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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Date
1898-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 184 Vr. Vlortz's WochrnschrM Nr. 10 stritlene Recht, um die Aufrechterhaltung derselben zu kämpfen, Daß vielleicht wir Alten den Sieg nicht mehr erleben werden — was will das bedeuten. „Die Alten müssen sterben, die Jungen müssen werben". Kämpfet nur weiter Ihr Jungen mit der Spitze des Geistes und mit der Schneide des Gedankens! Wie haben wir gekämpft, wahrlich nicht mit Tinte und Papier, sondern mit unserem Herzblute, mit dem Safte unserer Nerven, um uns aus diesen Status der anerkannten „kriegführenden Partei" zu bringen. Und Ihr! — man verteidigt doch nicht sein Recht, indem man davonläuft. Und warum wollt Ihr flüchten'? Ist vernünftiger, logischer Weise der endgiltige Sieg einer antisemitischen Bewegung denkbar, während wir durch den machtvollen Aufstieg eines vierten Standes einer mächtigen socialen Entwicklung und Ausweitung entgegeugehen? Letztere wird zwar keineswegs, wie die Socialisten meinen, die Gesellschaft umkehren, sie auf den Kopf, gewiß aber aus. eine breitere Basis stellen. Die neue Macht kann, wird die politischen Standesprivilegien demoliren, sie kam: die politische Macht des Besitzes, sie kann bis zu einem gewissen Grade seine materiellen Bortheile uivelliren, immer wird sie nur alte Unterschiede ausheben, nie kann sie, der ganzen Logik, ihrer raison d’etre nach neue Unterschiede machen. Darüber können wir ganz beruhigt sein! Die Stellung der französischen Socialisteupartei zu der Affaire Dreyfuß zeigt ganz unwiderleglich, daß der obige sociale Proceß kein so rascher sein wird, als unsere jungen Leute wünschen — was bedeuten Jahre, Decennien gegen die 2000 Jahre unseres Leidens. Aber selbst, wenn ich mit dieser meiner Ansicht genau so im Unrechte wäre, wie ich gewiß im Rechte bin, so ist doch anderseits kein Zweifel, daß die Berechtigung einer Idee wie die des „Judenstaates" nicht um eine Linie weiter reicht, als die Möglichkeit ihrer Ausführung! Diese letztere ist aber, politisch wie ökonomisch, ausgeschlossen und der Gedanke an eine solche beruht auf einer ganze Reihe von Mißverständnissen ebenso politischer, wie wirthschaftlicher Art. Vernünftige pure Colonisationsversuche wird Jeder mit den besten Wünschen, wenn auch mit keinen großen Hoffnungen begleiten, aber der Judenstaat, dem nach einem treffenden Worte nichts weiter fehlt als der Staat und die Juden, ist ein Roman wie „Freilaud" und für Staatsrom a n e ist im harten, wirklichen Leben der Staaten und Völker kein Raum! Ministerpräsident Graf Iran; Ttzun. Das Ministerium Gautsch hatte eine nur kurze Lebensdauer, es veruwchte die vielfachen Schwierigkeiten und Hindernisse, welche Parteien und Verhältnisse der Erfüllung seiner Mission ringsum entgegensetzten, nicht zu überwinden; es räumte ehrenvoll den Platz als ein Ministerium des guten Willens, der redlichsten Absichten. Aus der Wirksamkeit dieses Ministeriums verbleiben der österreichischen Judenschaft in guter Erinnerung mancherlei Amtshandlungen, deren wir heute dankbar gedenken. Eine Anzahl antisemitischer Vereine in Böhmen hat jenes Ministerium aufgelöst und der Lehrerschaft wurde in einem Regierungserlaß, betreffend die Forderung der nationalen und confessionellen Duldsamkeit an den Schulen, in Erinnerung gerufen: „daß es die erziehliche Pflicht jeder Lehrperson ist, die Schulkinder zu einer verträglichen Gesinnung auch gegenüber den Angehörigen der israelitischen Confession anzuleiten, und daß eine jede Lehrperson der Schuljugend in dieser Beziehung nicht nur selbst ein gutes Beispiel zu geben, sondern auch das Verhalten der Schulkinder innerhalb und außerhalb der Schule eifrigst zu überwachen habe." Wegen dieser Amtshandlung allein bewahren wir dem abtretenden Ministerium ein dankbares Gedenken. Was haben wir Juden von einem Ministerium Thun zu erwarten? Haben wir zu __ hoffen oder zu befürchten? Graf Franz Thun zählt zu den glänzendsten Namen des böhmischen Hochadels, seine Traditionen sind streng conservativ, nichtsdestoweniger wissen wir mancherlei aus seiner politischen Vergangenheit, was uns volles Vertrauen zu seiner zukünftigen Amtsthätigkeit einflößt. Am 5. October 1888 hielt Graf Thun im böhmischen Landtage eine Rede, ans welcher wir eine Stelle reproduciren. Er sagte: „Trauriger jedoch meiner Ansicht nach, weil in den Folgen viel gefährlicher, ist derjenige Kreis .von Männern, welchem wir in unserem politischen Leben ziemlich unter den extremsten Parteigängern begegnen. Fern sei es von mir, dem ganzen Stande, den ich in vollstem Maße achte und dessen große Aufgabe, dessen verdienstliche Aufgabe ich anzuerkennen verpflichtet bin, es ist das die L e h r e r s ch a f t, Uebles nachzureden. Aber meine Herren, ein g r o ß e r T h e i l der Lehrerschaft faßt seine Aufgabe nicht richtig auf, ein großer Theil der Lehrerschaft in diesem Lande, auf beiden Seiten, betrachtet sich dazu berufen, als politischer und nationaler Agitator zu wirken. Dieser Theil der Lehrerschaft, welcher diese Aufgaben vor Augen hat, vergiftet aber die Bevölkerung, pflanzt das Gift der nationalen Gehässigkeit in die zarten Herzen der Kinder, führt und verführt die Erwachsenen, und man findet es nicht immer, daß dieser Lehrerschaft entsprechend entgegengetrcten wird. Ja, man begegnet sogar der Erscheinung, daß sie von den Vorgesetzten Behörden zum Mindesten nicht die Vernrtheilnng erfährt, die sie verdient. Wo immer irgend eine tolle Versammlung stattfindet, wo immer irgend welche Rede gehalten wird, die einem ruhigen und objectiv urtheilenden Politiker die Zornesröthe auf die Stirn treibt — man kann sicher sein, daß auch Lehrer dabei sind. Da handelt es sich, glaube ich, nicht blos darum, daß alle gemäßigten Elemente dagegen ankämpfen, soviel als möglich; da ist es, wie ich glaube, am Platze, an die Negierung die dringende Aufforderung zu richten, ihres. Amtes zu .walten und Zucht uud Ordnung unter den Lehrern zu halten. Denn caveant consules I Wenn die Lehrer ihrer eigentlichen Pflicht sich entziehen und in diesem zweiten Theile ihre einzige Pflicht erblicken und nicht bei Zeiten und entsprechend dem entgegengetreten wird, daß die Lehrer als nationale und politische Agitatoren und Wühler im ganzen Lande auf beiden Seiten wirken, so wächst ein Geschlecht heran, mit dem keine Regierung fertigwerd e n kan n. Daß diese Ausführungen, die ich gemacht habe, nicht aus Animosität, weder gegen den ganzen Stand, noch gegen die tüchtigsten ordentlichen Lehrer gerichtet sind, brauche ich nicht erst zu erklären. Aber ich schließe daran schon jetzt die Erklärung, daß ich es für vollkommen berechtigt, für dringend nothwendig halte, daß in manchen!.. Beziehungen die Bezüge des Lehrpersonals im Lande geändert^ werden. Ich glaube, man ist das diesem verdienstlichen Stande schuldig daß man den Mitgliedern desselben eine Existenz schafft und in denjenigen Punkten, in denen eine Aenderung möglich ist, sie vor der Sorge des Lebens zu schützen und daß man die tüchtigen Theile des Lehrerstandes nicht deshalb strafen will, weil es, wenn auch sehr viele aber doch nur Auswüchse desselben gibt." Fast jeden Satz dieser Rede begleiteten Rufe der Zuhörer, wie: Sehr gut! Bravo! Tak jest! (So ist es!) Vyborne! (Ausgezeichnet!) u. dgl., ein Beweis, daß es dem Redner gelungen war, die Mehrzahl der Anwesenden von der Richtigkeit seiner staatsmännischen Ansichten zu überzeugen. Wir wünschen, daß die Thaten des neuen Ministerpräsideuten, der durch das Vertrauen Sr. Majestät in solch hohem Maße ausgezeichnet ist, dem Geiste jener vorcitirten Rede entsprechen mögen, welche im böhmischen Landtag bei den patriotischen Männern beider Nationalitäten die gleiche Zustimmung und Anerkennung gefunden. Wiederum „Me Wotamsten"!*) sUmaloch ra baal korcho jane amen!« Auch der „Deutsche Volksbote" muß widerwillig Amen sagen! Eine witz- und geistlose, dafür aber um so brutalere Schimpferei im Prager „Deutschen Volksboten" vom 20. Hornung d. I. verdient wohl tiefer gehängt zu werden, dagegen deren Autor schon etwas höher. Eigentlich quittirt er nur die Peitschenhiebe, mit denen die extremsten rohesten Deutschvolklichen — keineswegs jedoch die Ueberzeugungstreuen dieser Partei — *) Siehe „Oesterreichische Wochenschrift" vom 4. Februar l. I.

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