Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 174 Vr. Vwch's WochrnMrM Nr. 9 halten, während sie in Bezug ans die criminelle unter den gewöhnlichen Gerichten stehen werde». Da nun in Zukunft auf der Insel nicht mehr wie bisher das Türkische, sondern das Griechische die Amts- und Gerichtssprache sein wird, so werden selbstverständlich auch die dortigen Juden nun gezwungen sein, sich das Griechische in Sprache und Schrift vollkommen eigen zu machen. Lodz, 20. Februar. Ueber die „Heldenthat eines I u d e h" wird der „Lodz.-Ztg." Folgendes aus S u ch e d n i e w (Gouv. Kielce) berichtet: „Als Gesprächsthema dient hier der Jude Sender Mühlstein, der, sein eigenes Leben riskirend, die elfjährige Tochter eines Gendarmerie - Unterofficiers der Station Suchedniew, Anastasia S ch u l j a j e w, vor dem Ertrinken in einem Teiche rettete. Das junge Mädchen war auf dem Wege von der Station Suchedniew nach dem Dorfe gleichen Namens, auf dem auf dieser Strecke liegenden Teiche durch's Eis gebrochen und dem Ertrinken nahe, da der Teich an dieser Stelle eine Tiefe von mehr als zwei Arschin hatte. Bon den am Ufer des Teiches versammelten Personen eilte nur allein der genannte Israelit der Ertrinkenden zu Hilfe, durchbrach das Eis, tauchte in's Wasser und brachte das kaum noch Lebenszeichen aufweisende Mädchen in Sicherheit, welches unter ärztlichem Beistand erst nach langen Bemühungen wieder zum Bewußtsein gebracht wurde. Da diese edle Handlungsweise des erwähnten Israeliten von zahlreichen Zeugen bestätigt wird, so hat die zuständige Behörde um die Verleihung der Rettungsmedaille für Sender Mühlstein ersucht/ Petersburg. In dem General W a n o w s k y, der kürzlich das Kriegsministerium niedergelegt hat, scheidet ein arger Judenfeind aus der russischen Regierung. Gleich nach seinem Amtsantritte schrieb er vor, die Zahl der jüdischen Militärärzte auf 6 Percent zu reduciren und da diese Zahl von 5 Percent für jeden einzelnen District festgestellt war, mußten sich viele jüdische Aerzte von ihren Heimatsdistricten nach Ost- Sibirien und Taschkent versetzen lassen. 1885 wurden die Juden aus der Militärakademie für Medicin ausgeschlossen, dann folgte die Ausweisung der Juden aus dem asiatischen Territorium, deren Regierung unter dem Kriegsministerium stand. Auch in dem Militärgebiet des Dun Tarsch und Kuban durfte seither kein Jude wohnen, obwohl der Senat dies Gesetz wiederholt für ungesetzlich erklärte. — In Minsk fand kürzlich eine TheaterauMhrung zum Besten der dortigen technischen Schule statt, und der Gouverneur wohnte dieser Festlichkeit bei, ja noch mehr, derselbe Prinz Troubetzkoy gab für die bei dieser Gelegenheit veranstaltete Lotterie ein Geschenk. Diese Schule wird übrigens von der Jewish Colonisation Association mit 2000 Rubel jährlich subventionirt und hat erst kürzlich 150 Rubel zur Vergrößerung ihrer Baulichkeiten erhalten. New-Uork, 18. Februar. An Altersschwäche — er war 1809 in Otterberg in der Rheinpfalz geboren — schied am Freitag den 14. v. M. im Hause seines Sohnes Isidor, Nr. 23 West 56. Sttaße. Herr Lazarus Straus, einer der bekanntesten Deutschen New-Aorks. Der „New-Iorker Herald" widmet ihm folgenden Nachruf: In Herrn Lazarus Straus, der gestern im Alter von 89 Jahren gestorben ist, hat New-Iork einen seiner geachtetsten Geschäftsmänner und besten Bürger verloren und die Angehörigen des Verstorbenen einen Vater, der ein Pattiarch im echten Sinn des Wortes war und zu dem alle Mitglieder seiner großen Familie als zu ihrem Haupte mit Verehrung hinaufschauten. Wenn je das alte Bibelwort sich bewährt hat, welches heißt: „des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser", so hat es sich hier bewährt — die drei Söhne des Verstorbenen sind hochgeachtete Bürger und Geschäftsleute und haben auch schon höhere politische Ehrenstellungen bekleidet — Herr Oscar Sttaus war Gesandter in der Türkei, Herr Nathan Sttaus ist jetzt Präsident der Gesundheitsbehörde von Groß-New-Iork und Herr Isidor Straus war Mitglied des Congreffes. Aber als sie schon in Amt und Würden waren, sind sie doch ihrem alten Vater gegenüber nie etwas Anderes gewesen als gehorsame Söhne, die seinen Rath einholten und seine Wünsche befolgten — und der Segen ihres Vaters ruht auf ihnen. Zu ihren schönsten Erinnerungen wird es stets gehören, daß sie sich auch noch als Männer jeden Freitag Abend, wenn sie hier waren, im Hause des Vaters versammelten und daß dann die Mahlzeit nach der Sitte der Väter mit dem orthodoxen hebräischen Tisch-Gebete eröffnet und geschloffen wurde. Auch in Amerika hat der katholische Bischof Martinelli eine sehr scharfe Erklärung gegen den französischen Antisemitismus den Journalen mittheilen lassen. Es heißt darin u. A.: „Wir sind von dem ungerechtfertigten Angriff auf den heiligen Vater und die Politik des Vaticans gegen die jüdische Race überrascht und verletzt« Es braucht keiner Erklärung von mir, um die Unrichtigkeit dieser Anschuldigungen zu widerlegen. Leo XIII. wird wegen seiner humanen Haltung gegen das jüdische Volk in den Annalen der Geschichte unsterblich verzeichnet sein. Nicht ganz vor einem Jahre, erließ er eine besondere Allocution, welche sich mit dem Unrecht befaßte, das Europa auf die Juden häufte. Ganz besonders empfahl er der römischen Kirche, ein solch unbarmherziges Vorgehen zu vermeiden und das einst von Gott auserwählte Volk in Güte und Milde in ihren Schoß zurückzuführen. Die Geschichte wird es beweisen, daß der Schatten des großen St. Peter - Doms seit langer- Zeit das einzige Ziel in Europa war, wo die Juden vor der Gewalt der tyrannischen Monarchen sicher waren. Von dem Fall Dreyfus kennen wir nur die bloßen Thatsachen, daß er von einem Kriegsgericht in Frankreich processirt und schuldig befunden wurde. Die später entstandenen antisemitischen Unruhen in Paris hatten ihren Ursprung, wenn wir nach den Preßberichten schließen, unter den Studenten des lateinischen Viertels, sicherlich kein Platz, wo man clericale Einflüsse suchen könnte." Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch-J s r a e l i t i s ch e U n i o n.) Samstag den 5. März d. I. findet im Restaurmit Khuner I., Schottenring 19, Abends halb 8 Uhr, eine Plenarversammlung dieses Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Herrn k. k. Baurathes und Gemeinderathes Wilhelm Stiaßny über Wienerisches. Jüdisches. 2. Mittheilungen des Vorstandes. 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Der Präsident der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herr kaiserlicher Rath K l i n g e r hat am 1. d. M. aus Gesundheitsrücksichten einen mehrwöchentlichen Urlaub angetreten und ist nach dem Süden gereist. Für die Zeit der Abwesenheit des Präsidenten hat der erste Vice-Präsident Herr Dr. Alfred Stern die Leitung der Amtsgeschäfte übernommen. Wien. (Trau u n g.) Sonntag den 6. März findet die Vermählung des Herrn Maximilian S a x mit Fräulein Valentine S e l i g m a n n, der Tochter des Herrn Friedrich Seligmann, Jnspector im k. k. Eisenbahn-Ministerium, im Tempel Wien, XV.', Tnrnergasse statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Martha L a n g, Tochter des Fabriksbesitzers Herrn Karl Lang, hat. sich mit Herrn Ernst H i r s ch, Fabriksbesitzer, Sohn des kaiserlichen Rathes Herrn MorizHi r s ch, verlobt. — Die Toa.ter des. Chordirigenten am israelitischen Tempel, Herrn Julius Hermann, Fräulein Bertha H e i m a n n, hat sich mit dem Architekten Herrn Anton Rotte nberg verlobt. Wien. (Ferienheim.) Anmeldungen für die Aufnahme in die Colonien des „Ferienheim" werden in der Zeit vom 1. März bis 31. Mai im Bureau des Vereines I., Schottenring 23, von 4—7 Uhr angenommen. Wien. Der israelitische Betbausverein Brigittenau veranstaltet D i e n st a g den 8. M ä r z l. I. im Ballsaale des Hotels „Bayerischer Hof", II., Taborstraße 39, zu Gunsten des Brigittenauer Tempelbaufondes ein Elite-Kränzchen. Die Musik besorgt die Capelle des k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 68, Freiherr von Reicher. Tanzarrangement: Singer. Anfang 9 Uhr. Soiräe-Toilette. Einzelkarte 1 fl. Familienkarte (4 Personen) 3 fl. Geldsendungen sind an den Cassier Herrn Jacob G o l d n e r, II., Klosterneuburgerstraße 34 zu richten. Für den Vereinsvorstand; Hermann Eltbogen, Obmann. Für das junge Herren-Comite: Berthold Kaiser, Obmann; Geza Schwarz, Sigmund Planer, Obmann-Stellvertreter; Dr. Heinrich Grün, Schriftführer; Richard .Karpfen, Schriftührer-Stellvertreter. Für den Ballausschuß: D. Spitz, Obmann; D. Pollatschek, Obmann-Stellvertreter; Dr. Max Weissenstein, Schriftführer; Dr. Ferdinand Lauser, Schriftführer- Stellvertreter. Wien. Montag, den 7. März 1898 veranstaltet der Brigittenauer Israelitische Unterstützungsverein, II., Klosterneuburgerstraße 10 sein Wohlthätigkeits-Costümkränzchen (ohne Eostümzwang) im neuerbauten Prachtsaale „Baierischer Hof", IL, Obere Augartenstraße.