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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-03-04 · 9 (4.3.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
9 (4.3.1898)
Date
1898-03-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 172 Vr. VLortz'» MochrnschrM iKr. 9 den öffentlichen Schulen in Böhmen zur Verfügung stehenden Stunden zu ermitteln und ein diesbezügliches Promemoria dem Landesschulrath zu unterbreiten. Endlich befaßte sich der Ausschuß mit der Frage, in welcher Weise das Regierungsjubiläum des Kaisers^ und wie das Vereinsjubiläum zu begehen sei. Krakau. Sonntag den 26. v. M. hat sich der hiesige neugewählte Cultusvorstand, der erste in Galizien, der auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1890 gewählt wurde, constituirt. Der Vorstand, der aus 30 Mitgliedern besteht, wählte fast einstimmig zu seinem Präsidenten den bisherigen Präsidenten Dr. Leon H o r o w i tz, zum I. Vicepräsidenten den bisherigen Vicepräsidenten Hirsch Landau und zum II. Vicepräsidenten den Handelskammerrath Max Ehrenpreis. Dem Präsidenten Dr. Leon Horowitz hat der Cultusvorstand einen längeren Urlaub bewilligt, für welche Zeit die Leitung der Cültusgemeinde der Vicepräsident übernimmt. Der Handelsminister hat die Wahl des Herrn Albert Mendelsburg zum Präsidenten der hiesigen Handelskammer bestätigt. Brüx. Unsere humanitären Vereine, die Beerdigungsbruderschaft und der israelitische Frauenverein, hielten Sonntag den 27. Februar ihre diesjährigen Generalversammlungen ab. Der hier herrschenden Sitte gemäß, geht denselben ein Festgottesdienst und eine Seelengedächtnißfeier voraus, welche heuer durch die vorzüglichen gesanglichen Leistungen des Chorvereins unter Leitung des Herrn Obercantors Lamm, sowie durch die formvollendete Gedächtnißrede Sr. Ehrwürdeu Herrn Dr. Biach einen besonderen feierlichen Eindruck auf alle Theilnehmer machte. Die Generalversammlungen fanden im Saale des Hotel Roß statt. Nach Begrüßung seitens der Vorstände, der Frau Friedericke Spitz und Herrn Ludwig Black, hielt Herr Dr. Biach einen beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: „Politischer oder religiöser Zionismus der sich gegen den ersteren und nur für den letzteren aussprach. Der von Obmanne der Bruderschaft vorgetragene Rechenschaftsbericht bot ein schönes Bild humanitären Wirkens. 1126 fl. wurden an Ortsarme vertheilt, während noch separat für fremde Arme eine eigene Stiftung besteht. Interessant ist, daß die Stadtgemeinde Brüx, deren jüdische Bevölkerung 4 Percent ausmacht/ an christliche Arme jährlich 8000 fl. auszahlt. Der Bericht enthielt " eine Huldigung für den Kaiser anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums. Die Cassa- und Revisionsberichte wurden genehmigt, woraus der Cultusvorsteher Herr Dr. Spitz in zündenden Worten die Wirksamkeit beider Vereine schilderte und diesen und insbesondere den Vorständen den Dank der Mitglieder 'ausdrückte. Nachdem über Antrag des Ausschusses Herr Dr. Spitz, sowie Se. Ehrwürden Herr Dr. Biach für die um die Bruderschaft erworbenen Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden, fand die Neuwahl — Wiederwahl! — der alten Ausschüsse und deren Präsidenten statt, worauf die Versammlung geschloffen wurde. Abends vereinigte eine Chevrasude an 70 Mitglieder. Der Herr Cultusvorsteher brachte ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Herr Dr. Biach toastirte auf die zwei Vereine und den Vorstand Herrn Black, sowie auf die neuernannten Ehrenmitglieder. Nun folgte Toast auf Toast, von denen der auf den verdienten Tempelvorsteher Herrn Moritz Federer erwähnt werden möge. Die Versammlungen als auch das Brudermahl boten ein Bild einer friedliebenden Gemeinde, von der der Cultusvorsteher mit Recht sagen konnte, es ist eine Mustergemeinde. Berlin. In hiesigen jüdischen Kreisen wird schon seit längerer Zeit die Thatsache besprochen, daß nächstens Publicationen aus dem Nachlasse von Michael Sachs zu erwarten sind. Eine Fülle von philologischem Material liegt hier schon seit Jahrzehnten aufgespeichert und David Kaufmann ist von den Kindern des unvergessenen und unvergeßlichen Mannes dazu ausersehen, diesen Schatz zu heben; er wird auch ein Lebensbild dieses herrlichen Predigers und gediegenen Gelehrten entwerfen. Merkwürdigerweise finden sich im Sachs'schen Nachlasse keine Predigten; es wird berichtet, daß Michael Sachs nur in Prag Predigten ausgezeichnet hat, dagegen find aus seiner Berliner Zeit überhaupt keine Predigtmanuscripte vorhanden. Andererseits war vor Jahren in einem jüdischen Blatte erzählt worden, daß Michael Sachs noch in Berlin die Gewohnheit hatte, sehr lant seine Predigten zu memoriren. Dies war auf die Mittheilung zurückgeführt worden, die ein längst verstorbener Sohn, Theodor Sachs, einst seinem Religionslehrer, einem jetzt noch lebenden, sehr würdigen und gebildeten Cantor gemacht hat. Dies sehr laute Memoriren war dann auf's Energischeste von den lebenden Nachkommen Sachs bestritten worden. Erfurt, 17. Februar. Die in Weimar erscheinende Zeitung „Deutschland" brachte in ihrer vorgestrigen Nummer folgende Mittheilung: Heute Morgen verstarb Frau Witwe Bankier Cäcilie Callmann geborene Hirschberg. Als Tochter eines Buchhändlers in Bromberg 1824 geboren, heiratete sie im Jahre 1847 den 1869 verstorbenen Bankier August Callmann. Schon im Kriegsjahre 1866 hatte sie sich als e ch t e P a t r i o t i n ausgezeichnet und ganze Compagnien preußischer Landwehr, welche am Ettersberg um Weimar auf Vorposten lagen, aus eigenen Mitteln mit Nahrung rc. versorgt. Eine größere Thätigkeit entfaltete sie in den Kriegsjahren 1870/71. Ihr Haus am Markt bildete eine große freiwillige Arbeitsstätte für Verbandartikel und Unterzeug der Truppen im Felde. Aus allen Straßen der Stadt kamen die Damen, alt und jung, herbei, zu helfen und unter ihrer Anordnung zu arbeiten. Viele Nähmaschinen gingen Tag und Nacht, und im kleinen Garten saßen Kinder, Charpie zu zupfen. Wer etwas übrig hatte, brachte es zu Frau Callmann, dort wurde alles noch verarbeitet, alles für die Braven im Felde hergerichtet, und allwöchentlich gingen viele große Kisten fertiger Maaren an das Bezirkscommando zur Weiterbeförderung in Feindesland. Das waren die Thaten, mit denen die biedere Frau an die Oeffentlichkeit trat. Ihrem Rufe folgten gern Weimars Bürgerinnen zu neuer Arbeit. Gar manche Thräne verschämter Armen linderte sie im Stillen, keine Bitte ging unerhört an ihrem Obre vorüber. Neben reichen Auszeichnungen vom verstorbenen Kaiser Wilhelm und der Kaiserin A u g u st a, von unserem Großherzog und der hochseligen Frau Großherzogin, auf welche sie in den letzten Tagen mit großer Freude zurückblickte — ihre Schulter zierte das eiserne Kreuz für Frauen und Jungfrauen, der großherzoglich sächsische Verdienst-Orden für ruhmreiche Thätigkeit im Kriege und die Kriegsmedaille von 1870/71 — ist ihr auch mancher schwere Schicksalsschlag nicht erspart geblieben. Ein langes Leiden erlöste ihr irdisches Sein im 74. Lebensjahre. Möge sie sanft schlummern!" Mainz, 19. Februar. Ein Leser der „Frankfurter Zeitung" theilt derselben aus einer Entschließung der Curf. Mainzischen Landesregierung vom 27. September 1784 (gez. Freiherr v. Franken st ein) folgenden Passus mit, der zu einem sehr betrübenden Vergleich zwischen Einst und Jetzt Anlaß gibt: „Se. Curf. Gnaden bestätigen daher ganz vorzüglich die §§ 9, 11 und 12 des besagten Generalrescripts und befehlen gnädigst, daß die Judenkinder an Schulgeld in keinem Falle mehr bezahlen sollen als die christliche Schuljugend, worauf die Lehrer insonderheit zu sehen hätten, den jüdischen Schulkindern ja nicht mit Verachtung, sondern mit gleicher Rücksicht begegnen, und daß beide die jüdische Jugend vorzüglich liebreich behandeln sollen. Gleichwie auch Höchstgedachte Se. Curf. Gnaden die eigene Absicht haben, daß die Juden zu ihrer eigenen Glückseligkeit gebildet werden sollen, keineswegs aber jene, der Gewissensfreiheit derselben den mindesten Zwang anzulegen: also genehmigen Höchstdieselben nicht minder, daß nach dem Sittlichen Anträge der Judenschaft für das ober Erzstift in Aschaffenburg nämlich, und in Buchen in Absicht der Religion zween Judenlehrer mit einem jährlichen Gehalte von 200 fl. angestellt werden." Mainz, 23. Februar. (Der Geschäftsantisemitismus.) Ein eigenartiger Proceß wird demnächst hier verhandelt werden. Der Möbelhändler Hahn, der längere Zeit Vorsitzender des antisemitischen Reformvereins war, klagt gegen diesen auf Entschädigung, weil er durch seine antisemitische Thätigkeit in seinem Geschäft schwer geschädigt worden sei, und man ihm seinerzeit reichlichen Ersatz bei eventuellen Geschäftsschäden versprochen habe. Dieses Versprechen sei seitens des Vereins nicht gehalten worden, weshalb Hahn durch einen Rechtsanwalt Klage erhoben hat. — Die Concurrenz ist jetzt auch im Geschäftsantisemitismus zu groß. London. (Die größte Schule d er Welt) ist die jüdische Schule in Whitechapel. Sie zählt 3500 Schulkinder und besitzt 100 Lehrer. Die Kinder recrutiren sich aus den allerärmsten jüdischen Familien des Ostendes. Die segensreiche Anstalt könnte sich-nicht halten, wenn nicht Lord Rothschild, der mit Recht stolz auf seinen Pflegling ist, ihr nicht so reiche

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