Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 170 Vr. Vloch's WocheMchrM Nr. 9 selbst und weiß nicht wie. Bei all seinem Aufwand von Entrüstung fehlt ihm doch die echte Innerlichkeit, fehlt ihm das Berständniß für die Tragik des deutschen modernen Juden, der mit allen Fasern seines Wesens im deutschen Boden wurzelt, aus deutscher Bildung und Gesittung hervorgegangen ist und fich von der Gemeinschaft mit den anderen Deutschen mitunter ausgeschlossen sieht durch die Schuld einer Minderheit. Er versteht nicht jenen Schmerz, dem so ergreifend Berthold Auerbach einmal in einem Briefe Ausdruck gegeben hat. Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Es ist aus so überreizten Zuständen hervorgegangen, es ist so wenig künstlerisch nnd so heftig agitatorisch gedacht, daß diesem Stück jeder wärmere Reiz fehlt. Man hat gestern Abends im Thaliatheater demonstrirt. Zu Gunsten Herzl's, zu Gunsten seiner schiefen Anschauungen, der schiefen Welt, die er sich vorstellt. Es war, als wären die Demonstrirenden verblendet. Die Urtheile der Wiener Presse über das geistig kleine Drama Herzl's sind uns unverständlich geblieben, seit wir das Drama selbst kennen gelernt haben. Die Voraussetzungen, auf denen es aufgebaut ist, sind schief und die Folgerungen, die daraus gezogen werden, sind ungerecht Kein Mensch darf nur verlangen und nichts gewähren. Alle Humanität ist auf dem Grunde der Rücksicht und Duldsamkeit erwachsen; und der Unduldsamste in der ganzen Gesellschaft des „Neuen Ghetto" ist der idealisirte Jude Dr. Samuel. Seine Unduldsamkeit ist von der Art, wie sie verbissene Leute an sich haben. So donquixotisch wird ein Mann nicht, dessen berechtigtes Selbstbewußtsein erschüttert wurde, so überreizt wird nur Jemand, dessen Werthgefühl krankhaft gesteigert ist. Er verlangt von seinen: christlichen Freunde, daß er nicht blos ihm selbst, sondern der ekelhaften Sippe, mit der er verschwägert ist, volle äußere Ehren zolle. Das heißt ja einen Geßlerhut aufrichten! Dr. Wurzlechner hat sich an den Eltern des Dr. Samuel jahrelang nicht gestoßen, weil sie ehrbare Leute waren. Mit räuberischen Elementen verträgt sich weder sein ästhetischer, noch sein moralischer Simu Ist Dr. Samuel der Mann, der er zu sein vorgibt, dann müßte sein Feingefühl sich ebenso gegen die Wasierstein und Rheinberg empört haben. Man kann viel entschuldigen und Alles begreifen, aber den Schmutz braucht man nicht zu seinem Hausgenossen zu machen. Dr. Samuel hält dem ruinirten Baron Schramm eine Pauke und versetzt ihm einen Faustschlag und vergißt, daß an dem Unheil, das über die Grubenarbeiter des Barons hereingebrochen ist, die gewissenlose Hyäne Rheinberg zumindest schwer mitschuldig ist. Der sentimentalische Socialismus der Wiener Volksstückdichter! Correspondenzen. Wien. (Sitzung des Vorstandes der israelitischen Eultusgemeinde am 27. Februar 1898, unter Vorsitz des Präsidenten kais. RathKlinger. Beginn der Sitzung 10 Uhr Vormittags.) Mit einer Zuschrift vom 20. Februar 1898 übersendet Frau Charlotte Kling er als ihren Beitrag zum Baue eines Siechenhauses der Wiener israelitischen Eultusgemeinde tausend Kronen österreichischer Rente, was mit lebhaftem Beifalle dankend zur Kenntniß genommen wird. Weitere Spenden zum Baue eines Siechenhauses der Wiener israelitischen Eultusgemeinde, sind eingelaufen: von Herrn Jacob Kann 50 fl.; „Anonym" durch Vertreter Herrn Taussig 8 fl.; von Frau Dr. Theodor Lieben 10 fl. Herr erster Vice-Prästdent Dr. Stern übermittelt den Betrag von 1200 fl. ö. W. österreichischer Investitions-Rente sammt Zinsen seit 1. Februar 1897, mit der Widmung, daß alljährlich am Vorabende des Todestages seines Bruders, des verewigten Herrn Julius Stern, 7. Adar, im Stadttempel eine Seelenandacht abgehalten werde. Herr Leopold Simon übersendet anläßlich des Sterbetages seines Vaters, des verewigten Präsidenten der israelitischen Eultusgemeinde Gustav Simon, 200Kronen ungarischer Rente, als Spende für den Fond des israelitischen Altersversorgungshauses. Anläßlich dieser Mittheilung wird beschlossen, im Sinne der Intentionen der Familie des Verewigten, ein von Herrn Leopold Siruon gewidmetes Porträt seines verewigten Vaters, im Altersversorgungshause, dessen Förderung dem Verewigten stets am Herzen gelegen war, entsprechend unterzubringen. Frau Regine Hirsch übermittelt als Spende 200 fl. für das Mädchen-Waisenhaus. Von der Familie Gustav Ritter v. Leon wurden dem Präsidium anläßlich des Ablebens des Herrn Gustav Ritter v. Leon 500 fl. ö. W. übermittelt, welche entsprechend der Widmung im Wege der Wohlthätigkeits-Section an Arme zur Bertheilung gelangten. Frau Jda Figdor spendet zur Ergänzung der Jda und Nathan Figdor'schen Wöchnerinnenstiftung 200 fl. ö. W. Papier- Rente. Herr Bernhard Hirsch übersendet anläßlich der Vermählung seiner Tochter 200 fl. ö. W. mit der Bestimmung, hievon dem Altersversorgungshause, der Armenanstalt der israelitischen Eultusgemeinde, dem Frauenvereine im IX. Bezirk und dem israelitischen Handwerkervereine je 50 fl. ö. W. zuzuwenden. Von Herrn Leopold L ö w y I., Wollzeile 9, ist ein Schreiben eingelaufen, iit welchem sich derselbe bereit erklärt, anläßlich der Verheiratung seines Sohnes Alfred Löwy einen Betrag von 6000 fl. ö. W. zur Creiruug eines Stiftplatzes im Versorgungshause, welcher den Namen „Leopold und Hermine Löwy" zu tragen hätte, widmen zu wollen. Die Widmung wird mit lebhaftem Danke angenommen. Herr Franz Fischer übersendet anläßlich einer unentgeltlich besorgten Bestattung eures Glaubensgenossen, namens dessen Angehörigen den Betrag von 40 fl. ö. W. Frau Sigmund Stern übermittelt für den israelitischen Waisenverein und für die Chewra-Kadischa je 5 fl. ö. W. Herr Heinrich Pollak .für Arme 1 fl. Sämmtlichen Spendern wird der Dank votirt. Bon Frau Charlotte Klinger ist ein Schreiben eingelangt, in welchem sich dieselbe zur Annahme des ihr vom Vorstande einhellig übertragenen Ehrenamtes einer Aufsichts - Dame im Curatorium der Königsberg'schen Mädchen - Erziehungsanstalt bereit erklärt, was beifällig begrüßt wird. Oie Mittheilung der behördlichen Genehmigung des Statutes des allgemeinen österreichisch - israelitischen Bundes wird zur Kenntniss genommen und zunächst die Verständigung an sämmtliche Proponenten unter Uebersendung der zu vervielfältigenden Statuten beschlossen. Der Präsident theilt mit, daß er im Vereine mit einer größeren Anzahl von Mitgliedern des Vorstandes über Einladung der Gesellschaft zur Sammlung jüdischer Denkmäler das in der Rathhausstraße 13 befindliche Museum derselben besichtigt habe, wobei Herr Baurath W. Stiaßny als Obmann der Gesellschaft, in Gegenwart der Curatoriumsmitglieder Ritter von Sonnenthal, Oberbaurath Taussig und Professor Politzer eine Begrüßungsansprache hielt, welche der Präsident mit dem Hinweise darauf erwiderte, daß der Vorstand der jungen, unter bester Leitung befindlichen Institution die wärmste Sympathie entgegenbringe und immer bereit sein werde, ihre Ziele zu fördern. Der Präsident erklärt, es gereiche ihm zur angenehmen Befriedigung, mittheilen zu können, daß das Museum bereits derzeit eine reichhaltige Sammlung sehenswerther und seltener Objecte aufweise, die Localitäten seien durchaus entsprechende und bieten auch ausreichenden Schutz rücksichtlich der Aufbewahrung. Oes Weiteren spricht der Präsident aus Anlass einer in der letzterschienenen Nummer der »Oesterreichischen Wochenschrift« enthaltenen Anfrage, rücksichtlich des Vorganges bei zwei dort bezeichneten Leichenbegängnissen die Erwartung aus, dass die Obmannschaft der Friedhof-Section es gewiss nicht unterlassen werde, die Angelegenheit einer Prüfung zu unterziehen. Der Vorstand Hat sich in Folge der ihm zur Anzeige gelangten Nothlage von Schulkindern im ll. Bezirke veranlaßt gesehen, an die Schulleitung, ll., Karajangasse 14 für israelitische Kinder 1000 Speisemarken und 1500 Brotmarken der Volksküche zu übersenden, wofür die Schulleitung ihren Dank ausspricht. Seitens des Religionslehrers Emil Fränkel ist eine Zuschrift, betreffend die leihweise Ueberlassung von Gegenständen aus dem Nachlasse des verewigten Professors Sulzer, au das jüdische Museum eingelaufen. Die Zuschrift, welche manches Interessante aus dem Leben des verewigten Meisters in Erinnerung ruft, gelangt vollinhaltlich zur Verlesung. Ueber Antrag des Vertreter-Collegiums wird dem Bethausvereine „Schomer Israel" nachträglich pro 1897 die Auszahlung der Subvention per fl. 150 bewilligt. Ueber Antrag des Herrn Dr. Spitzer wird der Statuten- Entwurf für den Bethausverein „II., Gr. Schiffgasse 8" einstimmig genehmigt «