Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 9 *r. Vwch's WochrnptzrM Seite 179 Verse Herzl—Güdemann, welche ja auch iu diese» Spalte» ausgefochten worden ist, findet gleichfalls ihre kritische Behandlung und der klare, philosophische Sinn des Antors, allen Utopien, auch den schönsten, auch denen der geistreichsten Schwärmer und charmantesten Schwätzer abhold, steht wie begreiflich aus Seite des ehrwürdigen Oberrabbiners von Wien. Mit einer kleinen Einschränkung allerdings, welche lautet: „Das glaube ich nicht, daß das Judenthum in der Freiheit der Juden nicht schöner, kräftiger, achtunggebietender werden könnte, als in irgend einem galizischen Nestcheu; ich glaube aber umgekehrt, daß im Judenstaat die Juden zu Grunde gehen könnten, social und ökonomisch, wie im einstigen zweimaligen jüdischen Staat, an der wirthschaftlichen Enge des Landes, an der daraus resultirenden Engherzigkeit der Menschen, an den inneren religiöse» Kämpfen und last not least, an der politisch ungünstigsteu Lage in Palästina." Der Christenheit ist es durchaus nicht gleich, wem das auch ihnen heilige Land gehört und wir könnten ganz gut eine neue Aera der Kreuzzüge erleben, wilde erbitterte Kämpfe um das „heilige Grab" der Christen. Der Verfasser schließt seine ungemein lesens- und empfehlenswerthe Broschüre mit dem Appell, hohe Staatsaspirationen vorläufig sein zu lassen, Colonisation auf neutralem Boden ins Werk zu setzen und die an Gut und Geist armen Juden im Geiste des alten Judenthums und zugleich in dem der modernen Civilisation heranzubilden. „Wir wollen in unfern Garten gehen und arbeiten" schließt der „Candide" des Voltaire. Predigten von Dr. C. Kalischer, Rabbiner in Kopenhagen. Berlin 1898, Verlag von Albert Katz. Es ist etwas Eigenes um gedruckte Predigten! „Eine Rede ist keine Schreibe", pflegte der alte Aesthetiker Bischer zu sagen in seinen! derben Schwäbisch und wollte damit aus den tief einschneidenden Unterschied zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort hingewiesen haben. Wer die Persönlichkeit des Kanzelredners, seine Geste und seinen Tonfall dazu, sich bei der Lectüre in das Gedächtniß zurückzurufen in der Lage ist, wer die Predigten von ihm selbst im Gotteshause gehört hat, der mag höheren Genuß bei ihrer Lectüre empfinden, als der, den die Buchstaben kalt und stumm ansehen. Und gerade die uns vorliegenden Predigten scheinen um Io mehr der nachdrücklichen, eindringlichen Vortragsweise zu bedürfen, weil sie sehr schlicht, beinahe nüchtern sind und wohlfeilem oratorischen Flunkerkram weit aus dem Wege gehen. Dieser Redner schmückt sich nicht mit falschen Brillanten.. Seine Gedanken sind in das einfachste sprachliche Gewand gekleidet. Strenge, ernste Falten, würdig, feierlich! Dieser Prediger setzt nicht sich selbst in Scene, er verschmäht es, sein eigener Regisseur zu sei». Spitzfindige Klügelei wird man vergebens in diesen Blättern suchen. Dafür wird gediegene Anregung zur Selbsteinkehr geboten. Wir sollen die Zeit begreifen und verstehen lernen, in der wir leben. Die Wechselwirkung von Cultur und Religion auf einander und daß sie sich nicht gegenseitig hemmen, sondern fördern, wird nahegelegt. Das taucht als Grundgedanke immer wieder hervor. Daß der Verfasser ein gediegener Hebraist, braucht nicht erst besonderer Erwähnung, wohl aber, daß er nicht mit Gelehrsamkeit protzt. Die Citate, Anwendung und Auslegung, alles mühelos und zwangfrei. Effectvoll und hinreißend werden diese Predigten kaum wirken, dafür intensiv und nachhaltig. Wie Verfasser selbst darüber denkt, erhellt ans seinem eigenen Wort: „I ch b i n w e i t entfernt, den Einfluß des rednerischen Wortes an sich zu über schätzen. Unvergleichlich bedeutsamer, als die gottgefällige Rede i st das gottgefällige Bei spiel. Jene bleibt erfolglos o h n e d i e s e s." Briefkasten. Wien. Alter Abonnent. Durch Nichtbeschickung der Ausstellung im Jahre 1900 sollen die Juden also glänzen und Sie sind überzeugt, „daß es nur einer leisen Anregung in unserem Blatte nach dieser Richtung bedarf, um alle die jüdischen Aussteller trotz ihrer Knopflochschmerzen von der Pariser Ausstellung abzuhalten, was ohne Aufforderung schon eine Pflicht der Selbstachtung wäre." Sie kennen die Leute nicht. Die vergessen rasch: „Ach was haben die Herren doch für ein kurzes Gedärm". (Goethe.) Frau Emma H—r. XIV., Grimmgasse. Sie haben als freundliche und aufmerksame Leserin das gewählte Beiwort selbst sinngemäß richtig gestellt. H. K. i» E—tz. Zonen reimt sehr schlecht auf Bronnen. Bon diesem Zonentarif der Reimtechnik darf nicht abgegangen werden. Den Schluß Ihres Sonetts recht gern: „Und wo ist nun die Freiheit hoch besungen Und tvo des hehrnen Fortschritts gold'ne Ernte, Das Recht, die Toleranz, in jenem Lande? Der Freiheit Lieder längst find sie verklungen! . . . Die Republik des Rechts Mission verlernte Und wer sie fordert, dem droht Schmach und Schande." „Handelsakademiker und Realschüler" in Wien. Anonyme Zuschrifteil? Papierkorbfutter! Sie wollen sich zusammenthun, wie die anderen Hochschüler? Sie sind aber doch nur Mittel schüler und das verstieße ja gegen die Organisation der Mittelschulen. Studieren Sie nur recht fleißig, damit leisten Sie ja das Allerbeste sich und „dem Volke". Wien. Löbliches Festcomitö des Fraueriwohlthätigkeitsvereines im VIII Bezirke. Wir bestätigen den Empfang Ihres freundlichen Dankschreibens und sind selbstverständlich stets bereit, humanitäre Absichten zu fördern, ohne uns jedoch des Rechtes der Kritik zu begeben. Jungbunzlau „F. S." Die Namen der Einsender von Correspondenzen sind unser Redactionsgeheimniß und können nur mit Einwilligung der Berichterstatter bekannt gegeben werden. S. Ä—et Wien. Sie haben ein bischen daneben gedichtet „Das Brautpaar ist glücklich und sieht in die Runde Zufriedenheit s ch ä u m t ihm aus lächelndem Munde!" Na, na, nur nicht übertreiben! „Die Braut, Fräulein Kutte bewirthet die Gäste, Das Essen war stets ihr vor Allem das Beste Herr Säbel besieht wohl indessen die Nacken Und freut sich, wie leicht nur die wären zu packen: Die Freiheit, die Freiheit begraben! Tie Feste verrauschen, die Räusche vergehen, Die Gäste sie taumeln im Unglück und sehen Der eine den anderen vorwurfsvoll an Und fragen leise wimmernd, was sie gethan: Die Freiheit, die Freiheit begraben!" Stellen Sie den Betrieb Ihrer Dampfdichterei schleunig ein. Die hohe Poesie liegt in Ihnen nicht. Ein kleines satyrisches Dingchen mag Ihnen möglicherweise ab und zu gelingen. Nichts für ungut! I. Grsbel» Obszaniza Post Tymseniza (Galizien). Wenden Sie sich in dieser Sache an die als sehr leistungsfähig und solid bekannte Buchhandlung Moritz Perles, Wien, I. Seilergassei, (nächst dem Graben), die macht gern Geschäfte mit bequemen Zahlungsmodalitäten. W.-Meseritsch N. K. Wenden Sie sich an den „Gisela- Verein" Wien, oder noch besser, bewerben Sie sich um eines der zahlreichen, in unserem Blatte angezeigten Heirats-Ausstattungsstipendien. I. Spiegler, Agram. Ihre Anfragen beantworten wir kurz mir „Nein". Herrn Dr. F. in Skole. „Zola" dankend abgelehnt, weil schon verspätet. Zweites Manuscript wird verwendet. P. in Wien. Restauration Alex. Goldner befindet sich jetzt II., Taborstraße 2 a (im neuen Hause). „I. M. V." Ja wohl, es gibt sogar einen jüdischen Marine- Officier Ihres Namens. Alter Abonnent Dr. F. in R. Dank für Ihr zutreffendes Citat! Börne schreibt in seinen Pariser Briefen unterm 5. Jan. 1833: „Frankreich hat das Schartachficber. Blutegel rund am Halse, Purpur über den ganzen Leib und zum Königsmantel muß es sich die Haut abziehen. Der alte Riese mit einer Kindeskrankheit! Schamrother Purpur." M. Dr. Fl. W—k, hier. Sie wundern sich, daß die »an grand hall de l’hotel de Ville« Versammelten so mangelhaft französisch kennen. Das Deutsch des Vergani ist noch viel elendiger. „Kein Sittenrichter." Xll. Bezirk. Wenn Ihnen die „gepfefferten" Vorträge der Antisemitin Ivette doch zu „stark" sind, so empfehlen wir Ihnen die freilich nur um eine Nuance schwächeren des gleichen Genres, welches die Christlich-Socialen cultiviren, worüber die „Ostd. R." berichtet: „Als ich den Saal betrat, stand auf der „Pawlatsch'n" gerade ein junges, dem Anscheine nach erst dreizehnjähriges (!) Mädchen, welches ganz „saubere" Lieder ä la Orpheum sang und dabei das rosafarbene Einpirekleidchen voll „Schick und Schan" bis zu den Höschen aufzuheben verstand. Es fehlte nur noch der Cancan. Eines der Lieder handelte sich darum, wie der Herr Papa der Köchin überall „voll Zärtlichkeit" nachsteigt und ihr das Kinn streichelt. Als nun plötzlich Frau Mama in die Küche kommt, verduftet der Herr Papa und die kluge Köchin, findet die feine Ausrede: Es war ja nur der Kohlenmann." So zu Ehren des hochwürdigen Pater Gotthard am 24. v. M. beim „Grünen Thor" geschehen! Anwesend: Gregorig, der moralinsaure!! Um 40. kr. per Stande ertheilt erfahrener Lehrer gründlichen Unterricht im Französischen (Conversation and Grammatik) im Deutschen nud im Hebräischen. Hascher Erfolg garantirt, gefällige Anträge an Herrn J. Reissfeld, II. Bezirk, Jägerstrasse 5, Thür 19.