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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-04 · 9 (4.3.1898) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 178 Vr. Bloch's WochrnschrM Nr. 9 Dichterheroen einst geschritten, hatten dort in Erinnerungen an die glänzendste Epoche der deutschen Literatur geschwelgt; der herrliche grüne Rhein mit den Ruinen seiner sagenreichen, einst so stolzen Burgen, mit seinen blühenden Städten hatte auch auf sie seinen mächtigen Zauber auszuüben nicht verfehlt; in Frankfurt hatten sie von alter Kaiserherrlichkeit im Römer geträumt und waren am Abende zuvor in Wiesbaden eingetroffen; die reizend gelegene, elegante Curstadt bildete das Ziel ihrer Reise und sie beschlossen, den Rest ihres Urlaubes in derselben zuzubringen, bot doch die Umgegend noch so viele schöne Flecken für größere und kleinere Touren. Tausende von Menschen wallfahren alljährlich zu dem am Abhange des Neroberges sich erhebenden glänzenden Gotteshause, besonders zur Sommerszeit. Weit hinaus in die Lande ragen vergoldete Kuppeln und verkünden, daß hier oben ein junges fürstliches Frauenbild nach kurzem Erdenwallen in ewigem Schlummer ausruht. Es war wohl in Folge der fast tropischen Hitze, daß nur eme einzige Equipage oben hielt. Die Freunde traten in die kleine, mit allem Pompe, welchen der griechisch-katholische Ritus entfaltet, ausgestattete, mit zahlreichen Heiligenbildern der Schutzpatrone des russischen Kaiserhauses geschmückte Kirche und bemerkten zwei dunkel gekleidete, dicht verschleierte Damen, deren Haltung die Eme als jung, die Andere als wesentlich älter kennzeichnete. Die Damen schienen schon längere Zeit anwesend zu sein, schweigend, in ernstes Sinnen verloren, standen sie an dem Sarkophage der Fürstin, Hopfgarten's Meisterschöpfung voll Jntereffe lautlos bewundernd. Die Freunde hielten sich in rücksichtsvoller Entfernung und betrachteten erst aufmerksam die Kirche, während sie unbemerkt von den Damen dieselben unausgesetzt beobachteten. „Elisabeth Michailowna, Herzogin von Nassau, Großfürstin von Rußland" las die jüngere Dame halblaut und fügte dann mit gedämpfter, jedoch ungemein melodischer Stimme hinzu: „Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert", möchte ich hier an der Ruhestätte der jungen Fürstin sagen. Sie starb jung und glücklich; zwanzig Jahre später hätten vielleicht die Ereignisse, welche ihrem Gemahle die Souveränetät kosteten, ihr Herz gebrochen." „Es stirbt sich nicht so leicht an gebrochenem Herzen", versetzte die Aeltere. „Wie schwer mag der jungen, in der Blüthe ihres Lebens, auf der Höhe irdischer Größe stehenden geliebten Fürstin das Sterben geworden sein! Ich entsinne mich ganz genau, ein Schmerzensschrei ging durch ganz Deutschland, dessen Interessen durch die vielfachen fürstlichen Familieuverbindungen stets eng mit Rußland verknüpft waren, als die Herzogin Elisabeth ihrer Cousine, der Kaisertochter Alexandra, mit welcher sie zu gleicher Zeit geheiratet hatte, auch im Tode so rasch nachfolgte. Als ich jahrelang später die Großfürstin Helene, die Mutter der Herzogin, oft in Berlin sah, mußte ich stets die hohe Frau bewundern; ungeachtet der vielen Schmerzen, welche ihr das Leben brachte, blieb sie bis in ihr hohes Alter in ungebrochener Geistesfrische, von dem lebhaftesten Interesse für Künste und Wissenschaften beseelt, fand besonders, wie ihre unglückliche fürstliche Namensschwester, die Herzogin von Orleans, in der Musik den besten Trost für ihre Thränen." Eine kurze Pause entstand. „Das Denkmal erinnert mich sehr an das Mausoleum in Charlottenburg", nahm die ältere Dame den Faden des Gespräches wieder auf. „Obgleich diese Capelle hier auf einem der gesegnetsten Stücke deutscher Erde steht, die wundervollste Fernsicht dem entzückten Menschenauge bietet, ich ziehe dennoch die erhabene Einfachheit des Mausoleums vor, finde die dunkle Fichteuallee, die zur Ruhestätte unserer Engelskönigin, unseres gerechten Königs führt, tausendmal schöner", gab die Jüngere zurück. „Muß sich der Ernst Deines Wesens trotz Deiner Jugend denn immer bemerkbar machen?" fragte die Aeltere halb traurig, halb tadelnd. „Das sind die Erinnerungen an eine trübe, freudlose Kindheit und Jugend, die ihre Schatten in die Gegenwart und Zukunft fallen lassen und sich nie verwischen", antwortete die Jüngere, nahm den Arm ihrer Gefährtin und verließ mit ihr die geweihte Stätte. Die Freunde waren unfteiwillig Zeugen dieser Unterhaltung gewesen. Als sie sich allein sahen, sagte Dr. Seefeld: „Eine interessante Begegnung! Ich möchte wetten, unter dem nonneuyaften Aussehen der jüngeren Dame verbirgt sich eine incognito reisende Fürstin, so vornehm und distinguirt erschien sie mir. Gewiß hat sie schon viel Schweres in ihrem jungen Leben erfahren, da sie so ernste Anschauungen entwickelte. Das eigenartig melodische Timbre ihrer weichen Stimme muthete mich bekannt an; mir ist, als hätte ich diese ausdrucksvolle Stimme schon einmal gehört, ich vermag mich nur nicht zu entsinnen wo." „Willst Du einem Phantom nachjagen? Die geheimnißvolle Schöne machte mir den Eindruck einer jungen Lehrerin, welche ihre Ferien auch zu einer Reise benutzt. Wahrscheinlich hat sie sich von frühester Jugend als Schulmeisters Töchterlein bei der knappen Besoldung ihres Vaters, vielleicht gar noch der Mutter beraubt, im Vaterhause mit einer Herde kleiner Geschwister, später mit den verzogenen Sprößlingen reicher Leute quälen müssen, daher ihr Ernst", sagte der Professor. „Und nun, Edüard". mahnte er den Freund, „wollen wir voll und ungestört diesem Meisterwerke der Bildhauerkunst unserer ungetheiltesten Bewunderung Tribut zollen, allzulange haben die Damen uns davon zurückgehalten." . Schweigend betrachteten auch sie lange das Grabmal. Ob sich im Anschauen des Marmorbildes der so jung Heimgegangenen Fürstin in Dr. Seefeld wohl eine Erinnerung an Blanca regte? Wer weiß es? „Auch ich gebe Rauch's Meisterschöpfung den Preis", nahm Dr. Seefeld nach längerer Pause wieder das Wort. „Hat Dich die geheimnißvolle Schöne durch ihr Urtheil beeinflußt?" neckte der Professor. „Keineswegs, doch ich theile vollständig die Meinung der jungen Dame", versetzte Dr. Seefeld. Als die Freunde aus dem Gotteshause hinaus getreten waren, ihre Schritte dem nahen Neroberge zulenkten und ihre Blicke rückwärts schweifen ließen, erschien ihnen das im Thale liegende, von den Strahlen der untersinkenden Sonne goldig-roth verklärte Wiesbaden gleich einem Stücke irdischen Paradieses. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Jalkut Sofev Ils. B. M. Wajikro von Bezirksrabbiner Josef Sofer in Derecske (Comitat Bihar). Preis des III. Bandes 80 Kreuzer, der bisher erschienenen drei Bände 2 fl. 50 kr. Durch die bereits in den letzten zwei Jahren edirten zwei Bände des Jalkut Sofer auf Bereschith und Schemoth ist Rabbiner Sofer kein Neuling mehr auf dem Gebiete der Midrasch-Literatur und der Bibelexegese. Daß der obenbenannte Verfasser schon sogar einen wohlklingenden Namen auf diesem weiten Gebiete erworben, zeigt am besten der geistige und materielle Erfolg, den derselbe mit seinen bereits erschienenen Werken nicht nur bei Fachkenneru, sondern auch bei allen Freunden der Agada und des Midrasch gefunden, und die Thatsache, daß die ersten zwei Bände beinahe vergriffen sind. Auch der dritte, jetzt erschienene Band des „Jalkut Sofer" auf Wajikro ist gleich dem ersten und zweiten ein Miniatur-Lexikon und praktisches Nachschlagebuch für Rabbiner, Prediger und Religionslehrer, in welchem je nach den Sidroth geordnet, die schönsten Midraschstellen aus Midrasch Nabba-Tanchuma, aus dem Talmud Babli und Jeruschalmi Sefri, Sifto, Tosephto, passend zu Gelegenheitsreden bei Hochzeiten, Beschneidungsfesten, Confirmationen, Barmizwa- und Pidjonfeier, leicht zu finden sind. Wenn wir noch hinzufügen, daß das Werk noch mit einem schönen Blumenkranz der geistreichsten Bibel- und Midrasch- Erklärungen der berühmtesten Rabbiner der früheren und jetzigen Zeit geschmückt ist, so glauben wir, daß der Jalkut Sofer auf Wajikro gleich den bereits erschienenen auf Bereschit und Schemath keiner Empfehlung mehr bedarf, da er sich von selbst empfiehlt. H. L—r. Die zionistische Frage. (Vortrag gehalten am 13. Jänner 1898 im Centralvereine zur Pflege jüdischer Angelegenheiten von Dr. Isidor H i r s ch, Rabbiner in Prag-Carolinenthal. Prag 1898.) . Auf nicht ganz zwanzig Druckseiten wird das Für und Wider des Zionismus in vollständiger und logischer Weise klar gelegt, und mit einer Objectivität werden Licht und Schatten vertheilt, die des besonnenen Denkers würdig sind. Man wird an Spinoza erinnert, der die Leidenschaften und Verirrungen der Menschen prüfte, als ob es sich um geometrische Linien und Figuren handelte. Die Geschichte des Zionismus wird in großen, aber ausreichenden Zügen entworfen — von Jefaiah, dem gotterleuchteten Vater des schönen Gedankens, bis zu Dr. Eduard Glaser, dem gründlichsten Kenner des modernen Orients, dessen Ausführungen ja den Lesern dieser Blätter wohlvertraut sind, und bis zu den Beschlüssen des Baseler Congreffes. Die Contro-

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