Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 9 (4.3.1898)
- Date
- 1898-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 Vr Bloch » WochrnschrM Seite 165 Lehrer-Ernennungen wurde eine große Zahl der dienstältesten Bewerber zu Gunsten bevorzugter, an Dieustjahren weit zurückstehender Lehrpersonen übergangen. Unter diesen befindet sich auch der Sohn des Gemeinderathes und Bezirksschulrathes G r e g o r i g, ein provisorischer Unterlehrer, der erst drei Dienstjahre zählte, während dreiunddreißig Bewerber zurückgestellt wurden, die eine Dienstzeit von 7—13 Jahren nachgewiesen hatten. Wie in der antisemitischen Partei kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, das haben wir aus den Enthüllungen des Landesausschusses Schöffel über den Abgeordneten für Mödling-Hietzing, Herrn Kern, ersehen. Als Obmann des Bezirksstraßen-Ausschusses baute Herr Kern die Straße von Hinterbrühl nach Marbach dem Fürsten Liechtenstein zuliebe und sackte hiefnr eine „Remuneration" von fl. 300 für sich und an fl. 200 für seinen Wegmeister ein. Er erhöhte sich eigenmächtig sein Pauschale, indem er die Rechnungen stets zu seinen Gunsten „corrigirte" und Allerlei verrechnete. Trotzdem sind die Straßen im Bezirke im schlechtesten Zustande. Der ehemalige Gemeinderath und Bezirksausschuß von Neulerchenfeld, Florian Kilian, hat auf dem Anslandsorte seiner Wohnung, Josefstädterstraße Nr. 53, durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende gemacht. Die That des Herrn Kilian hat in den westlichen Bezirken, wo er in Folge seiner geschäftlichen Verbindungen eine sehr bekannte Person war, das größte Aufsehen hervorgerufen und über das Motiv derselben zu den verschiedensten Gerüchten Anlaß gegeben- Herr Kilian, vor Einbeziehung der Vororte ein Anhänger der liberalen Partei, war seit Jahren ein eifriger Anhänger der antisemitischen Partei und spielte sich stets als Freund des kleinen Mannes und des Beamten auf. Ueberall gerirte er sich als „Bekämpfer der Corruption". Herr Kilian galt aber in Beamten- und Officierskreisen als ein unbarmherziger Wucherer, und es wird behauptet, daß er seinen großen Reichthum diesem Metier verdanke. Zahlreiche'Familien, besonders Beamtenfamilien, klagen über seine Unbarmherzigkeit. Es ist noch nicht lange her, daß sich folgende Scene in einem GaMause abspielte : Herr Kilian saß an einem Tische, als sich der vor Kurzem verstorbene Hauptmann K., der Schwager eines Fabrikanten in Neulerchenfeld, ihm näherte und bei seinem Anblick entrüstet ausrief: „Sie Blutsauger, Beamtenwucherer!" Herr Kilian wurde blaß, entgegnete aber kein Wort und verließ das Local. Herr Kilian war der Erste, welcher nach Einverleibung der Vororte der liberalen Partei den Rücken kehrte und sich mit wahrem Feuereifer der antisemitischen Partei anschloß. Ohne jemals einen eigentlichen gesellschaftlichen Beruf ausgefüllt zu haben, brachte der Verstorbene' es zu großem Reichthum. Das ist die Reinheit der Partei der „weißen Nelke". — Schmutzige Corruption an allen Ecken und Enden! Für die Reinigung dieser Hände wird das berühmte Strobach'sche Waschbecken nicht mehr ausreichen, dazu wird schon ein ganzes Wasserbassin nothwendig sein. Noch eine Adresse an Drnmont. Durch einen merkwürdig günstigen Zufall sind wir in den Besitz eines interessanten Concepts gelangt, das wir unseren Lesern keinesfalls vorenthalten dürfen. Es handelt sich da um noch eine französisch-wienerische Kundgebung in der Art der bereits bekannt gewordenen, welche offenbar nur an den Herausgeber der „Libre Parole", Monsieur Drumont in Paris, in Sachen Dreyfus-Zola gerichtet sein kann. Die Uebersetzung der schwieriger verständlichen Ausdrücke und Wendungen fügen wir bei. Einige Glossen waren beim besten Willen nicht zu unterdrücken. „Votre Hautbienne!" Offenbar—Euer Hochwohlgeboren. Das fängt ja gut an! Nous sommes les habitants des fonds entiers . . . Mit vieler Mühe und mit dem Aufwand des größten Scharfsinnes haben wir glücklich herausgebracht, daß damit die Bewohner der „enteren Gründe" gemeint sind ... Et nous avons 6t6 tout loins du grand succ^s colossal de la chose antisemitique. Wir waren ganz weg über den riesigen Erfolg der antisemitischen Sache. Das Französisch ist nicht ganz zimmerrein, aber doch noch viel besser als das der Vice-Bürger-- meister Strobach, Neumayer und der Madame Platter. Vous avec deja re$u denx lefctres de cachet. Sehr unglückliche Wendung, das! er meint natürlich versiegelte oder verschlossene Briefe. Als ob man derlei Huldigungen auf Correspondenzkarten schriebe! Einfach lächerlich! also: —lettres de cachetde nos deux Bourgmestresfarceurs. Jetzt übersetzt er gar wörtlich „Witze-Bürgermeister"— und das falsch! — schrecklicher Mensch. Et une adresse. Adresse heißt: Geschicklichkeit und es war doch eine große Ungeschicklichkeit. Wir sind wirklich ^begierig, was weiter kommt! Une adresse des Madarnes et Mademoiselles et des vierges Viennoises ariques, purs de raee antisemitiques, Cretins sociaux. Das hat er noch so ziemlich herausgebracht: weil die technischen Fachausdrücke den Leuten doch sehr geläufig sind. Aussi nous, la Gonfederation des Pelerins Viennois .. . Das hat uns wieder viel Kopfzerbrechen verursacht, herauszubringen, was das heißen mag. Aber für unsere Leser ist uns keine Mühe zu groß und wir haben es gern gethan. Es ist — die Genossenschaft der „Pülcher", der obligaten Burgmusikbegleiter gemeint, obgleich eine solche unseres Wissens gar nicht registrirt ist. Nous vous grattulons beaucoup de fois vous qui vous et es le Vergani de Paris et sans doute aussi Citoyen honoraire. Honorirter Bürger, anstatt Ehrenbürger. Recht nett. Beaueoup des Salut il vous laisse dire. II a grande Obligations pour vous. Es ist geradezu unglaublich, was der zusammenschreibt; wüßten wir nicht ganz sicher und auf untrügliche Merkmale gestützt, das Originalmanuscript des Entwurfes vor uns zu haben, wir würden glauben, ein mystificirendes Bordereau von der Hand des Esterhazy zu entziffern. Cet animal est donc condamne et cette Canaille restera sur l’ile des diables. Dieser Satz ist nicht einmal so übel ausgefallen. Allerdings nur wohl vertraute und bekannte Wendungen! Point de Revision! Nous n’aimons nonplus la revision, notablement quand nous dormons chez la femme de lit verte. — Wieder ein Stück Arbeit. Zur Entzifferung und Erklärung dieses merkwürdigen Schriftstückes ist nicht nur genaue Kenntniß des Französischen, sondern auch der Wiener Gaunersprache erforderlich. Ein freundlicher, antisemitischer College vom Deutschen Lügen- Moniteur erwies uns die besondere Liebenswürdigkeit, uns hiebei ein wenig behilflich zu sein, wofür wir ihm an dieser Stelle den wärmsten Dank ausdrücken. Bei der „grean Bettfrau" übernachten, heißt —im Freien schlafen. Jetzt ist die Phrase vollkommen verständlich. Notre Justice n’est pas eneore si large que la votre. — Pas si large — nicht so weit? sehr fein! Der Mann übersetzt viel zu wörtlich. Wenn ihn aber die Strobach- Neumayer zu ihrem französischm Stylisten delegirt hätten, wäre ihre Epistel doch noch halbwegs correct ausgefallen. Les generaux fran^ais sont des hommes de meurtre. Mordsmänner! Es wird immer besser! Et le Monsieur de President est aussi lui un homme de meurtre fameux. — Famoser Mordsmann! Et les 6crivains de la Calligraphie se connaissent. — Jedenfalls meint er: kennen sich aus! Tout ensemble magnifique! magnifiqueü Nous ferons un grand voyage a Paris, Exposition! — tonte