Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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vir. 9 Vr. VUtttz » MmiDenMrM Seue 177 R u f u s: Und Eure Macht? An alte Tempelmauern Die Köpfe rennen Euch und psalmodiren, Das Volk aufwiegeln, das wohl ohne Euch Ganz ruhig leben könnte nnd dankbar war' Dafür, daß man es athmen läßt. O schweig Nur, schweig! — Wir wissen dies auswendig schon. Ihr Rabbis seid des Lands Verderben nur, Giftbeule, die Vergiftung überall hin Verbreitet, Pest für Rom. Jetzt seh' ich klar, Bor Allem Euch zuerst man richten muß, Zertreten, stampfen und vernichten ganz, Dann kommt der Friede — aber nicht mit Euch! Theradion; Du kannst's versuchen! R u f u s: Und ich werd' es, Rabbi, auch! Theradion: Du hast ja Macht, bist Romas Feldherr, doch, Doch w i r sind w i r. R u f u s: Ich kenn' Euch ja zu gut! Theradion: Uns kennst Du nicht! Du ahnest kaum, o Herr, Was der Prophet dem Volk ist. R u f u s: Meuterer! Theradion: Nicht Meuterer, jedoch Gewissen ihm Und seine Kraft. R u f u s : Wir treten Euch doch nieder! Theradion: Vielleicht nur uns, denn unserer gibt es wenig, Jedoch das Volk nicht — dies ist unsterblich! R u f u s: Mit Schwärmern red' ich nicht, wie Ben Akiba. Theradion: Ich bin Theradion, bin gegen ihn Nur kühler Denker, zweiter Pol der Welt. R u f u s: Das gilt mir gleich; es drängt die Zeit, mach' kurz! Theradion: Ich will ja nichts. R u f u s : Warum kamst D u dann her? Theradion: Du willst etwas, und zwar, was wir nicht wollen. R u f u s: Und Euch Rabbinen soll ich Antwort stehn? Theradion: Nicht den Rabbinen — nein, nur Dir — und Gott. R u f u s: Was, mir? — Gar nichts! Du weißt es doch Rabbi, Daß Roms Legat ich bin. Und Gott? — Ja wohl, Den kenn' ich nicht, denn meine Götter sind Auch Götter Roms und denen werd' ich mich Verantworten. Theradion: Wenn Dir genügt schon dieß, So schweig ich nun. R u f u s : So sprich denn, was Du willst! Vielleicht abwenden mich davon, was mir Geboten ist, was ich vollziehen muß? (Schluß folgt.) Spätes Glück. Erzählung von R e g i n a Reißer. (Fortsetzung.) Fünf Jahre waren verflossen. Die Kriegsfackel hatte wieder in Europa gelodert. Nach kurzer Spanne Zeit, in welcher der Friede kaum erst heil- und segenbringend sich erwies, war Preußen wieder in einen bluttgen langwierigen Krieg verflochten worden, aufgedrungen durch den übermüthigen Nachbar, welcher den Krieg als letztes verzweifeltes Mittel wählte, senren morschen, wankenden Thron zu stützen. Es war wieder ein Bonaparte, welcher den Sohn, wie einst sein Oheim den Vater herausforderte zur Wehr durch unerhört anmaßende Zumuthuugen. Louis Napoleon spielte va banque und verlor das Spiel; der Tag von Sedan stürzte ihn aus seiner Höhe und der Gefangene in jenem Schlosse, in welchem sein Oheim „Immer lustik" war, der Einsiedler von Chislehurst hatte Muße über die Vergänglichkeit irdischer Größe nachzudenken. Aus dem blutigen Kriege war den Deutschen als schönster Sieg das Ziel so vieler heißen Wünsche, der Jugendtraum so vieler ernsten Männer, ein geeinigtes Deutschland erwachsen. Nicht wie wenige Jahre zuvor gespalten in „Nord und Süd", sondern „ein einig Volk von Brüdern" wie vor mehr denn fünfzig Jahren die Väter und Großväter, waren sie hinausgezogen zum Kampfe gegen die Franzosen. _ Drüben, in Feindesland, in den Mauern des alten Königsschlosses Versailles war der greise Heldenkönig Preußens, Louisens Sohn, an dem in der so ruhmreiche:! Geschichte seines Hauses ewig denkwürdigen achtzehnten Januar, an welchem der Urahn einst zu Königsberg sich als ersten König von Preußen krönen ließ, zum ersten deutschen Kaiser von sämmtlichen deutschen Fürsten einmüthig proklamirt worden. Friede erfüllte nun wieder die Welt! Die deutschen Frauen, die während des Krieges aller Orten ohne Unterschied der Stände und Confession, je nach Vermögen und Können Liebeswerke geübt hatten, waren fortdauernd beniüht, die Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen. Hatte schon 1866 die deutsche Frauenwelt eine mächtige Begeisterung ergriffen und beseelt, 1870, als Louisens Sohn der Rächer seiner Mutter, deren edles Herz in Deutschlands tiefster Erniedrigung gebrochen wurde, verstärkte sich dieselbe noch beiweitem, wirtte nachhaltig fort und erinnerte in ihrer Opferwilligkeit an die Zeit der Befreiungskriege. Sein Volk sollte nun nach zwei so rasch auf einander folgenden Kriegen unter Gottes Beistand sich lange, lange der Segnungen des Friedens erfreuen, so es nur in seiner Macht stände, hatte Preußens greiser König sich gelobt; er wollte nun am Abende seines Lebens ausruhen, von harter, mühevoller Arbeit in Werken des Friedens, strebend für die Wohlfahrt seines Volkes. Einen Krebsschaden auszurotten, die Spielbanken aufzuheben, war eine längst beschlossene Sache. Die Saison in Wiesbaden stand auf ihrer Höhe; alle Nationen hatten wieder ihre Vertteter in das elegante Taunusbad gesandt. Nach Aufregung dürstende Lebemänner, auffallend gekleidete, dreist umherblickende Frauen drängten sich in Schaaren um die so verlockend winkenden grünen Tische der luxuriös ausgestatteten Spielsäle und seufzend erklang oft der Ausruf: „Zum letzten Male!" Mit der sich ihrem Ende nahenden Saison sollte das Spiel bestimmt aufgehoben werden, das Laster, dem so viel gefröhnt worden war, das so viele Opfer gefordert hatte, von denen die Fluthen des großen Weihers im Curgarten ebensoviel in ihrer stummen Sprache, in ihrem leisen Murmeln zu erzählen wußten, als die rauschenden Wipfel der alten herrlichen Bäume. Es war ein heißer Juli-Nachmittag, zwei kräftige stattliche Männer in leichte graue Touristenanzüge gekleidet, durch breitrandige Strohhüte vor den glühenden Strahlen, welche die Sonne herniedersenkte, geschützt, schritten auf tüchtige Bergstöcke sich stützend der griechischen Capelle zu. Wir finden in ihnen unsere Freunde wieder; Dr. .Seefeld erschien frischer und blühender als vor Jahren und für den Profeffor schien die Zeit nicht nur still gestanden, sondern wahrhaft verjüngend gewirtt zu haben. Die Freunde hatten die Sommerferien zu einer gemeinsamen Reise wahrgenommen. Die Familie des Professors hatte sich vor mehreren Monaten durch ein Töchterchen vermehrt; Frau Marie, welche heilige Pflichten an ihr Haus fesselten, gönnte nicht nur neidlos ihrem Manne die genußreiche Reise in der anregenden Gesellschaft Dr. Seefeld's, sondern ihrem Köpfchen war der Plan entsprungen, er möchte ihren Mann nach anstrengender Berufsthätigkeit zu dem gemeinsamen Ausfluge in die schöne weite Gotteswelt veranlaffen. Die Freunde hatten Thüringens gesegnete Gefilde durchstreift; waren in Weimar die Wege gewandelt, die unsere