Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 166 Vr. Vlmtz's Wochrnkchrtfl Sir. 9 la bagage pour voir äs pres la belle Kranes antisemitique. Le Monsieur de Tailleur sera aussi avec, le grand tailleur de juifs. II veut aller a la cliasse des citoyens israelitiques et nous esperons que vous ehasserez, Kleine Entgleisung! Thut nichts! Aussi viendra le Monsieur de Gringoire membre du jour du riebe (Reichstag!) — jour de la terre — (Landtag!) etconseiller brutal — (Gemeinderath?) Name sehr unleserlich, kann ebenso gut Gregoire heißen. — komme serpent, grand ami des maitres et des maitresses — großer Freund der Lehrer und Lehrerinnen! — qui boit de l’eau de Soda pour Conservation de sa sante dans les closets separes — zur Erhaltung seiner Gesundheit, das übersetzt der Unglücksmensch auch wortwörtlich ins Französische! Mais avant le tous voyagera le grand Docteur Menteur. — Docteur Menteur?? Das wissen wir wirklich selber nicht, wer das sein soll. Falls ein freundlicher Leser es herausbrmgt, erbitten wir sofortige Nachricht und Aufklärung. De cker docteur Menteur visitera la Paris pour donner sa main et baiser a son digne confrere Mr. le Drumont. Vous pouvez preparer grandes festivites. Nous voulons boire Annuaire — doch nicht- Heuriger? Um Himmelswillen! — Nous sifflerons et nous pacherons (??) nous aimons la Hetz et le G’stanz. Vous pouvez faire grande Illumination du canal panamiste quand nous serons ala Paris. Ca fera beaucoup de joie a Mr. le notre eher Docteur Menteur. Et aussi vous pouvez tirer dehors toutes les rues — Straßenaufreißen — aha! — pour oter les Söhren du gaz, ce que nous faisons toujours a Vienne quans les Messieurs etranges vient ici visite faire. Nous conspuons tous avec plaisir cet animal Canaille! A la Seine avec Louis! La Mord au concitoyens juifs!-“ Hier bricht leider das interessante Schriftstück unvermuthet ab. Ob es abgesendet, ob es von Strobach, Neumayer, Gregorig und Complicen unterzeichnet worden, das vermögen wir leider nicht mit Bestimmtheit zu behauptenwir haben aber ausreichende Gründe dafür, es mit einiger Sicherheit — zu vermuthen. Johann Jacob Wendehals. Vom Jahrmarkt des Lebens. Zweiter Vortrag im „Politischen Volksverein". „Friedrich der Große und Kaiser Josef ll. in ihren Beziehungen zum Judenthum." Der diesjährige Vortragscyclus des Politischen Volksvereines fesselt dauernd das allgemeine Interesse. Nach dem trefflichen Vortrage des Herrn Dr. Rippner, welcher vor etwa vierzehn Tagen den Cyclus eröffnete, war es heute dem Literaten und Schriftsteller Dr. Adolf Kohut aus Berlin gegönnt, mit seinem vorstehend bezeichneten Vortrage nahezu eineinhalb Stunden hindurch die sich stets steigende Aufmerksamkeit und Spannung eines überaus zahlreichen und gebildeten Publicums festzuhalten, welches den Saal und die Galerie des Festsaales des Jngenieur- und Architektenvereines bis auf das letzte Plätzchen füllte. Zunächst begrüßte der Bereinspräsident Herr Dr. Fialla die distinguirte Zuhörerschaft mit folgender Ansprache: „Hochverehrte Versammlung! Als dem Präsidenten des Politischen Volksvereines, welch Letzterer den diesjährigen Vortragscycllrs veranstaltet, obliegt mir die freudige Aufgabe, Ihnen den verbindlichsten Dank dafür auszusprechen, haß sie nunmehr das zweite Mal unserer Einladung so bereitwillig Folge zu leisten die Güte hatten. Ihr zahlreiches Erscheinen, geehrte Damen und Herren, ist uus der willkommene Beweis, daß unser Bestreben. Sie allmälig mtt den geistig hervorragenden, zeitgenössischen Persönlichkeiten unseres Stammes bekannt zu machen und diese selbst durch persönlichen Contact uns näher zu bringen, sympathischer, verständnißvoller Auffassung in weiten Kreisen begegnet. Wir glauben überdies, in derlei gesinnungsverwandten Bereinigungen ein wirksames Mittel erblicken zu dürfen, durch welches unser Stqmmesgefühl gestärkt, unser Interesse an der gemeinsamen Lage belebt und unsere Hoffnung auf den Sieg der Gerechtigkeit befestigt wird. (Lebhafte Zustimmung.) Mögen daher die historischen Rückblicke in die Vergangenheit, denen wir letzthin folgten und die heute entwickelt werden, zugleich eine Leuchte in die Zukunft entzünden, die uns wieder den Tag, das sieghafte Licht erschließen muß. So gestatte ich mir denn, die verehrten Mitglieder und Gäste des Politischen Volksvereines freundlichst zu begrüßen und willkommen zu heißen, lade Sie Alle zugleich herzlichst zu unserer nächsten, am 9. März in diesem Saale stattfindenden Versammlung, in welcher ein hervorragender Vertreter der philosophischen Forschung das Problem des Judenthums selbst unserer Erkenntniß näher zu bringen suchen wird, und bitte unseren heutigen Gast, den rühmlichst bekannten Schriststeller und Kämpfer im Streite des Tages, das Wort zur Abhaltung seines Vortrages zu ergreifen." Der rauschende, einen Gegendank des Publicums ausdrückendx Applaus, welcher dieser Ansprache folgte, empfing zugleich den Gastredner, welcher sofort einer sympathischen Stimmung feines Auditoriums begegnete und den geschickt vorbereiteten Contact mit demselben festzuhalten verstand. Dr. Kohut wirft zuerst einen historischen Rückblick auf die Lage der Juden sowohl in Preußen, wie in Oesterreich im XVI11. Jahrhunderte und zeigt den allmählichen Durchbruch der Humanitäts-Idee nicht blos bei den Philanthropen und freisinnigen Männern, sondern auch bei Kaiser und Fürsten. Speciell beschäftigt er sich mit Friedrich dem Großen und Josef 11., indem er deren politische und humanitäre Anschauungen kennzeichnet. Nachdem er die politischen und moralischen Verfolgungen, denen das Judenthum 18 Jahrhunderte hindurch ausgesetzt war, beleuchtet hatte, erörtert er in eingehender Weise die Stellung Friedrichs des Großen zum Judenthum, indem er dessen Gesetze und Verfügungen in dieser Beziehung anführt und besonders betont, daß dieser Preußenkönig sich hauptsächlich von der Opportunitätspolitik und von finanziellen Gesichtspunkten'habe leiten lassen. Er bringt einige sehr amüsante und charakteristische Anekdoten aus dem Leben Friedrichs 11. vor, ebenso citirt er Auszüge aus drastisch - lakonischen Marginalbemerkungen desselben. In begeisterter Weise schildert er hierauf die Welt- und Lebensanschauung Josef II., seine epochemachenden und siegreichen Toleranzideen und weist nach, daß er der erste euro-päische Monarch war, der in entschiedenster und humanster Weise für die Judeneintrat und die österreichische Gesetzgebung in dieser Beziehung mächtig beeinflußte. Er beleuchtet auch die Anschauung Josef II. über die biblische Literatur, den Talmud, die Taufe, die Proselytenmacherei und die Armenpflege. Auch hier bringt er eine Fülle bisher wenig oder gar nicht bekannter Anekdoten und Charakterzüge aus dem Leben des edlen Monarchen. Zum Schluffe wirft er einen Streifblick auf die unmittelbare Gegenwart, welche vielfach die Ideale der Vergangenheit verleugnet und die Errungenschaften ethischer Natur des XVlll. Jahrhunderts in Frage zu stellen sucht. Mit einer scharfen Charakteristik der antisemitischen Richtung unserer Zeit schließt er mit einem versöhnlichen Ausblicke auf die Zukunft und auf den Fortschritt des Menschengeschlechtes, in dem er seiner Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß;ene Träger der Reaction sich auch in dieser Beziehung als ein Theil jener Kraft bewähren werden, welche „nur das Böse will, aber immer das Gute schafft". Besonders lehrreich und in vielfacher Beziehung amüsant war die Parallele, welche der Vortragende zwischen der Judengesetzgebung der beiden Monarchen zog, wobei die höhere Lichtgestalt Josef II. aufs Neue in ihrem vollen Glanze erschien. Manche Jrrthümer hinsichtlich der politischen Stellung Friedrichs II. zu den Juden und auch zu einzelnen hervorragenden „Hof- und Münzjuden", wie Feitel Ephraim,- Moses Mendelssohn und Andere berichtigte der Vortragende auf Grund eigener historischer Forschung. Bei aller Wärme und Sympathie, die Dr. Adolph Kohut hinsichtlich des noch vielfach unterdrückten jüdischen Volksstammes bekundete, hielt er sich von jeder Uebertreibung und Tendenzmacherei fern, indem er bestrebt war, Licht und Schatten