Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Str. 9 Vr. Bloch's WochrnschrM. Seite 171 „Besetzung der Rabbinerstelle für die Gemeindebezirke XVI. und XVII." Ueber Antrag der I. Section werden im Sinne des § 41 des Statutes Vertrauensmänner aus der Mitte der Gemeinde unter voller Rücksichtnahme auf die den verschiedenen rituellen Richtungen angehörenden Bethausvereine nominirt und soll zunächst das gesammte Aktenmateriale den Vertrauensmännern vorgelegt werden. Sohin folgt die Erledigung mehrerer Personalien. (Schluß der Sitzung 1 Uhr Mittag.) - Wien, 1. März. Im Tempel der Seitenstettengasse wurde gestern das alljährlich am Vorabende des Todestages Moses' stattfindende Requiem für die verstorbenen Mitglieder der Chewra-Kadischa abgehalten, das in dem dem Anlasse entsprechend schwarz drapirten Gotteshause zahlreiche Vereinsgenossen und auch außerhalb derselben Stehende versammelte. Nachdem Obercantor Singer den Psalm 49 vorgetragen, hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Gedenkrede, worauf mit dem Absingen des 16. Psalmes die Feier beendet ward. In unmittelbarem Anschluß hieran wurde der vom Bicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern zum Andenken an seinen im Vorjahre verschiedenen Bruder veranlaßte Trauergottesdieust abgehalten, welcher sich durch eine neue, sehr stimmungsvolle Composition des Neffen des Veranstalters, Oscar Strauß, bemerkbar machte. Eimole rachamin, vom Chorpersonale unter der Leitung Professor S u l z e r's stimmungsvoll wiedergegeben, machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Den beiden Trauerfeierlichkeiten wohnten an: Der Präses der Cultusgemeinde kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r mit dem Vicepräsidenten D r. Stern und den Vorstandsmitgliedern Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Architekt Max Fleischer, Baurath Theodor von Goldschmidt, Josef Hieldburghäusser, kaiserl. Rath Moriz Hirsch, Arthur von Mises, Dr. Marcus Spitzer, Dr. Heinrich S t e g e r und Dr. Maximilian Steine r, die Bethausvorsteher Jacob Moor, Salomon Kohn berge r, Adolf S t i a ß n y und Masse rvogl, der Gesammtvorstand der C h e w r a - K a d i s ch a, die Herren Dr. Felix K a tz a u und Dr. W a h r m a n n von der Allianz, der Vorsteher der Armenanstalt Josef Jelinek, der Secretär- Stellvertreter Dr. Emil Adler und viele Andächtige. Wien. (Wohlthätigkeits-Verein „Frauenhort", IX., Müllnergasse 21.) Bor uns liegt der fünfte Jahresbericht dieses Vereines. Eine gleich auf dem ersten Blatte zusammengestellte kleine Tabelle veranschaulicht in übersichtlicher Weise die Thätigkeit des Vereines im zurückgelegten ersten Lustrum. Wir veröffentlichen hiemit diese Tabelle als den besten Beweis für das humane Wirken des „Frauenhort". Zahl der Mitglieder Zahl der Zahl der Für Ankauf Gesammt- Jahr bekleideten Curvon summe d. Un¬ Schulkinder schützlinge Mazzoth terstützungen 1893 389 80 — — fl. 1.471.— 1894 444 120 3 fl. 183.- „ 3.398.- 1895 546 156 7 „ 301.- „ 5.906.— 1896 550 164 9 „ 333.— „ 5.986.— 1897 647 170 17 „ 394.- „ 6.527.— Der Verein hat also während seines fünfjährigen Bestandes 23.288 fl. für obgenannte Zwecke und für sonstige Unterstützungen verausgabt. Diese Ziffern bedürfen keines weiteren Commentars, und es ist nicht zu verwundern, daß diese vielseitige und menschenfreundliche Thätigkeit des „Frauenhort" in weitesten Kreisen Anerkennung und Förderung findet, wie es der Bericht weiter ausführt. Derselbe schließt mit den Worten: „Möge es unserem Vereine beschicken sein, in ebenso erfreulicher, von Jahr zu Jahr aufsteigender Bewegung wie bisher zum Wohle der Armen fortzuwirken". Wir und mit uns alle Menschenfreunde schließen uns diesem Wunsche hiemit an. Wien. (Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) Für den Discussionsabend am 21. v. M. waren zur Debatte gestellt: Die Affaire Zola und die Wiener Gasbeleuchtungsfrage. Der ehemalige Gemeinderath Frauenberger erklärt, daß es der jetzigen im Rathhause herrschenden Partei keineswegs darum zu thun gewesen sei, die Stadt mit billigem Gas zu versorgen und der Gemeinde eine Einnahmsquelle zu sichern. So -sehen wir denn in der Reichshauptstadt für die nächsten Jahre einer sehr ungünstigen Gestaltung in Bezug auf Straßenleben und Beleuchtung entgegen, welche die Stadt Wien einzig und allein der antisemitischen Wirthschaft im Rathhause zu verdanken hat. Nach der glänzenden, mit großem Beifalle aufgenommenen Rede entspann sich eine Debatte, au welcher Reichsrathsabgeordneter Hofrath K a r e i s, Gemeinderath Tagleicht, Ingenieur Bradicich, die Redacteure Balduin Groller nud Robert Wolf theilnahmen. Ueber Anregung eines Redners, Herrn Neu mann, wurde beschlossen, die Rede des Vortragenden drucken zu lassen, damit dieselbe in den weitesten Kreisen bekannt werde. Hierauf wurde von Frau Morgenstern zum Proceß Zola Stellung genommen und ein Zustimmungstelegramm an Zola zur Verlesung gebracht. Der Präsident des Vereines, Freiherr von S u t t n e r, forderte hierauf die Versammlung auf, sich zahlreich an der zu Ehren Dr. Kronawetter's stattfindenden Festfeier zu betheiligen und brachte zur Kenntniß, daß im März abermals eine Vereins-Versammlung u. z. mit einer Declamation Faelberg's stattfinden werde. Mit den Schlußworten des Vorsitzenden Herrn Ingenieur Engel schloß die Versammlung nach Mitternacht. Preßburg. (U n i t a s). Im Rahmen eines zwei Abende umfassenden Vortrages besprach der Präses Dr. Joses L ö w y fortsetzungsweise „Die Geschichte der Juden in Spanien". Ein Thema also, das nicht nur vom confessionellen Standpunkte aus, sondern in Folge seines ursächlichen Zusammenhanges mit der Inquisition, von vornherein auf das Interesse weitester Kreise rechnen konnte. Durch die parallel dem Hauptthema gelieferte Beleuchtung der damals auf dem Zenithe ihrer Laufbahn stehenden Mauren, ihrer cnlturellen Bedeutung, erhöhte er das Berständniß für jene noch im Ganzen dunkle Epoche der Weltgeschichte, wofür ihm auch der aufrichtigste Dank sämmtlicher Zuhörer gebührte und abgestattet wurde. In seinem am 26. d. M. abgehaltenen, „Preßburger Eindrücke" sich betitelnden Vortrage versuchte Schreiber dieser Zeilen in Kürze einen culturhistorischen Rückblick auf die Entwicklung der hiesigen socialen Verhältniffe zu liefern. Bei besonderer Berücksichtigung der Geschichte der einst so ruhmreichen hiesigen jüdischen Gemeinde bot sich willkommener Anlaß, über die dermalige Unhaltbarkeit und sociale Zerfahrenheit zu reden, woran sich die vom Ausschußmitgliede Herrn Jalowetz in Gang gebrachte Discussion über die Art und Weise, w i e man in dieser Hinsicht calmirend wirken könnte und sollte, anschloß. Gespannt lauschten die Anwesenden den gediegenen Auseinandersetzungen der Herren Naß, Berger, Ehrenthal, Dr. L ö w y und D uschinszky, die auf verschiedenste Weise diesem Erbübel beizukommen wünschen. Nachdem man noch die Stabilisirung derartiger Discussionsabende aussprach, wurde die feierliche Begehung der Jahreswende des Freiheitstages, 15. März, mit patriotischer Einmüthigkeit beschlossen. Dr. Heinrich P a ch. Jungbunzlau. Der Wachslichter-Fabrikant und k. k. Hoflieferant Fr. Sezemsky in Jungbunzlau sendet uns mit Bezug auf eine in Nummer 5 der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienene Correspondenz eine „Berichtigung", in welcher er leugnet, zu den Hauptanstiftern und Rädelsführern der antisemitischen Decemberexcesse gehört zu haben. Die antisemitische Gesinnung des Herrn Fr. Sezemsky wird aber bestätigt durch eine „Verwahrung", die er selbst in ein Jungbunzlauer Blättchen einrücken ließ, in welcher er von „dreisten jüdischen Lügen", „neidischer jüdischer Concurrenz" und von seinen „Feinden jüdischer Religion" spricht. Damit ist die Sache für uns erledigt. Prag. Wie bekannt, wurde der c z e ch i s ch - a n t i s emitische Verein „Närodni obrana", welcher an der Spitze der Svuj k svemu-Agitation stand, jüngst behördlich ausgelöst. An dessen Stelle sollte nunmehr ein neuer Verein „6ö8koslovanskä Obrana" treten, dessen Statuten mit denen des aufgelösten Vereines vollkommen gleichlautend sein sollten; nur sollte sich die Thätigkeit des neuen Vereines auf alle Länder der böhmischen Krone erstrecken. Nach einer Mittheiluug der „^är-E. " wurde indeß die Bildung des neuen Vereines vom Ministerium des Innern verboten. Prag. (Israelitischer L a n d e s l e h r e r v e r e i n in Böhmen.) In der letzten Ausschußsitzung kam die Berathung darüber, wie den betreffs des israelitischen Religionsunterrichtes an den Volks- und Bürgerschulen Böhmens bestehenden Uebelständen abzuhelsen sei, zur Verhandlung. Ueber Anrathen eines in diesen Angelegenheiten trefflich versirten Experten wnrde beschlossen, durch Fragebogen die Anzahl der an