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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Date
1898-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Vr »loch's MochrnschrM Gelte 185 regalirt wurden. Die scharfen Hiebe, unter denen sich jene Gesellen gar so jämmerlich krümmen und winden, wurden ihnen nach dem biblischen Recepte, wie man mit Amalek's Brut zu verfahren hat, applicirt. Prost Mahlzeit! Merkwürdigerweise hat indeß der „Deutsche Volksbote" die Angriffe gegen gewisse Deutschnationale nur in einer zahmen Auslese wiedergegeben, dagegen von den Versen an Meister Stampiglius, der nur darum noch nicht todtgeschlagen wurde, weil man dem Henker — pardon — dem Wasenmeister nicht vorgreifen will, kein Titelchen weggelassen. Ah . . . Sie loser Schelm, Sie Schäker (nach dem hebräischen Wortsinn zu nehmen)! Sie sind ja gar nicht so aus dem Häuschen, wie Sie sich den Anschein geben. Sie drücken ja unter dem Tische verständnißinnig und dankbar die Hand des „Belipachad" und grunzen dabei vor Wohlbehagen. Wer sich den Proceß Bergani und die Complimente gegenwärtig hält, welche Schönerianer und Christlich-Sociale sich einander an den Kopf warfen — „jedes Wort ein Nachttopf und kein leerer" Heine sagt — der nimmt Ihre Berserkerwuth gar nicht so ernst. Man muß übrigens den Deutschvolklichen zugestehen, daß in ihnen ein besserer Kern steckt als in den Christlich-Socialen, dieser Mischung von Weihwasser und Straßenkoth, der ärgsten Verunglimpfung des echten Christenthums. Wenn der „Deutsche Volksbote" schon ein Dictum Bismarck's: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst Nichts in der Welt" als Motto wählte, so würden wir ihm einen andern Ausspruch des humoristischen Giganten empfehlen, nämlich: Ein germanischer Hengst und eine jüdische Stute gäben eine gute Race. Ohnehin ist jenes Dictum eine Art von Plagiat aus dem Schriftthum des vorigen Jahrhunderts, worin sich der Ausspruch findet: „Wer Keinen fürchten will, der fürchte Gott". Thun Sie also ein andersmal nicht gar so wild, wenn man den Sack schlägt und die Christlich-Socialen meint: Denn einem geschenkten Gaul, Dem schaut man nicht ins Maul. Und wegen launiger Witze, Geräth man nicht in Hitze. Mardochai. Wer war Grögmre? Das „Vaterland" bringt in der Sonntagsnummer vom 27. Februar, die erst heute am 3. März in meine Hände gelaugt ist, einen längeren Feuilletonartikel unter dem Titel „Wer war Gregoire?". Dieser Aufsatz gibt sich als eine Kritik eines Vortrages, den ich am 16. Februar in Wien gehalten habe; es liegt mir fern, die Ansichten, die dort geäußert werden, zu widerlegen; aber ich darf darauf Hinweisen, daß ich in meinem ganzen Vortrag Gregoire nie den „Bischof von Blois" genannt habe, weil dieser Titel ihm von der Kirche bestritten wird. In dem „Vaterland" aber heißt es „Bischof von Blois", wie er ihn nennt. Ich habe auch nicht verschwiegen, daß „Gregoire. obgleich er nie an dem Dogma gerüttelt, mit seiner Kirche dennoch nicht ins Reine gekommen ist." Ist es wahr oder nicht, daß Grsgoire bis an sein Ende mit schwärmerischer Verehrung von den Päpsten geredet hat? Ist es wahr oder nicht, daß er sogar ein Gesetz, das die Juden des Kirchenstaates zum Anhören christlicher Predigten zwang, in Schutz genommen hat, daß er Rom das irdische Paradies der Juden genannt hat? Was Grsgoire später von der übrigen Geistlichkeit trennt, waren kirchliche Verfassungsfragen nicht ein Rütteln am Dogma oder an der päpstlichen Jnfallibilität. Ueberdies als Gregoire sein Buch über die Juden schrieb und veröffentlichte, waren nicht einmal diese Differenzen herausgetreten, sondern damals stand er vollständig innerhalb der Kirche und wurde auch von ihr nicht verleugnet; von diesem Buche aber war fast ausschließlich in dem Vortrage die Rede. Ein Mann, wie Carnot, der einer der edelsten Familien Frankreichs angehört, hat von Gregoire gesagt, die Kirche müßte ihn als einen Heiligen verehren. Ich erhebe nicht den Anspruch, für berühmt zu gelten, aber Niemand hat ein Recht, meine Wahrheitsliebe anzutasten und mir Worte in den Mund zu legen, die ich nicht ausgesprochen, und sie dann zu widerlegen. Daß Gregoire in diesen argen Zeiten einigermaßen in Vergessenheit gerathen ist, ist richtig; gerade darin fand ich einen Anlaß, von ihm zu reden; ich hätte es einer so erwählten Gesellschaft von Damen und Herren nicht zugemuthet, nur Allbekanntes zu hören, ln supervacuis diligentium affectare non nostrum est. Dr. B. Rippner. Ein christlicher Maler der Inden. Bis vor wenigen Tagen war im Künstlerhanse der Nachlaß an Gemälden und Zeichnungen des im September des Vorjahres verstorbenen 71 Jahre alten Malers Alois Schönn zu sehen; die Bilder und Skizzen gelangen eben unter den Hammer. Man gewann da einen schönen Ueberblick über ein reiches Könrien und einen unermüdlich vor- und aufwärtsstrebenden Fleiß und man bekam Respect vor dem Mann, der, an Ruhm und äußeren Ehren und wohl auch an irdischen Gütern reich, dahingeschieden ist. Der unerbittliche Tod mußte dem bis zum letzten Athemzuge Unermüdlichen Palette und Pinsel aus den Händen winden und ihn von der Staffelei hinweg nach dem Grabe zu drängen, in die ihm die Kunstgenossen den wohlverdienten Lorbeer nachsandten. Als Mensch war Schönn liebens- und achtenswerth, ein makelloser Charakter, aufrecht und aufrichtig, mit geradem Rücken durch das Leben gehend. Er nahm in rücksichtsloser Derbheit sich nie ein Blatt vor den Mund, war aber doch im Grunde edlen und sanften Sinnes und förderte jedes Schöne und Gute nach Kräften und in seiner Weise. Alois Schönn war einer der Ersten, welche das jüdische Leben für die moderne Kunst so eigentlich entdeckten und das eminent Malerische darin mit Deutlichkeit erkannten. Zwar hatte er etwelche süßlich-sentimentale Vorgänger, die es ja recht gut meinten, aber doch künstlerisch zu schwächlich veranlagt waren, um allzu ernst genommen zu werden. Ihre Gefühlsduselei, mit der sie das jüdische Hausleben ansahen, bedeutete nicht viel gegen den gesunden und urkräftigen Realismus eines Alois Schönn. Bei ihnen eitel Salbung und gemüthvolle Thränchen beim Kidduschbecher und Karpfen in Nuß-Sauce — bei Schönn tieferes Eindringen in die Eigenart, in den Geist des Judenthums. Es ist ganz merkwürdig, mit welch' genialer Intuition dieser Christ das Alles erfaßt hat und sich hineingelebt hat in die unfreien,- geknechteten, niedergedrückten, polnischen Judenseelen. Sein Haupt- und Meisterwerk nach dieser Richtung hin ist die „Borhalle der Synagoge in Krakau". Sie wurde von Moriz Freiherrn von Königswarter angekauft und war mit der übrigen Gemäldesammlung des großartigen Mäcens im Juni 1890 im Künstlerhause exponirt. Damals schrieben wir in diesen Spalten über das Gemälde Folgendes: „Nr. 64 hat ein ganz specielles Interesse und es lasten sich allerlei und nicht blos künstlerische, sondern auch culturhistorische und ethische Betrachtungen darum spinnen. Es ist von Alois Schönn gemalt und heißt: „Borhalle der Synagoge in Krakau". Ein Meisterwerk, sei's schlankweg gesagt — der Tempel ist überfüllt; bis in die Vorhalle, der Scene des Bildes, stehen gedrängt die Frommen. Wir haben sie nicht gezählt, aber an die Hundert mögen es sein, Alte, Junge, vom Greise bis zum Kinde. Daß ein „Goj" das soll malen können, ist bewundernswerth. Mit welch inniger Liebe hat sich dieser Christ in das ihm ferne Seelenleben dieser verspotteten Menschen eingelebt, eingebohrt möchte man sagen. Wofür seine Stammesgeuossen nur Spott, Verachtung, Hohn und Galle, Schimpfwort und Faustschlag haben — das hat er zart beobachtet und tteu wiedergespiegelt. Er hat Inbrunst und Frömmigkeit gemalt, bis zum höchsten Grade der Weltentrücktheit und mystischen Verzückung. Vielen, ja den meisten Künstlern ist der polnische Jude nur ein willkommener Gegenstand billiger Satyre, wohlfeiler Carricatur. Alois Schönn aber verliert ihn. Er adelt seine oft trüb- und armselige Außenseite, indem er uns seine Seele malt, seine Seele, die innig anhängt dem Gotte seiner Väter — trotz Allem und Allem, trotz Schönerer, Pattai und Vetter. „Du sollst mich lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzem Vermögen." Das hat Schönn gemalt. Vom Technischen des Bildes zu reden, von der sicheren Meisterschaft der Gruppirung, der Linienführung, der Beleuchtung zu reden hätten wir bald vergesten. Man kann auch daran vergessen. Wie schön ist alles Stoffliche und Materielle wiedergegeben, der alte vom jahrzehntelangen Gebrauch fadenscheinige, verschliffene Talles und der verwetzte, spiegelnde Kaftan. Die Mauer des Gebäudes ist wie die einer Festung, wuchttg, derb, stark und schier unbezwingbar, — ist auch eine Festung der Gottesfurcht, welche noch lange dem wüthenden Ansturm ftevelnder Belagerer Stand halten wird. Und dabei darf nicht etwa gemeint werden, der Meister habe süßlich idealisirt, Scheingestalten gepinselt, Alles hübsch artig und zierlich. Er ist

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