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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Date
1898-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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a—BfefeMBfflBfEWM Sette 186 Realist, moderner, derb zugreifender Realist. Er bringt uns Jammer, Armuth, Elend — und ein Bischen Unsauberkeit, so gut wie einer, aber doch immer verklärt von einem Hellen, freundlichen Sonnenstrahl. Ein jüdischer Kunstmäcen, der d a s schätzt, kaust und ausstellt, der statt sich zu schämen, noch stolz darauf istwelch' seltene, wohlthuende Erscheinung im heutigen Trubel, wo Gesinnungsschwäche sich scheu in sich selbst verkriecht."- Ein anderes hervorragendes Werk von Schön» ist der berühmte „Gänsemarkt in Krakau", welcher, vom Staate erworben, stch in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste auf dem Schillerplatze befindet. Es ist in kleinerem Format gehalten als das vorhergehende und bietet eine drastische, sehr lebendige Darstellung eines bunten Marklgetriebes. Die Charakteristik der polnischen Händler und Käufer erscheint mit großer Wahrheit, ohne jede Uebertreibung festgehalten. Die Gänse schnattern — aber die Leute machen doch noch größeren Spectakel beim Herumfeilschen. Man glaubt Alles zu hören, weil man Mes sieht! Schönn hat auch eine Judenverfolgung zum Vorwurf eines größeren Gemäldes genommen. Eine sehr interessante Studie dazu mtt völlig selbstständiger bildmäßiger Wirkung findet sich in seinem Nachlaß vor. Ein uralter Rabbiner flüchtet, die Sefer- Thora iM Arm; mtt sorgenvoller Geberde drückt er das Kleinod an seine Brust, als das kostbarste Gut der gesammten Judenhett. Seine kummervolle, angsterfüllte Miene scheint es ouszusprechen: „Das Leben eher, denn dieses!" Coloristisch ist das Bildchen meisterhaft gehalten und mtt resoluter Breite vorgetragen. Das rothsammtene Mäntelchen gibt einen effectvollen Farbenfleck ab und die glitzernden Kle-Kodesch und das Silberschild am Kettchen erhöhen ihn. Die Glanzlichter sind, ohne in kleinliche Tüftelei zu verfallen, mit größter Sicherheit hingetupft. Alles gegenständlich ohne stilllebenhafte Verflachung. Eine Bleistiftskizze, gleichfalls ein Studienblatt zur Judenverfolgung, zeigt ein krankes Judenweib auf aufgethüriüten Koffern und Habseligketten gebettet, verzweifelt vor sich hinstarrend und trostlos. Ihr Gatte hockt daneben und rauft sich das graue Haar ob all dem Jammer und Elend. Wenige Striche — jeder „Mt". In der ll. großen internationalen Kunstausstellung, im Aprtt 1870 war das Gemälde „Scene aus der Judenverfolgung" ausgesteltt und mit dem Preise von 1500 fl. notirt, der vermuthlich auch dafür bezahlt worden ist. Ferner war in derselben ^Position von Schönn noch ein zweites Bild: „Wandernde Juden". 1870 zeigte er dem Publicum auch die zahlreichen Studien in Oel zur großen „Krakauer Synagoge". Sie scheint, ehe fie in Königswarter's Besitz kam, erst einem Herrn Föß gehört zu haben, doch kann dies möglicher Weise eine Nachbestellung gewesen sein, da von jüdischen Mäcenen oft bei Schönn zu enormen Preisen die Judenbllder mehrmals bestellt wurden. Schönn hat bis zu 6000 fl. für ein Bild erzielt und das häufig. Zur Zeit des finanziellen Aufschwunges, dem ein so jäher Medersturz 1673 folgen sollte, war sein Atelier von unseren begüterten Glaubensgenossen förmlich umlagert und er konnte den zahllos auf ihn einstürmenden Aufträgen kaum gerecht werden. Diejenigen Besteller, welche in der glücklichen Lage verblieben, den Meister auch nachher beschäftigen zu können, haben dies als großmüthige Kunstfteunde weiter gethan und beide Theile waren damit zufrieden. Das liebe gute „Deutsche Bolksblatt", dessen Berichte über bildende Kunst mit jenen über Musik auf derselben Niederung der trostlosen Bornirtheit stehen, beliebt sich über Schönn, den es bis auf Eines sehr herausstreicht, wie folgt zu äußern: »In den Sechziger-Jahren erregte er durch seine Bilder „Gänsemarkt in Krakau" und „Synagoge" bedeutendes Aufsehen, er schilderte darauf die „reinlichen" Kaftanträger mit schärfster Realisttk. Sonderbarer Weise (?) mußte er späterhin Lie Synagogenbilder oft und oft wiederholen, daß ihm diese Arbeit schon zum Ueberdruß wurde. (!) Bon 1870 an nahm seine Production einen glänzenden Aufschwung, ein prächttges Werk nach dem andern entstand, an Ehren und Auszeichnungen fehlte es nicht." Der bedauernswerthe Schönn, der „sonderbarer Weise die Synagogenbilder immer und immer wieder — für 6000 fl., ein wahrer Hungerlohn! — wiederholen mußte." Er war wirklich sehr zu bettagen. Er wartete aber doch nur auf die christlichen Besteller und füllte blos inzwischen die Zeit ein wenig aus, bis fie kamen. Daß aber seine Production von 1870 einen glänzen - Nr. 10 den Aufschwung nahm, daß ein prächttges Werk nach dem andern entstand, wem bleibt das wohl eigentlich zu danken? Die „reinlichen Kaftanträger" des Alois Schönn wanderten weitaus die meisten in die Salons der jüdischen Finanz- und Geistesaristokratie, und dieses Factum endlich festgestellt zu wiffen, lag mit in der Absicht der vorliegenden Zeilen. Schönn war kein Antisemit. Er fühlte menschlich mit unseren Leiden und wenn auch sein geschärfter Malerblick für unsere Schwächen begreiflicher Weise nicht blind sein konnte, so sah er sie doch nur immer als menschliche Schwächen an, stellte sie in diesem Sinne unerbittlich realistisch zwar, aber doch ohne Haß und lieblose Voreingenommenheit dar. Wir haben daher Ursache, sein Andenken in Ehren zu halten., Auf dem von ihm kräftig eingeschlagenen Wege sind später reichbegabte jüdische Künstler nachgefolgt: I s i d o r K a u f m a n n, D. K o h n, Ich u da Epstein und mehrere Andere und haben das Leben und Treiben der polnischen Judenschaft zum Gegenständ ihrer künstlerischen Darstellungen genommen, der Genremalerei ein neues interessantes Gebiet damit eröffnend. Immerfort zitherspielende Jäger und trinkende Kellerpfaffen, das würde doch schließlich gar eintönig! Auch unsere jüdischen Künstler werden ihrem genialen Voranschreiter und Pfadfinder, wir sind dessen gewiß, ein ehrendes Gedenken treu bewahren. I. Saschar. Vom Jahrmarkt des Lebens. Remiuiseevz an das Jahr 1848. In diesen Tagen, welche der Erinnerung an die stürmischen Zeiten des Freiheitsjahres geweiht sind, ist folgender Ausspruch Kaiser FranzJosefl. wohl am Platze, den der junge Monarch gegenüber der nach Olmütz gesendeten Deputation der Wiener israelitischen Cultusgemeinde am 10. April 1849 gethan und der, wie folgt, lautet: „Es gereicht mir zum Vergnügen, den Ausdruck der Gefühle treuer Ergebenheit und Anhänglichkeit entgegenz unehmen, rpelche Sie im N a m e.n der israelitischen Gemeinde von W i e n. v o r b r i n g e n. Durch die Gleichberechtigung aller Völker und Stämme, welche die von mir verliehene Verfassung zu einem grosten, mächtigen Reiche vereinigt, wird, wie ich fest vertraue, die Wohlfahrt und das Gluck des Ganzen, wie des Einzelnen dauernd begründet und einer gedeihlichen Entwicklung zugeführt werden." Das sind Worte, die vom Herzen zu Herzen gehen, im Jahre 1849 gesprochen! Im niederösterreichischen Landtag, der im selben Hause seinen Sitz hat, von wo aus die Freiheit siegreich ihren Lauf begann, schreit heute Abgeordneter Stampiglius: „Die Juden sollen vertilgt werden!" E. I. Die englischen Juden über den politischen Zionismus. Der von Dr. G. Karpeles redigirten „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" schreibt man: London, 25. Februar. Einen ungewöhnlich interessanten Verlauf nahm das Monatsmeeting der Anglo Jewish Association am 13. v. M. Der erste Punkt der Tagesordnung war die Antwort der Gesellschaft auf die Einladung, welche an den Chowawe Zion zu der zionistischen Conferenz vom 6. März Zergangen war. Das ExecuttvcomitS schlug die folgende Resolution vor: „Da die Meinungen über den Zionismus so weit auseinandergehen, ist es für die Anglo Jewish Association als Körperschaft nicht rathsam, an der Conferenz theilzunehmen." Zur Bertheidigung dieser Resolution führten die Herren Sir Philipp Magnus, F. D. Mocatta und der Vorsitzende Claude G. Montefiore aus, daß die Arbeiten der Anglo jewish Association gestört sein Würden, Wenn sie der Theilnahme am Zionismus verdächtig erschien e. Sowohl die Beziehungerr mit der Alliance würden geschädigt werden, als ganz besonders die Verbindungen mit den fremden Mächten und dem englischen Auswärtigen Amt, und auf letzteren beruhe gerade die Möglichkeit für die Anglo Jewish Association, zu Gunsten der auswärts verfolgten Juden thätkräftig einzugreifen. Aus diesen Gründen müsse die Anglo Jewish-Association doch ablehnen, sich officiell mit demselben zu beschäftigen. Obwohl Rev. Gaster, der sephardische Oberrabbiner, Vr. Vloch's WmtzrntltzrM.

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