Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 176 Dr. Vwch * VochenkchrM Nr. s in die israelitische Leichenhalle, sowie die rituellen Waschungen zum Leichenbegängniß traf; es könnten sich wohl viele größere israelitische Gemeinde» an diesem kleinen Vereinskörper ein Beispiel nehmen. Nicht ermangeln kann ich, auch das Vorgehen des Hotelier Herrn Franz I a m n e k, Pächter des Hotel „Kaiser von Oesterreich", hervorzuheben, ebenso des Herrn Cafetiers Herrn Madner, die dem Verstorbenen besondere Theilnahme entgegenbrachten. Die Firma Schmidt ignorirte die traurige Angelegenheit vollständig. K. B. Troppau, 20. Februar. Der hiesige jüdisch-literarische Verein hielt am 27. Dccember v. I. seine zweite Generalversammlung ab. Aus dem vom Schriftführer verlesenen Rechenschaftsberichte geht hervor, daß der ungefähr 100 Mitglieder zählende Verein im verflossenen Jahre mehrere gediegene Vorträge veranstaltete, die sich zahlreichen Besuches zu erfteuen hatten. So sprachen unter Anderen die Herren,: Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Moriz Eisler-Troppau, Dr. Gustav Karpeles-Berlin, Dr. Adolf Kohut-Berlin. Dem abtretenden Vereinsausschusse drückte die Versammlung den Dank aus und wurden folgende Herren neu-, beziehungsweise wiedergewählt: Dr. Eibuschitz, Obmann; Großhändler Kulka und Landesgerichtsrath Eckstein, Obmann-Stellvertreter; Finanzadjunct Oberländer und Holzhändler Eiescr, Schriftführer; Banquier Auczka, Eassier; Photograph Munk, Hausverweser; Zollamtsassistent Bachrach, Bibliothekar und Privatbeamter Groß, Zeitungsverweser. Zur Verstäickung des Ausschusses wurden die Herren: Oberlehrer Blatt, Spiegel, Koppel und Drexler berufen. lieber Antrag des Herrn Spiegel wurde Herr Obmann-Stellvertreter Kulka in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglieds ernannt. Zum Schlüsse wurden mehreren Spendern, insbesondere dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in Troppau der Dank votirt. Im neuen Vereinsjahre wurden auf Anregung des Schriftführers Herrn Oberländer Discussionsabende eingeführt; so referirte Herr Oberlehrer Blatt über das Drama „Das neue Ghetto", Herr Dr. Eibuschitz über die Steuerreform. Am l. d. M. hielt der in unserer ersten Jahresversammlung zum Ehrenmitglied ernannte Herr Dr. Blumenthal aus Ratibor einen ausgezeichneten Vortrag über das Thema „Weltliche Klänge aus der hebräischen Poesie". Sonntag den 13. d. M. sprach in unserem Vereine Herr Dr. Salomon Kulka aus Leipnik über „Moses und Lykurg" oder „Stabilität und Fortschritt". In gründlicher Weise erörterte der Vortragende den Stoff und bot den Zuhörem einen edlen geistigen Genuß. Sowohl Herr Dr. Blumenthal als auch Herr Dr Kulka waren so liebenswürdig, uns wieder Vorträge in Aussicht zu stellen, denen unsere Mitglieder mtt Freude entgegensehen. Rom. 27. Februar. Der Ministerrath übertrug dem Schatzminister L u z z a t t i interimistisch das Portefeuille der Posten und Telegraphen. Var Lochba (Epos). Von Jaroslav Vrchlicky. Uebersetzt von Dr. Josef Zaluv. BenAkiba: Vielleicht gesündigt haben wir und Er Will uns nicht kennen, doch wir keimen Ihn Und wollen fürderhin Ihn kennen stets! Die Tafeln Sinai's, waren die wohl Lug? Und David's Ruhm, war der vielleicht ein Traum? Die Größe Salomons nur Eitelkeit? Verbannung selbst nicht könnt' zertrümmern uns An Babel's Flüssen, nicht bezwang uns Titus, Wir sind ein kleines und bedrücktes Volk, Ein Hohn der Völker, sind jedoch ein Volk; Und leben, wenn auch Gott nichts wissen will Derzeit von uns. Und daß wir sind als Volk Und fühlen uns als auserwählt hiezu, Ist uns're Kraft und unser Sieg, Triumph. Die Kralle Eurer wilden Wölfin, die Mit chrer Brust bedeckt die halbe Welt, Komlt' nicht verhindern, daß wir athmen noch Und leben! Leugne dies, wenn Du es kannst! Rufus: Die Wölfin, welche Du verhöhnest jetzt, Erhob nicht ihre Kralle zum Zermalmen In Staub zu treten Euch, denn and'res Los Und and're Arbeit winkt' ihr anderwärts; Ihr seid zu klein doch, weiser Rabbi, daß Nach Euch erhöbe sie die Krall' von Stahl. Verfolget solch ein Unthier seinen Lauf Und schlinget gierig in sich Land auf Land, Was gilt ein Dorn Ihm, der durch Zufall fest Eindrinqt Ihm in die Klaue? Weiter rennt Das Thier und brüllt und schlingt und stampfet nieder, Was in den Weg Ihm kommt; den Dorn jedoch, Nachdem es sich gesättigt an Triumphen, Den leckt es nachher aus — dies Rom und Ihr BenAkiba! Ein Unthier sagtest Du, genug ist dies! Die Welt wird richten, bis wir beide schon In Staub verwesen, in Vergessenheit. Verzeih', daß ich Dir Deine Ruh' gestört Ihr wollt uns heut' verderben. Nun so thut's! Doch eines bleibt uns, Euch wohl nicht zum Lob, Daß wir des Lichtes Fackel dorthin trugen, Wo mit Gewalt Ihr herrschen wolltet nur! Dies Licht brennt in uns immerwährend fort, Denn ewig ist's, es stammt von Mosis Strauch! Nun sei der Red' genug! Ihr werdet jetzt Vielleicht geweihten Boden Zions pflügen Und dort begründen eine neue Stadt, Ob römisch oder griechisch, weiß nur Gott, Wo einst geherrschet hat die Stiftshütte, Vielleicht ein neues Babylon voll Schuld Und Lasten, Alles dies Ihr wahrlich könnt. Wie Unkraut man ausrodet, werdet Ihr Vielleicht ausrotten uns von jenem Ort, Wo einstens grünend blühte Arons Stab, Den Juden aber könnt Ihr nicht vernichten, Denn der ist ewig, ob er Ahasver, Ob Christus oder ganze Menschheit heißt ... Rufus: Nun geh' schon, Schwärmer! Nur Dem Alter ist's, Das augenblicklich Dich jetzt schirmend deckt . . . Ben A k i b a: Mein Alter? — Nein. Mein Schirm ist Gott allein! (Geht ab.) Rufus: Sv schwärmt' — der Greis — Theradion mag kommen! (Der Vorhang wird aufgerollt, Chanina ben Theradion tritt ein, schreitet nach vorne, verneigt sich und bleibt vor Rufus stehen). Rufus: Du bist Theradion? Theradion: Zu Diensten, Herr! Rufus: Was willst Du mir? Theradion: Was willst Du Herr von uns? Rufus: Ich will zerpflügen Euren Zionsberg, Wo einst der Tempel stand, will eine Stadt Ich gründen, Aelia Capitolina Soll heißen sie, zum Spott Euch, Warnungszeichen! Theradion: Das Alles willst Du? - Ist das klug, o Herr? Rufus: Was nennst Du klug, gelehrter Rabbi, sag? Theradion: Was möglich zu vollzieh'», berühmter Mann! Rufus: Und ich werd's nicht vollzieh'n? Theradion: Das kaum, o Herr! Rufus: Warum denn nicht, da Macht ich Hab' hiezu? Theradion: Nicht Alles ist die Macht. Auch Kraft Hab' ich! Rufus: Was ist denn mehr? Theradion: Kraft. Rufus: Theradion; Dies zu verhindern? Und wir auch haben sie! Rufus: Theradion: Nicht ich Hab' es gesagt!