Israel ist dadurch mehr veredelt worden, denn das gute Fruchtholz ist geblieben, mit diesem und nur mit diesem kann man setzen, und dieses, nur dieses wird sich ewig als Würze aller Religionen und Nationen beweisen. Denn unser Gott der wahre Gott, welchen auch Christus Vater nannte, und welchem wir stets in unsern Gebeten so anrufen, und die Worte, welche jeder Jude noch im letzten Moment, wenn die Seele scheidet, so nur das Bewußtsein nicht geschwunden ist, ansspricht, werden, wenn auch spät, doch noch zur allgemeinen Giltigkeit kommen. Schema Israel Adonei eloheinu Adonei echod. Die weibliche Menschheit. Die „Ostdeutsche Rundschau" meldet heute, daß die erste österreichische Gymnasiallehrerin eine polnische Jüdin sei und Goldblatt Springe Kamerling heiße. „Es ist ja" — meint das Blatt im Anschlüsse an diese sensationelle Enthüllung — „es ist ja selbstverständlich, daß die Jüdinnen mit besonderer Vorliebe sogenannte gelehrte Frauenberufe ergreifen und sich in Lebensstellungen Eingang zu verschaffen suchen, die nun einmal nichtfür die weiblicheMenschheit gehören." Wir wissen nicht, wo darin das Entehrende zu suchen sein soll, daß Jüdinnen mit besonderer Vorliebe sogenannte gelehrte Frauenberufe ergreifen. Die „Ostdeutsche Rundschau" bewahrt die hier nothwendigen Aufklärungen als strenges Redactionsgeheimniß. Hingegen verräth sie mit anerkennenswerther Offenheit einen Beschluß, den die Redaction der „Ostdeutschen Rundschau" gefaßt hat und dessen Consequenzen momentan noch gar nicht abzusehen find. Die „Ostdeutsche Rundschau" beschloß nämlich, daß solche Lebensstellungen, wie z. B. die einer Gymnasiallehrerin, „nun einmal nicht für die weibliche Menschheit gehören". Hoffentlich wird die „Ostdeutsche Rundschau" sich von Bitten und Argumenten doch zu einer kleinen Einschränkung ihres einmal gefaßten Beschlusses herbeilassen. Es wäre zu traurig, wenn der „weiblichen Menschheit" durch die Hartnäckigkeit des Wolff'schen Journales einfür allemal der Weg zu gelehrten Berufen verrammelt wäre „Wr. Allg. Ztg." Der Prügeljunge. Als der Taxil-Bitru-Baughan- Scandal blühte, mahnte der Pariser Geologe Lapparent, ein bedeutender Gelehrter und Redner des internationalen wissenschaftlichen Katholike n-Congresses von Freiburg, im Mai 1897 im Pariser „Correspondant": „Es ist nur allzu bequem, einen Teufel Asmodäus oder Bitru zur Hand zu haben, um auf demselben die Verantwortung für die eigenen Fehler abzuwälzen. Manmußimmer einen Sündenbock zurHandhaben, heiße er nunJude, Luziferiauer, Freimaurer oder V e r r ä t h e r, um sich selbst die Nothwendigkeit eigener persönlicher Anstrengungen zu sparen . . .